Das Böse


Das Böse ist immer unbe­wusst

Eine nasse Straße, die das helle Licht reflektiert

Es gibt kein bewuss­tes Böses. Böse Taten sind stets ein Aus­druck von Unbe­wusst­heit.

Um die­se The­se rich­tig zu ver­ste­hen, muss zunächst geklärt wer­den, was Unbe­wusst­heit über­haupt ist. Denn wir dür­fen sie nicht mir Unterbewusst­sein ver­wech­selt oder gleich­ge­setzt.

Ver­schie­de­ne Bewusst­seins­for­men

Unterbewusst­sein ist – genau wie unser Tages- Wach- oder auch Ober­be­wusst­sein – eine Bewusst­seins­form. Im Unter­be­wusst­sein (dem Schlaf­be­wusst­sein) fin­den stän­dig kom­mu­ni­ka­ti­ve Inter­ak­tio­nen im Erleb­nis­spei­cher des Indi­vi­du­ums (dem Bewusst­seins­trä­ger oder auch „Wirt“ des Bewusst­seins) statt. Die­ser weiß im Grun­de genom­men gar nicht, dass er ein Bewusst­sein hat, da er es nie als Gan­zes erfährt. Und unser Bewusst­sein ver­dient nur dann wahr­haft das Attri­but „Bewusst­sein“, wenn es nicht in zwei Hälf­ten auf­ge­spal­ten ist (die oben­drein kaum etwas von­ein­an­der wis­sen).

Unbewusst­heit (man könn­te auch sagen: Nicht-Bewusst­sein) hin­ge­gen ist kei­ne Bewusst­seins­form, son­dern beschreibt die Wahr­neh­mung des Bewusst­seins­trä­gers, dem bei­de Bewusst­seins­hälf­ten abhan­den­ge­kom­men sind (bei­spiels­wei­se bei voll­kom­me­ner Bewusst­lo­sig­keit). Unbe­wusst­heit meint daher die Abwe­sen­heit von Unter­be­wusst­sein und Ober­be­wusst­sein.

Unbe­wusst ist nicht unter­be­wusst

Wenn wir sagen: „Ich habe es unbe­wusst gemacht“, mei­nen wir, es auto­ma­tisch gemacht zu haben, ohne vor­her dar­über nach­zu­den­ken. Unser Instinkt oder unse­re Intui­ti­on hat uns gelei­tet. Doch Instinkt und Intui­ti­on bekom­men aus unse­rem Unter­be­wusst­sein ihre Impul­se. Des­we­gen müss­te es eigent­lich hei­ßen: „Ich habe es unterbewusst gemacht.„

Wenn ich von Unbe­wusst­heit spre­che, mei­ne ich also nicht Instinkt oder Intui­ti­on, son­dern das, was übrig bleibt, wenn kein Bewusst­sein (egal wel­cher Form) da ist.

Unser Ober­be­wusst­sein oder Tages­be­wusst­sein kön­nen wir mani­pu­lie­ren, indem wir uns bei­spiels­wei­se vor einem bestimm­ten Wis­sen abschir­men: Man­che unan­ge­neh­men Tat­sa­chen oder Aspek­te des Lebens wol­len wir nicht wahr­ha­ben und gehen ihnen des­halb aus dem Weg, indem wir sie igno­rie­ren. Unser Unter­be­wusst­sein kön­nen wir jedoch nicht so ein­fach aus­trick­sen. Ver­su­chen wir des trotz­dem, trick­sen wir uns nur selbst aus.

Mode­ra­tor Unter­be­wusst­sein

Unter die­sem Aspekt betrach­tet ist unser Unter­be­wusst­sein unser wich­tigs­tes Bewusst­sein, denn es ist bei der Aus­ge­stal­tung unse­res Ober­be­wusst­seins maß­geb­lich betei­ligt. Unser Unter­be­wusst­sein weiß oft bes­ser als unser Tages­be­wusst­sein, was gut und rich­tig für uns ist, da es über Infor­ma­ti­ons­ka­nä­le ver­fügt, die unse­rem Ober­be­wusst­sein nur in Aus­nah­me­fäl­len zugäng­lich sind. Es kann vom Ich-beses­se­nen Ober­be­wusst­sein nicht mani­pu­lie­ren wer­den. Das gefällt unse­rem Ober­be­wusst­sein natür­lich über­haupt nicht und des­halb ver­hält es sich so oft wie ein stör­ri­sches Kind.

