Athe­is­mus

Athe­is­mus


Das athe­is­ti­sche Dilem­ma

Outen sich ein Mensch als Athe­is­ten, wird er nicht sel­ten belei­digt oder bevor­mun­dend bemit­lei­det oder belä­chelt. In man­chen Län­dern wer­den sogar heu­te noch Athe­is­ten von The­is­ten getö­tet. Umge­kehrt geschieht das so gut wie nie. Athe­is­ten mit einem aka­de­mi­schen Beruf machen nicht sel­ten die Erfah­rung der Benach­tei­li­gung: Sie bekom­men einen Job an einem Insti­tut nicht oder wer­den nicht beför­dert. Des­we­gen ver­heim­li­chen sie ihren Nicht­glau­ben manch­mal. The­is­ten haben es hin­ge­gen nicht nötig ihren Glau­ben zu ver­ber­gen.

Ver­tei­di­gen Athe­is­ten ihnen Athe­is­mus, machen sie dabei jedoch oft einen Feh­ler: Ihre Argu­men­te tau­gen meis­tens nicht viel, denn sie bestehen zu gro­ßen Tei­len nur aus Behaup­tun­gen, die nicht über­prüft wer­den kön­nen.

Unse­re Logik als Athe­is­ten ist oft ähn­lich inko­hä­rent, wie die unse­rer the­is­ti­schen Gesprächs­geg­ner. Da wir das nicht bemer­ken, pral­len in Dis­kus­sio­nen zwi­schen Athe­is­ten und The­is­ten nur Behaup­tun­gen auf Behaup­tun­gen, unver­ein­ba­re Posi­tio­nen hal­ten sich gegen­sei­tig auf Distanz. Die­se schein­ba­ren Dis­kus­sio­nen sind meis­tens ziem­lich unfrucht­bar, da kei­ner der Teil­neh­mer dar­an inter­es­siert ist, den Gesprächs­part­ner auch wirk­lich zu ver­ste­hen. Jedem geht es allein dar­um, sei­nen eige­nen Stand­punkt dar­zu­le­gen und durch­zu­set­zen.

Athe­is­ti­sche Diver­si­tät

Es gibt den logisch-meta­phy­si­schen Athe­is­mus, den nomi­na­lis­ti­schen, meta­phy­sisch-ratio­na­lis­ti­schen und radi­kal-szi­en­tis­ti­schen Athe­is­mus, den pos­tu­la­to­ri­schen und szi­en­tis­tisch- prag­ma­ti­schen sowie den agnos­ti­schen Athe­is­mus. Als Athe­is­ten glau­ben wir also auf unter­schied­li­che Arten nicht an Gott.

Wie kann das mög­lich sein? Wie ist es mög­lich, dass wir auf unter­schied­li­che Arten davon über­zeugt sein, dass es etwas nicht gibt? Ent­we­der es gibt Gott oder es gibt ihn nicht. Für Dif­fe­ren­zie­rung gibt es kei­ne Grün­de und eigent­lich ver­bie­ten sie sich auch.

Als athe­is­ti­sche Ratio­na­lis­ten igno­rie­ren wir, dass das Phä­no­men der Exis­tenz irra­tio­nal ist. Wis­sen auf einem Gebiet, das außer­halb unse­rer Mög­lich­kei­ten liegt, ist unmög­lich. Bei der Fra­ge nach dem Ursprung und Sinn des Universums/der Exis­tenz usw. kön­nen wir nicht auf irgend­ei­ne Form von Wis­sen oder Daten zurück­grei­fen. Sobald wir uns mit der Exis­tenz­fra­ge beschäf­ti­gen, kommt daher not­ge­drun­gen Glau­be oder Spe­ku­la­ti­on ins Spiel, ob wir es mögen oder nicht, denn alle Welt­erklä­rungs­mo­del­le, ob archa­isch oder modern, sind letzt­end­lich nur Spe­ku­la­tio­nen, Hypo­the­sen, Pos­tu­la­te oder Theo­ri­en, an die wir glau­ben kön­nen oder auch nicht.

Ent­schei­den wir uns, nicht an Got­tes Exis­tenz zu glau­ben, haben wir uns ent­schie­den zu glau­ben, dass es die­ses über­na­tür­li­che Wesen nicht gibt. Leh­nen wir als The­is­ten das natur­wis­sen­schaft­li­che Welt­erklä­rungs­mo­dell ab, haben wir uns ent­schie­den zu glau­ben, dass es falsch ist. Denn wir kön­nen nicht wis­sen, ob eine außer­uni­ver­sel­le “Wesens­in­stanz” den Urknall initi­iert hat, er eine natur­wis­sen­schaft­li­che Ursa­che hat oder eine noch völ­lig fremd­ar­ti­ge, nicht zu ima­gi­nie­ren­de Ursprungs-Sphä­re sein Aus­lö­ser war. Behaup­ten wir es doch, täu­schen wir uns ledig­lich dar­über hin­weg, dass uns die jewei­li­ge Vor­stel­lung (Uni­ver­sum wur­de erschaffen/Universum exis­tiert aus einem ande­ren Grund oder auch ganz ohne usw.) Angst macht oder beun­ru­higt oder ein­fach nur unsym­pa­thisch ist.

