Gott


Gott nach unserer persönlichen Vorstellung

Wir besitzen Bewusstsein und Wahrnehmung, denken über uns selbst nach und können über die Phänomene der Welt und des Universums philosophieren und staunen. Wir bauen komplizierte Maschinen, entwickeln mathematische Gleichungen und kennen die kleinsten Bauteile der Materie. Die Welt, in der wir leben, ist obendrein vollgepackt mit Problemen, die dringend auf eine Lösung warten. Unsere Aufmerksamkeit, Neugier und Energie sollte von alldem in Anspruch genommen werden, doch seltsamerweise interessieren uns die Wunder und Probleme der Welt nur rudimentär:
Anstatt uns mit dem zu beschäftigen, was existent und relevant für unser Leben ist, wenden wir uns dem zu, was jenseits der realen Welt und Wahrnehmung angesiedelt ist: Mythen, Sagen oder ferne, fiktive Zukünfte bedeuten uns oft mehr als das Leben selbst. Und ganz besonders sind wir von einer Idee angetan: Gott & Co., denn in dem Vakuum der religiösen Welt ist alles möglich. Hier können wir hineinprojizieren, was uns beliebt, jeder nach seinem persönlichen Geschmack, denn nichts kann überprüft werden. Alles ist wahr, wenn wir es wahr haben wollen. Wir erschaffen uns Gott nach unseren persönlichen Vorstellungen und Vorlieben.

Die vielen Gesichter Gottes

Nun versteht natürlich jeder etwas anderes unter Gott. Für die einen ist er ein omnipotentes, außeruniverselles Superwesen, dem man sich unterwerfen muss, will man nicht vernichtet werden. Für andere ist Gott eine transzendente Energie, die alles durchdringt. Oder wir sprechen vom Göttlichen in uns oder einem gestaltgebenden Geist usw. Doch letztendlich bedeuten diese Unterscheidungen nicht viel. Sie repräsentieren lediglich unsere unterschiedlichen intellektuellen Gemüter.
Das Co. wäre in diesem Fall: Engel, Dämonen, Geister, Seele, Nirwana, Inkarnationslehre und Ähnliches mehr. Es könnte ja sein, dass es das eine oder andere, ja vielleicht sogar alles davon gibt (und möglicherweise noch viel, viel mehr), denn: Was wissen wir schon wirklich? In Wirklichkeit wissen wir gar nichts! Es gibt berechtigte Gründe, das alles für möglich oder wahr zu halten und es gibt berechtigte Gründe, es für falsch zu halten. Definitiv ist nichts zu entscheiden. Aber eins ist mit Sicherheit gewiss:

Was auch immer dafür verantwortlich ist, dass es die Welt und das Leben gibt, hat nichts mit dem zu tun, was in der Bibel oder anderen heiligen Schriften steht.

Denn: Warum sollte es das? Weil man es uns gelehrt hat? Das ist lächerlich! Oder, weil wir es glauben? Auch das bedeutet nicht viel. Es ist bekannt, dass Menschen ziemlich oft, schnell und gern alles Mögliche glauben, obwohl es nicht wahr ist. Warum sollte also ausgerechnet der Glaube, dass die Bibel ein Zeugnis für die Existenz eines Schöpfergottes ist, da eine Ausnahme sein? Es gibt dafür keine seriösen Gründe. Wer sich mit den Texten der Bibel (aber auch anderen religiösen Schöpfungsgeschichten) beschäftigt, wird nichts finden, was die Annahme einer solchen Schöpferinstanz rechtfertigt. Wenn wir es doch tun, dann nur, weil wir konditioniert worden sind, solche Beweise zu sehen. Und deswegen besitzt dieser Glaube kein kreatives Potenzial, denn in den allermeisten Fällen wurde er uns gegen unseren Willen eingepflanzt. Gleichzeitig wurde durch diesen Vorgang ein bereits (eventuell) vorhandenes Kreativitätspotenzial verdrängt, in die Latenz verschoben oder sogar ganz vernichtet.
Außerdem: Sind solche Fragen (nach Gott & Co., dem Sinn von allem usw.) relevant für unsere Situation, für unser tatsächliches Leben auf diesem Planeten? Sind nicht ganz andere Sachen wichtiger als die aus frühgeschichtlichen Zeiten überlieferten Welterklärungsversuche unserer längst verstorbenen Vorfahren? Wir sollten uns besser um den erbärmlichen Zustand der Welt und der Menschheit kümmern, anstatt in säkular-esoterischen Tagträumen zu schwelgen.