Destruk­ti­vi­tät und Unbe­wusst­heit

Das Wort Böse kann als Syn­onym für »destruk­ti­ve Unbe­wusst­heit« ver­stan­den wer­den. Mei­ne The­se lau­tet: Wirk­lich bewuss­te Men­schen kön­nen gar nicht böse han­deln. Unbe­wusst­heit (das Nicht-Wis­sen) ist eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für böses Tun.

Und wir sind nicht des­halb bewusst, weil wir glau­ben, es zu sein. Sich selbst Bewusst­heit zu attes­tie­ren, ist ein Trick, mit dem wir uns selbst dar­über hin­weg­täu­schen, nicht ver­stan­den zu haben, was Bewusst­heit eigent­lich bedeu­tet.

Das heißt: Das Böse gibt es in der klas­si­schen Defi­ni­ti­on gar nicht. Es gibt nur von Men­schen ver­üb­te schreck­li­che Taten, die mög­lich sind, weil wir nicht wirk­lich wis­sen, was wir tun.

Unse­re bösen Taten mögen zwar oft beab­sich­tigt sein, doch absicht­li­ches Han­deln setzt nicht zwin­gend Bewusst­heit vor­aus, denn Wis­sen ist nicht mit Bewusst­sein gleich­zu­set­zen:

Absicht­li­ches Han­deln muss die tie­fer lie­gen­den Hin­ter­grün­de nicht ken­nen.

Wir han­deln oft mit Absicht und wis­sen trotz­dem nicht, was wir tun, was unse­re ver­bor­ge­nen Beweg­grün­de sind. Die erken­nen wir oft erst nach der Tat – und auch das nicht immer voll­stän­dig.

Selbst­ver­ständ­lich ist Unbe­wusst­heit nicht mit dem Bösen gleich­zu­set­zen. Bloß weil ein Mensch unbe­wusst ist, han­delt er nicht auto­ma­tisch böse. Wir alle sind mehr oder weni­ger unbe­wusst. Unbe­wusst­heit ist nur das Tor, das zu dem füh­ren kann, was wir »das Böse« nen­nen. Böses kann ent­ste­hen, wenn Unbe­wusst­heit mit Destruk­ti­vi­tät gepaart wird.

Der Kampf zwi­schen Gut und Böse

Der »Kampf zwi­schen Gut und Böse« ist daher ein Kampf zwi­schen Bewusst­sein und Unbe­wusst­heit (zwi­schen Wis­sen und Nicht-Wis­sen). Es ist ein Bewusst­wer­dungs­pro­zess.

Eine gute Ana­lo­gie ist die Bezie­hung zwi­schen hell und dun­kel: Wir kön­nen Dun­kel­heit nicht erzeu­gen, son­dern Dun­kel­heit bleibt zurück, wenn das Licht ver­schwin­det. Die­se Abwe­sen­heit nen­nen wir Dun­kel­heit. Genau­so ist es auch mit dem Unbe­wuss­ten: Wir kön­nen es nicht erzeu­gen, son­dern es bleibt zurück, weil wir etwas ent­fer­nen.

Der oft und gern zitier­te Kampf zwi­schen Gut und Böse ist daher nicht wirk­lich ein Kampf. Ein Kampf ist eine Aus­ein­an­der­set­zung, ein Kon­flikt zwi­schen zwei oder mehr Geg­nern, bei dem unter­schied­li­che Inter­es­sen auf­ein­an­der­pral­len. Das ist beim Kampf zwi­schen Bewusst­sein und Unbe­wusst­heit jedoch nicht mög­lich, da Unbe­wusst­heit kei­ne aus sich selbst her­aus exis­tie­ren­de Grö­ße ist, denn dazu müss­te sie absichts­ge­steu­ert sein, also Bewusst­sein haben.

Das Unbe­wuss­te ist sich sei­ner Exis­tenz nicht bewusst, das Bewuss­te jedoch schon.

Es gibt genau­so wenig das bewuss­te Unbe­wuss­te, wie das gute Böse, das hel­le Dunk­le oder das tro­cke­ne Nas­se.

Böse ist die Abwe­sen­heit von Gut

Das Gute ist eine bewuss­te, krea­ti­ve, schöp­fe­ri­sche Inten­si­on, die auf­recht­erhal­ten wer­den muss, damit sie nicht ver­geht.

