Logik


Subjektive Logik

Logik ist ein Prinzip, mit dem wir oft und gerne argumentieren, sobald wir eine Meinung oder Ansicht vertreten. Wir sind meistens davon überzeugt, logisch denken können. Dabei empfinden wir es als unnötig, unsere Logik zu überprüfen, denn wir gehen a priori davon aus, dass sie richtig ist.

Überprüfen wir sie trotzdem einmal, benutzen wir dazu unsere eigenen Kriterien, die ebenfalls subjektive Annahmen sind. Sie ist für uns richtig, weil wir sie als richtig empfinden. Das ist die Logik, mit der wir unsere Logik verifizieren.
Ein Gebilde, einem Turm ähnlich

Werden wir aufgefordert, etwas logisch zu begründen, neigen wir dazu, unsere subjektive Wahrnehmung zu verallgemeinern. Wir sprechen dann gern vom »gesunden Menschenverstand«, den wir uns kurzerhand selbst attestieren und der uns die Aufgabe abnimmt, unsere Behauptung oder Meinung plausibel zu machen. Diese Neigung wird durch unsere Unfähigkeit gefördert, nicht immer zwischen Subjektivität und Objektivität unterscheiden zu können. Allerdings wollen wir das oft auch gar nicht.
Wir können beispielsweise nicht nachvollziehen, warum ein anderer Mensch eine Musikform, eine Speise oder eine Mode nicht mag, die uns gefällt. Wir haben jedoch gelernt, dass Geschmäcker unterschiedlich sind und deshalb sind wir fähig, andere Geschmäcker zu tolerieren. Schwieriger ist es, zwischen einer objektiven Tatsache und einer subjektiven Wahrnehmung zu unterscheiden, denn Letzteres hat für uns oft aus unserer subjektiven Perspektive einen objektiven Charakter.
 

Diese Unfähigkeit zur objektiven Wahrnehmung ist umso stärker ausgeprägt, je mehr wir emotional von einer Angelegenheit abhängig sind.

Das, was uns viel bedeuten, weil es unser Selbstverständnis definiert (beispielsweise unsere nationale Identität), nehmen wir nicht oder nur schlecht differenziert wahr und neigen deshalb zur Verallgemeinerung. Wir gehen kurzerhand davon aus, dass das, was uns logisch erscheint, es auch ist.

Doch Logik hat nichts mit einer persönlichen Wahrnehmung zu tun. Bloß weil wir etwas als logisch empfinden, muss es das noch lange nicht sein. Diese einfache Tatsache überfordert uns oft. Mathematik ist beispielsweise rein logisch, denn das, was sie beschreiben, sind virtuell-mechanische Abläufe. 2 x 2 ergeben nicht deswegen 4, weil wir diese Übereinkunft getroffen haben, sondern weil es nun mal so ist – unabhängig davon, ob wir das erkennen oder nicht. Selbst in einem absolut menschenleeren Universum wäre das Ergebnis 4, denn wir haben keine Erfahrungswerte, von denen wir etwas anderes ableiten könnten. Das ist logisch!

Verklausulierte Logik

Grün-blaue Felsen, die wie Figuren aufgestellt sind

Ein ausführlicheres Beispiel: Selbstverständlich wissen wir, Zenons Paradoxon von Achilles und der Schildkröte ist nicht wirklich stimmig. Trotzdem fasziniert es uns, denn sonst würden wir nicht seit Jahrtausenden darüber philosophieren und Abhandlungen dazu verfassen. Doch es besitzt nur deswegen eine philosophische Relevanz, weil seine suggestive Formulierung diese Assoziation herausfordert. Es ist eigentlich gar kein Paradoxon, sondern bloß ein rhetorisches Konstrukt, das uns zu Assoziationen verleitet, die von der dargestellten Situation gar nicht ableitbar wären, wenn wir aufmerksam zuhören würden! Doch das tun wir nicht. Denn was beschreibt Zenon?

