Empathiefähigkeit


Empathie ist alles, was wir brauchen

Eine grüne Landschaft ohne Schatten

Der Grund, aus dem wir in so vielen Fällen gewalttätig, grausam und gleichgültig gegenüber unseren Mitmenschen sind, ist unsere mangelhafte Empathiefähigkeit. Darauf habe ich schon mehrmals hingewiesen und werde es an angebrachter Stelle immer wieder tun. Wir können uns zwar in andere hineinversetzen und nachempfinden, was diese fühlen, doch diese Fähigkeit beschränkt sich meistens auf die Menschen, die uns aus biologischer und sozialer Sicht wichtig sind. Das sind unsere Verwandten, Freunde und Menschen, die unserem direkten Umfeld angehören, von denen unser tagtägliches Wohlbefinden zum Teil abhängt. Wir berücksichtigen die Interessen dieser Menschen, weil sie indirekt auch unsere sind.

Das Wohl unserer Kinder ist uns natürlich wichtig, denn sie sind eine Verlängerung oder Erweiterung unserer eigenen Existenz. Das Bestreben, unsere Nachkommen und unsere Verwandten vor Übel zu beschützen, ist Bestandteil unseres erweiterten Selbsterhaltungstriebes. Menschen, mit denen wir nicht verwandt sind, sind uns egal, weil sie eben keine Verlängerung unserer eigenen Existenz sind.

Eine grüne Insel umgeben von blauen Wasser

Freundliche und liebevolle Gefühle für unsere Kinder, Partner, Eltern, Geschwister oder Freunde sind leicht, denn von diesen Menschen ist unser seelisches Gleichgewicht teilweise abhängig. Wir mögen diese Menschen aus biologischer oder sozialer Sicht, ohne uns dazu animieren zu müssen. Denn wir brauchen einen sozialen Rückzugsort, in dem wir Kräfte sammeln können, die uns helfen in der Öffentlichkeit (in der wir uns mehr oder weniger permanent verstecken und verstellen müssen) funktionieren zu können.

Freundliche Gefühle für fremde Menschen

Ein tiefes Tal, umgeben von Felswänden und hochstehenden WolkenSchwierig ist es hingegen, für fremde Menschen freundliche Gefühle zu haben, denn wenn es denen schlecht geht, beeinträchtigt das unsere Situation nicht. Wir sprechen zwar unser Bedauern aus, erleidet beispielsweise ein Nachbar einen schweren Schicksalsschlag, doch das hat eher etwas mit guten Manieren zu tun (wir wissen, was sich gehört, was von uns erwartet wird), als mit echtem Mitgefühl. Wir bringen unsere formelle Anteilnahme zum Ausdruck, denn das erwartet man von uns. Zu einer tiefen und echten Anteilnahme an seinem Leid sind wir normalerweise nicht fähig, weil sein Leid für uns keine Bedeutung hat. Doch genau das müssen wir lernen, wenn wir als Menschheit eine Zukunft haben wollen. Von dieser Fähigkeit wird unser Überleben in der Zukunft abhängen. Wir müssen lernen, Leid und Freude fremder Menschen als eigenes Leid und eigene Freude zu empfinden.

Wir müssen lernen, freundliche Gefühle für vollkommen fremde Menschen zu entwickeln. Wir müssen lernen, uns für das Glück fremder Menschen zu freuen. Das Wohl fremder Menschen sollte uns genauso wichtig sein, wie unser eigenes. Und wir müssen lernen, unabhängig von dem, was vielleicht unsere Religion oder eine Philosophie sagt, so zu denken.

Das ist wichtig: Unsere freundlichen Gefühle für fremde Menschen dürfen nicht von einer Lehre abhängig sein, denn dann wären sie künstlich. Alles Künstliche muss aufrechterhalten werden und wird deshalb früher oder später zusammenbrechen, denn jede Anstrengung erlahmt irgendwann.
Wir müssen also lernen, uns mit fremden Menschen zu identifizieren. Wir müssen verstehen, dass andere Menschen, egal woher sie kommen und wie sie aussehen, nicht anders sind, als wir. Bedingungsloses und nicht abhängiges Mitgefühl mit anderen Menschen ist der Grundpfeiler für die Welt der Zukunft.


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5 thoughts on “Empathiefähigkeit

  1. „Herr Richter, wir kennen uns doch. Ich bin doch Ihr Nachbar!“
    sagte ein junger Familienvater, Sinti, bei der Eröffnung einer Gerichtsverhandlung im früheren sehr feudalistischem Oberungarn.
    Eine Stunde später treffen sich die amüsierten Zuschauer dieser Sitzung im nahen Männertreffpunkt,
    also in der Trafik, (in der grundsätzlich nie eine Frau sitzt) kaufen sich dort eine Zigarre und sprechen beim Rauchen über den Richter: „Wie gutmütig der Richter gelacht hat! Schön war das, nicht?
    Wie sympathisch dieser Richter doch ist! Sagt doch der Zigeuner, dieser Saatkartoffelausgraber einfach nicht seinen Namen, als der Richter ihn fragt!“

