Außer­ir­di­sche

Außer­ir­di­sche


Die Wahr­schein­lich­keit für die Ent­wick­lung von Leben auf ande­ren Pla­ne­ten im Uni­ver­sum ist sehr hoch, denn das Uni­ver­sum besitzt eine mons­trö­se Grö­ße. Kaum jemand bezwei­felt heut­zu­ta­ge noch die­se Mög­lich­keit.

Die Fra­gen lau­ten des­halb:

Wie häu­fig geschieht das?
Gibt es Leben in jeder Gala­xie?
Ist Leben im Uni­ver­sum die Regel oder eher die Aus­nah­me?

Wir wis­sen es nicht, da wir kei­ne empi­ri­schen Daten besit­zen, die uns hel­fen, die­se Fra­gen zu beant­wor­ten.

Wir kön­nen nur Ver­mu­tun­gen anstel­len und spe­ku­lie­ren: Viel­leicht ist unser Son­nen­sys­tem das ein­zi­ge in der Milch­stra­ße mit Leben, viel­leicht nicht. Sind es ein paar, Dut­zen­de, Hun­der­te oder sogar Tau­sen­de? Auch hier kön­nen wir nur spe­ku­lie­ren. Viel­leicht ist Leben im Uni­ver­sum aber ein äußerst sel­te­nes Phä­no­men und die aller­meis­ten Gala­xi­en sind unbe­lebt. Auch das wäre theo­re­tisch mög­lich. Dass aller­dings die Erde der ein­zi­ge Pla­net mit Leben im gesam­ten Uni­ver­sum ist, ist außer­ge­wöhn­lich unwahr­schein­lich. Kaum noch jemand glaubt das.

Beleb­te Pla­ne­ten: häu­fig oder sel­ten?

Nach heu­ti­gem Wis­sens­stand gibt es rund 200 Mil­li­ar­den Son­nen in der Milch­stra­ße. Die meis­ten davon besit­zen wahr­schein­lich Pla­ne­ten. Und nach neus­ter Schät­zung beher­bergt das Uni­ver­sum etwa 1 Bil­li­on Gala­xi­en, von denen die meis­ten eben­falls Hun­der­te Mil­li­ar­den Son­nen­sys­te­me inklu­si­ve Pla­ne­ten haben. Das sind 200 Tril­li­ar­den Son­nen­sys­te­me oder mehr. Dass es allein in einem ein­zi­gen die­ser Sys­te­me Leben gibt, ist daher kaum vor­stell­bar. Folg­lich lau­tet die Fra­ge nicht, OB es außer­ir­di­sches Leben gibt, son­dern wie oft das vor­kommt.

Natür­lich kann nie­mand die­se Fra­ge wirk­lich beant­wor­ten, wir kön­nen nur ver­su­chen, die­sen Wert abzu­schät­zen. Es ist eine Spe­ku­la­ti­on zur Befrie­di­gung unse­rer Neu­gier und unse­res Spiel­triebs. Für die­sen Zweck habe ich eine ein­fa­che “Über­schlags­rech­nung” ent­wi­ckelt. Sie berück­sich­tigt nur die Daten, die wir tat­säch­lich haben — und das ist so gut wie nichts.

Eine gro­be Über­schlags­rech­nung

1. Wir wis­sen defi­ni­tiv, dass sich auf min­des­tens einem Pla­ne­ten in unse­rer Gala­xie Leben ent­wi­ckelt hat (eben der Erde).

2. Es gibt kei­nen ver­nünf­ti­gen Grund zu der Annah­me, dass das, was in die­ser Gala­xie mög­lich ist, in ande­ren nicht mög­lich ist.

3. Daher kön­nen wir anneh­men, in jeder ande­ren Gala­xie gibt es auch min­des­tens einen Pla­ne­ten, auf dem sich Leben ent­wi­ckelt hat oder noch ent­wi­ckeln wird.

