Glaubenssysteme


Wir haben Glaubenssysteme, mit denen wir uns den Ursprung allen Seins erklären: Ein übernatürliches Lebewesen hat das Universum und das Leben erschaffen. Nur in den Details sind wir uns nicht einig, beispielsweise wann und wie die Erschaffung stattfand, welche Absichten das übernatürliche Wesen hat und was es von uns erwartet.

Klassen der Glaubenssysteme

Religiöse Glaubenssysteme: Theismus, Atheismus und Agnostizismus: Diese beschäftigen sich auf verschiedene Weisen (traditionell, kritisch, wissenschaftlich) mit dem Postulat eines jenseits von Raum und Zeit existierenden »omnipotenten Superwesens« das für die Existenz des Universums und unser Leben verantwortlich ist.

Ideologische Glaubenssysteme: Ideologien, zum Beispiel der Glaube an den Sozialismus, Kapitalismus, Wirtschaftssysteme usw. Ideologische Glaubenssysteme sind meistens intellektuelle Überzeugungen und haben einen weltlichen Charakter.

Esoterische Glaubenssysteme: UFO-Gläubigkeit, Verschwörungstheorien, Mythen usw. Esoterische Glaubenssysteme kann man als »alternative Religionen« verstehen. Wer glauben will, das Schöpfergottkonzept jedoch ablehnt, findet in der Esoterik Glaubensmöglichkeiten. Das Feld der Esoterik ist weit und beschreibt die Welt des Übersinnlichen und verwandte Traditionen. Es ist nicht immer eindeutig, was zur Esoterik gehört und was nicht. Einige Menschen zählen beispielsweise Spiritualität und Astrologie dazu, andere nicht.

Persönliche Glaubenssysteme: Überzeugungen etwas zu sein, etwas zu werden, etwas zu wissen. Persönliche Glaubenssysteme sind sehr diffizil und lassen sich schlecht definieren.
Sie können auch mit anderen Glaubenssystemen kombiniert werden. Ein persönliches Glaubenssystem kann ein privater Glaube sein, der heimlich praktiziert wird und nur ein einziges Mal existiert. Obsessionen und Wahnvorstellungen (beispielsweise der Glaube, die Wiedergeburt einer historischen Person zu sein), können dazu gezählt werden.

Vereinfacht ausgedrückt sind Glaubenssystemen die Arten, auf die wir an Gott glauben. Wir können Glaubenssysteme aber auch in einem allgemeineren Sinn verstehen:

Besitzt der Kern einer Lehre, Ideologie oder Theorie a priori einen nicht beweisbaren Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder universelle Bedeutung, handelt es sich ebenfalls um ein Glaubenssystem. Deshalb zählen auch politische Ideologien und Esoterik auch dazu.

Traditionell verstehen wir den Atheismus nicht als Glaubenssystem, da er den Glauben an einen Gott nicht beinhaltet. Doch als Atheisten glauben wir an die Nichtexistenz Gottes (wissen also nicht von ihr) – aus diesem schlichten aber entscheidenden Grund gehört auch der Atheismus dazu. Die Schwachstelle aller Glaubenssysteme ist leider nun mal: Pragmatisch, also nüchtern, faktenorientiert, unaufgeregt und ganz besonders zwanglos betrachtet, sind sie nur Spekulationen – egal wie viel sie uns auch bedeuten. Das wollen oder können wir als Glaubende natürlich nicht wahrhaben – und so zerreden wir diese Tatsache leidenschaftlich.

Wir alle haben unsere festen Überzeugungen, die uns irrational handeln und denken lassen. In diese Blase unserer persönlichen Vorstellungswelt wird Fiktion für uns zur Wirklichkeit.

Religiöse und anti-religiöse Glaubenssysteme

Theismus, Atheismus und Agnostizismus sind die drei Hauptgruppen der religionsorientierten Glaubenssysteme. Es gibt noch jede Menge andere, doch diese kann man als Untergruppen oder Ableger der drei großen Gruppen verstehen. So gibt es diverse Formen von Atheismus, Theismus und Agnostizismus, die sich von ihrer jeweiligen Muttergruppe nur in Nuancen unterscheiden:

Theismen: Deismus, Monolatrismus, Pantheismus, Kosmotheismus, Theophanismus, Henotheismus, Monotheismus, Panentheismus, Theozentrismus, agnostische Theismus sowie die sogenannte negative Theologie.

Atheismen: Logisch-metaphysische, nominalistische, metaphysisch-rationalistische; radikal-szientistische, postulatorische, szientistische, pragmatische und agnostische Atheismus

Agnostizismen: Starke, schwache, atheistische, spirituelle und pragmatische Agnostizismus, sowie den Ignostizismus.

