Mög­lich­kei­ten


Surrealistisch-fantastisches Bild mit symbolischem Charakter. Im Vordergrund liegt ein großes, helles Ei in einem Nest aus Stroh und Moos. Daneben ein steinartiger Kopf mit geschlossenem Gesicht und offenem, rissartigem Mund, aus dessen Hinterkopf ein übergroßer menschlicher Arm hervorwächst und sich nach rechts oben streckt. Links ist der Oberkörper eines nackten Mannes zu sehen, dessen nach hinten geneigter Kopf von flammenartig leuchtendem, goldenem Haar umgeben ist. Glühende Partikel schweben in der Luft. Im Hintergrund erscheinen mehrere menschliche Gesichter sowie eine leuchtende Erde oder ein erdähnlicher Planet vor dunkler, natur- und kosmosartiger Umgebung.

Das unge­nutz­te Poten­zi­al der Mensch­heit

Wir haben heu­te alle Mög­lich­kei­ten, die­sen Pla­ne­ten zu einem freund­li­chen und fried­lich Ort für abso­lut alle Men­schen zu machen. Statt­des­sen füh­ren wir immer noch Krie­ge, beu­ten ande­re Men­schen und Län­der aus und betrü­gen, über­vor­tei­len und berau­ben uns gegen­sei­tig.

Die­ses Ver­hal­ten defi­niert die Mensch­heit seit Jahr­tau­sen­den. Als räu­be­risch-krie­ge­ri­sche Spe­zi­es haben wir zwar seit Anbe­ginn der Zivi­li­sa­tio­nen die Welt mit räu­be­risch-krie­ge­ri­schen Mit­teln zu dem gemacht, was sie heu­te ist. Mag sein, dass wir die­sen Weg sogar gehen muss­ten, um uns wei­ter­ent­wi­ckeln zu kön­nen. Doch heu­te gibt es kei­ne Grün­de mehr, an den archai­schen Ent­wick­lungs­be­schleu­ni­gern Krieg, Aus­beu­tung, Skla­ve­rei, Über­vor­tei­lung etc. fest­zu­hal­ten. Wir haben inzwi­schen bes­se­re Mög­lich­kei­ten zur Gestal­tung des Welt­ge­sche­hens.

Das ani­ma­li­sche, rein reak­ti­ve oder blin­de Evo­lu­ti­ons­prin­zip – der Stär­ke­re domi­niert den Schwä­che­ren und bestimmt das Gesche­hen – hat sei­ne Sinn­haf­tig­keit und Wir­kungs­kraft nicht nur ver­lo­ren, son­dern ist heu­te auch schäd­lich. Denn nur weil jemand stär­ker ist, bedeu­tet das nicht, dass er auch wert­vol­ler für die Mensch­heit ist.

Das Zeit­al­ter der Erobe­run­gen ist vor­bei

Als es in der Welt noch uner­schlos­se­ne Gebie­te zu ent­de­cken und zu erobern gab, hat­te das räu­be­ri­sche Ent­wick­lungs­prin­zip aus evo­lu­tio­nä­rer Sicht mög­li­cher­wei­se eine gewis­se Rele­vanz. Die Poten­zia­le einer Kul­tur wur­den in die krea­ti­ven Kanä­le einer ande­ren umge­lei­tet.

Afri­ka ist heu­te arm, weil es über Jahr­hun­der­te hin­weg von euro­päi­schen Mäch­ten wie Spa­ni­en, Eng­land oder Por­tu­gal exzes­siv aus­ge­plün­dert und geschän­det wur­de. Boden­schät­ze, Arbeits­kräf­te und Kul­tur­gü­ter wur­den sys­te­ma­tisch ent­wen­det. Die­ses Vor­ge­hen war für Afri­ka eine Kata­stro­phe und hat den Kon­ti­nent bis heu­te schwer gezeich­net. Wer weiß, wie sich Afri­ka ent­wi­ckelt hät­te, wenn ihm all das nicht ange­tan wor­den wäre?