4. Wenn wir wol­len, kön­nen wir die­sen einen Pla­ne­ten pro Gala­xie als Durch­schnitts­wert ver­ste­hen.

5. Das heißt, es wird Gala­xi­en geben, in denen es kei­nen ein­zi­gen beleb­ten Pla­ne­ten gibt, und ande­re mit meh­re­ren oder sogar rela­tiv vie­len.

6. Nach aktu­el­ler Schät­zung gibt es im Uni­ver­sum etwa 1 Bil­li­on Gala­xi­en. Dem­nach gibt es 1 Bil­li­on Pla­ne­ten im Uni­ver­sum, auf denen sich – irgend­wann im Lau­fe ihrer Exis­tenz – Leben ent­wi­ckeln wird oder bereits ent­wi­ckelt hat. Die Beto­nung liegt auf: irgend­wann, und das bedeu­tet: die aller­meis­ten nicht zur sel­ben Zeit wie auf der Erde.



Natür­lich könn­te die­se Annah­me völ­lig falsch sein. Viel­leicht ist der Durch­schnitts­wert pro Gala­xie 10, 100 oder auch unter 1. Wenn wir ihn ver­än­dern erhal­ten wir ande­re Ergeb­nis­se.

1 Bil­li­on beleb­te Pla­ne­ten im Uni­ver­sum ist nach die­ser Über­schlags­rech­nung das Mini­mum, von dem wir aus­ge­hen dür­fen. Die­se Bil­li­on bezieht sich jedoch auf den gesam­ten Exis­tenz­zeit­raum des Uni­ver­sums. Unter Berück­sich­ti­gung des Zeit­fens­ters redu­ziert sich die­ser Wert enorm. Ich habe kei­ne Ahnung, um wel­chen Fak­tor, des­halb schät­ze ich: 1 Mil­li­ar­de. Das ergä­be dann 1000 intel­li­gen­te Spe­zi­es, die in die­sem Augen­blick das gesam­te Uni­ver­sum bevöl­kern. Doch das ist rei­ne Spe­ku­la­ti­on, nicht mehr als ein Spiel!

Aller­dings bie­tet die­se Metho­de einen Ansatz. Abhän­gig vom Durch­schnitts­wert und dem Zeit­fens­ter-Fak­tor erge­ben sich ande­re Wer­te.
 
Dass es irgend­wo im Uni­ver­sum noch ande­re intel­li­gen­te Lebe­we­sen gibt, bezwei­felt wie gesagt heut­zu­ta­ge kaum noch jemand. Selbst vie­le hohe reli­giö­se Füh­rer haben mit die­ser Vor­stel­lung kein Pro­blem mehr. Ob es die­ses Leben in einem nahen oder fer­nen Son­nen­sys­tem gibt, wis­sen wir hin­ge­gen nicht.


Ali­ens in unse­rer Nach­bar­schaft

Im Uni­ver­sum gibt es wahr­schein­lich eine Hand­voll intel­li­gen­te Spe­zi­es, die den höchst­mög­li­chen denk­ba­ren tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lungs­stand erreicht haben.

Die­se Wesen haben das Uni­ver­sum wahr­schein­lich schon kom­plett erforscht und kön­nen in „Echt­zeit“ durch das Welt­all rei­sen. Um Tau­sen­de oder Mil­lio­nen von Licht­jah­ren zu über­brü­cken, benö­ti­gen sie nur Tage oder Wochen. Wenn sie woll­ten, könn­ten sie auf der Erde sein, um uns zu beob­ach­ten und zu beein­flus­sen, theo­re­tisch auch zum Nega­ti­ven. Doch wir soll­ten uns drin­gend fra­gen: War­um soll­ten die­se Wesen das tun, war­um soll­te eine Super­spe­zi­es mit Gott­sta­tus sich ver­hal­ten wie eine pri­mi­ti­ve Spe­zi­es — bei­spiels­wei­se die unse­re? Das ergä­be kei­nen Sinn.
 