Für jeden Geschmack und für jedes intellektuelle Gemüt ist somit etwas dabei. Wer religiös oder anti-religiös sein will, findet mit Sicherheit etwas.

Was all diese religionsorientierten Glaubenssysteme bedeuten, weiß ich nicht und will es auch gar nicht wissen. Zum Verständnis ist das nicht nötig. Die Unterschiede sind in den meisten Fällen nur minimal und bestenfalls für Detailbesessene interessant. Auf dieser Seite werden deshalb nur die drei Hauptgruppen besprochen, ihre Beziehung zueinander aufgezeigt und einige weiterführende Gedanken zum Thema Glaubenssysteme dargestellt.

Atheismus und Theismus

Theismus und Atheismus sind zwei Seiten derselben Münze.
Den Agnostizismus kann man als die ganze Münze bezeichnen.

Es gibt keinen Atheismus ohne Theismus. Um Atheist sein zu können, muss es den Theismus geben. Das ist ziemlich logisch und schnell einsehbar. Doch das Gegenteil trifft ebenfalls zu, ist allerdings schwerer zu erkennen: Wir können kein Theist sein, gäbe es nicht die Möglichkeit, keiner zu sein. Wäre es nicht möglich, nicht an Gott zu glauben, wäre es auch nicht möglich, an ihn zu glauben. Der Glaube an Gott wäre dann etwas anderes als Glaube. Und ohne es zu wissen, sind alle Atheisten und Theisten, auf irgendeiner verborgenen Ebene, auch das Gegenteil.

Theismus = potenzieller Atheismus.
Atheismus = potenzieller Theismus.

Es ist dem Yin-Yang-Prinzip ähnlich.

Ein kahler Baum, von dem ein Glühen ausgeht.Um etwas ablehnen zu können, müssen wir eine Beziehung oder auch Affinität zum Gegenstand der Ablehnung haben. Andernfalls wäre unsere Ablehnung nur ein Ausdruck eines rein oberflächlichen Vorurteils. Um den Glauben an Gott also ablehnen zu können, müssen wir wissen, was es bedeutet oder bedeuten könnte, an Gott zu glauben. Um Atheist sein zu können, müssen wir in unserem Inneren den inaktiven oder latenten Trieb zum theistischen Glauben haben. Andernfalls hätten wir keinen Grund, uns sich gegen den Theismus zu positionieren. Er wäre uns egal. Wer niemals Atheist sein könnte, könnte auch niemals Theist sein und umgekehrt. Diese provokante These weisen wir als Theisten und Atheisten natürlich als Quatsch zurück.

Wenn wir eine Speise nicht mögen, weil sie uns nicht schmeckt, haben wir sie zuvor gegessen. Von dieser Regel gibt es natürlich Ausnahmen: Wir lehnen auch dann eine Speise ab, wenn sie ekelhaft aussieht oder verdorben riecht. Kot essen wir nicht deswegen nicht, weil er uns nicht schmeckt – wir machen so etwas einfach nicht. Als Atheisten können wir jetzt argumentieren: Genauso verhält es sich beim Atheismus! Atheisten glauben aus prinzipiellen Gründen nicht an Gott. Sie müssen nicht erst wissen, wie es schmeckt, an Gott zu glauben, um den Glauben an ihn abzulehnen. Doch bei Kot handelt es sich um eine reale, physische Substanz, deren Ekelhaftigkeit eine Tatsache ist. Gott hingegen ist letztendlich nichts anderes als eine von Menschen entwickelte Idee. Wir können sie für wahr oder falsch halten. Letztendlich ist unsere Wahl beliebig.

Theismus ist der Glaube an ein übernatürliches Wesen, welches das Universum und das Leben erschaffen hat. Atheismus ist der Glaube an einen natürlichen Entstehungsprozess des Universums und des Lebens.

Für keines dieser Erklärungsmodelle gibt es weder Beweise noch Indizien oder etwas Gleichwertiges, sondern nur Mutmaßungen. Doch diese sind abhängig von unseren persönlichen intellektuellen Gemütern.

Das, was wir fühlen, spüren oder intuitiv wissen, wovon wir innerlich überzeugt sind, ist bedeutungslos bei der Frage nach Ursprung allen Seins, denn unserer Intuition können wir nicht trauen, wenn wir emotional eingebunden sind. Und wir sind außergewöhnlich stark emotionalisiert, wenn es um den »Sinn des Lebens«, »Ursprung der Existenz« und ähnliche Dinge geht. Es ist uns also nicht möglich, dieses Thema neutral und nüchtern zu behandeln. Ob wir an die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes glauben, hängt daher von unseren persönlichen, subjektiven Vorlieben ab, die vom intellektuellen Gemüt bestimmt werden, das sich im Laufe der Jahrzehnte auch ändern kann.