Da das Böse also eine destruk­ti­ve Aus­drucks­form von Unbe­wusst­heit (Nicht-Wis­sen) ist, gibt es das Böse genau­so wenig wie das Unbe­wuss­te. Unbe­wusst­heit ist nur die Abwe­sen­heit von Bewusst­sein, Böse nur die Abwe­sen­heit von Gut – also nicht sein Gegen­spie­ler. Wie Erich Käs­t­ner so tref­fend sag­te: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Ver­schwin­det das Bewusst­sein, ver­schwin­det auch das Gute, bei­spiels­wei­se die absicht­li­che Gestal­tung und Auf­recht­erhal­tung einer fried­li­chen und freund­li­chen Welt. Je bewuss­ter wir sind, des­to mehr liegt uns eine sol­che Welt am Her­zen.

Der soge­nann­te Kampf zwi­schen Gut und Böse ist in Wahr­heit ein Bewusst­wer­dungs­pro­zess und Teil unse­rer Evo­lu­ti­on.

Han­deln wir böse, brin­gen wir den Grad unse­rer Unbe­wusst­heit zum Aus­druck. Unser unbe­wuss­tes Han­deln kann einen mons­trös-destruk­ti­ven Cha­rak­ter haben (bei­spiels­wei­se bei den Dik­ta­to­ren in der Welt­ge­schich­te), mit dem wir zuerst ande­re und letzt­end­lich auch uns selbst scha­den.

Ver­harm­lo­sung und Bana­li­sie­rung ver­mei­den

Die­se Defi­ni­ti­on soll das Böse nicht ver­harm­lo­sen, nach dem Mot­to: „Böses ist ja nur Unbe­wusst­heit – wir kön­nen nichts dafür, wenn wir böse han­deln.“ Das wäre natür­lich Quatsch. Unbe­wusst­heit ist zwar ein Aus­druck von see­li­scher Unrei­fe (für die wir nor­ma­ler­wei­se nichts kön­nen), unse­re Unrei­fe ist aller­dings oft auch selbst ver­schul­det, also künst­lich. Wir wol­len oft nichts wis­sen, weil Unwis­sen­heit bequem ist. Wis­sen ist für uns manch­mal eine Bür­de, der wir ger­ne aus­wei­chen, denn wir wol­len uns (also unse­ren Lebens­stil, unse­re Mei­nun­gen und Gewohn­hei­ten) nicht ändern.

Wenn wir vom Bösen reden, als wäre es eine exter­ne oder inter­ne Macht (bei­spiels­wei­se Dämo­nen oder ani­ma­li­sche Trie­be), der wir aus­ge­lie­fert sind, schie­ben wir nur die Ver­ant­wor­tung für unser destruk­ti­ves Han­deln von uns. Doch die­se Stra­te­gie der Ver­ant­wor­tungs­ver­wei­ge­rung bzw. Fremd­schul­zu­wei­sung wird nicht ewig funk­tio­nie­ren und sich irgend­wann rächen.


Das Böse ist mensch­lich

Der Aus­druck »das Böse« impli­ziert oder sug­ge­riert, dass es sich bei die­sem Phä­no­men um etwas Unab­hän­gi­ges oder Eigen­stän­di­ges han­delt. Wir spre­chen von exter­nen Mäch­ten (bei­spiels­wei­se Dämo­nen), die Men­schen in Besitz neh­men kön­nen, oder von unkon­trol­lier­ba­ren, ani­ma­li­schen Trie­ben, die uns böse han­deln las­sen.

Natur­ka­ta­stro­phen, die vie­le Todes­op­fer for­dern, wer­den als beson­ders schlimm bezeich­net, als ein gro­ßes Unglück, doch nie­mals als böse. Glei­ches gilt für Todes­op­fer, die von gefähr­li­chen Raub­tie­ren ver­ur­sacht wer­den oder für schreck­li­che Unfäl­le wie Flug­zeug­ab­stür­zen oder Zug­ent­glei­sun­gen.

Da es das Böse nur in der Men­schen­welt gibt und wir ver­mut­lich die ein­zi­gen Lebe­we­sen mit refle­xi­vem Bewusst­sein sind (der Fähig­keit, das eige­ne Den­ken zu beob­ach­ten), kön­nen böse Gescheh­nis­se als absicht­li­che Schre­ckens­ta­ten bezeich­net wer­den.

