Autos


Missbrauch des Autos

Ein grün-orangene Struktur, wie Wände eines Raumes

Die meisten Menschen besitzen heutzutage ein Auto. Autos haben inzwischen einen bedeutenden Anteil an der Atmosphärenverschmutzung. Pkws sind in der Regel dafür ausgelegt, vier oder fünf Personen zu transportieren. Wenn wir uns an eine Straße stellen (möglichst eine viel befahrene) und uns die leichte Indiskretion erlauben, in die vorbeifahrenden Fahrzeuge hineinzuschauen, sehen wir fast immer nur eine Person! Manchmal sind es zwei, selten ist das Auto voll besetzt.
Das Fortbewegungsmittel Auto ist für sich genommen schon eine ziemlich unökonomische Maschine. Ein durchschnittlicher Pkw wiegt etwa 1300 Kilogramm, voll besetzt vielleicht 1600. Um vier Personen zu transportieren, die zusammen 300 Kilogramm wiegen, muss die 5-fache Menge an Energie aufgebracht werden, die der Transport von vier Personen erfordert. Sitzt nur eine Person in dem Fahrzeug, ist das Missverhältnis noch viel extremer: Etwa 15-mal so viel Energie wird benötigt. Denn ein Auto verbraucht nicht weniger Treibstoff, wenn nur eine Person in ihm sitzt. Doch niemand stöhnt auf und sagt: „Wie bitte? Ich soll 15 Mal so viel Geld für Treibstoff ausgeben, wie der Transport meiner Person eigentlich erfordert? Kommt nicht infrage!“ Auf diesen Umstand hingewiesen, zucken wir mit der Schulter und sagt: „Na und? So ist das nun einmal!“
In der Natur gibt es nirgendwo auch nur annähernd ein solches Beispiel der Unverhältnismäßigkeit. Solche unwirtschaftlichen Systeme haben dort keine Chance.

Wenn wir mit dem Auto zur Arbeit fahren, behaupten wir oft, zur Benutzung eines eigenen Pkws gezwungen zu sein, weil wir unseren Arbeitsplatz sonst nicht erreichen können. Hätten wir die Möglichkeit, würden wir auf ein Auto verzichten, sagen wir auch manchmal.

Es gibt natürlich Arbeitsplätze, die ohne ein eigenes Fahrzeug nicht oder nur schlecht zu erreichen sind. Dabei handelt es sich aber eher um Ausnahmen, denn die meisten Arbeitsstätten sind gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Wenn wir wollten, könnten wir also mit dem Bus oder der U-Bahn zur Arbeit fahren. Doch wir benutzen lieber unsere Autos.

Dabei ist dieses Verhalten ziemlich seltsam: Es ist viel bequemer mit der U-Bahn oder dem Bus den Arbeitstag zu beginnen. Dort können wir noch eine Weile entspannen oder dösen, sollten wir noch nicht ganz wach sein. Wir können ein bisschen lesen oder uns unterhalten, wenn uns danach ist. Wir können unsere Gedanken ganz in Ruhe schweifen lassen und haben die Möglichkeit, uns auf den bevorstehenden Arbeitstag mental vorzubereiten.

Im Auto haben wir diese Möglichkeit nicht. Wir müssen das Fahrzeug selbst steuern – ein Vorgang, der uns viel Konzentration abverlangt und eine Form der Arbeit ist. Normalerweise bedeutet das Lenken eines Fahrzeuges Stress und Anspannung, auch wenn uns das nicht bewusst ist. Bevor wir unseren Arbeitstag beginnen, müssen wir uns also schon belasten, hektisch denken und vielleicht auch hektisch reagieren.

Auf schwarzem Hintergrund schwarze Formen mit farbigen Kanten

Auch sind die Betriebskosten für ein Auto bedeutend höher als der Preis einer Monatskarte. Eigentlich sprechen alle Argumente gegen die Benutzung eines eigenen Pkws, trotzdem wollen wir nicht darauf verzichten. Ökonomische Gründe für dieses Verhalten gibt es nicht. Die Anfahrtszeit mit einem Pkw ist meistens nicht wesentlich kürzer. Gibt es Stau auf den Straßen, kann sie sogar länger sein als mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Unsere Vorliebe für das Auto ist also irrational. Woran könnte das liegen?

Selbstbewusstsein aufwerten

Wenn wir sagen, auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen zu sein, ist das nur eine weitere unserer vielen Ausrede, die wir nicht bemerken: Denn unsere Autos sind für uns oft nur Spielzeuge und Statussymbole, was wir ungern zugeben.

Wir lieben es, hinter dem Lenkrad sitzend, unser eigener Herr sein zu können, bevor wir am Arbeitsplatz die Anweisungen unserer Vorgesetzten befolgen müssen. Wir brauchen unsere Autos um uns selbst zu beweisen, jemand zu sein, etwas zu haben und etwas zu können. Das ist der Hauptgrund – alle anderen sind vorgeschoben, und fungieren als Tarnung für unser infantiles Verhalten.

Schon in unserer Jugend wurden wir darauf vorbereitet, mit Eintritt in die Volljährigkeit so schnell wie mögen den Führerschein zu machen, damit wir uns ein Auto kaufen können. Erst ab diesem Zeitpunkt fühlen wir uns als »vollwertige Mitglieder« der Gesellschaft.

Eine grün-braune Struktur, mit fielen Linien und Rillen

Dieser Trend ist jedoch seit einiger Zeit rückläufig. Neue Generationen legen heute weniger Wert auf ein eigenes Auto, machen erst später ihren Führerschein und praktizieren Carsharing.
Trotzdem missbrauchen wir weiterhin das Fortbewegungsmittel Auto, um unser Selbstwertgefühl aufzupolieren. Das ist eine ziemlich armselige Methode. Und dass wir solche Tricks nötig haben, zeigt, wir wissen nicht wirklich, worauf ein gesundes und starkes Selbstwertgefühl aufbaut. Es sollte aufgrund innerer und realer Leistung zustande kommen. Wenn wir wissen, wer wir sind und was wir können (dass wir etwas können), stellt es sich von selbst ein. Dann brauchen wir keine Aushängeschilder mit denen wir (auch vor uns selbst) angeben können.


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