Heute Theist, morgen Atheist, übermorgen Theist…

Es gibt viele Biografien, die man grob so beschreiben kann:

In der Jugend/Kindheit Theismus, meistens aufgrund der elterlich-schulischen Konditionen.

Im frühen Erwachsenenalter dann der Wechsel zum Atheismus, beispielsweise durch intellektuelle Weiterentwicklung. Die in der Kindheit erworbenen geistigen Konditionen werden abgeschüttelt, um selbstständiger zu werden.

Im späten Erwachsenenalter die Rückkehr zum Theismus, zum Beispiel aufgrund eines Schicksalsschlages oder allgemeiner Desillusionierung im Leben. Man erinnert sich an das Trost spendende Gefühl, das der Glaube an Gott, Jenseits oder Schicksal erzeugen kann.

Das geht auch in die andere Richtung: Vom Elternhaus erfahren wir eine atheistische Erziehung, entdecken dann später die Religion und kehren noch später aus unterschiedlichen Gründen zum Atheismus zurück. Vielleicht gibt es auch mal ein agnostisches Intermezzo.

Die beste Voraussetzung, ein guter Atheist zu werden, ist ein Theist zu sein.
Die beste Voraussetzung, ein guter Theist zu werden, ist ein Atheist zu sein.

Ein Frosch, der erwartungsvoll nach oben schaut.Das zeigt, wie labil unsere geistige und intellektuelle Grundeinstellung als Theisten und Atheisten meistens ist. Atheismus ist eine Aversion gegen das Irrationale, obwohl diese Aversion selbst gewisse irrationale Züge besitzt. Und Theismus die Angst vor der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung in ethischen und moralischen Fragen.

Gefällt uns eine bestimmte Musik nicht, hören wir sie uns auch nicht an – das ist alles. Engagiere wir uns aber dagegen, bedeutet sie uns auch etwas. Und wer weiß, vielleicht wird sie uns ja eines Tages gefallen. Oder: Sie gefällt uns bereits, doch wir können uns das nicht eingestehen (weil wir von anderen oder uns selbst konditioniert wurden, sie nicht zu mögen). Manche Atheisten haben deshalb nur eine negative Beziehung zu ihrem latenten Glauben an Gott. Viele Theisten glauben nur deswegen, weil sie mit der Tradition des religiösen Glaubens aufgewachsen sind.

Als Atheisten begründen wir unser Engagement gegen den Theismus unter anderem mit den vielen Verbrechen und Schreckenstaten, die seit Jahrtausenden im Namen Gottes und der Religion verübt wurden und immer noch werden. Wir übersehen dabei, dass es diese Gräuel auch ohne die Religionen und den Glauben an Gott geben würde. Denn Menschen verstecken sich gerne hinter Institutionen, um Taten zu legitimieren, die eigentlich falsch sind. Unsere Vorfahren hätten diese schlimmen Dinge auch in einem anderen Namen verübt – oder auch komplett ohne. Pädophile Kleriker würden auch dann Kinder sexuell missbrauchen, wenn es die Kirche und die Religion nicht gäbe.

Wenn wir als Theisten und Atheisten miteinander streiten, bezeichnen und beschuldigen wir uns gegenseitig oft als dumm, verantwortungslos oder ignorant. Wir merken nicht, dass unsere Positionen austauschbar sind, denn im verbalen Umgang miteinander benutzen wir oft das gleiche Vokabular. Das kann kein Zufall sein. Die Beziehung zwischen Theismus und Atheismus hat den Charakter einer Hassliebe. Unsere Argumente gegen den Theismus können in vielen Fällen auch als Argumente gegen den Atheismus eingesetzt werden (und umgekehrt), wenn wir einfach nur ein paar Wörter austauschen. Doch das dürfte nicht möglich sein, wären Atheismus und Theismus nicht miteinander verwandt. Deswegen sind in gewisser Weise Theismus und Atheismus zwei Konfessionen des gleichen Glaubens. Und woran wir glauben, was wir »intuitiv wissen« oder wovon wir »überzeugt« sind, hängt von unseren – wie oben bereits mehrfach bemerkt – persönlichen Vorlieben und unserem intellektuellen Temperament ab.