Tie­re sind unfä­hig, böse zu han­deln, weil ihnen das refle­xi­ve Bewusst­sein fehlt. Es ist nur eine schreck­li­che Tra­gö­die oder ein grau­en­vol­ler Unfall, wenn ein Raub­tier einen Men­schen anfällt und tötet. Dem Tier wer­den kei­ne bösen Absich­ten unter­stellt, denn es hat rein instink­tiv gehan­delt und weiß nichts von dem Leid, das es erzeugt.

Recht­fer­ti­gung des Bösen

Es gibt die Mei­nung oder Theo­rie, dass jeder Mensch zum Bösen fähig ist. Es käme nur dar­auf an, inwie­weit wir es beherr­schen oder unter­drü­cken kön­nen. Frü­her oder spä­ter wür­de jedoch fast jeder ein­mal – zumin­dest vor­über­ge­hend – die Kon­trol­le dar­über ver­lie­ren. Des­we­gen heißt es manch­mal: „Jeder Mensch könn­te einen Mord bege­hen.“

Goe­the soll ein­mal gesagt haben: Es gibt kein Ver­bre­chen, dass ich mir unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­stel­len könn­te. Nach einer Umfra­ge der For­schungs­grup­pe Wah­len könn­ten 38 % aller Deut­schen sich vor­stel­len, einen Mord zu bege­hen, hät­ten sie dafür kei­ne Bestra­fung zu erwar­ten. Sie wären also in der Lage, ande­ren Men­schen das anzu­tun, was sie selbst nie­mals erle­ben wol­len.

Die­se Men­schen ver­ges­sen oder über­se­hen, dass das eigent­li­che Leid, dass einer sol­chen Tat erzeugt, nicht das Tot­sein des Getö­te­ten ist, son­dern das Leid der Ver­wand­ten und Freun­de des Ermor­de­ten. Denn die­se haben für den Rest ihres Lebens den Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen zu bekla­gen, sind in gewis­ser Wei­se also lebens­lang trau­ma­ti­siert.

Die Behaup­tung »jeder ist zu einem Mord fähig« scheint daher eher so etwas wie eine Flucht nach vor­ne zu sein. Je mehr Men­schen sich ihr anschlie­ßen, des­to weni­ger müs­sen wir uns kri­tisch mit unse­rer eige­nen Destruk­ti­vi­tät aus­ein­an­der­set­zen.

Doch bei der „Mord­fä­hig­keits­theo­rie“ han­delt es sich nur um etwas schnell Gesag­tes, denn nie­mand weiß wirk­lich, ob sie stimmt. Sie ist nur ein beque­mer Gedan­ke, der es uns leicht macht, unkri­tisch mit unse­rer eige­nen Destruk­ti­vi­tät umzu­ge­hen.


7 Gedanken zu „Das Böse“

  1. Böse Men­schen, in dem Sin­ne, dass sie böse Han­deln um des böse sein wil­lens, gibt es nach mei­ner Auf­fas­sung nicht.
    Moti­va­ti­on zum Han­deln unter­liegt immer eine sub­jek­ti­ve Zweck­mä­ßig­keit. Auch wenn die spe­zi­fi­sche Hand­lungs­wei­se und unteran­de­rem auch der Zweck, von Außen, von einer Mehr­zahl der Men­schen, als böse qua­li­fi­ziert wür­de, so ist dies wohl nicht hin­rei­chend um die­se Tat und die Inten­ti­on da hin­ter, als „objek­tiv“ böse ein­zu­stu­fen.
    Böse ist eine mora­li­sche Kate­go­rie um das Han­deln von Men­schen in eine bestimm­te Rich­tung len­ken zu wol­len. Man han­delt lie­ber nach dem, was als Gut gilt, um gesell­schaft­li­ches Aner­ken­nung zu bekom­men. Böses wir kol­lek­tiv geach­tet (Nor­men u. Geset­ze), um die Wahr­schein­lich­keit eines jeden Indi­vi­du­ums selbst Opfer von bösen Hand­lun­gen zu wer­den, zu mini­mie­ren. (in Anleh­nung an Pla­tons Gerech­tig­keits und Unge­rech­tig­keits Begriff­lich­keit in Poli­teia)

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    • Böse Men­schen, in dem Sin­ne, dass sie böse Han­deln um des böse sein wil­lens, gibt es nach mei­ner Auf­fas­sung nicht.