Für die Aus­plün­de­rer hin­ge­gen war es der Aus­gangs­punkt für einen kul­tu­rel­len und wirt­schaft­li­chen Auf­schwung, von dem die west­li­chen und mit­tel­eu­ro­päi­schen Län­der bis heu­te pro­fi­tie­ren. Die Reich­tü­mer und Arbeits­kräf­te aus Ame­ri­ka und Afri­ka haben den Wes­ten groß und stark gemacht.

Noch immer befin­den sich meh­re­re Zen­tau­send geraub­te afri­ka­ni­sche Kunst­ge­gen­stän­de in deut­schen Muse­en. Obwohl man sich bewusst ist, dass es sich dabei um gestoh­le­ne Arte­fak­te han­delt, ist man trotz­dem nicht bereit, die­se Kul­tur­gü­ter frei­wil­lig zurück­zu­ge­ben. Man war­tet auf einen Gerichts­be­schluss. Das ist beschä­mend.

Anmer­kung: Unter die­sem Gesichts­punkt wäre es nur gerecht, wenn die mit­tel­eu­ro­päi­schen und nord­ame­ri­ka­ni­schen Staa­ten mehr Ver­ständ­nis dafür auf­bräch­ten, dass Men­schen aus die­sen Regio­nen heu­te in Län­der emi­grie­ren, in denen mit den gestoh­le­nen Res­sour­cen ihrer Vor­fah­ren eine funk­tio­nie­ren­de Gesell­schaft und gute Infra­struk­tur auf­ge­baut wur­de.

Ehr­li­che und ernst gemein­te Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft ist nötig

Im 21. Jahr­hun­dert soll­te nicht län­ger der Kon­kur­renz­kampf zwi­schen den Natio­nen die Dyna­mik des Welt­ge­sche­hens bestim­men, son­dern der Grad ehr­li­cher und ernst gemein­ter Koope­ra­ti­on. Wir müs­sen auf­hö­ren, Alli­an­zen nur unter dem Gesichts­punkt des eige­nen Vor­teils ein­zu­ge­hen und Freund­schaf­ten aus­schließ­lich aus Kal­kül zu knüp­fen.

Donald Trump prä­sen­tier­te mit den Mot­tos „Ame­ri­ca First“ und „Make Ame­ri­ca Gre­at Again“ ver­meint­lich ein „neu­es“ Prin­zip. Tat­säch­lich hat­ten die USA schon immer nach die­ser Maxi­me gehan­delt – auch unter der Oba­ma-Regie­rung. In Wahr­heit ist die­se ego­is­ti­sche Hal­tung ein grund­le­gen­der Bestand­teil der inter­na­tio­na­len Poli­tik aller Staa­ten. Und Ame­ri­ka, also die USA, sind heu­te kein biss­chen weni­ger „gre­at“ als sie es seit der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts schon immer sind.

Zur­zeit sieht es aller­dings danach aus, dass Trump die­ses Land „klei­ner“ macht! Immer mehr Men­schen wol­len mit den USA nichts mehr zu tun haben – Tou­ris­ten blei­ben aus, weil sie Angst haben. Unter Trumps Füh­rung sind die USA auf dem Weg in eine Plu­to­kra­tie – einer Herr­schaft der Super­rei­chen.

Doch die Prä­mis­se „Das eige­ne Land zuerst – selbst auf Kos­ten ande­rer“ darf in Zukunft nicht mehr die Bedeu­tung haben, die sie heu­te noch besitzt. Statt­des­sen müs­sen wir ler­nen, uns sowohl als Indi­vi­du­en als auch als Natio­nen stär­ker und – vor allem – ehr­li­cher für die glo­ba­le Gesamt­si­tua­ti­on zu enga­gie­ren. Eine sol­che Ver­än­de­rung ist essen­zi­ell, damit sich die Welt in den nächs­ten 100 bis 200 Jah­ren schritt­wei­se dena­tio­na­li­siert – also erwach­sen wird.