Der Trick des Agnostikers

Ergänzend ist noch der Agnostiker zu erwähnen. Er ist der »raffinierte« unter den Gläubigen. Als Agnostiker bringen wir das Kunststück fertig, gleichzeitig Theist und Atheist zu sein. Auch wir wissen, dass es weder für, noch gegen das Schöpfergottkonzept echte Beweise gibt. Aufgrund unseres intellektuellen Temperaments bräuchten wir sie aber, um uns für eine der beiden Welterklärungsmodelle entscheiden zu können. Denn als Agnostiker möchten wir nicht an etwas glauben, das es vielleicht gar nicht gibt, und hoffen deshalb, irgendwann einmal mehr zu wissen, damit uns eine sichere Wahl möglich wird. Bis dahin wenden wir einen „Trick“ an: Wir gehen in Wartestellung, nehmen also eine vorerst neutrale Haltung ein. Unsere Zuversicht speist sich aus unserem Wissen, dass eins der beiden Modelle richtig sein muss: Wenn das eine falsch ist, ist das andere richtig – so unsere bestechende Logik. Doch der Gedanke, dass möglicherweise beide Modelle falsch sein könnten, kommt uns nicht in den Sinn.

Wahrscheinlich werden wir an dieser Stelle denken: „Ja klar, was für Möglichkeiten könnte es denn sonst noch geben? Entweder gibt es Gott oder es gibt ihn nicht. Entweder ist das eine oder das andere Welterklärungsmodell richtig.“

Das Undenkbare

Eine abstrakte Struktur aus Farben und Linien, wie eine zerlegte Blume.Ich verstehe das Dilemma, das wir an dieser Stelle haben. Es hat etwas mit unseren von Natur aus beschränkten Assoziationsfähigkeiten und dem ultimativen Charakter unserer Ausgangsfrage zu tun.

Nehmen wir zunächst an, es gäbe einen Schöpfergott und wir wüssten es definitiv! Dann wäre unsere Frage trotzdem nicht beantwortet. Wir wüssten zwar, woher das Universum und das Leben kommen, doch unser Problem hätte sich nur verlagert. Denn woher käme Gott, der Initiator des Universums und des Lebens? Der hätte ebenfalls eine Erklärung nötig, da auch er ein Bestandteil der Existenz wäre!

Als schöpfergottgläubige Menschen sagen wir, nichts kann ohne Ursprung existieren. Deshalb muss es einen Schöpfer geben. Werden wir darauf hingewiesen, dass dieses „Verfahren“ dann auf den Schöpfer selbst angewandt werden muss, verweigern wir jedoch die Einsicht in unsere eigene Logik. Wir sprechen dem Schöpfer kurzerhand folgende Eigenschaft zu: Er existiert ewig ohne Anfang und Ende. Damit widersprechen wir unserer eigenen Logik. Zuvor haben wir noch argumentiert, »nichts kann ohne Ursprung existieren«, im nächsten Moment sagen wir jedoch: Es existiert etwas ohne Ursprung!

Unser Dilemma als Gottgläubige ist: Wir sind auf unseren Glauben fixiert, emotional und vielleicht intellektuell von ihm abhängig. Ohne unseren Glauben können wir nicht mehr richtig denken, denn unser seelisches Gleichgewicht ist auf ihn angewiesen. Doch in der heutigen, wissenschaftsorientierten Zeit werden schöpfergottgläubige Menschen mehr und mehr auf- und herausgefordert, ihren Glauben zu erklären. Da es uns nicht möglich ist, einfach zu sagen: „Ich glaube an einen Schöpfergott, weil ich das tun will“, versuchen wir unseren Glauben logisch abzuleiten, übersehen oder ignorieren dabei allerdings die Inkohärenz unserer Logik. Man kann eine Regel, auf die die eigene Argumentation aufbaut, nicht außer Kraft setzen, sobald Schwierigkeiten auftreten. Dadurch werden wir unglaubwürdig.

Können wir auf eine Erklärung für die Existenz Gottes verzichten (was Theisten tun), dann auch auf eine für die Existenz des Universums. Denn wenn ein allmächtiges Lebewesen ohne Anfang und Ende existieren kann, ist bewiesen, dass ursprungslose Existenz möglich ist. (Nebenbei bemerkt: Die Urknalltheorie behauptet nicht, dass das Universum ursprungslos ist, sondern aus dem Nichts entstanden ist. Wer weiß, was dieses Nichts ist.)

Das Postulat eines Schöpfergottes ist daher unnötig. Es hilft uns nicht weiter. Letztendlich ist es nur der etwas hilflose Versuch, das „Wunder“ der Existenz durch ein weiteres „Wunder“ plausibel zu machen, das wir dann nicht weiter hinterfragen müssen, weil es unsere Bedürfnisse bereits befriedigt. Doch ein Konzept ist ungeeignet ein Phänomen zu erklären, wenn es selbst Bestandteil des zu erklärenden Phänomens ist.