Unter­schied­li­che Athe­is­mus­for­men

Wäre der Athe­is­mus kei­ne Glau­bens­form, könn­te es kei­ne unter­schied­li­chen Athe­is­mus­for­men geben. Denn war­um soll­te man den Nicht­glau­ben an Gott aus­dif­fe­ren­zie­ren? Gott kann es nur auf eine Art nicht geben: Es gibt ihn nicht. Doch solan­ge wir auf unter­schied­li­che Arten nicht an Gott glau­ben und auch dar­über strei­ten kön­nen, ist unser Nicht­glau­be sub­jek­tiv und das bedeu­tet: Auch er ist eine Spe­ku­la­ti­on.

Als Athe­is­ten bean­spru­chen wir für uns das Attri­but der Objek­ti­vi­tät. Die unter­schied­li­chen Athe­is­mus­for­men wider­spre­chen die­sem Anspruch jedoch.

Glau­ben wir an die Exis­tenz Got­tes, kön­nen wir uns trotz­dem unei­nig sein, wie die­se Exis­tenz beschaf­fen ist. Eine Nicht­exis­tenz kann es hin­ge­gen nicht auf unter­schied­li­che Arten geben.

Als Athe­is­ten kön­nen oder wol­len wir nicht an Gott glau­ben. Das ist natür­lich sehr gut! Uns ist jedoch nicht bewusst, dass unser Nicht­glau­be tech­nisch gese­hen nur ein Glau­be an sei­ne Nicht­exis­tenz ist. Unse­re Ableh­nung des Glau­bens an einen Schöp­fer­gott wur­zelt nicht in dem Wis­sen von des­sen Nicht­exis­tenz und ist auch kein Ergeb­nis logi­scher Über­le­gun­gen, son­dern nur der Aus­druck unse­res indi­vi­du­el­len intel­lek­tu­el­len Gemüts, also sub­jek­tiv und letzt­end­lich will­kür­lich. Um die­sen Umstand vor uns selbst zu ver­schlei­ern, ent­wi­ckeln wir Phi­lo­so­phi­en, Theo­ri­en, Stra­te­gi­en, Rede­küns­te und benutz­ten ratio­nal-wis­sen­schaft­li­che Ter­mi­no­lo­gi­en.

Ohne es zu mer­ken, miss­brau­chen wir die Nicht­exis­tenz Got­tes und machen sie zu einer Art Phi­lo­so­phie. Jeder tut das auf eine ande­re Art, abhän­gig von sei­nem intel­lek­tu­el­len Gemüt. Denn es gibt aus den glei­chen Grün­den meh­re­re Athe­is­mus­for­men, wie The­is­mus­for­men: unter­schied­li­che intel­lek­tu­el­le Gemü­ter, unter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen an das Phä­no­men der Exis­tenz. Die diver­sen Athe­is­mus­for­men ent­lar­ven unse­ren Athe­is­mus also als Glau­ben.


Die Zukunft des Athe­is­mus

Athe­is­mus ist der ers­te Schritt, der weg­führt vom Glau­ben.

Aller­dings ist er kein wirk­li­cher Nicht­glau­be, son­dern eher ein Wahr­schein­lich­keits­glau­be. Denn theo­re­tisch, wenn auch mit einer außer­ge­wöhn­lich gerin­gen Wahr­schein­lich­keit, hal­ten wir als Athe­is­ten Gott schon für mög­lich, eben weil sei­ne Nicht­exis­tenz fak­tisch nicht beweis­bar ist. Des­we­gen kann man unse­ren Athe­is­mus als »Ver­mu­tungs­wis­sen« bezeich­nen.

Noch ist unser Athe­is­mus zu sehr vom The­is­mus abhän­gig, er defi­niert sich haupt­säch­lich durch die Ableh­nung des Got­tes­glau­bens und ist eher eine Trotz­re­ak­ti­on, und nicht wirk­lich ratio­nal begrün­det. Nei­gun­gen und Geschmä­cker ändern sich jedoch mit der Zeit. Aus die­sem Grund gibt es vie­le The­is­ten, die zum Athe­is­mus »kon­ver­tie­ren« und Athe­is­ten, die zum The­is­mus wech­seln.

Nicht sel­ten ist unser Athe­is­mus eine Form der Rebel­li­on, haupt­säch­lich gegen die christ­li­che Kir­che. Die­se Art des Athe­is­mus hat eine begrenz­te Lebens­dau­er und ist nicht zukunfts­taug­lich.

Unser Athe­is­mus ist nicht eman­zi­piert und steht in einer selt­sa­men (Hass-)Beziehung zum The­is­mus. Wir brau­chen den The­is­mus, um uns intel­lek­tu­ell pro­fi­lie­ren zu kön­nen. (The­is­ten brau­chen den Athe­is­mus übri­gens nicht, ihnen genügt die Anders­gläu­big­keit als Feind­bild.) Des­halb müs­sen wir uns unbe­dingt klar machen, was tat­säch­li­cher Nicht­glau­ben wirk­lich bedeu­tet. Das von mir ent­wi­ckel­te Modell vom »Zerothe­is­mus« soll das ver­deut­li­chen.