    Tatsächlich sind sie Nachbarn, getrennt nur durch ein schmales wild fließendes Tatraflüsschen!
    Auf dem einen Ufer beginnt der riesige Obstgarten des Juristen, dessen schön gekleidete Frau die Slumbewohner gerne beobachten. Auch jedes ihrer Kinder, die die Pflicht haben, die Schule täglich zu besuchen, kennen die Sintis mit Namen!
    Einmal brachten sie so viele aufgespießte, die sehr begehrte wohlschmeckende Froschschenkel an deren Haustüre, bekamen aber viel zu wenige Heller dafür!
    Gezwungen waren sie, nachts irgendwo Kartoffeln auszugraben.
    Ein Onkel des Angeklagten hat auch Eisblöcke für diese Familie jeden Winter aus dem sehr fest zugefrorenem Bach geschlagen, durfte sogar das schöne Haus betreten, um das Holztürchen im Küchenfussfussboden zu öffnen, mittels der Leiter die schwere kalte Last in den unten gebauten Eiskeller aufzuschichten und dann Geld zu bitten.

    Und sein Bruder hat an jedem Neujahrstag an der Haustüre sehr laut singend den Segen Gottes für diese Richterfamilie herabgefleht!
    „Auch in diesem Jahr mögen doch alle Schränke voll sein, der Eiskeller ganz mit Rehfleisch gefüllt, das Weinfass ja nie leer, alle Obstbäume voll ertragreich wie der große Gemüsegarten im letzten Jahr sein. Und jedes Familienglied möge voll Gesundheit und Glück strotzen!!!“
    Fortsetzung folgt.

  2. Der Bildschirm ist mir heruntergefallen, ein bisschen zerbrochen, aber er funktioniert noch.
    Kann aber durchaus sein, dass Ihr Euch freut, wenn ich plötzlich nimmer schreiben kann.
    Je mehr man im Leben erfährt, desto weniger beleidigt wird man sein,
    also andere Leute halt endlich besser verstehen können. Unser aller Ziel als Lebenssinn.

    Der älteste Bruder meiner sehr geschwisterreichen Mutter sah von seinem Schreibtisch aus
    (im Rathaus Mereny), wie ein Sinti-Familienvater sich nicht nur mit dem Herausschlagen der begehrten, sehr notwendigen Eisblöcke in unzureichender Bekleidung und ohne Handschuhe abplagte, sondern auch eine erfrorene Katze und einen starren Hund für sich selbst herausholte!
    Jagdscheine, Gewehre für die wildreichen Karpatenwälder waren kein Luxus für die Gura-Brüder, aber eine Unmöglichkeit für die Slumbewohner am Rande eines jeden Dorfes und Jeder
    Stadt.
    Wohlgenährt und sehr stark musste man auch sein, wollte man einen begehrten wie lebensgefährlichenBergwerker-Job von meinem Urgroßvater erringen, erkämpfen!

    Die Ehefrauen brachten das kraftbringende Haluschken-Essen, meine Lieblingsmahlzeit, mittags zur Grube:
    Nockerl musste man zuerst bereiten:
    Geriebene Kartoffeln mit viel Mehl und einem Ei vermischen,
    kurz kochen, mit Sahne verfeinerten Schafskäsebrei darüber gießen, etwas umrühren und dann möglichst viele gebrutzelte Speckwürfel, dem mit Butter verbesserten Fett dazugeben und den Salat oder das Gemüse nicht vergessen.

    Fromm beteten alle in der Kirche. Es waren Ersatzhandlungen. Der rk Priester und mein Großonkel trafen sich jeden Sonntagnach der Kirche in der Trafik, rauchten eine. Zigarre miteinander und tauschten sich aus:
    „Jenö, ich möchte die Frommen aus der Kirche rausschmeißen! Sie merken gar nicht, dass sie in Wirklichkeit steinhart sind, Mitmenschen ignorieren, wehtun – und das am laufenden Band, mitunter sogar über Leichen gehen! Auch auf dem eigenen Sterbebett bitten sie 50 Jahre verletzte Menschen nicht um Vezeihung, möchten nur die Hostie und Feierlichkeit von mir, dem Zeremonienmeister!

    Das Pressen der Hostie war der allergrößte Fehler, Jenö! Brachte Magie.
    Ein Stücklein vom Fladenbrot gerissen, wäre so ein schönes Symbol gewesen für echt freundliches Miteinander beim gemeinsames Essen. Und gekichert hätte man über den Bissen Brot in der sauteuren Monstranz oder gar unter dem Baldachin. Drei Kühe für den Slum hätte man stattdessen kaufen sollen und Hühnerchen, Gänse, Enten, Ziegen, Schafe. Das Geld hätte gereicht.