Krieg und Aus­beu­tung sind unwür­dig für eine intel­li­gen­te Spe­zi­es

Ein ein­zi­ger gro­ßer Krieg könn­te heu­te die gesam­te Erd­ober­flä­che durch den Ein­satz von Atom­waf­fen zer­stö­ren und unbe­wohn­bar machen. Das bedeu­tet: Wenn wir wei­ter­hin Krie­ge füh­ren wol­len, dür­fen wir unse­re effek­tivs­ten Waf­fen nicht nut­zen. Die­ses Para­do­xon zeigt die Absur­di­tät moder­ner Kriegs­füh­rung.

Es ist zutiefst wider­sprüch­lich, dass wir Waf­fen ent­wi­ckeln und bau­en, deren Ein­satz wir uns letzt­lich nicht erlau­ben kön­nen. Das jahr­tau­sen­de­al­te Prin­zip der Domi­nanz des Stär­ke­ren hat sich damit über­lebt – es ist nicht mehr zeit­ge­mäß und oben­drein gefähr­lich. Wenn wir den­noch dar­an fest­hal­ten, liegt es dar­an, dass wir wei­ter­hin archai­schen Instink­ten fol­gen, die uns dazu drän­gen, unse­re Aggres­sio­nen in regel­mä­ßi­gen Abstän­den abzu­re­agie­ren.

Vie­le unse­rer sport­li­chen Groß­ereig­nis­se – ins­be­son­de­re Fuß­ball­spie­le – über­neh­men heu­te die­se Rol­le als Kriegs­er­satz. Man­che Fans inves­tie­ren emo­tio­nal so viel Ener­gie in den Aus­gang eines Spiels, als hin­ge davon ihr eige­nes Leben oder des­sen Sinn ab. Die­se lei­den­schaft­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­on erin­nert an den alten Drang, sich mit einer Grup­pe zu ver­bün­den und gegen eine ande­re zu kämp­fen – nur in siche­rem Rah­men. 1969 hat­te sogar die Fuß­ball-WM-Qua­li­fi­ka­ti­on einen kur­zen Krieg zwi­schen Hon­du­ras und El Sal­va­dor aus­ge­löst.


Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch auf dem viele Papiere verstreut liegen und überlegen verzweifelt, was sie tun sollen.

Moder­ne Zei­ten erfor­dern moder­nes Den­ken

Die Welt ist nicht mehr so wie vor tau­send Jah­ren. Als zukünf­ti­ge glo­ba­le Spe­zi­es soll­ten wir uns die­ser Rea­li­tät end­lich bewusst wer­den.

Alles, was eine freund­li­che, krea­ti­ve und fried­li­che Welt braucht, steht der Mensch­heit inzwi­schen zur Ver­fü­gung – ein­zig der Wil­le und die Ein­sicht feh­len uns noch. Es gibt nach wie vor aus­rei­chend frucht­ba­re Böden, reich­lich Trink­was­ser, Mine­ra­li­en, Erze und ande­re essen­zi­el­le Res­sour­cen. Auch an Platz für alle Men­schen man­gelt es nicht. Mit unse­rer moder­nen Tech­nik könn­ten wir all die­se Poten­zia­le nach­hal­tig nut­zen. Und wür­den wir dabei ver­ant­wor­tungs­voll han­deln – also nicht die Pro­fit­ma­xi­mie­rung als obers­tes Ziel set­zen –, könn­ten wir dies sogar ohne Zer­stö­rung der Natur tun.

Doch die Natur ist uns oft ein­fach nur egal. Als Arbei­ter und Ange­stell­te geht es uns pri­mär dar­um, einen Job zu haben – egal, wel­che Kon­se­quen­zen er hat. Unter­neh­mer und Inves­to­ren hin­ge­gen fokus­sie­ren sich fast aus­schließ­lich auf Pro­fit, wäh­rend alles ande­re in den Hin­ter­grund tritt. Die weni­gen Aus­nah­men sind zwar inspi­rie­rend, doch ihr Ein­fluss bleibt begrenzt.

Wir hät­ten die Mög­lich­keit

Alle Men­schen in allen Tei­len der Welt könn­ten heu­te mit allem ver­sorgt wer­den, was die­se in allen Berei­chen und Belan­gen ihres Lebens benö­ti­gen. Wir tun es also nicht des­we­gen nicht, weil wir es nicht könn­ten – wir wol­len es ein­fach nicht! Es ist uns egal, wie sehr die Welt lei­det und dass unser All­tags­wohl­stand oft auf der Aus­beu­tung armer Län­der basiert.

