Die Corona-Pandemie

Grundrechte und Grundpflichten

Alle reden von ihren Grund­rech­ten, doch nie­mand inter­es­siert sich für sei­ne Grundpflich­ten.

Vie­le der Leu­te, die gegen die Coro­na-Maß­nah­men pro­tes­tie­ren, kla­gen laut­hals und aggres­siv ihre Grund­rech­te eine, ihre Grund­pflich­ten inter­es­sie­ren sie jedoch nicht. Grund­rech­te und Grund­pflich­ten gibt es jedoch nur im Paket, sie bedin­gen sich gegen­sei­tig. Das heißt: Es gibt kei­ne Grund­rech­te ohne Grund­pflich­ten und umge­kehrt. Man “erwirbt” sich sein Recht auf sei­ne Grund­rech­te, indem man sei­ne Grund­pflich­ten aner­kennt. Das soll­te eigent­lich selbst­ver­ständ­lich sein.

Es ist wie bei der Mit­glied­schaft in einem Ver­ein: Mit dem Mit­glieds­bei­trag erwirbt man sich die Rech­te und Pri­vi­le­gi­en, die man als Ver­eins­mit­glied hat. Wer sei­ne Grund­pflich­ten also ablehnt (was Coro­na-Leug­ner tun), ent­zieht sei­nen Grund­rech­ten im Prin­zip die Exis­tenz­ba­sis. Es wäre das Glei­che, als wür­de jemand sagen: Ich will kein Ver­eins­mit­glied sein, erwar­te aber, dass man mich so behan­delt, als wäre ich es. Doch das ist absurd.

Coro­na-Leug­nern (natür­lich auch Reichs­bür­ger, Neo-Nazis bzw. Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen ganz all­ge­mein) ist die­ser Wider­spruch egal. Sie alle wol­len nur etwas haben, for­dern Rech­te und Pri­vi­le­gi­en ein ohne etwas dafür geben zu wol­len, selbst wenn es nur Klei­nig­kei­ten sind — bei­spiels­wei­se Respekt für die­se Gesellschaft. 

Unzufriedenheit und Lebensfrust

Man­che Men­schen nutz­ten die Coro­na-Pan­de­mie pro­gramm­ge­mäß, um aggres­siv gegen den Staat und die Regie­rung mot­zen zu kön­nen. Der Grund für die­sen Trieb ist ihre all­ge­mei­nen Unzu­frie­den­heit mit ihrem All­tags­le­ben.

Eigent­lich müss­te sich ihr Zorn gegen sich selbst rich­ten, denn wir leben in einer kapi­ta­lis­ti­schen Ell­bo­gen­ge­sell­schaft, in der nur der etwas erreicht, der aus­dau­ernd mit Tricks und Fan­ta­sie ambi­tio­niert sein Ziel ver­folgt. Da sie die­se Ener­gie zur Selbst­ver­wirk­li­chung nicht besit­zen oder nicht auf­brin­gen wol­len, nut­zen sie die Coro­na-Pan­de­mie als per­sön­li­chen Frust­ab­bau auf Kos­ten der Gesell­schaft. Das Mas­ken­tra­gen und die Kon­takt­sper­re sind eher vor­ge­scho­be­ne Grün­de.

Es ist zwar eine Spe­ku­la­ti­on, doch ich wür­de mich nicht wun­dern, wenn die­se Leu­te auch dann aggres­siv pro­tes­tie­ren wür­den, hät­te die Regie­rung kei­ne Mas­ken­pflicht, Kon­takt­sper­re und Lock­down ange­ord­net. Dann gäbe es jetzt (April 2021) in Deutsch­land viel­leicht 500 Tau­send Coro­na-Tote und genau das wür­den sie der Regie­rung dann vor­wer­fen.

Und für pas­sio­nier­te Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen ist die­se Kri­se natür­lich ein gefun­de­nes Fressen.

