Charakter der Dummheit


Die Menschheit ist dumm

Dummheit ist kein Ausdruck mangelhafter Intelligenz.

Eine gelb-braune Struktur, wie der Blick in einen diffusen RaumEs gibt unterschiedliche Arten oder Kategorien der Dummheit. Es ist auch nicht immer leicht, sie zu definieren. Ist es bereits eine Dummheit, zwischen den beiden Polen Dummheit und Klugheit zu unterscheiden? Ist es anmaßend und damit dumm, ein bestimmtes Verhalten dumm und ein anderes klug zu nennen? Sollten wir nicht jedem die Freiheit zugestehen, sich in privaten Angelegenheiten dumm verhalten zu dürfen? Bevormunden wir andere, wenn wir sie dumm nennen? Vielleicht haben sie klug gehandelt, doch wir können es nicht erkennen! Benutzen wir die (vermeintliche) Dummheit anderer, um von unserer eigenen abzulenken?
Das sind Fragen, die nicht leicht zu antworten sind. Trotzdem sollten wir sie nicht ignorieren. Ungeachtet dessen gibt es eine Reihe von Dummheiten, die ganz klar als negativ zu bewerten sind. Das sind die schädlichen oder destruktiven Dummheiten. Unter ihnen leidet mehr oder weniger die gesamte Menschheit.
Intelligente Menschen können sich durchaus dumm verhalten – und tun das auch oft! Nicht jede Dummheit muss jedoch tragisch sein: Zigaretten rauchen ist zwar eine Dummheit, aber es gibt weitaus Schlimmeres. Geben wir beispielsweise unser letztes Geld für etwas aus, was wir nicht brauchen, und können anschließend unsere Wohnungsmiete nicht bezahlen, ist das ziemlich dumm. Jedoch wirkt sich diese Dummheit nur auf unser Privatleben aus. Wir können aus dieser Erfahrung lernen. Wir sollten also zwischen privater und allgemeiner Dummheit unterscheiden. Beide Kategorien besitzen wohl noch verschiedene Schattierungen. Die private Dummheit soll hier nicht weitergehend behandeln werden.

Destruktive Dummheit

Die eigentlich schädliche Dummheit ist die allgemeine. Sie kann globale Folgen haben, wie Kriege, Umweltverschmutzung, Wirtschaftskrisen und Ähnliches mehr – und das ist fatal.

Dummheiten, die sich auf ein ganzes Land auswirken, dürfen im Gegensatz zu den persönlichen nicht ignoriert oder toleriert werden – doch leider ist das oft der Fall. Wir „verzeihen“ unseren Politikern und Wirtschaftsmagnaten ihr Fehlverhalten, nach dem Motto: „Jeder macht mal Fehler“. Doch diese „Fehler“ müssten meistens nicht sein, würden unsere Machtmenschen ihre Aufgaben in allen Fällen wirklich ernst nehmen. Der Grund ist Folgendes: Menschen, die in Politik, Wirtschaft oder Bankwesen eine leitende Stellung haben, sind letztendlich auch ganz normale Menschen. Und das bedeutet: Sie machen nicht nur Fehler, sondern handeln oft auch wider besseres Wissen falsch – aus Bequemlichkeit, Ignoranz, Kurzsichtigkeit, Opportunismus, Trägheit oder Gleichgültigkeit. Ihr opportunistisches Verhalten ist letztendlich dumm, denn sie merken nicht, dass sie indirekt ihren eigenen Interessen schaden. Das erkennen sie jedoch erst mit enormer Verzögerung, da sie als gut- oder bestverdienende über Ressourcen verfügen, die es ihnen erlauben, auf einer »sozialen Insel« zu leben.

Unterschwellig wissen wir, dass unser Handeln oft kontrakreativ ist, doch wir sind unfähig, etwas dagegen zu tun, denn wir wollen keine Veränderung und Umstrukturierung unseres Lebens im Denken und Handeln.

Wir wollen keine Störung unserer Routinen und Tagesabläufe. Das ist uns wichtiger als alles andere und deswegen gehen wir auch manchmal sehenden Auges ins Unglück. Seltsamerweise empfinden wir unsere Zwänge und Gewohnheiten als Ausdruck von Freiheit: Wir sind frei das zu tun, woran wir uns gewöhnt haben, frei uns falsch und unvernünftig zu verhalten, frei uns unsere Zukunft selbst zu verbauen. Diese Freiheit verbinden wir schizophrenerweise mit Souveränität. Doch sie ist das genaue Gegenteil: selbst verschuldete Gefangenschaft und Abhängigkeit – das Ergebnis von Gleichgültigkeit.

Kreative Dummheit

Eine Zeichnung wie eine Landschaft von oben mit vielen Tälern, Flüssen und Bergen.Doch nicht alle Dummheiten sind prinzipiell abzulehnen. Es kann sogar sehr belebend sein, hin und wieder dumm zu handeln. In einem harmlosen Rahmen tun wir so etwas oft – beispielsweise Zigaretten rauchen (solange es nicht zu viel sind), an Feiertagen zu viel essen, blöde Filme sehen (kindliche Triebe befriedigen), zu lange schlafen, weil wir keine Lust verspüren, aufzustehen, zu spät schlafen gehen, weil wir noch keine Lust haben, ins Bett zu gehen, der Konsum von zu viel Alkohol oder anderer Drogen und Ähnliches mehr. Oft bereuen wir am nächsten Tag unsere Inkonsequenzen vom Vorabend, aber wir brauchen unsere Spielräume, damit uns klar wird, was wirklich wichtig ist.
Dieses Verhalten können wir als irrational bezeichnen. Haben wir uns durch unsere Dummheit eine Möglichkeit verbaut oder unnötige Arbeiten aufgebürdet, bereuen wir im Nachhinein unser unkluges Tun und werden beim nächsten Mal vielleicht weitsichtiger sein. Unsere irrationale Seite (solange sie keine krankhaften Zwänge oder Phobien sind) kann uns manchmal neue Impulse und Ideen geben, die unser Leben bereichern oder erweitern. Pragmatismus und Rationalität sind gut und wichtig, solange Funktionalität und Effizienz in Vordergrund stehen. Andernfalls können beide unsere Kreativität behindern oder blockieren.

Manche gute Idee entsteht aus einer Dummheit, also durch Zufall. Doch das wissen wir vorher nicht.

Ein undiszipliniertes Leben kann erfrischende und inspirierende Momente beinhalten. Unsere irrationalen Dummheiten sind menschlich. Einem durchgestylten, durchorganisierten Leben mangelt es oft an Originalität, denn Funktionalität ist nicht alles.
Wir sollten also nicht versuchen, fehlerlos durchs Leben zu gehen. Das funktioniert sowieso nicht. Versuchen wir es trotzdem, nehmen wir unsere Dummheiten lediglich nicht mehr wahr und glauben bloß, keine zu machen. Perfektion kann uns die Sicht auf das Wesentliche verstellen und lässt uns eindimensional werden. Wir wollen uns ja alle weiterentwickeln (oder sollten es zumindest wollen), doch das geht nur, indem wir uns den Blick für Neues offenhalten. Beobachten wir uns also dabei, etwas falsch gemacht zu haben, sollten wir uns freuen, dazu in der Lage zu sein. Das zeigt uns, wir sind lebendig und entwicklungsfähig. Nur Maschinen machen keine dummen Fehler.

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