Manchmal argumentieren wir als schöpfergottgläubige Menschen auch folgendermaßen: „Weil ich mir nicht vorstellen kann, wie etwas aus dem Nichts heraus entsteht, muss ein Schöpferwesen das Universum geschaffen haben.“ Doch die Existenz eines Wesens ohne Anfang und Ende ist ebenfalls nicht vorstellbar. Als schöpfergottgläubige Menschen genügt uns Gottes Existenz, der höheren Instanz, die wir dann nicht mehr hinterfragen.

Nehmen wir andererseits an, wir wüssten definitiv, es gäbe kein übernatürliches Wesen, das das Universum erschaffen hat: Das Dilemma wäre das gleiche: Das Mysterium der Existenz wäre durch dieses Wissen nicht weniger unerklärlich. Wir hätten jetzt zwar nicht mehr das Problem, die Bedeutung und Herkunft eines Schöpferwesens erklären zu müssen, an der Situation würde das jedoch nichts ändern.

Wir können nur feststellen, dass die Existenz ein Mysterium ist und bleiben wird. Sämtliche Erklärungsmodelle taugen deshalb nichts. Sie werfen bloß neue Fragen auf und führen uns in eine unendliche Schleife.

Ob das Universum aus dem Nichts entstanden ist, oder von einem Gott ohne Anfang und Ende erschaffen wurde, ist unwesentlich.

(Übrigens: Sprechen Astrophysiker vom Nichts, meinem sie nicht das, was unser Alltagsverstand darunter versteht. Der Ausdruck »Nichts« ist in diesem Zusammenhang nur der Versuch einer Terminologiefindung für etwas, das nicht assoziiert oder imaginiert werden kann.)

Keines der beiden Erklärungsmodelle ist geeignet, unsere Frage zu beantworten. Wurde das Universum von einem Schöpferwesen erschaffen, stellt sich anschließend die Frage, was dieses Wesen ist und vorher es kommt. Ist das Universum hingegen aus dem sog. Nichts entstanden, müssen wir uns fragen, was dieses Nichts ist! Beide Fragen können wir nicht beantworten. Also ist es besser, von Anfang an darauf zu verzichten, das Phänomen der Existenz verstehen zu wollen. Es wird uns nicht gelingen, sondern nur von den wirklich wichtigen Fragen des Lebens ablenken. Eine davon lautet: Wie können wir es als Menschheit schaffen, friedlicher und freundlicher zu werden?

Das ontologische Ausschließungsprinzip

Für das oben dargestellte Problem bietet sich eine einfache Lösung an: Vergessen wir die Fragestellung und hören auf, das Rätsel der Existenz lösen zu wollen. Akzeptieren wir die Unbeantwortbarkeit dieser Frage. Hören wir auf, bei diesem Problem eine emotionale Haltung einzunehmen. Freunden wir uns mit der Vorstellung an, dass es uns niemals möglich sein wird, darüber etwas wissen zu können. Wir können das Problem nur in negativer Weise angehen und sollten wissen, dass all unsere Bemühungen bestenfalls Ansätze liefern. Wirklich lösen können wie es nie, denn alles, was wir sagen, assoziieren, denken, uns „vorstellen können“, hat mit dem Ursprung der Existenz nichts zu tun, sondern nur mit uns selbst. Das, was übrig bleibt, wir nicht denken und nicht assoziieren können, könnte es sein.

Egal was auch immer uns in den Sinn kommt, hat mit der Ursache allen Seins nichts zu tun. Denn, warum sollte es das? Weil es uns gefällt? Weil es unsere Gedanken sind? Weil diese Vorstellungen uns schmeicheln? Weil es uns in der Schule gelehrt wurde? Weil wir davon überzeugt sind? Weil wir es glauben?

All diese und ähnliche Gründe sind weder Indizien noch Beweise für die Richtigkeit unserer Existenzerklärungsmodelle. Diese spiegeln nur unsere kollektiven Ängste und individuellen Hoffnungen wider. Diese »Kollektiven Ängste und individuellen Hoffnungen« sind die einzigen „Referenzen“, auf die unsere Zuversicht letztendlich gründet, wenn wir denken unseren Gottesglauben plausibel (auch mit moderner Terminologie) begründen zu können. All das ist nur der Ausfluss unseres selbstverliebten Verstandes, der nicht einsehen will, dass seine Vorstellungskraft beschränkt ist. Warum sollten wir mit diesem gehandicapten Instrument der Wahrnehmung die größte aller Fragen beantworten können? Das Phänomen der Existenz lässt sich unmöglich mit unseren beschränkten geistigen Fähigkeiten verstehen. Das sollten wir endlich anerkennen.

