Ein archaischer Welterklärungsversuch


Die Ängste unserer archaischen Vorfahren

Religionen sind in spätarchaischen Zeiten Zeiten entstanden. Die Wurzeln wurden schon zum Ende der Steinzeit gesetzt. Die allerersten schriftlichen Fixierungen (zumindest der jüdischen Religion, aus der später das Christentum hervorging) wurden zum Ende der Bronzezeit gemacht, etwa 800 Jahren vor Christus.

Religion ist ein Ausdruck der damals vorherrschenden Unwissenheit, gepaart mit Angst und dem Wunsch, beides zu überwinden. Da Religionen das Unmögliche möglich machen wollen (die Erklärung der Existenz und des Lebens), sind sie von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Religion ist so etwas wie ein »geistiges Perpetuum mobile«, und muss folglich irgendwann zum Stillstand kommen. Früher oder später wird das Zeitalter der Religionen deshalb ein Ende finden, weil ihr der Nährboden – eben die umfassende Unwissenheit – mit der Zeit verloren geht.

Man kann die archaischen Religionen auch als Vorläufer der Philosophie verstehen und die modernen Religionen als das Festhalten an der archaischen Philosophie.
Eine wie Emaille glänzende rot-orange Oberfläche, mit Abdrücken wie fossilierte Pflanzenteil.

Wir stellen fast nie die alten, überlieferten Traditionen und Gewohnheiten infrage, da sie uns Sicherheit geben. Wir sagen: „Unsere Vorfahren dachten und fühlten so. Man lehrte uns, ebenfalls so zu denken und zu fühlen. Das hätte man nicht getan, wenn es nicht gut und richtig ist.“
Genauso, wie wir auf das vertrauen, was unsere Eltern uns lehren, vertrauen wir auch auf die Überlieferungen unserer Vorfahren. Diese Einstellung ist berechtigt, denn unsere Eltern und Vorfahren verfügen über Erfahrungen und Erkenntnisse, die uns als Kinder oder Jugendliche fehlen. Eine Lehre ist jedoch nicht deswegen wahr, weil der Lehrer von ihr überzeugt ist und wir sie angenommen haben.

Das falsche Wissen unserer Vorfahren

Auch unsere Eltern und Vorfahren waren vor Irrtümern nicht gefeit. Und je weiter der Ursprung einer Lehre in der Vergangenheit liegt, desto stärker ist sie fehleranfällig. Das ist ganz natürlich und kein Makel. Aber aus genau diesem Grund sollten wir sie kritisch betrachten. Da es aber nicht immer leicht ist, zwischen Irrtum und Wahrheit zu unterscheiden, übernehmen wir unbemerkt die Irrtümer im Schatten der Wahrheiten.

Als Beispiel mag gelten: Lange Zeit dachten wir, die Sonne bewegt sich um die Erde, denn dieser Eindruck entsteht, beobachtet man die Sonne am Himmel. Wer das Gegenteil behauptete, wurde ausgelacht oder getötet. Wir glaubten die geozentrische Lehre, weil unsere Lehrer sie glaubten und es gab keinen Grund für uns, daran zu zweifeln.

Ein Gewirr aus übereinander gelagerten bunten Kreisen.

Doch heute wissen wir: Man hatte uns etwas Falsches gelehrt. Aufgrund unserer technischen Möglichkeiten wissen wir jetzt, dass die Erde sich um die Sonne dreht und die scheinbare Sonnenbewegung von der Erdrotation erzeugt wird. Der Grund für diesen Paradigmenwechsel ist pragmatisch: Es ist schlichtweg nicht mehr zu übersehen! Aus diesem Grund glauben wir heute die geozentrische Lehre nicht mehr (und nicht etwa, weil wir intelligenter geworden sind).

 

Jedes falsche oder ungenügende Wissen wird in einem langen, anstrengenden Prozess durch besseres ersetzt, das nicht unbedingt perfekt sein. Oft ist es nur eine genauere Annäherung an die tatsächlichen Gegebenheiten, denn mehr ist meistens nicht möglich. Und die moderne Wissenschaft weiß das auch.

Das Vermächtnis der Bronzezeit

Die unreifen Assoziationen unserer archaischen Vorfahren sind daher für die Inhalte unserer heutigen Heiligen Schriften verantwortlich. Sicherlich handelt es sich bei diesen Texten um Meisterwerke, um die Highlights der archaischen und antiken Literatur! Wir dürfen diese Schriften jedoch nicht als moralische Anleitungen verstehen.
Eine gusseiserne Konstruktion, wie geschmolzene Pflanzenteile, rot-braun angemalt.Vieles von dem, was in der Bibel steht, war zu archaischen und mittelalterlichen Zeiten vielleicht fortschrittlich oder lehrreich, heute ist es das mit Sicherheit nicht mehr.
Denn im Laufe der Jahrtausende (und insbesondere der letzten Jahrhunderte) hat sich unser Wissen erheblich gesteigert. Wir wissen inzwischen von der Beschaffenheit der Erde, des Sonnensystems, des Universums, des Lebens (in groben, aber ausreichenden Zügen). Wir wissen jetzt, was Blitze, Erdbeben und dergleichen sind. Hätten die Bibelautoren dieses Wissen besessen, wäre der Inhalt ihrer Schriften ein vollkommen anderer.

Und wir haben unsere Ethik weiterentwickelt, obwohl noch nicht sehr weit. Doch in vielen Bereichen ist sie jetzt reifer als die unserer Götter. Aus diesem Grund hätten wir unser archaisches Gottesbild längst ablegen müssen, um ein neues zu entwickeln, eines, das der Zeit angemessen ist: Ein humaner, freundlicher und verständlicher Gott wäre zeitgemäß! Doch hier beginnt das Problem: Wir lehnen oft ein modernes Gottesbild ab, denn wir brauchen einen autoritären Gott!

Unsere Fixierung auf einen autoritären Gott zeigt: Autorität gefällt uns! Wir schätzen die Unterwerfung anderer und sind bereit, uns dafür selbst zu unterwerfen. Es ist eine Hierarchiekette, die es jedem ermöglicht, legitimierte Macht über andere Menschen zu haben.


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