1. Etappe: Achilles startet von Punkt 1 (der Startlinie) und läuft zu Punkt 2, dem Ort, an dem die Schildkröte sich befand, als er von Punkt 1 startete.
2. Etappe: Ohne anzuhalten oder seine Geschwindigkeit zu mindern, läuft er von Punkt 2 weiter zu Punkt 3, dem Ort, an dem die Schildkröte sich befand, als Achilles Punkt 2 erreichte.
3. Etappe: Wieder ohne anzuhalten oder langsamer zu werden, läuft Achilles weiter von Punkt 3 zu Punkt 4, dem Ort, an dem die Schildkröte sich befand, als er Punkt 3 erreichte. Und so weiter, und so fort …

Eine blaue, nebelhafte Struktur im Weltraum

Jede Etappe ist kürzer als die vorangegangene. Irgendwann sind sie so kurz, dass sie gegen null gehen. Bevor Achilles eine neue Etappe starten kann, hat er den nächsten Etappenpunkt bereits erreicht. Achilles überholt die Schildkröte also nicht deshalb nicht, weil es ihm aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, sondern weil ab einem gewissen Punkt sein Etappenstart und sein Etappenziel miteinander verschmelzen. In der dargestellten, idealisierten Szene ist es nämlich gar nicht Achilles Aufgabe die Schildkröte zu überholen, sondern nur ihre Höhe zu erreichen. Und das gelingt ihm auch.

Das ist der entscheidende Punkt, der übersehen wird. Achilles erreicht sein Ziel schon, doch das ist eben nicht das Ende der Strecke, sondern die Position der Schildkröte.

Die Geschichte von Achilles und der Schildkröte ist somit kein Paradoxon! Das Paradoxon, das wir in dieser Geschichte zu erkennen glauben, ist nur das Resultat der verklausulierten Formulierung von Zenon, die uns etwas assoziieren lässt, was gar nicht da ist. Sie zeigt, wir hören oft nicht richtig zu, sehen nicht richtig hin, lesen nicht richtig und sind obendrein leicht zu beeinflussen.

Logik kann einfach sein

Eine braune Struktur, wie ineinander verschlungene Fetzen

Eigentlich ist Logik etwas Einfaches. Sie setzt allerdings eine Fähigkeit voraus, die wir nicht immer besitzen: Die Fähigkeit, Fakten, Geschehnisse oder Umstände (technisch gesprochen: Daten) mit Abstand zu betrachten, wahrzunehmen und zu beurteilen. Denn meistens sind wir ziemlich zerstreut und abgelenkt, weil wir emotional eingebunden sind, und das auf einer Ebene, die uns gar nicht bewusst ist. Deshalb übersehen wir vieles oder interpretieren die Daten falsch. In diesem Zustand befinden wir uns leider fast unser gesamtes Leben.
Sicherlich spielt der Komplexheitsgrad auch eine wichtige Rolle. Wer beispielsweise nachvollziehen will, wie eine mechanische Uhr im Detail funktioniert, muss schon ein Uhrmacher sein.

Doch normalerweise sind die Umstände, Situationen und Sachverhalte, mit denen wir es im Leben zu tun haben, bei Weitem nicht so komplex, wie eine mechanische Uhr. So ist es beispielsweise leicht nachzuvollziehen, dass Friedlichkeit und Freundlichkeit für alle Menschen gut sind und deswegen auch für den Einzelnen.

Will man freundlich und friedlich behandelt werden (und im Prinzip tut das jeder) ist es absolut zwingend und logisch, sich selbst freundlich und friedlich zu verhalten.

Doch seltsamerweise verschließen wir uns oft dieser einfachen Logik. Handeln oder denken wir unlogisch, liegt das also nicht unbedingt an unserer Unfähigkeit zum logischen Denken, sondern weil Logik uns den Spaß am irrationalen Leben verderben kann. Krieg kann Spaß machen, weil er Abenteuer beinhaltet, doch in der Rückschau ist er schrecklich. Trotzdem wollen wir nicht auf ihn verzichten. Das ist extrem unlogisch.

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