Problem Mensch

Problem Mensch


Der Mensch ist das Problem

Wir haben alle Möglichkeiten, die Welt friedlich und freundlich zu gestalten. Stattdessen gibt es jede Menge Elend und Leid, Gewalt und Kriege, Betrug und Ausbeutung auf diesem Planeten. Woran liegt das?

Ein zylinderähnliches Objekt, mit einem schachbrettähnlichem MusterDas ist das Paradoxon, das es aufzulösen gilt. Die Situation auf dem Planeten Erde ist nämlich ziemlich absurd. Vergleichbar ist sie mit einer Gruppe Gestrandeter auf einer tropischen Insel. Dort gibt es alles, was Menschen für ein paradiesisches Leben brauchen. Doch anstatt dass man es sich gut gehen lässt, das Leben genießt und kreativ tätig ist, streitet man sich ständig. Nach und nach bilden sich Gruppen heraus, die sich bekämpfen. Jede Gruppe beansprucht die Insel für sich, obwohl sie für jeden genügend Platz bietet. Das Resultat ist eine ständige Unzufriedenheit aller Inselbewohner. Irgendwann weiß niemand mehr, was der ursprüngliche Auslöser für die Konflikte war, sodass Streit und Konkurrenzdenken das Leben der Gestrandeten definieren und als normal empfunden werden.

Wer dieses Treiben als Außenstehender beobachtet, fragt sich unweigerlich, warum diese Leute sich so verhalten und kann über so viel Dummheit nur den Kopf schütteln. Doch obwohl wir es vielleicht nicht glauben wollen: Dieses Bild beschreibt sehr gut die Situation auf der Erde! Auch wir leben auf einer Insel, die uns all das, was wir zum Leben brauchen, im Überfluss bereitstellt. Entweder sehen wir es nicht oder verschließen unsere Augen davor. Vermutlich ist es eine Kombination aus beidem. Und inzwischen, nach so vielen Jahrtausenden der Kriege, der Ausbeutung, des Missbrauchs und der Manipulation, ist dieses Verhalten zu unserer zweiten, vielleicht sogar zu unserer ersten Natur geworden.

Uns sind die Missstände in der Welt zwar bekannt, doch eigenartigerweise führen wir sie nicht auf unser Verhalten zurück, obwohl sie zu 99 Prozent ein Resultat unserer Taten sind. Bevorzugt geben wir den Regierungen, den Konzernen und Managern – also Minderheiten! – die Schuld für alles, was nicht okay ist. Uns selbst, als Konsumenten und Wähler, die wir Nutznießer all dessen sind, halten wir hingegen für unschuldig. Wir unterscheiden nämlich zwischen Normalbürgern und Machtmenschen.

Rekrutierung aus der Masse

Regierungen und Konzerne werden von Menschen geleitet, die meistens Normalbürger waren, bevor ihnen ihr Amt und ihre Position Einfluss auf das Geschehen in einer Gemeinde oder einem Land verlieh. Das heißt, ihre Handlungen, ihr Denken und ihre Entscheidungen besitzen die gleiche mangelhafte Objektivität, wie die aller anderen Menschen. Auch unsere Oberhäupter und Magnaten improvisieren, wenn sie bedeutende Entscheidungen fällen müssen. Sie geben sich so, als hätten sie den Durchblick, doch letztendlich tasten sie sich bestenfalls nur vor. All die negativen Eigenschaften, die man bei Normalbürgern findet, findet man im selben Umfang auch bei Machtmenschen. Sie sind – wie alle anderen auch – nur Jugendliche in einem Erwachsenenkörper. Deshalb sind ihre Entscheidungen im Allgemeinen so schlecht.

Wir sind (auf unterschiedliche Arten) alle unbewusst unehrlich, sobald es um die Beurteilung unserer eigenen Gefühle und Intentionen geht. Oft passen wir unsere Meinung unserer Lebenssituation einfach nur an.