Wenn wir die Welt im Ganzen und unser eigenes Leben betrachten, müssen wir betrübt feststellen, unfähig zu sein, unsere sozialen Probleme zufriedenstellend in den Griff zu bekommen – als Einzelmenschen, Gesellschaften und Nationen. Gleichzeitig glauben wir, die bedeutendste aller Fragen beantworten zu können? Das ist ziemlich naiv.

Anmerkung:

Das „ontologische Ausschließungsprinzip“ ist der sogenannten negativen Theologie bei flüchtiger Betrachtung ähnlich. Allerdings geht die negative Theologie von der Existenz Gottes aus. Sie sagt nur, dass wahre Aussagen über ihn unmöglich sind. „Gott ist die Ursache allen Seins“ ist – so weit ich weiß – die einzige Aussage, welche die negative Theologie über Gott anerkennt.

Das Ausschließungsprinzip behandelt hingegen das Phänomen der Existenz (die eine Schöpferinstanz, falls es sie gibt, mit einschließt).

Die Existenz ist tatsächlich als Phänomen erkennbar. Im Gegensatz zu Gott ist sie keine Spekulation, an die wir glauben können oder nicht. Es macht also keinen Sinn zu sagen: „Ich glaube, dass es die Existenz gibt.“ Was auch immer sie ist oder bedeutet: Es gibt sie – das ist definitiv wahr. Von Gott können wir das allerdings nicht sagen – nur glauben.

8 Gedanken zu “Glaubenssysteme”

    • Doch was ist Schicksal?
      Zufall? Vorsehung? Kausalität?
      Gibt es das alles überhaupt und wenn ja, was ist es?
      Oder sind es nur Konzepte, mit denen wir uns die Willkürlichkeiten des Lebens erklären wollen?

      Und was ist Spiel, was ist Freiheit und was Denken?

      Fragen über Fragen, die niemand beantworten kann … nur ein weiteres Spiel.

        • du sprichst mir aus der seele…
          schicksal hin , schicksal her…
          das leben ist nicht immer fair.
          glaubst du an das kausalitätsprinzip?
          gruss
          sandra

  1. Hier steht leider viel Unsinn. Die Logik ist leider falsch. Gott muß nicht deshalb erschaffen worden, weil das Universum erschaffen wurde. Umgekehrt kann auch nicht von der Ewigkeit Gottes auf die Ewigkeit des Universums geschlossen werde. Leider hast Du einiges falsch verstanden. Logik ist nur vorhanden, wenn eine Aussage wahr ist und nicht widerlegt werden kann. Die Logik für die Existenz Gottes ist demnach wahr, weil nichts aus dem Nichts entstehen kann, wie viele Astrophysiker heute wissen und auch argumentieren. Aber damit meinen Sie natürlich nicht gar nichts, sondern dies ist exakt der Beweis für die Existenz Gottes. Da nichts aus dem Nichts entstehen kann, kann nur Gott das Universum erschaffen haben. Soweit so gut. Der Unterschied zwischen Gott und dem Universum ist, daß Gott ewig ist, aber das Universum endlich. Hier ist dein zweiter Denkfehler. Es ist heute bewiesen, daß das Universum einen Anfang hat. Daher ist es nicht ewig, sondern endlich. Wenn es endlich ist, kann es nicht aus dem Nichts entstanden sein. Wenn es aber doch aus dem Nichts entstanden ist, dann kann nur Gott es enstanden haben lassen. Diese Logik ist unumstößlich, wird aber leider von Vielen nicht verstanden. Gott hingegen kann nicht erschaffen worden sein, da er ewig ist. Etwas Ewiges kann nicht erschaffen worden sein. Das ist ja gerade die alte Logik, die die Atheisten verwendet haben, um die Entstehung des lebens auf der Erde ohne Gott zu erklären. Leider ist aber bereits seit einigen Jahrzehnten die Endlichkeit des Universums bewiesen, so daß Atheisten schon lange nicht mehr auf dem Neuesten Stand sind. Sie versuchen weiter krampfhaft etwas zu widerlegen mit einer Logik, die falsch ist.

    • Gott muß nicht deshalb erschaffen worden [sein], weil das Universum erschaffen wurde.

      Das behaupte ich auch nirgendwo. Nirgendwo schreibe ich, dass alles, was existiert, auch erschaffen worden sein muss.