Eine nebelartige oder wolkenähnliche Struktur im Weltall.Die Wahr­schein­lich­keit für die Ent­wick­lung intel­li­gen­ten Lebens vor bereits Mil­li­ar­den Jah­ren in direk­ter Nach­bar­schaft zur Erde (viel­leicht in einem Radi­us von 100 Licht­jah­ren, was bei einem durchschnitt­lichen Abstand zwi­schen den Son­nen von ca. 6 Licht­jah­ren etwa 4000 Son­nen ent­spricht), ist sehr viel höher als die Wahr­schein­lich­keit, dass sich intel­li­gen­tes Leben in unse­rer Nach­bar­schaft zum unge­fähr glei­chen Zeit­punkt wie auf der Erde ent­wi­ckelt hat.
 
Der Grund: Die Son­nen­sys­te­me, in denen sich irgend­wann im Lau­fe ihres Daseins Leben ent­wi­ckelt hat oder noch ent­wi­ckeln wird, wer­den ört­lich und zeit­lich nur sehr sel­ten gehäuft auf­tre­ten. Nur sehr sel­ten wird es Regio­nen geben, in denen im Zeit­raum von bei­spiels­wei­se einer Mil­lio­nen Jah­ren in meh­re­ren benach­bar­ten Son­nen­sys­te­men (1.) Leben ent­stan­den ist, das sich (2.) mit glei­cher Geschwin­dig­keit ent­wi­ckelt und (3.) zur unge­fäh­ren glei­chen Zeit auf der Höhe des­sen ist, was wir eine Zivil­ge­sell­schaft nen­nen. Soll­te unser Son­nen­sys­tem sich also tat­säch­lich in einer dicht besie­del­ten Regi­on befin­den, müss­te die SETI-For­schung dies frü­her oder spä­ter auch bestä­ti­gen, denn die Ver­fah­ren zur Ana­ly­se der Atmo­sphä­re extra­ter­res­tri­scher Pla­ne­ten ent­wi­ckeln sich schnell wei­ter.

Bis­her sieht es jedoch nicht danach aus, als hät­te die Mensch­heit einen kos­mi­schen Nach­barn. Wenn es also in unse­rer Regi­on des Welt­alls ande­re Son­nen­sys­te­me gibt, in denen sich eben­falls intel­li­gen­tes Leben ent­wi­ckelt hat, befin­det es sich ent­we­der noch in sei­ner prä­his­to­ri­schen Epo­che oder hat bereits eine inter­stel­la­re Stu­fe erreicht, sodass wir für sie unin­ter­es­sant sind. In bei­den Fäl­len geht für die Erde kei­ne Gefahr aus.

Gefahr vor Außer­ir­di­schen

Nur eine Spe­zi­es, die auf der selbst Ent­wick­lungs­stu­fe steht wie wir, könn­te theo­re­tisch eine Gefahr für die Mensch­heit sein. Doch dafür bräuch­ten die­se Ali­ens den über­licht­schnel­len Raum­schif­f­an­trieb. Den gibt es jedoch erst ab der inter­stel­la­ren Stu­fe.

Oft wird die Befürch­tung geäu­ßert, von den außer­ir­di­schen Besu­chern (falls es sie gibt) gehe eine Gefahr aus. Nicht nur bestimm­te Frak­tio­nen der UFO-Gläu­bi­gen den­ken so, selbst eini­ge Wis­sen­schaft­ler, wie der inzwi­schen ver­stor­be­ne welt­be­rühm­te Phy­si­ker Ste­phen Haw­king, tun das. Ste­phen Haw­king war sicher­lich ein bril­lan­ter Phy­si­ker, doch das scheint ihn nicht davor bewahrt zu haben, mit­un­ter Unsinn zu reden. Viel­leicht hat­te er zu vie­le schlech­te Sci­ence-Fic­tion-Fil­me gese­hen — wer weiß. Sei­ne Mei­nung beweist: Selbst hoch­in­tel­li­gen­te Men­schen geben manch­mal dum­me, unre­flek­tier­te Gedan­ken von sich. Man befürch­tet wohl, die Außer­ir­di­schen könn­ten so sein wie wir! Wie kommt es dazu, dass so vie­le Men­schen den­ken, die­se hypo­the­ti­schen Wesen könn­ten eine Gefahr dar­stel­len? Die Ant­wort ist ein­fach:

Seit Jahr­tau­sen­den über­fal­len wir uns gegen­sei­tig, rau­ben uns aus, brin­gen ande­re Men­schen um oder ver­skla­ven sie. Schon immer neh­men wir uns das vom ande­ren was wir brau­chen, oder glau­ben zu brau­chen. Es ist uns egal, dass die Men­schen, die wir aus­rau­ben oder ver­skla­ven lei­den, da ihr Leid nicht unse­res ist. Seit Jahr­tau­sen­den leben vie­le von uns nach dem Mot­to: „Der Stär­ke hat recht, der Stär­ke und Rück­sichts­lo­se­re über­lebt, denn alles, wor­um geht, ist sich zu behaup­ten.“ Und die­ses Mot­to über­tra­gen wir kur­zer­hand auf das gesam­te Uni­ver­sum.

Die Außer­ir­di­schen nach unse­rem Vor­bild

War­um glau­ben so vie­le Men­schen, die Außer­ir­di­schen könn­ten gefähr­lich sein? Ant­wort: Weil wir (die 194 Natio­nen der Erde) eine stän­di­ge gegen­sei­ti­ge, poten­zi­el­le Gefahr für­ein­an­der sind, unter­stel­len wir den Außer­ir­di­schen kur­zer­hand das glei­che krie­ge­ri­sche Gemüt. Wir machen es uns ein­fach und ver­mei­den die Aus­ein­an­der­set­zung mit unse­rer eige­nen Destruk­ti­vi­tät, indem wir die irdi­sche Situa­ti­on auf das Welt­all über­tra­gen. Denn wenn Krieg, Aus­beu­tung, Skla­ve­rei etc. uni­ver­sel­le Prin­zi­pi­en sind, müs­sen wir uns nicht ändern – es wäre sogar dumm das zu tun. Indem wir das Uni­ver­sum zu einem Kriegs­schau­platz erklä­ren, nor­ma­li­sie­ren wir unse­ren Hang zur Gewalt und Krieg. Die Außer­ir­di­schen haben krie­ge­risch und hin­ter­lis­tig zu sein, weil wir es sind und blei­ben wol­len.
 
Gesicht einer Frau, mit falschen Farben stark  verfremdet. In den Star Trek Fil­men hat die Mensch­heit ihre Pro­ble­me über­wun­den. Krie­ge und Hun­gers­nö­te gibt es auf der Erde nicht mehr, die Mensch­heit lebt in Har­mo­nie und Frie­den und ent­fal­tet ihr krea­ti­ves Poten­zi­al. Gleich­zei­tig wim­melt es in der Milch­stra­ße nur so von krie­ge­ri­schen Spe­zi­es (die mys­te­riö­ser­wei­se alle auf dem glei­chen tech­no­lo­gi­schen Stand sind), die nichts wei­ter im Sinn haben, als ande­re Wel­ten zu erobern, zu ver­nich­ten oder zu ver­skla­ven. Die Situa­ti­on ist ver­gleich­bar mit unse­rem Mit­tel­al­ter. Doch in unse­ren Sci­ence-Fic­tion-Fil­men sind unse­re Geg­ner nicht mehr ande­re Natio­nen oder Län­der der Erde, son­dern ande­re Spe­zi­es in der Milch­stra­ße. Das ist eigent­lich schon der gan­ze Unter­schied.

Selbst in die­ser fried­li­chen und krea­ti­ven Welt wol­len wir auf krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen nicht ver­zich­ten — wir haben sie nur nach außen, in den Welt­raum ver­la­gert.

