Polaritätsdenken


Die polare Logik unseres Denkens

Vielleicht hat auch unsere Neigung, in Polaritäten zu denken, damit etwas zu tun, dass wir uns ein Nichts denken: Wir können uns das eine nicht ohne sein Gegenteil vorstellen.

Eine Fläche mit zerlaufenden Farben auf diffusem Hintergrund.

Von Helligkeit können wir nur deshalb sprechen, weil es beispielsweise auch Dunkelheit gibt, von Wärme nur, weil es auch Kälte gibt, von Bewusstsein nur, weil es auch Unbewusstsein gibt usw. usf. Und auf dieser Logik gründet auch unsere Annahme, dass es das Nichts geben muss. „Es gibt ein Etwas, also muss es auch ein Nicht-Etwas geben“, ist unsere Assoziation. Die Existenz macht (für uns) nur dann einen Sinn, wenn es einen Gegenspieler gibt, eine Nicht-Existenz, so empfinden wir. Doch bei dieser Polaritäts-Geschichte übersehen wir meistens eins:

Dunkelheit und Helligkeit sind nicht wirklich zwei sich ergänzende, polare Größen oder Werte, die sich gegenüberstehen. denn Dunkelheit besitzt keinen Energiewert, auch keinen negativen! Es gibt eigentlich keine Dunkelheit, sondern nur die Abwesenheit von Licht. Wenn es nicht so wäre, müsste Folgendes möglich sein:

In einem Raum, indem es weder Dunkelheit noch Helligkeit gibt, müssten wir Helligkeit oder Dunkelheit herstellen können, ohne Interaktion mit seinem Gegenstück. Doch das ist nicht möglich, denn schon diesen speziellen Raum gibt es nicht.

Ein Ozean oder Meer in dem unter einer Wolkendecke eine Insel zu sehen ist.

Das Gleiche gilt für viele andere Polaritäten: Kälte ist nur die Abwesenheit von Wärme, Unbewusstsein nur die Abwesenheit von Bewusstsein. Dunkelheit, Kälte und Unbewusstsein können nicht erzeugt werden, indem beispielsweise Energie hinzugefügt wird. Dunkelheit, Kälte und Unbewusstsein bleiben zurück, (sie entstehen also nicht!) wenn Licht, Wärme und Bewusstsein entfernt werden. Leere (ein leeres Gefäß) bleibt zurück, wenn wir den Inhalt des Gefäßes entfernen. Andersherum geht es jedoch nicht: Wir können keine Leere hineintun oder entfernen. Wir können nicht mit einem Nichts hantieren, sondern stets nur mit einem Etwas.

Wir können kein Nichts irgendwo hintun, und damit ein Etwas verdrängen. Deswegen ist es auch nicht möglich, mit einem Etwas ein Nichts zu verdrängen. Wir können nur ein Etwas durch an anderes Etwas ersetzen.

Wir können nicht Kälte, Dunkelheit oder Unbewusstsein hinzutun, und haben anschließend dann mehr Kälte, Dunkelheit oder Unbewusstsein. Wenn man „ein Nichts“ zu einem Etwas hinzutut, ist das Etwas anschließend nicht kleiner. Tausend plus null ergeben immer noch Tausend. All das sind müßige Gedanken, aber wenn man will, können sie Spaß machen.

Diese Analogien zeigen auf, dass das Nichts eigentlich gar kein wirkliches Nichts ist. Irgendjemand hat mal sinngemäß gesagt: „Alles was wir uns vorstellen können, gibt es irgendwo und irgendwann auch.“ Doch bei dieser Aussage handelt es sich nur um einen Satz, den wir schnell aussprechen, ohne ihn je verifizieren zu können oder zu müssen. Alle Theorien über das Nichts werden immer Gedankenspiele bleiben. Und so verhält es sich auch mit dem, was ich hier über das Nichts schreibe: Ich spiele mit Worten und Gedanken, weil es mir Spaß macht. Mehr ist es nicht: Ein Spaß, ein Spiel!

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