Dumm­heit

Dumm­heit


Ein­sichts­ver­wei­ge­rung

Der Aus­gang des »Kamp­fes zwi­schen Dumm­heit und Klug­heit« wird das Schick­sal der Mensch­heit ent­schei­den.

Dumm­heit ist ein Tabu­the­ma. Das ist auch kein Wun­der, denn wir sind alle mehr oder weni­ger dumm. Es fällt uns schwer dar­über zu spre­chen, ohne ein dif­fu­ses Gefühl der Rat­lo­sig­keit. So ist das bei Dum­men.

Des­we­gen hal­ten wir uns mit gegen­sei­ti­gen Dumm­heits­vor­wür­fen wei­test­ge­hend zurück. Wir wol­len nicht unsen­si­bel oder indis­kret sein, und behan­deln Dumm­heit als eine Art Han­di­cap, für das man nicht ver­ant­wort­lich gemacht wer­den kann.

Doch wenn wir dar­auf ver­zich­ten, ande­re auf ihre Dumm­heit hin­zu­wei­sen, neh­men wir uns unse­re intel­lek­tu­el­le Beweg­lich­keit und dem Dum­men die (zumin­dest theo­re­ti­sche) Mög­lich­keit sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Zeichnung von einem EselkopfAnders als bei­spiels­wei­se das Touret­te­syn­drom, ist unse­re Dumm­hei­ten oft selbst ver­schul­det, denn sie ist nicht sel­ten nur eine Form der Ver­wei­ge­rung von Ein­sicht oder Erkennt­nis. Und da wir mehr oder weni­ger alle Lebens­be­rei­che haben, in denen wir Ein­sichts­ver­wei­ge­rung prak­ti­zie­ren, akzep­tie­ren wir still­schwei­gend die Dumm­heit unse­rer Mit­men­schen. Doch mög­li­cher­wei­se ist die­ses „takt­vol­le dar­über Hin­weg­se­hen“ selbst eine Dumm­heit, denn die­se Vor­ge­hens­wei­se macht es uns leicht, auch unse­re eige­ne Dumm­hei­ten zu tole­rie­ren, nach dem Mot­to: „Wenn ande­re dumm sein dür­fen, dann ich auch!“

Des­we­gen ist es bes­ser, unse­re Mit­men­schen, sooft wie mög­lich, auf ihre Dumm­hei­ten hin­zu­wei­sen. Wir soll­ten ler­nen, dass es weder eine Schan­de noch ein Makel ist, in bestimm­ten Lebens­be­rei­chen hin und wie­der dumm zu han­deln oder dum­me Ansich­ten zu haben. Denn abso­lu­te Dumm­frei­heit gibt es nicht — selbst die klügs­ten der Klügs­ten han­deln manch­mal extrem unver­nünf­tig!

Dumm ist der, der dumm bleibt

Viel­leicht ist die­se The­se etwas gewagt, doch ich behaup­te: Dumm sein kann einen ver­füh­re­ri­schen Vor­teil haben, denn als Dum­me sind wir nur ein­ge­schränkt für unse­re Hand­lun­gen ver­ant­wort­lich.

Wir über­se­hen dabei zwar, dass wir auch dann die Kon­se­quen­zen unser Hand­lun­gen tra­gen müs­sen, doch das ist uns egal, denn allein auf den momen­ta­nen Vor­teil kommt es uns an. Die nega­ti­ven Fol­gen in der Zukunft wer­den wir schon irgend­wie meis­tern, so den­ken wir. Viel­leicht blei­ben sie aber auch aus, so hof­fen wir. Die­ses Ver­hal­ten ist ziem­lich dumm. “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, ist ein bekann­tes Mot­to und steht für das Ver­steck­spiel, das wir Leben nen­nen.

Wir wen­den es an, um den unan­ge­neh­men Aspek­te des Daseins aus dem Weg zu gehen. Das klappt sehr gut, solan­ge die Aus­wir­kun­gen unse­res oft kurz­sich­ti­gen Ver­hal­tens noch irgend­wie hand­hab­bar sind. Und sind sie es irgend­wann nicht mehr, sind wir sehr erfin­dungs­reich im Umgang mit ihnen: Wir ver­la­gern unse­re Pro­ble­me in die Zukunft (küm­mern uns nicht um sie, igno­rie­ren sie) oder geben ihnen neue Namen, um sie nicht als das wahr­neh­men zu müs­sen, was sie sind: selbst ver­schul­de­te Hemm­nis­se unse­rer Ent­wick­lung. Ande­re oder spä­te­re Genera­tio­nen (gern unser zukünf­ti­ges Ich) wer­den das Pro­blem schon irgend­wie lösen, sug­ge­rie­ren wir uns unaus­ge­spro­chen. Doch war­um ver­hal­ten wir uns oft sehen­den Auges so dumm?


DUMM­HEIT DER GESELL­SCHAFT

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