Destruktivität

Destruktivität


Kaputt machen ist einfach

Etwas zu zerstören ist um ein Vielfaches einfacher, als etwas zu erschaffen. Wir benötigen dazu meistens keine besonderen Fähigkeiten.

Um ein Haus zu bauen, brauchen wir viel Geld, Zeit und das nötige handwerkliche Können. Um es niederzubrennen, ein Feuerzeug, ein paar Liter Benzin und fünf Minuten Zeit. Ersteres können nur wenige Leute, Letzteres kann jeder, vielleicht sogar ein Kleinkind. Einen Menschen zur Welt zu bringen, ist noch viel aufwendiger, als ein Haus zu bauen. Die Schwangerschaft dauert neun Monate und ist ein beschwerlicher Prozess. Die Geburt ist anstrengend und nicht ungefährlich. Anschließend müssen die Eltern sich etwa ein Jahr lang, mehr oder weniger Tag und Nacht, um das Neugeborene kümmern. In den darauf folgenden paar Jahren ist der Zeitaufwand geringer, jedoch immer noch hoch. Erst ab dem vierten oder fünften Lebensjahr könnte das Kind theoretisch eigenständig überleben – wenn die Umstände äußerst günstig wären! Allerdings würde es dann schrecklich verwahrlosen. Bis es wirklich halbwegs eigenständig lebensfähig ist, vergehen noch etwa zehn Jahre, in denen die Eltern ihr Kind in jeder nötigen Hinsicht unterstützen. Normalerweise investieren Eltern insgesamt 18 Jahre oder mehr in das Leben ihres Kindes, bis es als junger Erwachsener das Elternhaus verlassen kann. Zerstören kann man dieses Leben und die darin enthalten Schöpfungsenergie der Eltern jedoch in einer einzigen destruktiven Sekunde.
 

Die Kunst der Unbegabten

Destruktivität ist die billigste und unkreativste Art des Handelns. Sie setzt in den meisten Fällen keine besonderen Fähigkeiten voraus. Dinge, die mit viel Aufwand, Zeit und Energie entstanden, können in einem einzigen Moment zunichtegemacht werden. Deswegen ist Destruktivität die Kunst der Unbegabten.

 
Häuser, Gebäude, Mauern, die zusammengestürzt sind oder es gerade tun.Wer sich profilieren will, jedoch keine schöpferischen Fähigkeiten besitzt, kann Dinge oder Menschen zerstören. Damit kann man auf sich aufmerksam machen, auch ohne etwas zu wissen oder zu können. Unter Destruktivität kann alles verstanden werden, was in irgendeiner Weise negativ auf die Menschen und Gesellschaften einwirkt. Wenn etwas dem Zusammenleben und dem Frieden der Menschen in den Gesellschaften schadet, ist es destruktiv. In erster Linie Gewalttaten, die sich gegen Menschen richten, aber auch andere kriminelle Handlungen, wie Diebstahl, Einbruch oder Betrug, sobald diese ein bestimmtes Maß überschreiten.

Zu den destruktiven Verhaltensweisen zählen keine Bagatellfälle, wie beispielsweise Falschparken, Ladendiebstahl, Schwarzfahren, Ehebruch oder das Lügen. Selbst der Selbstmord nicht, denn irgendwo muss eine Grenze gezogen werden zwischen unkorrektem und destruktivem Verhalten. Das destruktive Verhalten hat negativen Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung, das unkorrekte behindert sie im schlimmsten Fall nur.

Es muss auch zwischen privater und öffentlicher Destruktivität unterschieden werden. Verhält sich eine Person gegenüber ihren eigenen Interessen gleichgültig, ist das zwar schade aber trotzdem legitim. Jemand, der sich ungesund ernährt, zu viel raucht, zu viel Drogen konsumiert, sein Geld verschwendet oder sich sonst irgendwie selbst schadet, hat auch das Recht dazu. Verbietet man einem Menschen, sich unvernünftig zu verhalten, geht das über die Fürsorgepflicht des Staates hinaus. Diese Einschränkung besitzt jedoch Grenzen. Wer für einen anderen sorgen muss (beispielsweise einem Kind), besitzt nicht das Recht, sein eigenes Leben verwahrlosen zu lassen. Er muss in der Lage sein, dem Kind ein funktionierendes Elternhaus zu bieten, denn darauf hat es ein Recht. Gefährdet oder beeinträchtigt jemand durch seine Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Leben (wissentlich oder nicht) das Leben anderer, darf ihm das nicht erlaubt sein.
Die Freiheit zur Destruktivität des Einzelnen endet dort, wo das Leben anderer einen Schaden nimmt. Niemand hat das Recht, sein eigenes Unglück auf andere zu übertragen.