In vie­len Sci­ence-Fic­tion-Fil­men sind die Außer­ir­di­schen krie­ge­risch, räu­be­risch, betrü­ge­risch, wir hin­ge­gen die Guten und Ehr­li­chen, die ethisch und mora­lisch Über­le­ge­nen. Klin­go­nen leben nur für den Krieg, Car­dars­sia­ner sind hin­ter­lis­tig, ver­lo­gen und fol­tern gern ihre Gefan­ge­nen in Anwe­sen­heit ihrer Kin­der, Feren­gis sind gie­rig und den­ken nur an den Pro­fit und die Vidii­aner wei­den ande­re intel­li­gen­te Spe­zi­es bei leben­di­gem Lei­be aus, weil sie Orga­ne brau­chen. Das sind nur ein paar der bekann­tes­ten Bei­spie­le von Ali­ens aus der “Star-Trek-Welt”.

Im Film „Als die Erde Still­stand“ ver­herr­li­chen wir den tyran­nisch-faschis­toi­den Cha­rak­ter der dort auf­tre­ten­den Außer­ir­di­schen. Die­se recht­fer­ti­gen einen glo­ba­len Geno­zid mit einer faden­schei­ni­gen höhe­ren Moral. Real tun sie jedoch nichts ande­res als das, was sie der Mensch­heit vor­wer­fen. Die­ser Wider­spruch fällt uns kaum auf.

Doch wenn es tat­säch­lich außer­ir­di­sche Besu­cher gibt, brau­chen wir nicht fürch­ten, sie könn­ten so übel drauf sein wie wir. Die­se Wesen hät­ten bereits das über­wun­den und über­lebt, was wir noch vor uns haben. Es ist natür­lich spe­ku­la­tiv, aber es gibt berech­tig­te Grün­de zu der Annah­me, dass die­se Wesen mora­lisch und ethisch extrem höher ent­wi­ckel­ter sind als wir.

Inter­ga­lak­ti­sche Aus­beu­ter und Skla­ven­hal­ter

Wir erschaf­fen nicht nur unse­re Göt­ter nach unse­rem Vor­bild, son­dern auch unse­re Außer­ir­di­schen.

Unse­re pro­ji­zier­ten Göt­ter sind straf­fend, beloh­nend, des­po­tisch und gewalt­tä­tig, weil wir es sind. Wären wir größ­ten­teils fried­li­che und freund­li­che Lebe­we­sen, wären es auch unse­re Göt­ter. Und die Außer­ir­di­schen in unse­ren Fil­men und Roma­nen sind aus den glei­chen Grün­den gewalt­tä­tig und tyran­nisch.
 
Ein roter Planet schwebt im Weltall, über ihm ein bläulich-weißer Nebel.Es gibt die The­se, bei den Außer­ir­di­schen hät­ten wir den Sta­tus von Tie­ren, denn sie stän­den in ihrer Ent­wick­lung so weit über uns, wie wir über den Tie­ren. Und weil wir Tie­re als Ver­suchs­ob­jek­te benut­zen, täten sie das­sel­be mit uns. Doch die­ser Ver­gleich ist aus zwei Grün­den nicht halt­bar.

Ers­tens: Soll­ten die­se Wesen tat­säch­lich so weit ent­wi­ckelt sein, ver­hiel­ten sie sich nie­mals wie wir. Es wäre wider­sprüch­lich, denn ein hoch ent­wi­ckel­tes Lebe­we­sen ver­hält sich nicht wie ein nied­rig ent­wi­ckel­tes.

Zwei­tens: Es gibt noch ein paar indi­ge­ne Völ­ker auf der Erde, die von unse­rer Zivi­li­sa­ti­on abge­schnit­ten und im Ver­gleich mit uns ziem­lich pri­mi­tiv sind. Sie leben noch wie in der Stein­zeit, und unse­re Tech­nik muss auf sie wie Magie oder Zau­be­rei wir­ken. Trotz­dem sind die­se Men­schen genau­so lern­fä­hig wie wir. Wür­den wir eines ihrer Kin­der auf eine unse­rer Schu­len schi­cken, könn­te es genau­so leicht oder schwer ler­nen wie jedes ande­re Kind. Mit Tie­ren gin­ge das nicht.

