Orga­nis­mus Mensch­heit

Orga­nis­mus Mensch­heit

5 Aug 2018 1 Von Stirzeltuff


Die Mensch­heit hat ihre Stär­ken und ihre Schwä­chen. Mit den Schwä­chen müs­sen wir leben, solan­ge wir sie nicht tran­szen­diert haben. Und nur eine Tran­szen­die­rung kann die Mensch­heit auf eine höhe­re Bewusst­seins­ebe­ne heben. Wir kön­nen die nega­ti­ven Sei­ten des Orga­nis­mus Mensch­heit nicht abschaf­fen oder weg­züch­ten. Die Mensch­heit kann nicht zum Guten oder zur Fried­lich­keit erzo­gen wer­den. Das wur­de schon oft ver­sucht, doch funk­tio­niert hat es nie. Wir kön­nen uns zwar fried­li­ches und freund­li­ches Ver­hal­ten antrai­nie­ren, doch das allei­ne reicht nicht. Denn solan­ge Fried­lich­keit und Freund­lich­keit nur Optio­nen sind, die wir wahr­neh­men kön­nen oder auch nicht, ist das Pro­blem nicht gelöst.

Wir kön­nen unse­re destruk­ti­ve Sei­te nicht direkt bekämp­fen, ohne dabei Metho­den anwen­den, die der destruk­ti­ven Sei­te ange­hö­ren.

Ange­nom­men, wir wür­den alle Men­schen, die einen kor­rup­ten Cha­rak­ter zu besit­zen schei­nen, dar­an hin­dern, öffent­li­che Ämter zu beklei­den. Höchst­wahr­schein­lich wür­den wir dann auch ehr­li­che Men­schen aus­schlie­ßen, denn Irr­tü­mer gibt es immer. Wir wür­den glau­ben, Gutes zu tun, in Wirk­lich­keit täten wir das Gegen­teil, ohne es zu mer­ken. Damit wür­den wir das Übel, das wir zu bekämp­fen glau­ben, unbe­merkt för­dern und kämen uns dabei auch noch fort­schritt­lich vor.

Macht­miss­brauch und Mani­pu­la­tor

Ein einem Zepter ähnlicher Gegenstand, sehr bunt.Denn wir dür­fen nicht ver­ges­sen: Wir sind fast alle (auf unter­schied­li­che Arten) emo­tio­nal kor­rupt und miss­brau­chen im All­tag und im Beruf unse­re Macht und Mög­lich­kei­ten. Wir mani­pu­lie­ren uns selbst und ande­re, ohne es rich­tig zu wis­sen. Eltern miss­brau­chen oft ihre Macht gegen­über ihren Kin­dern, Leh­rer die Macht gegen­über ihren Schü­lern, Vor­ge­setz­te die Macht gegen­über ihren Unter­ge­be­nen und Tier­hal­ter die Macht gegen­über ihren Tie­ren. Wir tun es auf unter­schied­li­che Wei­sen, sub­til oder offen­sicht­lich, in unter­schied­li­chen Gra­den sowie auf unter­schied­li­chen Gebie­ten.

Poli­ti­ker, Beam­te, Mana­ger und Ban­kiers scha­den mit ihrem Macht­miss­brauch der All­ge­mein­heit. Der Macht­miss­brauch, der in Fami­li­en, unter Freun­den oder Arbeits­kol­le­gen statt­fin­det, rich­tet nur ver­ein­zelt Scha­den an, doch da er in Mil­lio­nen Fäl­len geschieht und Mil­lio­nen Indi­vi­du­en davon betrof­fen sind, ist auch er groß, viel­leicht sogar der grö­ße­re. Und glo­bal sind es Mil­li­ar­den Men­schen, die auf­grund von Macht­miss­brauch psy­chisch und phy­sisch geschä­digt sind und dadurch selbst zum Macht­miss­brauch ani­miert oder genö­tigt wer­den.

Aus die­ser Mas­se der psy­chisch und sozi­al geschä­dig­ten Men­schen rekru­tie­ren sich unse­re Mana­ger und Poli­ti­ker, wel­che die Wirt­schaft und Poli­tik gestal­ten.

Wir alle sind von der Wider­sprüch­lich­keit des gesell­schaft­li­chen Lebens kor­rum­piert, oft bereits von Kind­heit an. Das wis­sen wir meis­tens und haben uns damit abge­fun­den und anrangiert. „So ist das Leben nun mal“, ver­tei­di­gen wir unse­re Gleich­gül­tig­keit ach­sel­zu­ckend und gehen zur Tages­ord­nung über. Wir fin­den es nor­mal, mani­pu­liert zu wer­den und selbst zu mani­pu­lie­ren. Wir den­ken, Gewalt, Mani­pu­la­ti­on, Betrug und Hin­ter­list sind natür­li­che und nor­ma­le Bestand­tei­le des Lebens und hal­ten die Vor­stel­lung einer gewalt­frei­en und freund­li­chen Welt für unrea­lis­tisch oder uto­pisch, manch­mal sogar für falsch, denn für vie­le scheint das Leben ein ein­zi­ger Kampf zu sein.

Ende der Jugend

Die­se Ein­stel­lung spie­gelt unse­re unrei­fe Bezie­hung zum Mensch­sein selbst wider. Uns ist nicht bewusst, dass die Mensch­heit ein Orga­nis­mus ist, der sich ent­wi­ckelt. Noch ist er rela­tiv pri­mi­tiv und befin­det sich gegen­wär­tig am Ende sei­ner „Jugend“. Sei­ne Kind­heit hat er zwar hin­ter sich, erwach­sen ist er des­halb nicht. Doch wie es bei Jugend­li­chen oft der Fall ist: Weil sie kei­ne Kin­der mehr sind, füh­len sie sich erwach­sen.

Wir soll­ten das beden­ken, wenn wir über die Mensch­heit urtei­len, denn es ist wenig sinn­voll, ihr ein Ver­hal­ten abzu­ver­lan­gen, zu dem sie aus evo­lu­tio­nä­rer Sicht noch gar nicht fähig sein kann. Als Ein­zel­we­sen kön­nen wir sehr reif und wei­se sein – unab­hän­gig von unse­rem Alter! Doch als Mensch­heit sind wir wenig mehr als ein puber­tie­ren­der Jugend­li­cher, der das Ende sei­ner Trotz­pha­se durch­lebt. Dass also die Mensch­heit noch nicht fähig ist, sich als Gan­zes fried­lich und freund­lich zu ver­hal­ten, braucht uns nicht zu ver­un­si­chern, beschä­men oder ängs­ti­gen, denn die Ent­wick­lung der Mensch­heit folgt ihrem natür­li­chen Ver­lauf und ist noch längst nicht been­det.