Zerothe­is­mus

Vor­weg: Unser Leben spielt sich oft auf der Ska­la von Pola­ri­tä­ten ab, die wir drin­gend benö­ti­gen, um uns im Leben zu ori­en­tie­ren: Hell-dun­kel, groß-klein, nass-tro­cken, ja-nein, Lie­be-Hass, aktiv-pas­siv, gut-böse — nur um ein paar all­ge­mei­ne Bei­spie­le zu nen­nen. Vie­le die­ser Pola­ri­täts­paa­re besit­zen einen „nati­ven“ Cha­rak­ter, wie bei­spiels­wei­se nass und tro­cken. Ande­re sind künst­lich und exis­tie­ren eigent­lich nur in unse­rer Vor­stel­lung. Die The­is­mus-Athe­is­mus-Ach­se gehört dazu. Denn ohne die Idee von Gott gäbe es auch kei­nen Glau­ben oder Nicht­glau­ben an ihn und damit kein Athe­is­mus-Theimus-Paar.

Der Weg zum Zerothe­is­mus führt über die Ent­wei­hung der Got­tes­idee. Das ist eine gro­ße Hür­de, denn solan­ge uns der Gedan­ke, die Idee von Gott zu ver­wer­fen, emo­tio­nal und intel­lek­tu­ell auf­regt (weil wir eine posi­tiv oder nega­tiv neu­ro­ti­sche Fixie­rung auf sie haben), wer­den wir dazu kaum in der Lage sein. Des­halb ist es sehr wich­tig zu ver­ste­hen, was unser Glau­be oder Anti-Glau­be eigent­lich ist: Eine letzt­end­lich belie­bi­ge kul­tu­rel­le Kon­di­tio­nie­rung, die wir mit uns her­um­schlep­pen, ohne sie je gewollt zu haben. Doch um dies zu ver­ste­hen, müs­sen wir unse­re Wahr­neh­mung erwei­tern, wir müs­sen uns wei­ter­ent­wi­ckeln. Dum­mer­wei­se ent­hal­ten unse­re reli­giö­sen und anti-reli­giö­sen Kon­di­tio­nie­run­gen Mecha­nis­men, die genau das ver­hin­dern. Des­we­gen ist es so schwie­rig, sie mit Abstand zu betrach­ten. Unser Glau­be ver­bie­tet es uns schlicht­weg, ihn kri­tisch zu betrach­ten.

The­se, Anti­the­se, Syn­the­se

Zunächst müs­sen wir ver­ste­hen: Athe­is­mus ist nicht der Vor­läu­fer des The­is­mus, son­der sei­ne logi­sche Fol­ge. Ursprüng­lich hat­te der Aus­druck Athe­is­mus zwar eher die Bedeu­tung »Anders­gläu­big­keit«, fun­giert inzwi­schen jedoch als Sam­mel­be­griff für alle Arten des Nicht­glau­bens an Gott.

In der Schu­le lern­ten wir: Die The­se führt zur Anti­the­se, die Anti­the­se zur Syn­the­se, die Syn­the­se zur neu­en The­se und die­se aber­mals zur Anti­the­se usw. Wenn wir die­se Ent­wick­lungs­spi­ra­le auf­bre­chen und erwei­tern, kann auf den The­is­mus­kom­plex bezo­gen Fol­gen­des gesagt wer­den:

THE­SE: Zuerst war der The­is­mus
ANTI­THE­SE: Als Gegen­re­ak­ti­on auf den The­is­mus ent­steht der Athe­is­mus
SYN­THE­SE: Die Rekom­bi­na­ti­on oder Ver­schmel­zung von The­is­mus und Athe­is­mus ist der Agnos­ti­zis­mus
NEUE THE­SE: Der Agnos­ti­zis­mus führt zur neu­en The­se: dem Zerothe­is­mus

Athe­is­mus kann daher als eine ver­bor­ge­ne Eigen­schaft des The­is­mus ver­stan­den wer­den.

Der Wech­sel vom Poly­the­is­mus zum Mono­the­is­mus wird all­ge­mein als Fort­schritt in der Reli­gi­ons­ge­schich­te ver­stan­den. Ein wei­ter logi­scher Fort­schritt ist dann der Wech­sel vom Mono­the­is­mus zum Zerothe­is­mus. Der Athe­is­mus kann dann als Zwi­schen­schritt oder Über­gangs­pha­se ver­stan­den wer­den.

Das zerot­he­is­ti­sche Nicht­glau­bens­be­kennt­nis

Zerothe­is­mus heißt: Es wird nicht an die Exis­tenz Got­tes geglaubt (The­is­mus). Es wird nicht an die Nicht­exis­tenz Got­tes geglaubt (Athe­is­mus). Es wird auch nicht geglaubt, dass es Gott geben oder nicht geben könn­te (Agnos­ti­zis­mus). Der reli­giö­se Glau­be oder reli­giö­se Nicht­glau­be spielt im Leben des Indi­vi­du­ums kei­ne Rol­le, selbst kei­ne phi­lo­so­phi­sche.

Auf den ers­ten Blick scheint der Aus­druck »Zerothe­is­mus« viel­leicht nur ein ande­res Wort für Athe­is­mus zu sein. Doch Athe­is­mus wird auch als Gegen­pol zum The­is­mus ver­stan­den, was ihn mit dem The­is­mus irgend­wie ver­bin­det. Athe­is­mus ist oft eine Abwehr­re­ak­ti­on, doch tat­säch­li­ches Nicht­glau­ben muss mehr sein. Des­we­gen mein Modell vom Zerothe­is­mus, der ohne den The­is­mus aus­kommt.

