Unabhängiges Denken entwickeln


Das befreite Denken

Eine Küste mit einem stürmischen Meer

In unserer Kindheit und Jugend werden wir von verschiedenen Einflüssen geprägt. Die elterliche Erziehung, schulische Bildung und unser nachbarschaftliches Umfeld formen unser Denken und unsere Assoziationsfähigkeiten. Sie bestimmen maßgeblichen den Verlauf unseres gesamten späteren Lebens. Im Erwachsenenalter sind wir dann meistens unveränderlich und behalten diese Konditionierungen ein Leben lang bei, auch wenn wir manchmal merken, dass sie uns behindern.

Denken oder glauben wir etwas Bestimmtes, dann meistens nicht, weil wir uns zuvor mit diesem Thema ernsthaft beschäftigt haben und uns so unsere Meinungen bilden konnten. Wir haben diese Meinungen ungeprüft von anderen Menschen übernommen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass unsere Meinungen oft nicht unsere sind – man hat sie lediglich zu unseren gemacht. Wir müssen lernen, uns von diesen zu lösen, denn eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben, ist selbstständiges Denken.

Um Letzteres entwickeln zu können, muss uns bewusst sein, dass unser Denken einen fremdbestimmten Charakter besitzt. Das ist sehr schwierig, denn diese Erkenntnis ist nur möglich, wenn wir bereits ein gewisses Maß an eigenständigem Denken besitzen. Insofern ist es gar nicht möglich, selbstständig zu denken, wenn die Veranlagung dazu nicht schon als Keim in uns vorhanden ist.

Gibt es diesen Keim, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er zu wachsen beginnt und wir neue Gedanken entwickeln. Bei einigen Menschen geschieht das schon von Kindheit an und setzt sich durch ihr ganze Leben fort. Bei anderen setzt dieser Prozess erst zu einem späteren Zeitpunkt ein und führt zu einem neuen, zweiten Leben. Handelt es sich dabei tatsächlich um neue Gedanken (und nicht um eine Variation der alten, was schnell passieren kann), ist dieser Prozess nicht mehr aufzuhalten. Wir entwickeln uns kontinuierlich weiter, was bedeutet: Wir lernen ständig hinzu und verändern uns auf diesem Hintergrund.

Ein Raum, einer Höhöe ähnlich, in dem ein großes Feuer brennt

Gibt es diesen Keim nicht (was bei den meisten von uns der Fall ist), muss er gesetzt werden, und das bedeutet, es ist ein außergewöhnliches Ereignis nötig, das uns aus unserer Routine, aus unserer mentalen Lethargie wirft. Und ein solches außergewöhnliches Ereignis ist meistens eine persönliche Katastrophe, ein Unfall, ein Schicksalsschlag oder Ähnliches: Unser Leben erfährt eine Veränderung, die wir zuvor für unmöglich hielten.

 

Unsere Lebensroutinen brechen auf, weil sie für eine gewisse Zeit ihre Bedeutung verlieren und in diesem »Fenster« können wir unser Leben »sehen« und überdenken, es eventuell infrage stellen.

Macht uns dieser Schicksalsschlag nicht depressiv, können wir durch ihn wachsen und im Schatten dieser Potenzierung, entstehen als Nebenprodukt neue Gedanken und Assoziationen. Es ist wie ein mechanischer Prozess: Neue Räume oder Türen öffnen sich. Wir nehmen plötzlich Dinge wahr, die zwar schon immer da, aber unsichtbar waren. Unser Wahrnehmungsspektrum hat sich erweitert.


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