Behauptungen


Behauptungen sollten begründet werden können

Wenn wir eine Behauptung aufstellt, sollten wir diese auch begründen können. Die Begründung muss geeignet sein, die Behauptung hinreichend zu erklären. Ist sie das nicht, taugt sie nichts und wir sollten nach einer besseren suchen. Finden wir keine, sollten wir unsere Behauptung noch einmal überprüfen und ggf. zurücknehmen oder revidieren. Uns muss klar sein, dass eine Behauptung ohne befriedigende Begründung keinen Wert besitzt, denn es ist keine Kunst etwas zu behaupten – das kann jeder!
Wer sich einer Behauptung nicht anschließt oder keine aufstellt, muss hingegen nicht erklären, warum. (Was natürlich nicht heißt, dass er es nicht darf.) Eine Erklärungspflicht hat allein die behauptende Person. (Wenn sie ernst genommen werden will!)

Zurzeit sind mit fünf Behauptungskategorien bekannt:

Erste Kategorie: Tatsachenbehauptung
„Ich stehe hier und du kannst mich sehen.“ Ist nur formell eine Behauptung, sondern eher eine Tatsachenfeststellung.

Zweite Kategorie: Informationsbehauptung
„Mein Name ist Michael Wolff.“ Ist ähnlich der ersten Kategorie, denn wir können davon ausgehen, dass ich keinen Grund zur Lüge habe. Im Gegensatz zur Tatsachenbehauptung könnte das jedoch der Fall sein, denn Informationen sind nicht immer richtig.

Dritte Kategorie: Wahrscheinlichkeitsbehauptung
„Im Keller ist noch eine Flasche Wein.“ Ich bin in dem Glauben, noch im Besitz einer Flasche Wein zu sein. Wahrscheinlich stimmt das, trotzdem könnte ich mich irren. Wir haben aber keinen Grund, an meiner Aussage zu zweifeln.

Vierte Kategorie: Vermutungsbehauptung
„Wenn du dieses Buch liest, wirst du schlauer sein als vorher.“ Ich übertrage ein persönliches Erlebnis auf andere. Ich berücksichtige dabei nicht den subjektiven Charakter meiner Erfahrung. Das, was für mich gilt, muss für andere nicht auch gelten. Ob ich recht habe, wird sich erst noch beweisen müssen.

Fünfte Kategorie: Glaubensbehauptung
„Gott erschuf den Menschen.“ Ich gebe einen überlieferten Glaubenssatz wieder. Meine Behauptung ist keine Erfahrung und reflektiert kein Wissen. Sie ist eine Äußerung, die weder widerlegt noch bestätigt werden kann.

Begründen wir eine Behauptung, ist es ratsam, sorgfältig dabei vorzugehen. Unsere Begründung darf keine weitere Behauptung sein. Doch das geschieht ziemlich oft: Wir wiederholen sie etwas ausführlicher oder mit anderen Worten. Wir denken, dadurch wäre sie nachvollziehbar oder selbsterklärend. Doch das ist ein Trugschluss. Denn weil sich etwas für uns logisch und wahr anhört, muss es das noch lange nicht sein.
Eine gewellte Oberfläche mit roten und gelben Mustern.Wir sollten uns fragen: Kann mein Gesprächspartner meine Logik oder Argumentation nachvollziehen? Habe ich ihm genügend Informationen geliefert? Denn ist uns das egal, legen wir wahrscheinlich keinen oder nur wenig Wert auf die Richtigkeit unserer Behauptung. Wir mögen nur die Idee dahinter.
Sind wir wirklich von der Richtigkeit einer Behauptung überzeugt, legen wir viel Wert darauf, sie verständlich zu begründen. Dann geben wir uns große Mühe, die Erklärung sachlich und nachvollziehbar zu formulieren. Andernfalls handelt es sich nur um etwas, über das wir nie ernsthaft nachgedacht und auch gar nicht richtig verstanden haben. Wir plappern vielleicht etwas Aufgeschnapptes, Gelesenes oder Gelerntes nach, weil es uns aus irgendeinem Grund gefällt. Das tun wir ziemlich oft, ohne es zu bemerken. Unsere angebliche Erklärung ist dann eine Methode, mit der wir störende Fragen abwehren und unseren eigenen Glauben stärken wollen.

Ein braun-gelbes Muster, wie ein Symbol, einem Rad ähnlich.

Apriorische Tatsachen

Eine andere Variante: Wir lehnen eine Begründung ab, weil wir unsere Behauptung für eine apriorische Wahrheit halten. Die Frage nach der Erklärung empfinden wir dann als Störfeuer oder Provokation. Wir wissen nichts vom subjektiven, emotionalen Charakter unsere Äußerung und denken vielleicht, unser Gesprächspartner hat uns schon richtig verstanden, stellt sich aber dumm, um uns zu ärgern. Wir verstehen die Aufforderung zur Begründung als persönlichen Angriff und werden ungehalten und beenden die Diskussion.
Behaupten wir beispielsweise, dass es einen Schöpfergott gibt, und werden aufgefordert, diese Äußerung zu begründen, fassen wir dies manchmal als indirekte (rhetorische) Gegenbehauptung auf, obwohl der Fragende nichts dergleichen getan hat. Doch wenn unser Glaube ein reales Fundament hätte, würden wir die Frage als willkommene Herausforderung verstehen – und nicht als Angriff.


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One thought on “Behauptungen

  1. Einmal schrieb ich an Michael Wolff, eine junge frisch verheiratete Frau hätte über einen seiner Sätze gemotzt. Aber es stimmte nicht!
    Wahrheit ist eine unverwüstliche große volle Kraft. Dieser Schatz, diese gute Energie!
    Verletzen wir sie ja nicht.
    Wir sind auch dumm, wenn wir das tun! Sie kristallisiert sich heraus.

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