Die für unse­re Ener­gie­ge­win­nung wich­ti­gen Roh­stof­fe Erd­öl und Koh­le erzeu­gen inzwi­schen welt­weit enor­me Ver­schmut­zung. Des­halb sind sie als Ener­gie­trä­ger nicht mehr geeig­net. Auch hier gilt: Wenn wir wirk­lich woll­ten, könn­ten wir schon heu­te, im Zeit­al­ter des 21. Jahr­hun­derts, kom­plett dar­auf ver­zich­ten. Doch unser Ver­hal­ten scheint in der Ver­gan­gen­heit ste­hen­ge­blie­ben zu sein.

Und da wir dar­an gewöhnt sind, die Gesamt­si­tua­ti­on der Welt uns oben­drein mehr oder weni­ger egal ist und sich mit Koh­le und Öl immer noch gut Geld ver­die­nen lässt, hal­ten wir dar­an fest.

Künst­li­cher Nah­rungs­man­gel und Pro­fit­gier

Dass es trotz unse­res Über­flus­ses und unse­rer Mög­lich­kei­ten immer noch Län­der mit Nah­rungs­man­gel gibt, liegt nicht dar­an, dass die Mensch­heit zu wenig Nah­rung besitzt. Statt­des­sen sind Ver­schwen­dung, Ver­tei­lungs­pro­ble­me und Pro­fit­gier häu­fig die Haupt­ur­sa­chen. Macht­stre­ben und Miss­wirt­schaft spie­len eben­falls eine Rol­le.

Oft ist es aber ein­fach nur Gleich­gül­tig­keit. Das Leid frem­der Men­schen in fer­nen Regio­nen hat unse­ren All­tag bis­her kaum berührt. Doch das ändert sich zuneh­mend: Immer mehr Men­schen sehen sich gezwun­gen, ihre Hei­mat zu ver­las­sen, weil ein nor­ma­les Leben dort kaum noch mög­lich ist.

Die­ses Elend ist oft ein Neben­pro­dukt der Glo­ba­li­sie­rung. In ihrer Aus­ge­stal­tung han­deln wir als Indi­vi­du­en und Kol­lek­ti­ve häu­fig rück­sichts­los. Im Kern tun die west­li­chen Indus­trie­staa­ten und Kon­zer­ne heu­te nichts ande­res als das, was die Kon­quis­ta­do­ren im 16. und 17. Jahr­hun­dert oder spä­ter die Kolo­ni­al­mäch­te in Afri­ka taten – nur mit moder­nen Mit­teln: Sie neh­men sich, was sie wol­len, und igno­rie­ren die Kon­se­quen­zen für die aus­ge­plün­der­ten Regio­nen.


Von der moder­nen Gegen­warts­ge­sell­schaft über­for­dert


Bis noch vor ein paar Jahr­zehn­ten war es mehr oder weni­ger egal, wie man sich im Leben ver­hielt. Vom Ein­zel­nen wur­de nicht mehr ver­langt, als sich an die Geset­ze zu hal­ten. Tat man das, konn­te jeder sein Leben so leben, wie er woll­te, ohne sich um irgend­et­was beson­ders küm­mern zu müs­sen. Doch die­se Zei­ten sind vor­bei. Wir wer­den jetzt auf­ge­for­dert, uns für die Welt zu inter­es­sie­ren und uns für unse­re Umwelt ein­zu­set­zen.

Vie­len Leu­ten gefällt das jedoch nicht, denn das kos­tet Zeit, men­ta­le Ener­gie und oft auch etwas Geld. Es ver­dirbt uns den unre­flek­tier­ten Spaß am ober­fläch­li­chen Leben und Kon­su­mie­ren. Das stößt auf Ableh­nung, denn wir sind es nicht gewohnt, uns für etwas inter­es­sie­ren zu müs­sen, das uns eigent­lich egal ist. Aus die­sem Grund behaup­ten vie­le Men­schen, der Kli­ma­wan­del sei Quatsch oder eine Lüge.