Kollektive Konditionierung

Hätten unsere Vorfahren, vor ein paar Tausend Jahren, Gott nicht assoziiert, postuliert oder auch erfunden, anschließend über Jahrtausende hinweg Hunderte von Generationen diesen Glauben nicht im Denken und in den Kulturen verankert und so in unsere Zeit hinein getragen, würde heute niemand von Gott oder dem Göttlichen reden.

Unser Glaube ist eine traditionelle Konditionierung – mehr nicht. Wir alle kennen Gott und das Göttliche allein aus Erzählungen, vom Hören und Sagen. Uns wurde von »Ihm«, »Es« oder auch: »Ihr« lediglich erzählt. Aufgrund eigener, unabhängiger Überlegungen hat noch niemand assoziiert, es müsse dieses Wesen oder diesen Geist geben. Ohne die Überlieferungen unserer archaischen Vorfahren gäbe es Gott also nicht. Wir können natürlich behaupten, wäre uns unser Glaube an Gott nicht überliefert, hätten wir ihn selbst entwickelt – doch das ist eine Behauptung, die schnell gemacht ist und nicht überprüft werden kann. Theoretisch könnte es zwar so sein, doch es gibt keinen seriösen Grund für diese Annahme. Sie ist nur eine Technik, mit der wir den letztendlich willkürlichen Inhalt und Charakter unserer Religionen verschleiern.
Unsere »religiösen Erlebnisse« haben ebenfalls nicht viel zu bedeuten: Hat beispielsweise jemand eine Gotteserfahrung, geschieht das stets Rahmen der Traditionen und Erwartungen, die sich aus den landesspezifischen religiösen Konditionierungen ableiten lassen. Das heißt, einem Christen erscheint Jesus, Maria oder eine andere Gestalt aus der christlichen Mythologie, einem Buddhisten Buddha und einen Hindi Krishna. Und einem Urwaldbewohner, der noch nie etwas von den etablierten Weltreligionen gehört hat, erscheint vielleicht irgendein Wald- oder Baumgott seiner Stammesreligion. Auch hier können wir einwenden: Gott drückt sich in jeder Gesellschaftsform anders aus, in jeder Kultur hat er eine andere Erscheinung. Doch diese Argumentation hat einen Makel: Ein absolutes, unendliches Superwesen hätte es bestimmt nicht nötig sich anzupassen, (und könnte es wahrscheinlich auch gar nicht), damit es akzeptiert wird! Nur Menschen (also unvollkommene Lebewesen) gehen so vor.

Unser Glaube an Gott oder das Göttliche stammt also nicht von uns selbst. Er wurde uns eingepflanzt, er ist eine Konditionierung, die meistens während unserer Kindheit stattfand, als wir noch leicht beeinflussbar waren.

Sagt man uns als Kinder, Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg, glauben wir das. Sagt man uns in unserer Pubertät, Selbstbefriedigung ist gesundheitsschädlich, glauben wir das. Und erzählt man uns im Religionsunterricht, ein außeruniverselles Superwesen erschuf das Universum und das Leben, glauben wir das ebenfalls. Natürlich nicht alle, aber viele. In unserer Kindheit und Jugend glauben wir fast alles, was uns erzählt wird, denn in dieser Entwicklungsphase sind wir von Natur aus offen für jede Art von Input, selbst wenn er der größte Blödsinn ist. Unser kritisches Bewusstsein ist noch nur schwach ausgeprägtes. Deswegen glauben wir an Gott – und nicht weil wir seine Existenz erfahren haben oder fühlen. Erst wenn wir erwachsen sind, erkennen wir, dass Lehrer und Eltern sich irren können oder mitunter ganz banales, dummes und unreflektiertes Zeug reden. Doch dann ist es oft zu spät: Wir bekommen diese Konditionierungen aus unseren Köpfen nicht mehr heraus, selbst wenn wir wollen!
Ohne dass es uns bewusst ist, wurden wir also indoktriniert. Und wenn wir es als Erwachsene irgendwie ahnen, töten wir diese Ahnung ab, denn wir mögen die Vorstellung nicht, manipuliert worden zu sein. Eine andere Variante ist: Wir verteidigen diese Beeinflussung als gut und richtig, als etwas, das uns aufgezwungen wurde, weil es richtig ist: Man hat uns den Glauben an Gott zwar ungefragt eingepflanzt, sagen wir, aber nur, weil er wahr ist! Doch diese Sichtweise wurde uns ebenfalls eingepflanzt, das verschweigen oder übersehen wir.