Ein Baum ohne Blätter steht vor einer KirchenwandUnsere Meinung über uns selbst ist daher nur ein Ideal, das wir leidenschaftlich pflegen.
Leben wir beispielsweise in ärmlichen Verhältnissen oder ist unser Leben bedeutungslos, sind uns die Ideale der Ehrlichkeit und Anständigkeit oft sehr wichtig. (Was nicht bedeutet, wir würden nicht schummeln und betrügen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet.) Denn wir brauchen eine Erklärung für unsere wirtschaftliche und soziale Abseitsstellung und die geben wir uns, indem wir sagen: „Ich bin zu ehrlich, um in dieser egoistischen Welt erfolgreich zu sein.“

Werden wir dann reich, bekommen wirtschaftliche oder politische Macht (vielleicht durch Zufall), vergessen wir diese Ideale meistens sehr schnell, weil der Glaube an sie seine Funktion verloren hat! Diese Funktion war: Uns unsere Situation besser aushaltbar zu machen.

Das Problem sind demzufolge nicht die Wirtschaftssysteme, die Banken, Konzerne, Manager oder unehrliche Politiker, sondern unser heuchlerischer Grundcharakter: Wir sind ehrlich, solange Ehrlichkeit uns einen Vorteil bietet. Bringt Unehrlichkeit uns einen Vorteil, sind wir unehrlich.

Wir missbrauchen das Prinzip und den Ausdruck Ehrlichkeit als Manipulationswerkzeug gegen uns selbst und andere, das wir virtuos beherrschen. Wir vergessen ziemlich schnell, dass die Systeme, Konzerne und Banken unsere Erfindungen sind. Sie bringen nur das zum Ausdruck, was wir in unserem Inneren sind: Egoisten und auch Egozentriker! Natürlich sind nicht alle Menschen so, doch leider viel zu viele.
Denn Tatsache ist:

Menschen fallen über andere Länder her, führen Kriege, rauben andere aus oder versklaven sie.
Menschen vergewaltigen Frauen und missbrauchen Kinder.
Menschen betrügen Menschen, leugnen den Betrug und kommen sich großartig dabei vor.
Menschen stürzen andere ins Elend und haben ein Machtgefühl dabei.
Menschen sagen: nach mir die Sintflut! Was kümmern mich die anderen? Hauptsache, mir geht’s gut!

Verhinderte Machtmenschen

Und wir sind Menschen! Nicht du oder ich tun das, aber wir als Gemeinschaft, Nationen oder als Spezies! Es kommt nicht darauf an, wer im konkreten Fall Kriege führt, Menschen ausbeutet, vergewaltigt, missbraucht, umbringt oder ins Elend stürzt. Wichtig ist zu erkennen, dass unsere Führungspersonen in Wirtschaft und Politik Menschen sind, die sich aus der Masse aller Menschen rekrutieren. Sie sind ein Produkt unserer Zivilisationen, Kulturen und Traditionen und bringen das zum Ausdruck, was in vielen von uns potenziell vorhanden ist: Die Bereitschaft, das eigene Leben auf Kosten anderer zu gestalten.

„Bevor ich das Opfer bin, bin ich lieber Täter“, rechtfertigen wir unser Verhalten.
„Mache ich das nicht, macht es sowieso jemand anderes“, ist unsere zynische Verteidigung.
„Jeder ist sich selbst der Nächste“, lautet unsere Gleichgültigkeitsformel.

Mit diesen und ähnlichen Parolen immunisieren wir unser Gewissen gegen eventuelle Bedenken. Und solange wir nicht bereit sind, auf diese egoistische Sichtweise zu verzichten, wird sich die Situation auf diesem Planeten nicht ändern. Wir können zwar weiterhin unsere Institutionen und Systeme beschuldigen, neue einführen oder die Regierungen wechseln, doch all das ändert nichts, denn das Problem sind wir, ist unsere Unfähigkeit oder unser Unwille zur bedingungslosen friedlichen und freundlichen Koexistenz. Wir brauchen also keine neuen Systeme oder andere Regierungen, sondern neue Menschen, einen anderen Menschentyp. Doch den gibt es leider nur rudimentär. Es werden wohl noch Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende vergehen, bis aus dem Homo sapiens ganz allmählich der Homo inbellis (für Krieg unbrauchbar) oder der Homo pacalis (friedlich) entsteht.


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