      Umgekehrt kann auch nicht von der Ewigkeit Gottes auf die Ewigkeit des Universums geschlossen werde.

      Auch das behaupte ich nicht.

      Logik ist nur vorhanden, wenn eine Aussage wahr ist und nicht widerlegt werden kann. Die Logik für die Existenz Gottes ist demnach wahr, weil nichts aus dem Nichts entstehen kann, wie viele Astrophysiker heute wissen und auch argumentieren.

      Du verknüpfst da zwei Dinge miteinander, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. »Logik« und das »Phänomen der Existenz« sollten man niemals miteinander verknüpfen. Wenn wir glauben, dem Phänomen der Existenz mit unserer primitiven Logik beizukommen, drehen wir uns lediglich in einem Kreis, den wir zuvor selbst gezeichnet haben.
      Außerdem unterstellst du mir schon wieder Aussagen, die ich nie gemacht habe.

      Wo ist der logische Schluss, wenn du schreibst: »Die Logik für die Existenz Gottes ist demnach wahr …«? Es ist logisch, dass etwas wahr ist, wenn es definitiv existent ist. Beispielsweise, wenn ich vor dir stehe und du mich sehen kannst, ist es definitiv wahr, dass es mich gibt. Gott hingegen ist nur der traditionelle Versuch, mit der wir uns die Existenz und das Leben erklären wollen.

      Die Antwort auf die Frage „Warum kann es etwas ohne Ursprung geben, etwas anderes jedoch nicht?“, beantwortest du leider nicht. Denn das behauptest du doch wohl implizit, oder nicht?

      Logisch ist: Wenn Gott ohne Ursprung existieren kann, ist bewiesen, dass ursprungslose Existenz möglich ist. Die Behauptung, »nicht kann ohne Ursprung existieren«, wäre demnach falsch.

      Welche Astrophysiker argumentierten mit dem Satz »Nichts kann aus dem Nichts entstehen«? Mag ja sein, dass es ein paar wenige gibt, die das tun, die große Mehrzahl aller Physiker spricht jedoch immer noch von der Entstehung des Universums aus dem Nichts (der mathematischen Ausdifferenzieren der Null). Da Physiker jedoch nie erklären, was dieses Nichts eigentlich ist oder sein könnte, kann unterstellt werden, dass der Ausdruck »Nichts« nur der Versuch einer Begriffsfindung für etwas ist, das nicht assoziiert werden kann.

      Der Unterschied zwischen Gott und dem Universum ist, daß Gott ewig ist, aber das Universum endlich. Hier ist dein zweiter Denkfehler. Es ist heute bewiesen, daß das Universum einen Anfang hat. Daher ist es nicht ewig, sondern endlich.

      Bewiesen ist gar nichts. Es sind alles nur Theorien! Woher willst du wissen, dass die Urknalltheorie richtig ist? Wir glauben nur, dass sie richtig ist. Woher willst du wissen, dass das Universum endlich ist? Auch das ist nur eine Theorie. Es gibt auch die Theorie vom unendlichen Universum: »Es kommt zum Urknall, das Universum entsteht, expandiert, bläht sich auf und fällt irgendwann (in 1000 Milliarden Jahren oder noch viel später) wieder in sich zusammen, verdichtet sich erneut zu einer Quantensingularität, aus der dann der nächste Urknall resultiert usw.« Das kann bis in alle Ewigkeiten so weitergehen … aber wie gesagt: alles nur Theorien.

      Wenn es endlich ist, kann es nicht aus dem Nichts entstanden sein.

      Warum sollte etwas Endliches nicht aus dem Nichts entstehen können? (Vorausgesetzt, Entstehungen aus dem „Nichts“ sind überhaupt möglich.) Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Nur Unendliches kann aus dem Nichts entstehen. Das wiederum würde bedeuten: Da Gott unendlich ist, ist er aus dem Nichts entstanden. Das würde jedoch bedeuten, dass er gar nicht unendlich ist, da es ja eine Zeit gab, zu der er noch nicht existierte. Ziemlich unlogisch.

      Wenn es aber doch aus dem Nichts entstanden ist, dann kann nur Gott es entstanden haben lassen. Diese Logik ist unumstößlich, wird aber leider von Vielen nicht verstanden.

      Warum? Warum ist diese Logik unumstößlich? Wenn diese Logik so wichtig und ein zentrales Element in deiner Argumentation ist, wäre es nur folgerichtig, dass du sie an dieser Stelle ausführlich erklärst, sie also plausibel macht. Es reicht einfach nicht aus, zu sagen: »Diese Logik ist unumstößlich«, nur weil du es so empfindest.