Bestärkt wer­den sie in die­sem Glau­ben von Per­so­nen, die durch die Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels und der Umwelt­zer­stö­rung finan­zi­el­le Ein­bu­ßen zu erwar­ten haben. Mit der Bekämp­fung des Kli­ma­wan­dels lässt sich halt kein Geld ver­die­nen. Wäre es so, wür­den sie den Kli­ma­wan­del nicht leug­nen und sogar als Geschäfts­mo­dell begrü­ßen.

In ers­ter Linie sind das Mana­ger, Lob­by­is­ten und Ver­tre­ter der Fos­si­li­en ver­ar­bei­ten­den Indus­trie. Außer­dem Ver­tre­ter der Eisen‑, Stahl‑, Zement‑, Kalk und Che­mie­in­dus­trie, also Kon­zer­ne, die damit Geld ver­die­nen.

Die­se Per­so­nen oder Grup­pie­run­gen sug­ge­rie­ren den im vor­he­ri­gen Abschnitt skiz­zier­ten, von der moder­nen Gegen­warts­ge­sell­schaft über­for­der­ten „Nor­mal­bür­gern“, es gäbe kei­nen men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del und das gan­ze „Gere­de“ von der Umwelt­ver­schmut­zung sei über­trie­ben. Sie erzäh­len die­sen Leu­ten also das, was sie hören wol­len, und nut­zen dabei geschickt deren Res­sen­ti­ments gegen­über der moder­nen, zukunfts­ori­en­tier­ten Gesell­schaft aus.

Doch selbst wenn der Kli­ma­wan­del nicht men­schen­ge­macht sein soll­te, bleibt es sinn­voll, ihn trotz­dem zu bekämp­fen. Andern­falls wäre es, als wür­de man sagen: „Ich habe mein Haus nicht ange­steckt, also lösche ich das Feu­er auch nicht.“ Doch das wäre absurd und wider­sin­nig.

Kei­ne Lust auf Ver­än­de­rung

War­um gelingt es uns nicht, all­ge­mein freund­lich, fried­lich und ver­ant­wor­tungs­voll durchs Leben zu gehen? Wes­halb ist es in einer im Prin­zip auf­ge­klär­ten und moder­nen Welt so schwie­rig, als Welt­ge­mein­schaft eine freund­li­che, krea­ti­ve, fai­re und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Gesell­schaft anzu­stre­ben? Oft­mals wird eine sol­che Vor­stel­lung sogar als gefähr­lich, unrea­lis­tisch oder – in man­chen Fäl­len – als lang­wei­lig abge­tan.

Viel­leicht ahnen wir intui­tiv, dass Ver­än­de­rung von uns ver­lan­gen wür­de, lieb gewon­ne­ne Gewohn­hei­ten auf­zu­ge­ben. Wir müss­ten uns für Neu­es und Frem­des öff­nen, unse­ren geis­ti­gen Hori­zont erwei­tern und uns mit uns selbst aus­ein­an­der­set­zen. Doch das ist anstren­gend und macht kei­nen Spaß – und genau des­halb haben wir kei­ne Lust dar­auf.

Die­se „Ist mir doch egal“- oder „nach mir die Sintflut“-Mentalität, müs­sen wir uns abge­wöh­nen, denn wir kön­nen sie uns als Gesell­schaft nicht mehr leis­ten. Das ist es, was wir als Welt­ge­mein­schaft unbe­dingt ver­ste­hen müs­sen..

Schum­meln ist erlaubt

Das Über­vor­tei­len, Mani­pu­lie­ren und Aus­trick­sen von Kon­kur­ren­ten gilt in unse­rer Welt als legi­ti­mes Mit­tel.

Die Wer­bung in den Medi­en führt uns das ein­drucks­voll vor Augen: Jeder weiß, dass die dort gemach­ten Ver­spre­chun­gen oft unrea­lis­tisch sind. Eben­so ist klar oder zumin­dest nahe­lie­gend, dass die pro­mi­nen­ten Gesich­ter, die ein Pro­dukt anprei­sen, die­ses selbst wahr­schein­lich gar nicht kau­fen oder benut­zen wür­den.