Grundpflichten

Eine unse­rer Grund­pflich­ten ist es, die Grund­rech­te unse­re Mit­men­schen zu respek­tie­ren. Wer auf sei­ne Grund­rech­te pocht, gleich­zei­tig aber ande­ren die glei­chen Rech­te abspricht (bei­spiels­wei­se das Recht auf eine ande­re Mei­nung), dem geht es in Wirk­lich­keit gar nicht um Grund­rech­te und Mei­nungs­frei­heit. Man will sich im Den­ken ledig­lich nicht ändern, sich mit der Mei­nung ande­rer (aber auch der eige­nen) nicht befas­sen, um Erkennt­nis­se über sich selbst zu ver­mei­den.

Coro­na-Leug­ner und Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen ver­dan­ken die­sem Staat Frei­hei­ten und Pri­vi­le­gi­en, die sie in vie­len ande­ren Län­dern nie­mals hät­ten. Trotz­dem gehen sie auf die Bar­ri­ka­den, nur weil man von ihnen in einer Kri­se ver­langt, für eine bestimm­te Zeit ihr Ver­hal­ten in der Öffent­lich­keit zu ändern. Sie emp­fin­den es als Zumu­tung, etwas für die Gesell­schaft tun zu sol­len, wenn die­se ein­mal in Bedräng­nis ist.

Außer etwas Rück­sicht und Soli­da­ri­tät erwar­tet man von uns als Nor­mal­bür­ger in der Coro­na-Pan­de­mie nichts. Eigent­lich soll­ten die­se Leu­te sich freu­en, in Deutsch­land leben zu dür­fen. Wir sind hier alle pri­vi­le­giert und leben wie die sprich­wört­li­chen Maden im Speck. So ein gro­ßes Glück besit­zen nur weni­ge Men­schen in der Welt.

Freiheitsrechte

Wir alle haben ein Recht auf unse­re Grund­rech­te, obwohl wir sie uns nicht durch irgend­ein Tun ver­dient haben. Sie sind ein Geschenk.

Und die Coro­na-Leug­ner (wie alle ande­ren auch, die nicht min­des­tens 80 Jah­re alt sind) haben selbst nie etwas dafür getan, dass es die­se Rech­te und Frei­hei­ten gibt, die ihnen ein solch beque­mes Leben ermög­li­chen.

Jeder kann sein Leben in Deutsch­land so gestal­ten, wie er möch­te. Wer das abstrei­tet, lügt ent­we­der oder ist geis­tig nicht zurech­nungs­fä­hig. Wir alle sind Nutz­nie­ßer die­ser frei­en und offe­nen Gesell­schafts­form und schöp­fen das ab, was ande­re Men­schen (von denen die aller­meis­ten längst tot sind) vor lan­ger Zeit erkämpft haben. Selbst Staatsfein­de (Links- und Rechts­ex­tre­mis­ten) haben in Deutsch­land die glei­chen Frei­heits­rech­te wie Staatsfreun­de.

Und wer kei­ne Lust zum Arbei­ten hat, fin­det hier auch Wege, sich dar­um zu drü­cken, und bekommt trotz­dem genug Geld für sei­ne Woh­nungs­mie­te und zum Leben vom Staat geschenkt. Was will man mehr? Ein gei­le­res Land als Deutsch­land wird man so schnell nicht finden.

Querdenker

Coro­na-Leug­ner, die sich Quer­den­ker nen­nen, ver­kau­fen alten Wein in alten Schläu­chen, wäh­rend sie es als das Neus­te vom Neus­ten anprei­sen. Ihre Art des Den­kens ist stark ego­zen­trisch und rein line­ar: Es inter­es­siert sie nur das, was eine unmit­tel­ba­re Bedeu­tung für ihre per­sön­li­che All­tags­be­frie­di­gung hat — alles ande­re wird igno­riert.

Quer­den­ken erzeugt immer neue Gedan­ken und unge­wöhn­li­che Asso­zia­tio­nen. Doch alles, was Coro­na-Quer­den­ker von sich geben, sind uralte Kamel­len: „Anders­den­ken­de sind schuld, das Sys­tem ist unge­recht, die Regie­rung ist kor­rupt und ver­lo­gen, es gibt kei­ne Mei­nungs­frei­heit und Demo­kra­tie mehr usw. All das sind die übli­chen Res­sen­ti­ments gegen­über der frei­en, offe­nen und moder­nen Gesell­schaft. Sie wer­den haupt­säch­lich von Men­schen gepflegt, die eine sol­che Gesell­schaft nicht mögen, weil sie von Offen­heit und Frei­heit über­for­dert sind. Denn die­se ver­langt vom ein­zel­nen Bür­ger krea­ti­ve und fan­ta­sie­vol­le Eigen­ver­ant­wort­lich­keit im Den­ken und Handeln.

