Autos


Missbrauch des Autos

Ein grün-orangene Struktur, wie Wände eines Raumes

Wenn wir mit dem Auto zur Arbeit fahren, behaupten wir oft, zur Benutzung eines eigenen Pkws gezwungen zu sein, weil wir sonst unseren Arbeitsplatz nicht erreichen können. Hätten wir die Möglichkeit, würden wir auf unsere Autos verzichten, behaupten wir auch manchmal.

Es gibt natürlich Arbeitsplätze, die ohne ein eigenes Fahrzeug nicht oder nur schlecht erreichbar sind. Dabei handelt es sich aber eher um Ausnahmen. Die meisten Arbeitsplätze sind jedoch gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Wenn wir wollten, könnten wir also mit dem Bus oder der U-Bahn zur Arbeit fahren. Doch wir benutzen lieber unsere Autos. Dabei ist dieses Verhalten doch ziemlich seltsam:

Es ist viel bequemer mit der U-Bahn oder dem Bus den Arbeitstag zu beginnen. Dort können wir noch eine Weile entspannen oder dösen, sollten wir noch nicht ganz wach sein. Wir können ein bisschen lesen oder uns unterhalten, wenn uns danach ist. Wir können unsere Gedanken ganz in Ruhe schweifen lassen und haben die Möglichkeit, uns auf den bevorstehenden Arbeitstag mental vorzubereiten.

Im Auto haben wir diese Möglichkeit nicht. Wir müssen das Fahrzeug selbst steuern – ein Vorgang, der uns viel Konzentration abverlangt. Normalerweise bedeutet das Lenken eines Fahrzeuges Stress und Anspannung für uns – je nachdem wir stark der Straßenverkehr ist. Bevor wir unseren Arbeitstag beginnen, müssen wir uns also schon belasten, hektisch denken und vielleicht auch hektisch reagieren.

Auf schwarzem Hintergrund schwarze Formen mit farbigen Kanten

Auch sind die Betriebskosten für ein Auto bedeutend höher als der Preis für eine Monatskarte. Eigentlich sprechen alle Argumente gegen die Benutzung eines eigenen Pkws, trotzdem wollen wir nicht darauf verzichten. Ökonomische Gründe für dieses Verhalten gibt es nicht. Die Anfahrtszeit mit einem Pkw ist meistens auch nicht wesentlich kürzer. Gibt es Stau auf den Straßen, kann sie sogar länger sein als mit U-Bahn, Straßenbahn oder Bus. Unsere Vorliebe für das Auto ist also irrational. Woran könnte das liegen?

Selbstbewusstsein aufwerten

Wenn wir sagen, auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen zu sein, ist das nur eine weitere Ausrede, die wir nicht bemerken: Denn unsere Autos sind für uns oft nur Spielzeuge und Statussymbole, was wir ungern zugeben.

Wir lieben es, hinter dem Lenkrad sitzend, unser eigener Herr sein zu können, bevor wir am Arbeitsplatz die Anweisungen unserer Vorgesetzten befolgen müssen. Wir brauchen unsere Autos um uns selbst zu beweisen, jemand zu sein, etwas zu haben und etwas zu können. Das ist der Hauptgrund – alle anderen sind vorgeschoben, um fungieren als Tarnung für unser eigentlich infantiles Verhalten.

Schon in unserer Jugend wurden wir darauf vorbereitet, mit Eintritt der Volljährigkeit so schnell wie mögen den Führerschein zu machen, damit wir uns ein Auto kaufen können. Erst ab diesem Zeitpunkt fühlen wir uns als »vollwertige« Mitglieder der Gesellschaft.

Eine grün-braune Struktur, mit fielen Linien und Rillen

Dieser Trend ist jedoch seit etwa zehn Jahren rückläufig. Neue Generationen legen heute weniger Wert auf ein eigenes Auto und machen erst später ihren Führerschein.
Trotzdem missbrauchen wir weiterhin das Fortbewegungsmittel Auto, um unser Selbstwertgefühl aufzupolieren. Das ist eine ziemlich armselige Methode. Und dass wir solche Tricks nötig haben, zeigt, wir wissen nicht wirklich, worauf eine gesundes und starkes Selbstwertgefühl aufbaut. Es sollte aufgrund innerer und realer Leistung zustande kommen. Wenn man weiß, wer man ist und was man kann (dass man etwas kann), stellt es sich von selbst ein. Dann brauchen wir keine Autos mit denen wir (auch vor uns selbst) angeben können.


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