Zerothe­is­mus über­schrei­tet die drei reli­gi­ons­ori­en­tier­ten Glau­bens­sys­te­me, er tran­szen­diert sie sozu­sa­gen. Er ist mit sei­nen Vor­gän­gern nicht ver­wandt, er ist kei­ne wei­te­re Vari­an­te eines Glau­bens. Die ein­zi­ge (ober­fläch­li­che) Bezie­hung, wel­che er besit­zen darf, ist eine zur prä-the­is­ti­schen Zeit, als es noch kei­nen Glau­ben an Gott gab.

Bevor wir an Göt­ter glaub­ten, glaub­ten wir nicht des­halb nicht an Göt­ter, weil wir die­sen Glau­ben ablehn­ten (was der Athe­is­mus tut), son­dern weil es die Idee von einer über­na­tür­li­chen Schöp­fer­in­stanz noch gar nicht gab.

Es wird uns nicht mög­lich sein, zu die­ser „reli­giö­sen Jung­fräu­lich­keit“ zurück­zu­keh­ren. Außer­dem wäre es sowie­so nicht wün­schens­wert, denn dann hät­ten wir die the­is­ti­sche Pha­se wie­der vor uns.

Als Zerot­he­is­ten glau­ben wir also nicht des­we­gen nicht an Gott oder Göt­ter, weil es das Got­tes­kon­zept noch nicht oder nicht mehr gibt, son­dern weil wir den Glau­ben oder Nicht­glau­ben an Gott nicht mehr nötig haben. Es ist ein grund­sätz­lich Unter­schied zum Athe­is­mus: Das see­li­sche oder men­ta­le Gleich­ge­wicht, die intel­lek­tu­el­le Iden­ti­tät und Inte­gri­tät ist vom Nicht­glau­ben an Gott nicht mehr abhän­gig.

Der Athe­is­mus ist ein wich­ti­ger Schritt in die­se Rich­tung. Er führt zum Agnos­ti­zis­mus (der natür­lich auch über­sprun­gen wer­den kann) und die­ser zur nächs­ten Pha­se oder neu­en The­se, die ich Man­gels eines bes­se­ren Aus­drucks »Zerothe­is­mus« nen­ne. Kein guter Wurf, aber bes­ser als gar nichts. Und soll­ten wir irgend­wann den Glau­ben oder Nicht­glau­ben an Gott nicht mehr benö­ti­gen, wird auch er über­flüs­sig sein.

Die Funk­ti­on oder Auf­ga­be des Athe­is­mus ist somit die Vor­be­rei­tung des Weges zum wirk­li­chen Nicht­glau­ben, zur wirk­li­chen Gott­lo­sig­keit. Erst dann wird sich die Mensch­heit eman­zi­pie­ren kön­nen.


12 Gedanken zu “Athe­is­mus”

  1. Nein eben nicht, Athe­is­mus ist eine beweis­ba­re Tat­sa­che. Alle Reli­gio­nen defi­nie­ren ihren jewei­li­gen Gott als all­mäch­ti­ges Schöp­fer­we­sen.
    “All­mäch­tig­keit” steht im Wider­spruch zu den Natur­ge­set­zen, die unver­än­der­bar sind. Natur­ge­set­ze sind jedoch mit astro­no­mi­scher Sicher­heit nach­weis­bar, und mehr geht nicht!
    Der “Schöp­fer” des ers­ten Lebens hät­te in jedem Fall schon vor dem Schöp­fungs­akt exis­tie­ren müs­sen, wäre also selbst das “ers­te Leben” gewe­sen. Jenes hät­te nicht durch Schöp­fungs­akt ent­stan­den sein kön­nen.
    So viel zum The­ma in Kür­ze.

    • Nein eben nicht, Athe­is­mus ist eine beweis­ba­re Tat­sa­che.

      Habe ich den irgend­wo geschrie­ben, dass es kei­nen Athe­is­mus gibt! Wie kommst du dar­auf? Ich schrei­be über den Athe­is­mus, nicht gegen ihn. Und ich zei­ge die bedau­erns­wer­ten Par­al­le­len zwi­schen Athe­is­mus und The­is­mus auf, mehr nicht.

      Alle Reli­gio­nen defi­nie­ren ihren jewei­li­gen Gott als all­mäch­ti­ges Schöp­fer­we­sen.

      Okay, aber was hat das mit dem The­ma Athe­is­mus zu tun? Auf mei­ner Glau­bens­sys­temsei­te schrei­be ich zum The­ma The­is­mus ähn­li­che Sachen wie du.

      All­mäch­tig­keit” steht im Wider­spruch zu den Natur­ge­set­zen, die unver­än­der­bar sind. Natur­ge­set­ze sind jedoch mit astro­no­mi­scher Sicher­heit nach­weis­bar, und mehr geht nicht!
      Der “Schöp­fer” des ers­ten Lebens hät­te in jedem Fall schon vor dem Schöp­fungs­akt exis­tie­ren müs­sen, wäre also selbst das “ers­te Leben” gewe­sen. Jenes hät­te nicht durch Schöp­fungs­akt ent­stan­den sein kön­nen.

      Okay, aber auch das hat nichts mit dem zu tun, was ich auf die­ser Sei­te schrei­be.