Ähn­lich wür­de es einem Men­schen­kind erge­hen, könn­ten wir es auf einer Schu­le der Außer­ir­di­schen schi­cken. Es wäre wahr­schein­lich eben­so lern­fä­hig, wie ein Ali­en-Kind. Der Grund ist: Men­schen sind kei­ne Tie­re! Denn der Unter­schied zwi­schen Mensch und Tier ist grund­sätz­lich, der zwi­schen uns und den hoch ent­wi­ckel­ten Außer­ir­di­schen jedoch nur rela­tiv.

Wenn ein Stein­zeit­mensch fähig ist, moder­ne Mathe­ma­tik und Natur­wis­sen­schaf­ten zu ver­ste­hen, ver­steht auch ein moder­ner Mensch die Phy­sik der Außer­ir­di­schen. Und des­we­gen wären wir für sie nie­mals so etwas wie Tie­re. Außer­dem kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass die Außer­ir­di­schen selbst Tie­re nicht als Ver­suchs­ob­jek­te benut­zen. Denn auch hier soll­ten wir uns fra­gen: War­um soll­ten sie das tun? Etwa, weil für uns Tier­ver­su­che nor­mal sind?

Auf der Suche nach Boden­schät­zen

Manch­mal hören wir von der Mut­ma­ßung, die Außer­ir­di­schen kom­men zur Erde, weil sie Boden­schät­zen suchen, zum Bei­spiel Metal­le wie Gold. Auch die­se Vor­stel­lung ist albern! Die Erde ist mit Sicher­heit nicht der ein­zi­ge Pla­net in der Milch­stra­ße, auf dem es Boden­schät­ze und Res­sour­cen jeg­li­cher Art gibt. Wahr­schein­lich besit­zen vie­le Pla­ne­ten mit fes­ter Ober­flä­che ande­rer Son­nen­sys­te­me diver­se Metal­le. Zusätz­lich gibt es jede Men­ge Aste­roi­den, die eben­falls Mine­ra­li­en und Erze ent­hal­ten dürf­ten. Soll­ten also irgend­wel­che Ali­ens tat­säch­lich danach suchen, täten sie das nicht auf der Erde. Einen Aste­roi­den abzu­bau­en oder einen unbe­wohn­ten Pla­ne­ten aus­zu­beu­ten ist tau­send mal ein­fa­cher, als heim­lich die Bevöl­ke­rung eines gan­zen Pla­ne­ten zu mani­pu­lie­ren, nur um die Boden­schät­ze zu steh­len. Das wür­de sehr viel län­ger dau­ern und auch sehr viel mehr kos­ten.

Auch hier über­tra­gen wir unse­re eige­nen nega­ti­ven Eigen­schaf­ten auf die hypo­the­ti­schen außer­ir­di­schen Besu­cher: Wir beu­ten ande­re Län­der und Völ­ker aus, daher tun sie es eben­falls. Das ist eine ziem­lich dum­me Asso­zia­ti­on und zeugt von unse­rer beschränk­ten Vor­stel­lungs­kraft.


Moral und Ethik der Ali­ens

Manch­mal lesen oder hören wir, es gäbe kei­ne Wei­ter­ent­wick­lung der mensch­li­chen Ethik und Moral, sie wäre Ein­bil­dung oder Wunsch­den­ken. Wir wür­den immer Raub­tie­re blei­ben, denn das Leben wäre ein ewi­ger Über­le­bens­kampf. Wer das Gegen­teil behaup­tet, wird als naiv oder “Gut­mensch” bezeich­net oder beschimpft.

Ent­wick­lungs­skep­ti­ker argu­men­tie­ren viel­leicht so: Es gibt kei­nen Grund zu der Annah­me, die Mensch­heit könn­te sich im Lau­fe der kom­men­den Jahr­hun­der­te und Jahr­tau­sen­de ethisch grund­le­gend wei­ter­ent­wi­ckeln. Das hat sie wäh­rend der letz­ten 2000 Jah­re auch nicht oder nur unwe­sent­lich getan. Des­we­gen wird es in den nächs­ten Jahr­tau­sen­den nicht anders sein. Glei­ches kann dann von den Außer­ir­di­schen ange­nom­men wer­den.