Missbrauch des Ausdrucks Querdenker

Irgend­wo haben Coro­na-Leug­ner den Aus­druck Quer­den­ker auf­ge­schnappt und miss­brau­chen ihn jetzt, um gegen die­se Gesell­schaft zu schimp­fen, da sie kei­nen ent­spann­ten Platz in ihr fin­den kön­nen.

Doch kei­ner der selbst ernann­ten Quer­den­ker inter­es­siert sich für den Pro­zess des Den­kens selbst. “Quer­den­ken” soll­te immer ein kri­ti­scher Vor­gang sein, der unter ande­rem auch die eige­ne Mei­nung hin­ter­fragt. Doch das tun die Coro­na-Quer­den­ker nie­mals. Weil es ihnen gefällt, plap­pern sie das nach, was sie gele­sen oder gehört haben — das ist das genaue Gegen­teil von Quer­den­ken.

Wenn man glaubt, dass etwas quer­ge­dacht ist, obwohl es sich nur um abge­dro­sche­ne Phra­sen han­delt, zeugt das vom Des­in­ter­es­se am Quer­den­ken selbst bzw. dass man gar nicht weiß, was damit gemeint ist. Hier eine Stel­lung­nah­me von wirk­li­chen Quer­den­kern: https://querdenker.one/statement/

Der gesund Menschenverstand

Coro­na-Leug­ner spre­chen gern vom gesun­den Men­schen­ver­stand. Des­halb soll­ten sie sich fra­gen, wie es mög­lich sein kann, bei der Coro­na-Fra­ge der glei­chen Mei­nung zu sein, wie Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen und Neonazis.

Sie demons­trie­ren Sei­te an Sei­te mit Men­schen, die glau­ben, außer­ir­di­sche Ech­sen­we­sen (Rep­ti­lo­iden) regie­ren die Welt, es eine jüdi­sche Welt­ver­schwö­rung gibt, es kei­nen Holo­caust gab, die Erde eine Schei­be oder auch hohl sein könn­te, die Bevöl­ke­rung sys­te­ma­tisch von der Regie­rung ver­gif­tet wird (Chem­trails) und Demo­kra­ten pädo­phi­le Sata­nis­ten sind, die das Blut von Klein­kin­dern trinken.

Wer einen “gesun­den Men­schen­ver­stand” besitzt, der weiß, dass jemand, der all das glaubt, nichts ande­res als ein Spin­ner und Idi­ot sein kann. Denn nichts davon kann in der Welt beob­ach­tet oder ablei­tet wer­den — weder direkt noch indi­rekt.

Den Coro­na-Leug­nern, die nicht aus der Reichs­bür­ger-Neo­na­zi-Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen-Sze­ne kom­men, ist das wahr­schein­lich auch bewusst, doch selt­sa­mer­wei­se stört es sie nicht, gemein­sam mit die­sen Leu­ten für eine Sache zu demons­trie­ren.

Sie hal­ten die­se Leu­te (wahr­schein­lich) für Spin­ner, bei der Coro­na-Fra­ge spre­chen sie ihnen jedoch einen gesun­den Men­schen­ver­stand zu? Wie passt das zusam­men? Soll­te es einen gesun­den Mensch­ver­stand geben, dann wür­de er bei jedem, der ihn besitzt, an die­ser Stel­le sofort die Alarm­si­re­nen auf­heu­len las­sen.

Außer­dem: Wer sei­nen (selbst attes­tier­ten) gesun­den Men­schen­ver­stand als Argu­ment in die Dis­kus­si­ons­run­de wirft, beweist damit nur, dass er ihn nicht hat. Denn der wür­de genau das verbieten.