      Das kann schon sein, trotz­dem gibt es Men­schen, die das von sich behaup­ten und viel­leicht auch glau­ben. Das soll­te schon berück­sich­tigt wer­den.

      Moti­va­ti­on zum Han­deln unter­liegt immer eine sub­jek­ti­ve Zweck­mä­ßig­keit.

      Könn­te auch sein, doch kön­nen wir uns nicht sicher sein, dass unse­re Hand­lun­gen tat­säch­lich immer eine Zweck­mä­ßig­keit besit­zen, selbst wenn die­se ver­bor­gen ist. Denn: Was wis­sen wir schon wirk­lich dar­über?

      Auch wenn die spe­zi­fi­sche Hand­lungs­wei­se und unter ande­rem auch der Zweck, von außen, von einer Mehr­zahl der Men­schen, als böse qua­li­fi­ziert wür­de, so ist dies wohl nicht hin­rei­chend um die­se Tat und die Inten­ti­on da hin­ter, als „objek­tiv“ böse ein­zu­stu­fen.

      Okay, aber das hat damit eher weni­ger zu tun. Nicht weil »eine Mehr­zahl der Men­schen“ etwas als böse bezeich­net, ist etwas böse. Die Tat selbst ist es, die OBJEK­TIV dar­über Aus­kunft gibt, ob sie „böse“ ist.

      Böse ist eine mora­li­sche Kate­go­rie um das Han­deln von Men­schen in eine bestimm­te Rich­tung len­ken zu wol­len.

      Okay, auf mei­ne Defi­ni­ti­on des Bösen (das Böse ist eine destruk­ti­ve Aus­drucks­form von Unbe­wusst­heit) ist die­se Betrach­tung aber nicht anwend­bar. Es gibt das Böse im klas­si­schen, volks­tüm­li­chen Sinn nicht (und wenn doch, muss es erst defi­niert wer­den, wäre rela­tiv, könn­te dis­ku­tiert wer­den usw.). Extrem destruk­ti­ve Taten, die viel Leid und Elend in der Welt erzeu­gen und abso­lut über­flüs­sig sind, gibt es jedoch schon – und zwar defi­ni­tiv.

      Man han­delt lie­ber nach dem, was als Gut gilt, um gesell­schaft­li­ches Aner­ken­nung zu bekom­men.

      Du meinst den »Kon­ven­ti­ons­zwang«. Wir pas­sen uns halt den Mehr­heits-Gepflo­gen­hei­ten an – aus unter­schied­li­chen Grün­den. Dabei geht es aber nicht um „Gut“ oder „Böse“.

      Böses wird kol­lek­tiv geach­tet (Nor­men u. Geset­ze), um die Wahr­schein­lich­keit eines jeden Indi­vi­du­ums selbst Opfer von bösen Hand­lun­gen zu wer­den, zu mini­mie­ren. (in Anleh­nung an Pla­tons Gerech­tig­keits und Unge­rech­tig­keits Begriff­lich­keit in Poli­teia)

      Ja klar, das ist natür­lich und ver­ständ­lich.

      Ganz all­ge­mein weiß ich aller­dings nicht, was du mit dei­nem Kom­men­tar sagen willst. Das, was ich zum The­ma Böse schrei­be, wider­spricht sich nicht mit dem, was du schreibst. Ich ver­mu­te des­halb, dass du mei­nen Arti­kel nur flüch­tig gele­sen hast.

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    • Wer­tig­kei­ten wie gut und schlecht ent­ste­hen durch unse­re Kon­di­tio­nie­rung auf die Sicht der Welt und der Din­ge. Was ist nun „Böse“? Letzt­lich nur eine Erfin­dung der Kir­che, um nicht oder schwer nach­voll­zieh­ba­re Sach­ver­hal­te abs­trakt dar­zu­stel­len. Letzt­lich ist der Glau­be, dass es etwa Böses gibt, rei­ner Selbst­be­trug, denn ALLES ist ursäch­lich, auch wenn der Weg zur Erkennt­nis der Ursa­che oft unweg­sam oder unbe­quem ist.

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      • Wer­tig­kei­ten wie gut und schlecht ent­ste­hen durch unse­re Kon­di­tio­nie­rung auf die Sicht der Welt und der Din­ge.

        Na ja, dass es schlecht ist zu hun­gern und frie­ren, ist kei­ne Kon­di­tio­nie­rung … nur eins von Tau­sen­den Bei­spie­len.