Wir mögen den Gedanken nicht, eventuell viel Energie und Zeit in etwas investiert zu haben, das nur eine Illusion ist.

Aus diesem Grund klammern wir uns so sehr an das, was uns beigebracht wurde und womit wir uns jetzt identifizieren, denn wir haben nichts anderes.

Der Kern Gottes

Werden wir gebeten, Gott zu definieren, oder zu beschreiben, beantwortet wahrscheinlich jeder die Frage anders. Abhängig von Kultur und Bildung sagen wir vielleicht: Gott ist der Ursprung allen Seins, unser innerster Kern, Alpha und Omega oder Ähnliches. Obwohl unsere Definitionen unterschiedlich ausfallen, in einem Punkt sind sie jedoch identisch: Gott ist für uns das ultimative Gute. Gut ist das, was Gott tut, selbst wenn seine Taten aus zivilisatorischer Sicht kriminell sind. Unser biblischer Gott darf Völkermord begehen, Menschen foltern oder zerstückeln, ohne dass wir es ihm übel nehmen. Wir verbinden den Begriff Gott manchmal sogar mit dem Adjektiv gut, obwohl diese Wörter etymologisch miteinander nicht verwandt sind.

Doch was ist gut, also »das Gute«? Eigentlich sollte diese Frage eine der am einfachsten zu beantwortenden Fragen überhaupt sein. Meiner Meinung nach fordert das Gute keine Unterwerfung und Anpassung, ist nicht aggressiv gewalttätig, stellt keine Bedingungen. Das Gute ist auch nicht nachtragend, eifersüchtig, besitzergreifend oder rachsüchtig. Vom Guten geht niemals eine Gefahr aus, selbst für Menschen nicht, die sich als böse bezeichnen oder Böses tun. Vor dem Guten muss sich also niemand fürchten, weder gute noch böse Menschen. Denn wäre das Gute nur für gute Menschen gut, wäre es nicht gut, sondern nur eine Vorteilssache. Gut wäre dann Lohn für ein bestimmtes Verhalten, das selbst nicht gut sein muss.

Stiehlt beispielsweise jemand einem Menschen Geld und schenkt dieses dann einer anderen Person, kann diese das als gut empfinden und den Räuber als Wohltäter, als guten Menschen. Aus der Sicht des Beschenkten ist der Dieb gut, aus der Sicht des Bestohlenen schlecht.

Nach dieser Definition gäbe es also »das Gute an sich« gar nicht, sondern nur »Vorteilhaftes«. Doch das Vorteilhafte resultiert meistens aus dem »Nachteilhaften« anderer Menschen, die diesen als schlecht empfinden.

Jehova ist kein Vorbild

Lesen wir die Bibel, macht Gott bekanntermaßen keinen guten Eindruck. Das in diesem Buch beschriebene omnipotente Superwesen besitzt viele negative menschliche Eigenschaften. Einen Menschen, der so handelt wie Jehova, stecken wir für den Rest seines Lebens ins Gefängnis oder verurteilen ihn zum Tode. Seine Taten sind nach humanen Maßstäben oft das genaue Gegenteil von gut. Da er jedoch unangefochten an der Spitze der Machthierarchie steht und unangreifbar ist, darf er sich alles erlauben, was er will. Unsere Definition von Gut und Böse gilt für ihn nicht. Gott muss sich an die Gesetze, die er uns auferlegt, selbst nicht halten, denn es gibt keinen Richter über ihn, der ihn für seine Taten verantwortlich machen könnte. Das ist die Definition eines Tyrannen.
Mit dem despotischen Charakter Gottes haben wir jedoch kein Problem – er ist uns oft gar nicht bewusst, denn solange wir ihm gehorchen, ihn nicht verärgern, tut er uns nichts.

Der sündige Gott

Es gibt sieben biblische Todsünden: Maßlosigkeit, Habgier, Trägheit, Wollust, Hochmut, Neid und Zorn. Einige davon begeht Jehova selbst.

Zorn: Oft wird in der Bibel vom Zorn Gottes gesprochen. Zornig ist er ziemlich oft, beispielsweise wenn er ganze Städte oder Völker auslöschen lässt, oder bei der Sintflut gleich fast alle Menschen. Zorn ist eine extrem impulsive und menschliche Gemütserregung, nicht selten mit Gewaltausbrüchen gekoppelt und ein Zeichen von starker Unausgeglichenheit.