Meinungsdiktatur

Coro­na-Leug­ner behaup­ten auch, in Deutsch­land gäbe es kei­ne Mei­nungs­frei­heit mehr und statt­des­sen eine Mei­nungs­dik­ta­tur. Man wür­de sie dar­an hin­dern, das aus­zu­spre­chen, was sie den­ken.

Doch beob­ach­ten kann man das in die­sem Land nicht. Stän­dig und über­all schrei­en sie ihre Mei­nung laut­hals her­aus, und abso­lut nie­mand ver­sucht es ihnen zu ver­bie­ten. Über­all im Fern­se­hen und im Inter­net sieht und hört man das. Kein ein­zi­ger Fall ist bekannt, in dem jeman­dem ver­bo­ten wur­de, das aus­zu­spre­chen, was er denkt. Die Behaup­tung, man dür­fe in Deutsch­land nicht mehr das aus­spre­chen, was man denkt, ist daher eine Lüge.

Wer aller­dings ande­re übelst belei­digt, ver­un­glimpft oder ver­bal bedroht, muss in einem Rechts­staat damit rech­nen, zurecht­ge­wie­sen zu wer­den. Das ist kei­ne Ein­schrän­kung der Mei­nungs­frei­heit, son­dern nur ein Appell, zivi­li­siert und sach­lich zu argumentieren.

Keinen Bock auf Gegenrede

In Wirk­lich­keit gefällt es den Mei­nungs­di­ka­tur-Theo­re­ti­kern ein­fach nicht, dass man ihnen wider­spricht. Macht jemand sie dar­auf auf­merk­sam, das ihre Behaup­tun­gen nicht stim­men, da man nichts davon in der Welt beob­ach­ten kann, schüch­tern sie die­se Leu­te mit ver­ba­ler Gewalt ein. Wenn also in die­sem Land jemand ande­ren sei­ne Mei­nung ver­bie­ten will, sind sie es selbst.

Anstatt die Kri­ti­ker ihrer Behaup­tun­gen mit­tels Argu­men­te zu über­zeu­gen, beschimp­fen, belei­di­gen und bedro­hen sie die­se nur. Das ist nicht nur bil­lig, anti-demo­kra­tisch und unso­zi­al — es zeigt auch, an einem Mei­nungs­aus­tausch sind sie gar nicht inter­es­siert.

Unter die­sen Umstän­den ist es sehr ver­ständ­lich, dass viel Men­schen ihnen aus dem Weg gehen. Denn wer steht schon ger­ne Leu­ten gegen­über, von denen man ange­pö­belt und bedroht wird, sobald man etwas sagt, was die­se nicht hören wollen?

Die Maske

Die Mas­ke ist ledig­lich eine von meh­re­ren Vor­sichts­maß­nah­me. Sie redu­ziert die Mög­lich­keit, als Virus­trä­ger oder Trä­ge­rin ande­re anzu­ste­cken. Nor­ma­ler­wei­se schleu­dert man beim Spre­chen, Hüs­teln oder Räus­pern immer ein paar win­zi­ge Spei­chel­trop­fen aus, selbst wenn man es nicht merkt. Und da nie­mand mit Sicher­heit weiß, dass er kein Virus­trä­ger ist, ver­rin­gert man durch das Tra­gen der Mas­ke die theo­re­ti­sche Wahr­schein­lich­keit, ande­re damit anzu­ste­cken.

Erst in zwei­ter Linie schützt uns die Mas­ke selbst vor dem Virus. Wer­den wir bespuckt, dann kann die­ser Spei­chel nicht mit unse­ren Lip­pen oder unse­rem Mund in Berüh­rung kom­men und direkt in unse­ren Kör­per ein­drin­gen. Wir kön­nen uns dann nur noch über Umwe­ge anste­cken.

Die Behaup­tung, das Virus könn­te — weil es so win­zig ist — durch die Zwi­schen­räu­me im Gewe­be der Mas­ke hin­durch­schlüp­fen, stimmt so nicht. Die Viren befin­den sich haupt­säch­lich in der Spei­chel­flüs­sig­keit (unge­bun­de­ne Viren kom­men so gut wie nie vor), und selbst die kleins­ten Tröpf­chen sind immer noch viel zu groß, als das sie durch die Zwi­schen­räu­me im Gewe­be hin­durch­pas­sen. Man muss schon stark nie­sen oder Hus­ten, damit das pas­siert.