      Zum The­ma »Beweis­bar­keit«: Defi­nie­re »Beweis­bar­keit«. Jeder redet schnell und gern davon — doch das ist kei­ne Kunst: Das kann jeder. Doch bewei­se mal wirk­lich, dass es kei­ne außer­uni­ver­sel­le Instanz gibt, die den Urknall initi­iert hat! Bewei­sen kann man das nicht, obwohl das Schöp­fer­gott­kon­zept völ­lig absurd und auch infan­til ist! Aber das ist nur eine Neben­säch­lich­keit, um die es gar nicht geht. Denn die­ses Schöp­fer­we­sen, an das The­is­ten glau­ben, wür­de natür­lich den Natur­ge­set­zen nicht unter­lie­gen (da es die Natur­ge­set­ze erschaf­fen hät­te). Außer­dem wäre sein Auf­ent­halts­ort außer­halb des der Kau­sa­li­tät unter­lie­gen­den Uni­ver­sums. Das ist kein Gedan­ke, der schwer zu asso­zi­ie­ren ist. Jeder Ver­such, die Exis­tenz von Gott mit Logik zu wider­le­gen oder zu bewei­sen, ist des­halb von vor­he­r­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt. Statt­des­sen soll­ten wir die Absur­di­tät des Schöp­fer­gott­kon­zepts auf­zei­gen, das doch letzt­end­lich nichts ande­res ist, als ein archai­scher Welt­erklä­rungs­ver­such.

      Wor­um es auf mei­ner Athe­is­mus­sei­te Sei­te geht: Allein die Tat­sa­che, dass es unter­schied­li­che Athe­is­mus­for­men gibt, also unter­schied­li­che Arten, auf die Athe­is­ten nicht an Gott glau­ben, ent­larvt den Athe­is­mus als Glau­ben. Oder etwa nicht? Denn wenn zwei Athe­is­ten sich strei­ten kön­nen, auf wel­che Art es Gott nicht gibt, stimmt etwas mit der wis­sen­schaft­li­chen Objek­ti­vi­tät der Athe­is­ten nicht. Denn Objek­ti­vi­tät schließt unter­schied­li­chen Sicht­wei­sen aus.

      Der Athe­is­mus ist emo­tio­nal zu sehr auf­ge­la­den. Und außer­dem auch abhän­gig vom The­is­mus. Es gibt auch eine (gehei­me) Bezie­hung zwi­schen den bei­den, sie brau­chen sich gegen­sei­tig. Weder The­is­mus noch Athe­is­mus sind also eman­zi­piert.

      Ich selbst bin weder The­ist noch Athe­ist noch Agnos­ti­ker oder sonst irgend­et­was, denn es ist nicht nötig (soll­te es zumin­dest sein), sich im 21. Jahr­hun­dert irgend­wie zu posi­tio­nie­ren.

      Ver­ste­he mich bit­te rich­tig: Ich bin nicht gegen den Athe­is­mus, son­dern für ihn. Viel­leicht hast du ja nur die ers­ten paar Zei­len gele­sen und dann (ähn­lich wie ein The­ist?) schnell einen Vor­ur­teils­schluss gezo­gen. Eine wis­sen­schaft­li­che Vor­ge­hens­wei­se ist das nicht.

      Ich bin ein­fach nur der Mei­nung, dass der Athe­is­mus noch unreif ist. Er geht nicht weit genug und ist teil­wei­se eine emo­tio­na­le Gegen­re­ak­ti­on auf den The­is­mus. Dafür bist du viel­leicht ein gutes Bei­spiel. Gegen­re­ak­tio­nen erlah­men jedoch mit der Zeit … pass also auf! Manch­mal sind Athe­is­ten nur ver­hin­der­te The­is­ten, ohne es zu wis­sen.

  2. Um die Fra­ge der Exis­tenz von einem oder meh­re­ren Göt­tern zu ent­schei­den, muss man zunächst ein­mal den Got­tes­be­griff defi­nie­ren.

    Einen all­mäch­ti­gen Gott kann es nicht geben, weil das den Natur­ge­set­zen wider­spre­chen wür­de. Die Natur­ge­set­ze kann man mit astro­no­mi­scher Sicher­heit nach­wei­sen, und mehr als das geht nicht.

    Einen Schöp­fer­gott kann es auch nicht geben, denn jener müss­te bereits exis­tiert haben, bevor er das ers­te Leben geschöpft hat. Somit käme die Fra­ge auf, wie denn der Schöp­fer­gott ent­stan­den sein könn­te. Er könn­te mit Sicher­heit nicht selbst durch Schöp­fung ent­stan­den sein, denn damit wür­de sich die­se Fra­ge nur wei­ter auf die / den Schöp­fer des Schöp­fers ver­la­gern.

    Athe­is­mus ist dem zu Fol­ge eine beweis­ba­re Tat­sa­che und kein Glau­be

    • Um die Fra­ge der Exis­tenz von einem oder meh­re­ren Göt­tern zu ent­schei­den, muss man zunächst ein­mal den Got­tes­be­griff defi­nie­ren.

      Und war­um?

      Einen all­mäch­ti­gen Gott kann es nicht geben, weil das den Natur­ge­set­zen wider­spre­chen wür­de.

      Und war­um?

      Die Natur­ge­set­ze kann man mit astro­no­mi­scher Sicher­heit nach­wei­sen, und mehr als das geht nicht.

      Na und? Was hat das mit der Got­tes­fra­ge zu tun?
      Außer­dem: Die Natur­ge­set­ze kön­nen wir nur bis zurück zum Urknall nach­wei­sen. Alles, was davor war, kön­nen die Natur­ge­set­ze nicht beschrei­ben. Doch erst ab die­sem Punkt wird es inter­es­sant, denn vor dem Urknall befin­det sich wahr­schein­lich die »Exis­tenz­grund­la­ge des Uni­ver­sums«.