Trotz­dem akzep­tie­ren wir die­sen Umstand. Es wird von uns erwar­tet, mün­dig genug zu sein, um zwi­schen Wahr­heit und Über­trei­bung zu unter­schei­den. Wer dazu nicht fähig ist, hat eben Pech gehabt.

Auch abseits der Wer­bung ist es nicht anders. Schum­meln, Trick­sen und gele­gent­lich sogar Betrü­gen wer­den still­schwei­gend tole­riert – solan­ge man es nicht über­treibt oder sich dabei nicht direkt erwi­schen lässt. Und je offe­ner und frei­er ein Sys­tem ist, des­to leich­ter lässt es sich natür­lich miss­brau­chen. Das ist der Nach­teil aller offe­nen und frei­en Gesell­schafts­for­men.


Der gro­ße Sün­den­bock: Das fal­sche Sys­tems


Gäbe es ein Gesell­schafts­sys­tem, das ein fried­li­ches und krea­ti­ves Zusam­men­le­ben aller Men­schen auf lan­ge Sicht garan­tiert oder erzwingt, hät­te es sich schon längst im Lau­fe der Mensch­heits­ge­schich­te in irgend­ei­nem Teil der Welt her­aus­ge­bil­det und von dort aus in der gan­zen Welt ver­brei­tet. Denn das, was am bes­ten funk­tio­niert, setzt sich letzt­end­lich auch durch.

Wir den­ken oft, dass die Unge­rech­tig­kei­ten in einer Gesell­schaft am „fal­schen Sys­tem“ lie­gen. Doch ich behaup­te: Ein Sys­tem, das unse­re grund­le­gen­den Pro­ble­me für uns löst – uns sozu­sa­gen die Arbeit abnimmt –, wird es wahr­schein­lich nie geben. Gäbe es ein sol­ches, wür­den wir es längst ken­nen. Natür­lich gibt es bes­se­re und schlech­te­re Sys­te­me, viel­leicht sogar gute, aber selbst die schlech­tes­ten sind nicht der Haupt­grund für den schreck­li­chen Gesamt­zu­stand einer Gesell­schaft.

In Wahr­heit sind wir es, die die Welt zu dem machen, was sie ist. Es ist unser unrei­fes Bewusst­sein und unser wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten in so vie­len Berei­chen des Lebens, das die Pro­ble­me ver­ur­sacht.

Die­se Web­sei­te möch­te genau das auf­zei­gen. Dabei unter­schei­de ich nicht zwi­schen dir, mir, uns oder „den ande­ren“. Wir müs­sen end­lich erken­nen: Es gibt kei­ne ande­ren. Es gibt nur uns.

Wir, wir und noch­mals wir

Das, was wir als „Ande­re“ oder „Frem­de“ bezeich­nen, sind in Wirk­lich­keit nichts ande­res als Pro­jek­ti­ons­flä­chen. Auf sie laden wir unse­re unge­lieb­ten Eigen­schaf­ten, Pro­ble­me, Ängs­te und see­li­schen Defi­zi­te ab – all das, was wir an uns selbst, bewusst oder unbe­wusst, nicht mögen.

Auf die­se Wei­se schaf­fen wir uns Sün­den­bö­cke – ob spe­zi­fisch oder all­ge­mein. Man könn­te sie auch „Ersatz­ver­ant­wort­li­che“ nen­nen. Denn anstatt uns mit uns selbst, unse­ren Pro­ble­men, unse­ren Inkon­se­quen­zen und Unzu­läng­lich­kei­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen, suchen wir ande­re, denen wir die Schuld für das geben, was wir in Wirk­lich­keit selbst ver­ur­sa­chen.

Die­se Web­site dreht sich des­halb aus­schließ­lich um uns – die Spe­zi­es, die auf die­sem Pla­ne­ten das allei­ni­ge Sagen hat und damit auch die Ver­ant­wor­tung für alles trägt, was in der Welt geschieht.