Nur Viren, die sich in der aus­ge­at­me­ten Luft befin­den, kön­nen das Mas­ken­ge­we­be durch­drin­gen oder an den Rän­dern ent­wei­chen. Nor­ma­ler­wei­se befin­den sich in der Atem­luft jedoch kaum Viren.
Das ist nur bei den soge­nann­ten Super­sprea­dern der Fall. Deren Atem­luft ist so stark mit Viren ange­rei­chert, dass auch das Tra­gen einer Atem­mas­ke kei­nen Schutz bietet.

Fehler und unterschiedliche Wahrnehmung

Über das Grip­pe­vi­rus wis­sen wir so gut wie alles — über das Coro­na­vi­rus hin­ge­gen fast gar nichts. Des­halb ist es ver­nünf­tig, mit die­sem neu­en Virus vor­sich­tig umzu­ge­hen: Zwar ist Covid-19 haupt­säch­lich für Men­schen mit einem geschwäch­ten Immun­sys­tem eine töd­li­che Gefahr, doch das muss nicht so blei­ben, denn es könn­te mutie­ren — was inzwi­schen auch schon pas­siert.

Dass bei dem Manage­ment der Coro­na-Kri­se Feh­ler gemacht wur­den, war vor­aus­seh­bar, denn wir besit­zen kei­ne Erfah­rung im Umgang mit einer Pan­de­mie. Eini­ge der Maß­nah­men sind mehr oder weni­ger unsin­nig (bei­spiels­wei­se die Aus­gangs­sper­re), ande­re wer­den nicht umge­setzt (bei­spiels­wei­se Luft­rei­ni­gungs­an­la­gen in allen Kas­sen­zim­mern aller Schu­len in Deutsch­land).

Die Regie­rung stand unter Zug­zwang und auf­grund des Zeit­drucks und der all­ge­mei­nen Hek­tik war es schwer, aus­ge­wo­ge­ne und opti­ma­le Rege­lun­gen zu fin­den. Das kann man nie­man­dem ver­übeln, denn unse­re Poli­ti­ker sind kei­ne Fach­män­ner im Umgang mit Kri­sen.

Es gibt noch einen zusätz­li­chen Aspekt, der nicht unwich­tig ist: Die büro­kra­ti­sche Ver­krus­tung der Behör­den und Ämter in Deutsch­land ist hoch. Das macht schnel­le Ent­schei­dun­gen so gut wie unmög­lich.
Für wich­ti­ge Maß­nah­men, die in ande­ren Län­dern inner­halb weni­ger Tage (also mehr oder weni­ger sofort) umge­setzt wer­den, brau­chen wir in Deutsch­land Wochen, weil alles bis ins kleins­te Detail aus­dis­ku­tiert wer­den muss. Das Ergeb­nis sind dann oft halb­her­zi­ge Kom­pro­mis­se, die nie­man­den rich­tig zufriedenstellen.

Betroffene und Nicht-Betroffene

Natür­lich sind wir alle unter­schied­lich stark von den Coro­na-Vor­sichts­maß­nah­men betrof­fen — man­che Leu­te so gut wie gar nicht, ande­re hin­ge­gen stark oder sogar sehr stark. Wer sei­ne Woh­nung eher sel­ten ver­lässt, auch kei­ne Sport­ver­an­stal­tun­gen besucht, kei­ne Ver­eins­tä­tig­kei­ten hat oder sich sel­ten mit sei­nen Freun­den trifft, dem fällt der Unter­schied zur Vor-Coro­na­zeit kaum auf.

Die Betroffenen

Kin­der, Schü­ler und Jugend­li­che sind am stärks­ten von den Coro­na-Maß­nah­men betrof­fen, denn für Teen­ager und Kin­der sind 1–2 Jah­re ohne sozia­le Kon­tak­te eine ein­schnei­den­de Erfah­rung, die sich wie eine Ewig­keit anfühlt.

Mit­tel­ständ­ler, Künst­ler und Frei­be­ruf­ler haben finan­zi­el­le Ver­lus­te, kön­nen sich nur schwer über Was­ser hal­ten oder müs­sen ihre Busi­ness sogar auf­ge­ben.