      Einen Schöp­fer­gott kann es auch nicht geben, denn jener müss­te bereits exis­tiert haben, bevor er das ers­te Leben geschöpft hat.

      Was ist denn das für eine Logik? Wer etwas erschaf­fen will, MUSS natür­lich VOR­HER exis­tie­ren. NACH­HER wäre zu spät.

      Somit käme die Fra­ge auf, wie denn der Schöp­fer­gott ent­stan­den sein könn­te.

      Ja klar, auf mei­ne Glau­bens­sys­tem-Sei­te beschrei­be ich das aus­führ­lich!
      Aber die Logik, die du auf den Schöp­fer­gott anwen­dest, kann man auch auf die Exis­tenz anwen­den. Die kann näm­lich genau­so wenig erklärt wer­den, wie die­ses omi­nö­se Super­we­sen, an das The­is­ten glau­ben. Wenn die Exis­tenz ohne Ursprung sein kann (was du ja impli­zit behau­test), kann auch etwas ande­res (in die­sem Fall Gott) ohne Ursprung sein. Ich kann kei­nen wesent­li­chen Unter­schied zwi­schen dei­ner Argu­men­ta­ti­on und der der The­is­ten erken­nen.
      The­is­ten sagen: Gott kann ohne Ursprung exis­tiert, das Uni­ver­sum aber nicht.
      Athe­is­ten sagen: Das Uni­ver­sum kann ohne Ursprung exis­tie­ren, Gott aber nicht.

      Kei­nem der bei­dem fällt die­ser Wider­spruch auf .… seufz

      Athe­is­mus ist dem zu Fol­ge eine beweis­ba­re Tat­sa­che und kein Glau­be

      Selbst­ver­ständ­lich ist der Athe­is­mus eine Tat­sa­che! Wie kommst du dar­auf, dass irgend­je­mand das Gegen­teil behaup­tet? Ich jeden­falls nicht! Oder schrei­be ich irgend­wo: „Es gibt kei­nen Athe­is­mus?“ (Was hei­ßen wür­de: Es gibt die Ableh­nung des Schöp­fer­gott­kon­zep­tes nicht).
      Die Fra­ge ist nur, wel­che Moti­ve haben wir als Athe­is­ten! Sind sie denen der The­is­ten wirk­lich so unähn­lich, wie wir oft behaup­ten? Mein Ein­druck ist: Der Unter­schied zwi­schen The­is­ten und Athe­is­ten ist klei­ner, als wir uns glau­ben machen wol­len.

      Du sprichst von Beweis­bar­keit, doch wenn es um die exis­ten­zi­el­len Hin­ter­grün­de des Uni­ver­sums geht, ist gar nichts beweis­bar. Wir wis­sen nur, dass es das Uni­ver­sum gibt. Weder das infan­ti­le Schöp­fer­gott­kon­zept noch die neus­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se kön­nen erklä­ren, was die Exis­tenz ist, war­um es sie gibt und was sich davon ablei­ten lässt. Der wis­sen­schaft­li­che Ansatz geht natür­lich sehr viel wei­ter als der reli­giö­se, aller­dings reicht er nur bis zum Urknall zurück, lässt also die eigent­li­che Fra­ge, war­um es über­haupt etwas gibt, unbe­ant­wor­tet.

      Dei­ne Form des Athe­is­mus‘ ist ledig­lich der Ver­such, etwas ratio­nal ver­ste­hen zu wol­len, was gar nicht ver­stan­den wer­den kann. The­is­ten und Athe­is­ten kön­nen oder wol­len sich nicht damit abfin­den, dass sich das Phä­no­men der Exis­tenz unse­rem Ver­ständ­nis und unse­rem Asso­zia­ti­ons­ver­mö­gen ent­zieht. Jeder ent­wi­ckelt halt ande­re Kon­zep­te, um mit die­ser intel­lek­tu­ell unbe­frie­di­gen­den Situa­ti­on umzu­ge­hen. Mein Vor­schlag des­halb: Da weder The­is­mus, Athe­is­mus, Agnos­ti­zi­mus oder irgend­ei­ne ande­re Leh­re, Theo­rie oder Phi­lo­so­phie das Phä­no­men der Exis­tenz erklä­ren kön­nen, soll­ten wir es gar nicht erst ver­su­chen. Denn was kommt schon dabei her­aus: Letzt­end­lich nur Glau­be, ob es uns jetzt bewusst ist oder nicht.

      Tut mir leid, aber du argu­men­tiert wie ein The­ist: Du behaup­test ein­fach etwas und meinst dann, damit wäre alles klar.

      Hast du mei­nen Auf­satz zum Athe­is­mus über­haupt rich­tig gele­sen? Ich spre­che mich doch FÜR den Athe­is­mus aus, NICHT dage­gen.

  3. Die Laut­ma­le­rei eines Wor­tes ist für mich — seit der Kind­heit — sehr wich­tig.

    Ich wuss­te nicht, was Athe­is­mus ist, frag­te auch nie­man­den dar­nach, weil mir die Laut­ma­le­rei nicht gefiel, sie als sehr hart emp­fand.