        Was ist nun „Böse“?

        Es gibt zwei „Grup­pen“ des Bösen: Das anti­po­disch-idea­lis­ti­sche und das pro­fa­ne Böse. Das anti­po­disch-idea­li­sche Böse fin­det man bei­spiels­wei­se häu­fig bei den orga­ni­sier­ten Reli­gio­nen. Dort fun­giert es einer­seits als Gegen­spie­ler zur Kir­chen­dok­trin. Hier ist das böse, was von der Kir­che als böse bezeich­net wird, wie du schon schreibst.

        Die zwei­te Grup­pe ist das pro­fa­ne Böse, also bei­spiels­wei­se Mord, Gewalt- und Miss­brauch­s­ta­ten, schlim­me Krie­ge etc. All die schlim­men Din­ge, die Men­schen ande­ren Men­schen mit Freu­de antun. Taten, die im Leben der Geschä­dig­ten viel Leid, Kum­mer, Schmerz und Ver­lust erzeu­gen und deren Leben zer­stö­ren.

        Letzt­lich ist der Glau­be, dass es etwa Böses gibt, rei­ner Selbst­be­trug …

        Das mag für das idea­lis­ti­sche, theo­lo­gi­sche, kle­ri­ka­le Böse stim­men, doch die schlim­men Din­ge, die Men­schen über­all auf der Welt erle­ben müs­sen, sind kein Selbst­be­trug. Men­schen tun ande­ren Men­schen über­all auf der Welt schlim­me Din­ge an – rund um die Uhr. Das ist die ver­brei­tets­te „Form“ des Bösen.

        Tech­nisch aus­ge­drückt könn­te man sagen: Böse Taten brin­gen nega­ti­ve Ener­gie in die Gesell­schaft, indem sie das Leben ein­zel­ner Gesell­schafts­mit­glie­der stark beein­träch­ti­gen. Ein Teil die­ser Men­schen wer­den dann (weil sie unge­recht­fer­tig­tes Leid erfah­ren muss­ten) selbst zu Bösen Taten „ani­miert“.

        … denn ALLES ist ursäch­lich, auch wenn der Weg zur Erkennt­nis der Ursa­che oft unweg­sam oder unbe­quem ist.

        Okay, aber die Ursa­che spielt bei der Betrach­tung des Phä­no­mens des Bösen nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Es kann uns zunächst egal sein, war­um eine Mensch mor­det oder ähn­li­che Din­ge tut. Es gilt nur zu ver­hin­dern, dass er es wie­der tut. Danach kön­nen wir ja dar­über phi­lo­so­phie­ren und theo­re­ti­sie­ren.

    • Natür­lich gibt es Men­schen, die Böses tun, nur um des Bösen Wil­len.
      Wenn Sie das nicht glau­ben, emp­feh­le ich Ihnen einen Besuch bei Sek­ten, die den Satan anbe­ten. Dort geht es im Kern allein dar­um, Böses an ande­ren Men­schen zu tun. Das Böse ist qua­si die „gute Tat“ der Sata­nis­ten.

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  2. Es ist doch ganz ein­fach, wenn Du nicht betro­gen wer­den willst, wie­so machts Du es dann bei den andern. Wenn Du kein Leid erfah­ren willst, wie­so fügst Du es dann andern zu.

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    • Theo­re­tisch ist es sicher­lich ganz ein­fach, prak­tisch jedoch nicht.

      Nur weil man ande­re betrügt, bedeu­tet das nicht, dass man selbst auch betro­gen wird. Es gibt bestimmt vie­le pro­fes­sio­nel­le Betrü­ger, die Glück hat­ten und nie erle­ben muss­ten, selbst betro­gen zu wer­den. Und es gibt auch Men­schen, die nie jeman­den betro­gen haben, selbst aber stän­dig betro­gen wer­den.

      Und was den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv betrifft: Nur weil ein Mensch sich wei­gert, ande­ren Men­schen Leid zuzu­fü­gen, bedeu­tet das nicht auto­ma­tisch, dass er selbst nie­mals Leid erfährt. Wer im Leben auf Gewalt und Hin­ter­list zur Durch­set­zung der eige­nen Inter­es­sen ver­zich­tet, ver­rin­gert nur die Wahr­schein­lich­keit, selbst ein Opfer von Gewalt und Betrug zu wer­den.

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