Doch wenn man die die Ent­wick­lung der Mensch­heit mit der eines ein­zel­nen Men­schen ver­gleicht, ist die­se pes­si­mis­ti­sche Betrach­tungs­wei­se vor­ei­lig. Men­schen durch­lau­fen in ihrer Ent­wick­lung meh­re­re Sta­di­en: Säug­ling, Klein­kind, Kind, Jugend­li­cher, Erwach­se­ner und Greis. In jeder die­ser ein­zel­nen Pha­sen weist ein Mensch ein bestimm­tes Ver­hal­ten auf, einen bestimm­ten Grad der Rei­fe. Als Jugend­li­che ver­hal­ten wir uns oft unreif, manch­mal aus Über­mut, manch­mal aus Unwis­sen­heit oder aus Dumm­heit. In der Erwach­se­nen­pha­se tun wir das meis­tens nicht mehr, denn wir haben uns wei­ter­ent­wi­ckelt, wir haben dazu­ge­lernt. Die­se Wei­ter­ent­wick­lung geschieht mehr oder weni­ger auto­ma­tisch, sie ist kei­ne bewuss­te Anstren­gung. Sie ist wie ein im Hin­ter­grund ablau­fen­des Pro­gramm, auf das wir kei­nen oder nur wenig Ein­fluss haben.

Beim ein­zel­nen Men­schen ist die­se Ent­wick­lung zwar nicht garan­tiert. Man­che Men­schen (viel­leicht sogar vie­le) zei­gen im Erwach­se­nen­al­ter ein ähn­li­ches unrei­fes Ver­hal­ten, wie in ihrer Jugend. Bei der Mensch­heit hin­ge­gen wird es in der Sum­me eine Ent­wick­lung zur höhe­ren Rei­fe geben, denn alles, was wächst, ent­wi­ckelt sich wei­ter, es reift aus.

Und die Mensch­heit kann als Orga­nis­mus ver­stan­den wer­den. Sie durch­lief in ihrer Ent­wick­lung nach­weis­lich Sta­di­en, die man mit der indi­vi­du­el­len Ent­wick­lung ver­glei­chen kann:

Die letz­ten bei­den Pha­sen (Erwach­se­ner und Greis) sind natür­lich spe­ku­la­tiv, sie las­sen sich aus den vor­an­ge­gan­ge­nen jedoch ablei­ten. Die Tabel­le könn­te viel­leicht etwas aus­dif­fe­ren­zier­ter sein, doch dar­auf kommt es nicht an. Sie ist bloß ein gro­ber Ent­wurf und skiz­ziert das Fort­schrei­ten der mensch­li­chen Ent­wick­lung nur.

Ent­wi­ckelt die Mensch­heit sich also nor­mal wei­ter, wer­den wir uns in ein paar Tau­send Jah­ren nicht mehr bekämp­fen, aus­rau­ben, ver­skla­ven, aus­beu­ten und betrü­gen.

Davon kön­nen wir ablei­ten, dass die mög­li­chen Außer­ir­di­schen, die gegen­wär­tig in ihrer Ent­wick­lung bereits dort sind, wo die Mensch­heit erst in fer­ner Zukunft sein wird, nicht mehr so drauf sind, wie wir heu­te.


Zeit­li­che Distan­zen zwi­schen den Wel­ten

Intel­li­gen­tes Leben in ver­schie­de­nen Son­nen­sys­te­men die­ser Gala­xie muss sich nicht zwangs­läu­fig begeg­nen.

Ein Sternenhimmel, im Vordergrund ein PlanetWahr­schein­lich wird es zeit­lich sehr weit aus­ein­an­der­lie­gen. Auf eini­gen Pla­ne­ten könn­te es sich schon vor Mil­li­ar­den Jah­ren ent­wi­ckelt haben, auf ande­ren könn­te es erst in ein paar Mil­li­ar­den Jah­ren gesche­hen. Die Wahr­schein­lich­keit für die Ent­wick­lung von Leben in zwei Son­nen­sys­te­men in naher Ent­fer­nung zuein­an­der und zur glei­chen Zeit ist jedoch sehr gering. Wir kön­nen es zwar nicht aus­schlie­ßen, aber es ist unwahr­schein­lich (außer es gibt unbe­kann­te Fak­to­ren, die ein sol­ches Sze­na­rio begüns­ti­gen). Sol­che Fak­to­ren könn­ten es natür­lich geben, doch wir haben kei­ne Anhalts­punk­te, die eine sol­che Annah­me stüt­zen.