    Dar­an muss­te ich den­ken, als ich eine Sze­ne im fran­zö­si­schen Film “Cho­co­lat” sah.
    Zwei Schul­jun­gen schau­en sehr neu­gie­rig durch die engen Lücken des höl­zer­nen Gar­ten­zauns
    auf die dort arbei­ten­de Mut­ter einer neu­en Schul­ka­me­ra­din. Einer der Jungs flüs­tert sehr betont:
    “Sie ist eine Athe­is­tin!” Der ande­re fragt: “Was ist das?” und bekommt die Ant­wort:
    “Das weiß ich doch auch nicht!”
    Am nächs­ten Schul­tag kommt das Mäd­chen heim und will es wis­sen, weil sie so genannt wor­den ist und zwar ohne Freund­lich­kei
    .…

  4. Neben mei­nem jahr­zehn­te­wäh­ri­gem Inter­es­se für Geschich­te ist Beschäf­ti­gung mit Sprach­wis­sen­schaft zu mei­nem Hob­by gewor­den, obwohl ich die ent­spre­chen­de Magis­ter­ar­beit mei­ner Toch­ter fast gar nicht ver­stan­den habe!
    Also jetzt die Fra­ge der Ter­mi­no­lo­gie: Was mei­nen wir denn, wenn wir die vier Buch­sta­ben “g” “o” “t” “t”
    hin­ter­ein­an­der nie­der­schrei­ben?
    Es sind Asso­zia­tio­nen aus der Kind­heit, sagt Micha­el auf­rich­tig.

    Und ich den­ke das auch und ließ sie fal­len, was sehr früh begann, als die Bibel mir als Kind Schre­cken ein­jag­te.

    Und jetzt mei­ne ich, dass der Begriff ” d a s Gott ” das sagt, was ich glau­be.
    Die Tat­sa­che, dass sich Wahr­heit immer her­aus­kris­tal­li­siert, dass eine geheim­nis­vol­le Ord­nung in allem ver­meint­li­chen Cha­os steckt, dass die Lie­be ahnt, nein sogar sehr genau weiß,
    dass es nach unse­rem Ster­ben wei­ter­geht, dass die leich­ten und schwe­ren Lern­pro­zes­se mei­ner Mit­men­schen, aber auch der Völ­ker vol­ler Sinn sind, dass es dabei zu Semes­tern in der Eli­te­uni­ver­si­tät des Lei­des kom­men kann und das aus guten Grün­den.

    Ich möch­te übri­gens abso­lut gar nicht, dass es nach mei­nem Ster­ben irgend­wie wei­ter­geht, aber ich weiß es.
    Mit dem Ahnungs­buch und Got­tes­vor­stel­lun­gen der Bibel und des Korans habe ich nichts mehr zu tun.

    • Dann wäre es bes­ser, du wür­dest auf die­sen Aus­druck ver­zich­ten. Denn er ist (zumin­dest in der heu­ti­gen Zeit) miss­ver­ständ­lich. Mann kann den Aus­druck „Gott“ nicht benut­zen, ohne dass bei ande­ren eine bestimm­te Asso­zia­ti­on ent­steht. Die­se muss nicht mit dem iden­tisch sein, was man selbst dar­un­ter ver­steht. Wenn Christen/Moslems/Juden die­ses Wort hören, den­ken sie natür­lich sofort an den bibli­schen Gott. Hören Pan­the­is­ten die­ses Wort, den­ken sie an den Kosmos/das Uni­ver­sum. Ande­re Leu­te asso­zi­ie­ren mit die­sem Begriff viel­leicht „Lie­be“ usw. usf.

      Wir sind natür­lich (fast) alle kon­di­tio­niert wor­den, an Gott zu glau­ben. Wenn wir es nicht auf tra­di­tio­nel­le Art tun kön­nen (viel­leicht, weil wir uns seit unse­rer Kind­heit intel­lek­tu­ell wei­ter­ent­wi­ckelt haben), fin­den wir alter­na­ti­ve Arten des Glau­bens. Wir glau­ben dann viel­leicht, wir hät­ten uns der „tra­di­tio­nel­len Indok­tri­na­ti­on“ ent­zo­gen, doch in Wirk­lich­keit sind wir in eine Fal­le gelau­fen. Der „Same des glau­ben-wol­lens“ wur­de wäh­rend unse­rer Kind­heit in uns ein­ge­pflanzt und fin­det sei­nen Weg zur Kei­mung, ohne dass es uns bewusst ist. Denn Haupt­sa­che ist, dass wir glau­ben! Wel­che Form die­ser Glau­be letzt­end­lich annimmt, ist nicht so wich­tig. Auch wenn wir es anders nen­nen, etwas ande­res dar­un­ter ver­ste­hen oder etwas ande­res Emp­fin­den: das alles sind nur Details, auf die es nicht wirk­lich ankommt. Letzt­end­lich läuft es auch das Glei­che hin­aus

      Wenn wir also erst erklä­ren müs­sen, was wir mit „Gott“ mei­nen und auch irgend­wie wis­sen, dass unse­re Defi­ni­ti­on nie­mals dem gerecht sein wird, was wir im Inne­ren fühlt (bzw. glau­ben, dort zu füh­len), wäre es bes­ser, auf die­sen Aus­druck zu ver­zich­ten — ihn nach Mög­lich­keit sogar ersatz­los zu strei­chen. Denn wozu brau­chen wir ihn? Er hilft uns nicht, das Wun­der der Exis­tenz bes­ser zu ver­ste­hen. Er ver­klärt bes­ten­falls die Situa­ti­on, also die Tat­sa­che, dass die Existenz/das Leben/das Uni­ver­sum nicht mit unse­rem beschränk­ten Ver­stand ver­stan­den wer­den kann (oder gau­kelt uns vor, es zu kön­nen). Doch Ver­klä­rung kann die zukünf­ti­ge Mensch­heit nicht mehr gebrau­chen, sich nicht mehr leis­ten.