    Und Onkel antwortete: „Überhaupt nicht ein bisschen anders geht es mir! Was sollen wir machen? Weiter Farce polieren, schön glänzend machen? Meine verwitwete gutherzige Schwägerin, du weißt schon, die mit den zehn jungen Kindern, mag mich, will aber nie mehr in die Kirche gehen, bis zu ihrem Tod nicht.
    Sie behauptet, nur, nur, nur die aufrichtig gute Gesinnung gegenüber J e d e m Menschen ist das Wahre, nicht Kirchenbesuch!
    Diese gutherzige humorvolle Großmutter wurde tot im Alter von 75 Jahren in ihrem Bett gefunden und hatte ein schönes Lächeln im Gesicht. Neben ihr lagen die Fotos ihrer elf lebenden und töten Kindern und deren Nachkommen, die ihr Vermächtnis nicht ernst nehmen, also alle ganz anders denken als sie,
    finanzielle Werte hochhalten, wozu wir alle leider neigen, der Versuchung aber nicht erliegen müssen!

    Mit frischem Führerschein fahre ich über mehrere Brücken in Budapest, suche Cousinen und deren Kinder auf und südlich von Passau im Rottal finde ich noch zu guterletzt die noch lebendige Begründerin und Leiterin der Trafik, die Cousine dieser Altmutter samt unseren anderen Verwandten und sie erzählt mir viel und bestätigt das Gespräch der zwei Theologen.

  3. Ein blutjunges Sinti-Mädchen hat sich ein einziges Mal über die Trafik-Regel hinweggesetzt,
    ist in die Herrengesellschaft hineingeplatzt, auf einen reichen und deshalb angesehenen jungen Mann zugegangen und hat leise zu ihm gesprochen!
    Seine Antwort war so zornig: „Raus mit dir, du verdammte Ziganke!“ Und sie sagte dann sehr laut beim Hinausgehen: „Immer hast Du mich geliebtesTäubchen und allerschönstes liebstes Mädel genannt und jetzt bin ich in grösstem Kummer und wie nennst du mich jetzt?“

    Gar nicht so viel später, nämlich im Aril 1942 wurde sie mit ihrem Clan und tausenden tief erschrockenen jüdischen Menschen in das gar nicht so weit entfernte Auschwitz gebracht. Alles war dort nagelneu: die dreistöckigen Betten, die lebensgefährlichen Latrinen
    und die Erstickungskammern samt Öfen.
    Der slowakische Regierungschef und gleichzeitig praktizierende Bischof Tiso hat in vorauseilendem Gehorsam alles getan, was Eichmann wollte, nur viel schneller und gründlicher, z.B. musste auch auf jedem jüdischen Brief ein Judenstern geklebt sein.
    Drei Jahre später, also nach Kriegsende geriet er selbst in die gleiche Todesangst und das Altöttinger Kloster in Bayern hat ihn aufgenommen.

    Was hätte man predigen sollen in allen Jahrzehnten vorher? Was hätten Journalisten und andere Autoren in allen Jahrhunderten schreiben sollen? Was hätten Professoren lehren sollen?

    Dass jeder einzelne Mensch erstaunlich wichtig ist!
    Dass er derart viel Macht hat, dass ein einziger Satz unguter Gesinnung I m m e r wachsendes Samenkorn für das Leid eines Menschen und seiner Kinder wird, wenn die Einsicht nicht kommt, die Bitte um Verzeihung nie dort ausgesprochen wird, wo gesät worden ist.
    Und wenn andere dem Verunglimpften nicht in Schutz nehmen, sondern bequem schweigen.
    Das war der Anfang in diesem Land…..
    Die Menschheit besteht aus freudig verbindenden und abtrennenden Leuten.

  4. Ich hätte den geweihten Priester Josef Tiso gestern nicht „praktizierenden Bischof “ nennen dürfen, nur weil er sich als Regierungschef auch wie ein Vorgesetzter über alle Pfarrer aufgeführt hat, bis zum Schluss Messen gefeiert hat und sich dann 1947 vor der Hinrichtung in Bratislava – also trotz seines Klosteraufenthaltes als Märtyrer zur Ehre der Altäre bezeichnet hat, durch den die Slowakei gleichsam getauft worden sei.
    Er war k e i n von der Kirche eingesetzter Bischof und hatte Gegner und Mahner im Vatikan und dort auch Fürsprecher und Verteidiger: „Was wird Hitler mit unserer geliebten heilsnotwendigen Kirche tun, wenn wir nicht kompromissbereit sind, auch in der Judenfrage und dem Schicksal aller Nachbarländer Deutschlands?“

    Aber wie gesagt, jeder Mensch hat Verantwortung für schmähende Sätze hinter dem Rücken
    der Menschen, die dann in der Folge ignoriert und getötet werden. Gefährlicher Samen!
    Ohne lieblose kleine Sätze der Durchschnittsbevölkerng wären heutige und damalige Hassprediger absolut machtlos!

  5. Jemand sagte jetzt: „Heilsnotwendig ist die Kirche, die Moschee und die Synagoge auf keinen Fall. Im Gegenteil, denn ihre abstrusen Gottesvorstellungen brachten und bringen noch immer großes Unheil über die Menschen.
    Aufrichtige Freundlichkeit, also gute Gesinnung, besonders gegenüber am Rand stehende Ausgeschlossenen ist aber heilsnotwendig!
    Lassen wir Farcepflege weg. Ist sowieso teuer und sehr mühsam…

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