      Wenn es aber doch aus dem Nichts entstanden ist, dann kann nur Gott es entstanden haben lassen.

      Das ergibt keinen Sinn. Denn wenn Gott das Universum erschaffen hat, ist es doch nicht aus dem Nichts entstanden, sondern von ihm gekommen. Außer: Gott wäre das Nichts. Aber auch das ergäbe keinen Sinn.

      Gott hingegen kann nicht erschaffen worden sein, da er ewig ist. Etwas Ewiges kann nicht erschaffen worden sein.

      Niemand behauptet, dass Gott erschaffen wurde. Wie kommst du immer wieder darauf, das zu behaupten?

      Unabhängig davon: Woher willst du wissen, dass Gott ewig ist? Hast du das erfahren? Das wäre nur möglich, wenn du ebenfalls ewig existierst, und deswegen bestätigen könntest, dass Gott es auch tut.

      Das ist ja gerade die alte Logik, die die Atheisten verwendet haben, um die Entstehung des lebens auf der Erde ohne Gott zu erklären.

      Echt? Habe ich noch nie gehört, dass Atheisten so argumentieren. Letztendlich machen Atheisten nichts anderes als Theisten: Weil beide sich nicht damit abfinden können, dass die Existenz ein unerklärliches Phänomen ist, benutzen sie Welterklärungsmodellen, mit denen sie ihren Verstand beruhigen. Das Welterklärungsmodell der Theisten ist Gott, das der Atheist die Wissenschaft. Der Unterschied ist letztendlich sowieso unwichtig: Beide tun so, als wären ihr Modelle Tatsachen. In Wirklichkeit handelt es sich aber nur um Spekulationen, an die man glauben kann oder nicht, denn nichts von dem, was Atheisten und Theisten denken und sagen, kann bewiesen werden.

      Leider ist aber bereits seit einigen Jahrzehnten die Endlichkeit des Universums bewiesen, so daß Atheisten schon lange nicht mehr auf dem Neuesten Stand sind. Sie versuchen weiter krampfhaft etwas zu widerlegen mit einer Logik, die falsch ist.

      Tja, wie gesagt … das stimmt so nicht. Bewiesen ist gar nicht. Es gibt verschiedene Modelle und Theorien: das endliche Universum, das unendliche Universum, das aus dem Nichts entstandene Universum, das erschaffene Universum oder das ewige Multiversum (evtl. noch mehr?). Keine Ahnung, ob eins davon wahr ist. Keines dieser Welterklärungsmodelle beantwortet unsere Fragen nach dem »Wie«, »Warum« und »Wo«.

      Nicht nur die sog. Logik der Atheisten ist falsch, sondern auch die der Theisten. Wir lieben es halt, unsere Behauptungen mit dem Prädikat „logisch“ auszuschmücken – damit machen wir unsere Meinungen für uns aus unserer subjektiven Sicht unangreifbar. Deine Logik macht da keine Ausnahme. Du behauptest einfach: Es ist logisch …, ohne auch nur ansatzweise zu erklären, warum es das sein soll.
      Der Ausdruck »falsch« ist in diesem Zusammenhang übrigens nicht ganz angemessen. Inkohärent oder unstimmig wäre besser. Vielleicht könnte man auch sagen: schlampig, nicht konsequent zu Ende gedacht). Theisten und Atheisten versuchen mit ungeeigneten Mitteln (unserem beschränkten Verstand) das Phänomen der Existenz zu erfassen. Das wird niemals klappen.

  2. Dieser Kommentar hat hauptsächlich Beleidigungen und Beschimpfungen enthalten.

    Meiner wiederholten Aufforderung an Peter, seine Anschuldigungen zu belegen (einfach, indem er mir die betreffenden Zeilen in meinem Text aufzeigt), ist er nicht nachgekommen. Stattdessen hatte er seine verunglimpfenden Behauptungen bis zur Beleidigung gesteigert und sogar neue hinzugefügt. Deswegen habe ich diese Kommentare gelöscht.

    Stirzeltuff

  3. Auch dieser Kommentar bestand hauptsächlich aus Beschimpfungen und Beleidigungen, noch stärker als der vorherige.

    Meiner wiederholten Aufforderung an den Kommentator, seine Anschuldigungen zu belegen (einfach, indem er mir die betreffenden Zeilen in meinem Text aufzeigt), ist er nicht nachgekommen. Stattdessen hatte er seine verunglimpfenden Behauptungen bis zur Beleidigung gesteigert und sogar neue hinzugefügt. Deswegen habe ich diese Kommentare gelöscht.

    Stirzeltuff

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