Und für die Men­schen, die in Super­märk­ten, Kran­ken­häu­sern, Apo­the­ken etc. arbei­ten, ist das unun­ter­bro­chen Tra­gen der Mas­ke eine ech­te Belastung.

Die Nicht-Betroffenen

Wer sei­ne Kind­heit und Ado­les­zenz bereits hin­ter sich hat, kei­ne beruf­li­chen Schwie­rig­kei­ten durch die Coro­na-Maß­nah­men erlei­det und die Mas­ke nur gele­gent­lich tra­gen muss, lei­det nur unwe­sent­lich unter dem Mas­kenzwang und der Kon­takt­sper­re. Die meis­ten erwach­se­nen Men­schen soll­ten daher mit der augen­blick­li­chen Situa­ti­on gut umge­hen kön­nen — auch wenn das gan­ze inzwi­schen ziem­lich nervt.

Doch aus­ge­rech­net die Leu­te, die am wenigs­ten von den Coro­na-Maß­nah­men betrof­fen sind, pro­tes­tie­ren am lau­tes­ten, oft auch auf eine aggres­si­ve und bedroh­li­che Art.

Die­se Leu­te sind sau­er, weil ihnen ein paar Unbe­quem­lich­kei­ten auf­ge­nö­tigt wer­den, weil man von ihnen erwar­tet, sich in einer Kri­se soli­da­risch, rück­sichts­voll und ver­ant­wor­tungs­voll zu ver­hal­ten, selbst wenn die­se Kri­se letzt­end­lich nicht so schlimm sein soll­te, wie man anfangs anneh­men muss­te.

Wer gern in die­sem Land lebt, ein sozia­ler Mensch ist und auch etwas für die Gesell­schaft tun möch­te, nimmt ger­ne die­se Unan­nehm­lich­kei­ten in kauf.


6 Gedanken zu „Die Corona-Pandemie“

    • Und wobei bin ich so dumm?
      Etwa weil ich nicht das den­ke, glau­be und nach­plap­pe­re, was ich gele­sen oder gehört habe?
      Eige­ne Gedan­ken zu haben ist für dich eine Dummheit?

      Antworten
      • Cha­peau! Micha­el. Bin beein­druckt von dei­ner uner­müd­li­chen Auf­klä­rungs­ar­beit und der Bereit­schaft, dich auch mit den dümms­ten Behaup­tun­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen und hass­erfüll­te Beschimp­fun­gen von Ver­schwö­rungs­er­zäh­lern zu ertra­gen. Letz­te­re sind lei­der auch bei klu­gen, eher sozi­al den­ken­den und han­deln­den Mitbürger*innen zu beklagen.
        Hier scheint mir die — von dir bei den Rep­ti­lo­iden geäus­ser­te — nar­ziss­ti­sche Selbst­auf­wer­tung zu wir­ken: im Gegen­satz zu den Dum­men weiss ICH was dahin­ter­steckt. Und sich die­ses als Irr­tum ein­zu­ge­ste­hen ist eine nar­ziss­ti­sche Krän­kung und gelingt den Wenigsten.

        Antworten
        • Dan­ke, Bern­hard, ich kann wirk­lich jede Auf­mun­te­rung gebrau­chen. Die nicht Stress machen­den Kom­men­ta­re tun mir gut.

          Dass auch klu­ge und sozi­al den­ken­de Men­schen an abstru­se Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen glau­ben, kommt — so hof­fe ich jeden­falls — nur sel­ten vor. Außer­dem stellt sich die Fra­ge: Han­delt es sich wirk­lich um klu­ge und sozia­le Men­schen? Ich bin mir da näm­lich nicht so sicher.

          Als Bei­spiel: Xavier Naidoo ist kul­ti­viert und singt gefühl­vol­le Lie­der, ist gleich­zei­tig aber nicht sen­si­ble genug, um erken­nen zu kön­nen, dass Reichs­bür­ger und Neo­na­zis (mit denen er sich zumin­dest for­mell soli­da­ri­siert) kei­ne Men­schen­freun­de und Demo­kra­ten sind.