Frem­des intel­li­gen­tes Leben, im glei­chen Zeit­raum und in rela­ti­ver Nähe zu unse­rem Son­nen­sys­tem, ist des­halb ziem­lich unwahr­schein­lich. Selbst wenn uns die­se Spe­zi­es in ihrer Ent­wick­lung nur um eine ein­zi­ge Mil­li­on Jahr vor­aus wäre, (was aus astro­no­mi­scher Sicht »gleich­zei­tig« bedeu­tet), wäre der Abstand immer noch viel zu groß, als dass wir mit ihnen oder sie mit uns kom­mu­ni­zie­ren könn­ten. Denn wir dür­fen eins nicht ver­ges­sen:

Eine Zivi­li­sa­ti­on, die vor einer gan­zen Mil­li­on Jah­re in ihrer Ent­wick­lung schon dort war, wo die Mensch­heit erst heu­te ist, ist kei­ne Zivi­li­sa­ti­on mehr. Sie ist etwas ganz ande­res und kann von uns nicht ver­stan­den wer­den.

Unse­re Zivi­li­sa­ti­on ent­wi­ckel­te sich in 10000 Jah­ren von der Stein­zeit­ge­sell­schaft zur moder­nen Gesell­schaft. In ein paar wei­te­ren tau­send Jah­ren (vor­aus­ge­setzt, es kommt nichts dazwi­schen) wird uns unse­re heu­ti­ge moder­ne Zivi­li­sa­ti­on jedoch so pri­mi­tiv erschei­nen, wie das Mit­tel­al­ter für uns heu­te. Aber in einer Mil­li­on Jah­ren (immer vor­aus­ge­setzt, es gibt uns dann noch) wer­den wir nichts mehr mit dem gemein­sam haben, was wir heu­te sind. Davon kön­nen wir aus­ge­hen, denn war­um soll­te unse­re Wei­ter­ent­wick­lung plötz­lich stop­pen oder nur noch so lang­sam vor­an­schrei­ten, wie bei­spiels­wei­se in der frü­hen Prä­his­to­rik, als wir noch Hun­dert­tau­sen­de Jah­re benö­ti­gen, um auch nur eine etwas bes­se­re Stein­klin­ge zu ent­wi­ckeln?

Des­halb kann gesagt wer­den:

Wenn es in unse­rer Regi­on der Milch­stra­ße ande­res intel­li­gen­tes Leben geben soll­te, hat es höchst­wahr­schein­lich nichts mit dem zu tun, was wir dar­un­ter ver­ste­hen.

Das wür­de bei­spiels­wei­se bedeu­ten, die­se Wesen kämen nicht hier­her zur Erde, um Men­schen zu ent­füh­ren und mit ihnen irgend­wel­che Expe­ri­men­te anzu­stel­len. War­um soll­ten sie das tun? Etwa, weil wir es täten, hät­ten wir die Mög­lich­keit dazu?

Die­se Über­le­gun­gen berück­sich­ti­gen nicht die Fra­ge, wie die Distan­zen zwi­schen den Wel­ten über­wun­den wer­den könn­ten. Ob mit “kon­ven­tio­nel­lem über­licht­schnel­len” Antrieb (den es nach heu­ti­gem Wis­sens­stand nicht geben kann), dem der Sci­ence-Fic­tion ent­sprun­ge­nen Warp-Antrieb oder der Zuhil­fe­nah­me hypo­the­ti­scher Wurm­lö­cher, ist unwe­sent­lich. Das wäre eine Spe­ku­la­ti­on zu viel.


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