  5. Kein Mensch liebt den Begriff “Gott”, weil die Asso­zia­tio­nen — bei j e d e m Men­schen, ob er sich des­sen bewusst ist oder nicht — unge­heu­er­lich sind. Nicht mal die Ambi­va­len­zen und Wider­sprü­che schaf­fen Erho­lung,
    sind sogar dop­pelt scha­den­brin­gend, weil sonst ja schon jeder die soge­nann­te hl. Bücher in’s aller­tiefs­te Meer geschmis­sen hät­te, es also gar kei­ne mehr gäbe. In einem nord­eu­ro­päi­schen Land hat man gründ­lich wie du über die­se Ter­mi­no­lo­gie nach­ge­dacht, woll­te aus guten Grün­den auf kei­nen Fall mehr “Gott” sagen und hat ein neu­es Wort geschaf­fen!
    Es ist eine skan­di­na­vi­sche Über­set­zung von “etwas ist?was?” als ein ein­zi­ges Wort.
    Mich ärgert es halt, dass wir Men­schen so unbe­haust leben, so wenig wis­sen, und ein­an­der so viel antun, und uns selbst oft ver­tun.
    Der gut­her­zi­ge Hein­rich Böll dach­te viel dar­über nach, schrieb viel­leicht nicht sehr gut, fand die Kir­che wider­lich
    und unser selt­sa­mes Seh­nen als Got­tes­be­weis, als “etwa­sist­was”.

  6. Ohne Got­tes­vor­stel­lun­gen kann ich wie die meis­ten Men­schen nicht leben,
    auch wenn ich das — eben­falls von Men­schen gemach­te — bibli­sche und kora­ni­sche Got­tes­bild und jede reli­giö­se Insti­tu­ti­on nach wie vor als ver­al­tet und ungut erken­ne.
    Erst nach unse­rem Ster­ben wer­den wir wis­sen, wozu die­ses anspruchs­vol­le Lebens­stu­di­um
    nötig war. Da bin ich mir ganz sicher.

  7. Stir­zel­tuff, Du schreibst ja selbst am 7. Novem­ber vom “Wun­der des Lebens” und unse­rem “beschränk­ten mensch­li­chen Ver­stand”.
    Klar, des­halb machen wir Men­schen uns ja Vor­stel­lun­gen.
    Im inne­ren Frie­den, ohne kräf­te­rau­ben­de Kämp­fe möch­te ich dies tun.
    In mei­nem gan­zen Leben habe ich zu viel gekämpft. Damit habe ich den Men­schen und mir mehr gescha­det als genützt.

    Übri­gens, in mei­nen Augen ist Gott nicht all­mäch­tig, aber lie­bend.

    • Da zitierst du mich falsch: Ich schrei­be vom Wun­der der Exis­tenz, nicht des Lebens. (Aber viel­leicht ist der Aus­druck „Wun­der“ miss­ver­ständ­lich. Mit die­sem Wort asso­zi­ie­ren man­che Leu­te einen über­na­tür­li­chen Vor­gang. Viel­leicht wäre des­halb der Aus­druck „Mys­te­ri­um“ bes­ser. Aber auch dem haf­tet etwas “unnor­ma­les” an. Am bes­ten wäre viel­leicht der Aus­druck Phä­no­men.)
      Das Leben ist (nur) ein Bestand­teil der Exis­tenz, nicht die Exis­tenz selbst. Ich schrei­be: „Er [Gott] hilft uns nicht, das Wun­der der Exis­tenz bes­ser zu ver­ste­hen …“ denn, wür­de er exis­tie­ren, wäre er eben­falls ein Teil der Exis­tenz (des Seins), also dem, was es zu erklä­ren gilt. Wie ich auf mei­ner Glau­bens­sys­temsei­te schrei­be: “… ein Kon­zept ist unge­eig­net ein Phä­no­men zu erklä­ren, wenn es selbst Bestand­teil des Phä­no­mens ist!“
      Das, was es zu erklä­ren gibt, ist nicht das Leben, son­dern die Tat­sa­che, dass es über­haupt etwas gibt. Das ist das eigent­li­che Phä­no­men. Um die­ses zu erklä­ren, hilft uns das Got­tes­kon­zept also nicht wei­ter.

      Du schreibst … „Übri­gens, in mei­nen Augen ist Gott nicht all­mäch­tig, aber lie­bend.“

      Ich habe natür­lich kei­ne Ahnung, aber nach mei­nem Emp­fin­den gibt es das, was wir Lie­be nen­nen, nicht ohne sein Gegen­teil, den Hass. Wenn Gott lie­bend ist, kann ihm das also nur mög­lich sein, weil er auch has­send ist. „Gott ist Lie­be“ ist des­halb nur ein Spruch, denn wir auf­schnap­pen und nach­plap­pern, weil er so ein­gän­gig ist.
      Gott ist nicht genug!

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