Neid: Gott bezeichnet sich selbst als eifersüchtig. Eifersucht ist eine Form des Neides. Seltsamerweise ist Gott eifersüchtig auf andere Götter, die es gar nicht gibt, da er laut eigenen Angaben der einzige existierende ist.

Habgier: Gott ist sehr besitzergreifend. Er will alles haben und über alles bestimmen. Er lässt allein seinen Willen gelten. Obwohl er der Schöpfer von allem ist und rein rechtlich auf alles ein Anrecht hat, könnte er trotzdem großzügiger sein.

Maßlosigkeit: Ist der Habgier ähnlich: Der Habgierige kann nicht genug kriegen und ist maßlos. Er kennt seine Grenzen nicht. Gott hat uns zwar den freien Willen gegeben, trotzdem will er bestimmen, wie wir denken, fühlen und uns verhalten. Er möchte nicht, dass wir unsere moralischen Regeln selbst entwickeln. Wer sich seinem Willen nicht beugt, muss damit rechnen, getötet zu werden.

Trägheit: Wenn wir wollen, können wir Gott auch Trägheit vorwerfen: Trägheit im Denken. Die Trägheit des Denkens ist vielleicht die schlimmste aller Faulheiten. Mit einem kreativen und beweglichen Verstand wüsste Gott, dass man Menschen mit Gutmütigkeit und Großzügigkeit besser zur Folgsamkeit animiert, als mit Gewaltandrohung und Strafe.

Alles in allem wirkt Gott wie ein verzogenes Kind, das nie gelernt hat, seinen Willen zu beherrschen. Von einem allmächtigen, unendlich weisen Wesen erwartet man jedoch ein völlig anders Verhalten. Es ist klar, dass diese Eigenschaften nur das Denken und die Ängste unserer archaischen Vorfahren widerspiegeln. Doch heute sollten wir längst wissen, dass solche Charaktereigenschaften der Definition eines guten Gottes nicht gerecht werden.

Der wollende Gott

Oft wird vom Willen Gottes gesprochen. Er will, dass wir an ihn glauben, seine Gebote einhalten, auf eine bestimmte Art leben und Ähnliches mehr. Zeigt jemand einen Willen, zeigt er seine Unvollkommenheit: Er ist noch nicht perfekt, denn er strebt eine Zustandsveränderung an. Doch das Vollkommene kann nicht verändert werden oder unzufrieden sein. Vollkommenheit bedeutet absolute „Zufriedenheit“ und das absolut Zufriedene strebt nichts an. Nur das Unvollkommene tut das und hat Intentionen, stellt Bedingungen, will sich oder etwas verändern oder erreichen. Das trifft auf Menschen zu, aber niemals auf Gott, einem Lebewesen, dem seine Gläubigen Unendlichkeit und Vollkommenheit attestieren. Folglich dürfte Gott keinen Willen besitzen, denn laut Definition ist er kein veränderbares Wesen. Sollte es stimmen, dass Gott einen Willen hat, wäre er nicht vollkommen, nicht perfekt, nicht absolut, nicht das Höchste. Und damit wäre er nicht Gott, sondern bloß ein Wesen mit unglaublich viel Macht, das zur Durchsetzung seiner Interessen auch brutale Gewalt anwendet. Eine solche Vorgehensweise ist typisch menschlich. Doch wer souverän ist, benötigt keine Gewalt. Gewaltanwendung ist die niedrigste Methode zur Problembewältigung. Und so, wie wir in den Heiligen Schriften Gott beschreiben, ist er alles andere als vollkommen. Manchmal wendet er fiese Tricks an, die einem guten und souveränen Gott nicht würdig sind. Das entlarvt ihn als Mensch mit allmächtigen Fähigkeiten:

Er hat Bedürfnisse – genau wie ein Mensch.
Er stellt Bedingungen – genau wie ein Mensch.
Er hat Pläne – genau wie ein Mensch.
Er ist eifersüchtig – genau wie ein Mensch.
Er kennt Hass und Liebe – genau wie ein Mensch.
Er ist jähzornig – genau wie ein Mensch.
Er ist ungeduldig – genau wie ein Mensch.
Er sagt manchmal die Unwahrheit – genau wie ein Mensch.
Er bricht manchmal seine Versprechen – genau wie ein Mensch.
Er ist grausam und gewalttätig – genau wie ein Mensch.
Er ist besitzergreifend – genau wie ein Mensch.
Er ist unzufrieden – genau wie ein Mensch.

