Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Rhe­to­rik


Miss­brauch des Aus­drucks Fak­ten

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker bezeich­nen ihre Behaup­tun­gen manch­mal als Alter­na­ti­ven, was ihre Theo­ri­en dis­kus­si­ons­fä­hig machen soll. Wer sich mit den Bewei­sen und Fak­ten beschäf­tigt, wür­de ziem­lich schnell deren Rich­tig­keit erken­nen – sagen sie. Gelingt einem das nicht, kann man in den als Fak­ten bezeich­ne­ten Behaup­tun­gen also kei­ne Bewei­se fin­den, wird man jedoch schnell als igno­rant, dis­kus­si­ons­un­wil­lig oder gehirn­ge­wa­schen abge­tan.

Ihre “Argu­men­te” bestehen über­wie­gend aus Behaup­tun­gen, die sie aller­dings nie erklä­ren oder begrün­den. For­dert man sie dazu auf, wer­den sie oft unge­hal­ten und ihr Ton­fall wird zuneh­mend aggres­si­ver. Des­halb besteht die Ver­mu­tung: Ihre aggres­si­ve Rhe­to­rik (nicht sel­ten bestehend aus Beschimp­fun­gen und Belei­di­gun­gen) soll eine ech­te Argu­men­ta­ti­on erset­zen. Beson­ders gern zitie­ren sie auch den soge­nann­ten „gesun­den Men­schen­ver­stand“, den sie ihrer Mei­nung nach besit­zen.

Mit dem gesun­den Men­schen­ver­stand argu­men­tie­ren wir oft und gern, wenn wir unse­re Mei­nung oder unse­ren Glau­ben nicht plau­si­bel begrün­den kön­nen oder wol­len. Er ist eine ein­fa­che, anspruchs­lo­se Tech­nik, mit der wir uns gegen Kri­tik und Zwei­fel immu­ni­sie­ren. Mit »gesund« mei­nen wir ein natür­li­ches Gespür für das, was rich­tig und falsch ist. Dabei gehen wir nie ins Detail, erklä­ren also nicht, war­um wir der Mei­nung sind, die­ses Gespür zu besit­zen. Unser selbst­in­di­zier­ter gesun­der Men­schen­ver­stand macht aus unse­rer Sicht eine Über­prü­fung über­flüs­sig! Doch wenn es eins gibt, was ein gesun­der Ver­stand weiß (falls es ihn denn gibt), dann, dass man ihn nie­mals als Argu­ment ein­set­zen soll­te, wenn man ernst genom­men wer­den will. Tut man es trotz­dem, besitzt man ihn wahr­schein­lich nicht.

Vor­ge­täusch­te Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft

Ver­schwö­rungs­auf­de­ckern geht es nicht wirk­lich um Dis­kus­sio­nen über ihre Ide­en. Ihre for­mel­le Dis­kus­si­ons­be­reit­schaft ist ein Art Trick, mit dem sie haupt­säch­lich sich selbst über den fik­ti­ven Cha­rak­ter ihrer Ide­en hin­weg­täu­schen, Ide­en, die oft nur extrem alber­ne Infan­ti­li­tä­ten sind – sie­he bei­spiels­wei­se die Hohl­welt- oder Schei­ben­welt­theo­rie.

Wirk­li­che Dis­kus­sio­nen fin­den nie­mals statt, weil die­se uner­wünscht sind. Wer in Inter­net­fo­ren oder Blogs ver­sucht, mit Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern ins Gespräch zu kom­men und ernst­haf­te Fra­gen stellt, wird schnell als Troll oder Stö­ren­fried beschimpft. Denn alles, wor­um es Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern geht, ist die Bestä­ti­gung ihrer Res­sen­ti­ments gegen­über der Gesell­schaft und dem sozia­len Leben. Sie kon­su­mie­ren haupt­säch­lich Doku­men­te (schrift­li­cher, fil­mi­scher oder foto­tech­ni­scher Art), die das zum Inhalt haben, was sie bereits den­ken, glau­ben oder glau­ben wol­len. Die­se Doku­men­te wer­den dann kur­zer­hand und unge­prüft als Fak­ten bezeich­net. Ver­ein­facht for­mu­liert, funk­tio­niert die ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Logik in etwa so:

Es steht geschrie­ben,
es gefällt mir, weil es mich bestä­tigt,
also ist es wahr.


DIE VERSCHWÖRER