          Wie kann das mög­lich sein? Eine Psy­cho­se? Eigent­lich soll­te man ja den­ken, dass man als erfolg­rei­cher Pro­mi­nen­ter eine nar­ziss­ti­sche Selbst­auf­wer­tung nicht mehr nötig hat. Han­delt es sich viel­leicht um eine Kompensation?

          @Yagdar schreibt als Kom­men­tar auf der Rep­ti­lo­iden-Sei­te, das trei­ben­de Motiv, an Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen zu glau­ben, wäre Angst bzw. das Bedürf­nis sich zu ängs­ti­gen und ande­ren Angst zu machen. Auch da bin ich mir nicht sicher.

          Antworten
          • Moin Micha­el,
            über dei­ne aus­führ­li­che Ant­wort habe ich mich sehr gefreut. Zu Xavers Nar­ziss­mus kann ich wenig sagen, aber bei The Donald kann eine ent­spre­chen­de Per­sön­lich­keits­stö­rung ange­nom­men wer­de. Die Gier nach Bewun­de­rung ist nicht zu stil­len. Das gilt als Abwehr der Angst nicht gese­hen zu wer­den. Auch durch Angst ande­re zu mani­pu­lie­ren gehört zum Spek­trum des patho­lo­gi­schen Narzissmus.
            Jen­seits des­sen ver­küm­mern auch wir, wenn wir zu wenig Auf­merk­sam­keit bekom­men oder uns als wir­kungs­los erle­ben — macht depres­siv. Hier sehe ich den Zusam­men­hang mit den Verschwörungsgläubigen.
            Heu­te im DLF ein aus­ge­zeich­ne­ter Bei­trag zu Verschwörungserzählungen
            https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/02/07/die_besserwisser_dlf_20210207_0930_1cda9a65.mp3
            Bes­tes Bernhard

            Antworten
            • Hal­lo Bernhard
              Dan­ke für die­sen sehr inter­es­san­ten Link. Habe ihn mir schon 3 Mal ange­hört und noch immer macht mir die Geschich­te von Eva Horn über ihnen Freund Angst.

              Ein Kern­ele­ment der ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Vor­ge­hens­wei­se scheint zu sein, das eta­blier­te Wis­sen zu erschüt­tern. Die­se Men­schen schei­nen der Wis­sen­schaft und allen moder­nen Erkennt­nis­sen über­drüs­sig zu sein. Wenn mir vor 20 Jah­ren bei­spiels­wei­se jemand erzählt hät­te, dass es Leu­te gibt, die glau­ben, oder es zumin­dest für mög­lich hal­ten, dass die Erde eine Schei­be ist, hät­te ich ihm das nicht geglaubt. Doch selbst gebil­de­te Leu­te beschäf­ti­gen sich heu­te wie­der mit die­ser Vorstellung.

              Die Vor­ge­hens­wei­se von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen ist: Eine Behaup­tung auf­stel­len, ohne der Mei­nung zu sein, die­se auch begrün­den zu müs­sen, nach dem Mot­to: beweis mir erst mal das es nicht stimmt. Doch wenn man dann auf die Feh­ler die­ser Theo­rie hin­weist und auf­zeigt, dass sie nicht stim­men kann, wer­den die­se Hin­wei­se igno­riert und man selbst als igno­rant bezeich­net. Auch das Wort Lie­be wird immer öfter als Tot­schlag­ar­gu­ment missbraucht.

              Es kommt mir wie eine Par­al­lel­welt vor, in der sich die­se Men­schen flüch­ten, weil sie von der moder­nen Welt, mit all ihren Kon­flik­ten, Krank­hei­ten und Wider­sprü­chen über­for­dert sind.

              Wenn du mal ein bizar­res aber auch auf­schluss­rei­ches Video sehen willst: Chris­ti­an Anders, ein Schla­ger­sän­ger aus den 1970er Jah­ren und selbst ein Hard­core-Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker der ers­ten Stun­de, ver­leiht zwei ande­ren Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern (Micha­el Wend­ler und Xavier Naidoo) den Gol­den Aluhut! https://www.youtube.com/watch?v=LfRQpOv5fUI&t=10s

              Gruß
              Micha

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