All diese Eigenschaften sind nicht göttlich, sondern typisch menschlich. Sie spiegeln die Intention eines egozentrischen Willens wider. Gäbe es tatsächlich diesen Gott, stände es schlecht um die Menschheit. Wir wären den Launen und der Willkür eines Wesens ausgeliefert, das nicht zurechnungsfähig ist, während es die Macht besitzt, absolut alles zu vernichten.

24 thoughts on “Gott

  1. Wie mir scheint, hast du über eine Menge Dinge in deinen bisherigen Leben
    reflektiert.

    Diese mühe machen sich leider heute die meisten Menschen nicht,
    daher kommen, die großen Probleme vor allen im westlichen Kulturkreis
    aus meiner Sicht.

    Allerdings meinem Gott, als Tyrannen darzustellen ist unerträglich!

    Nenn mir ein Fall, in den letzten Jahrzehnten, in dem Gott persönlich einen
    Völkermord beging, Menschen folterte oder zerstückelte.
    (Mir ist auch kein Fall aus der Geschichte bekannt.)

    In meiner Lebenszeit, das sind inzwischen doch schon einige Jahrzehnte, wurden
    und werden die grausamsten Verbrechen begangen. Doch bisher nie von Gott!
    Es waren immer bösartige Menschen.

    Wenn man Gott etwas vorwerfen kann, dann seine Toleranz. Und seinen Glaube
    an die Menschheit.

    1. Hallo Wolfgang

      Und wie es scheint, hast du das selbe nicht getan!

      Du solltest es eher als unerträglich finden, dass du dich als vernunftbegabtes Wesen im 21. Jahrhundert an den 3000 Jahre alten Vorstellungen unserer archaischen Vorfahren orientierst. Denn nichts anderes tust du und es ist völlig absurd. Du solltest dich fragen, wie es dazu kommen konnte.

      Ich spreche hier von dem biblischen Gott, dem mythologischen Gott, dem Gott, wie er in der Bibel beschrieben steht, dem Gott, der eine Projektion der ethischen Defizite unserer archaischen Vorfahren ist. Das sollte klar sein! Mehrmals schickt er laut Bibel sein auserwähltes Volk los, um ein anderes Volk auszulöschen. So etwas macht ein guter Gott nicht. Das müsstest du eigentlich wissen! Besonders im Deuteronomium werden viele Grausamkeiten geschildert. Das weißt du bestimmt auch. Also: Was soll deine Empörung? Jehova soll ein friedlicher und freundlicher Gott sein? Dass ich nicht lache!

      Außerdem lügt und betrügt Gott manchmal und hinterhältig ist er ebenfalls. Besonders ungöttlich und unreif sind seine Neigungen zur Eifersucht und Rachsucht. Eifersucht und Rachsucht sind sehr menschlich und zeugen von einem labilen, unreifen Charakter. Die Bibel ist voll von solchen Zeugnissen der seelischen und geistigen Unreife des biblischen Gottes, der doch nur ein Spiegel der damals vorherrschenden Zustände ist.

      Du denkst, das alles spielt keine Rolle mehr (ist verjährt), weil es schon Jahrtausende her ist, weil es nicht in »deiner Lebensphase« passiert ist? Du meinst, heutzutage würde Gott sich so nicht mehr verhalten, er hat sich verändert! Doch ein vollkommenes Wesen kann sich nicht verändern, also weiterentwickeln – das wäre widersprüchlich!

      Das Gute begeht einfach keine Schreckenstaten – aus keinem Grund und in keiner Phase! Da gibt es nichts zu diskutieren oder zu relativieren. Das versteht sich von selbst, denn »Gut« kann keine Definitionssache sein. Andernfalls wäre es mehr oder weniger bedeutungslos. Das Gute tötet nicht, es betrügt nicht und ist auch nicht rachsüchtig.

      Es spielt überhaupt keine Rolle, dass Gott in den letzten Jahrzehnten oder Jahrhunderten nicht mehr persönlich in Aktion getreten ist. Der Samen wurde vor 3000 Jahren gesetzt und wirkt bis heute. Du darfst nicht vergessen, dass der Glaube an Gott sich über die Jahrtausende nur deswegen halten konnte, weil er so typisch menschlich ist. Das ist übrigens bei allen Göttern so: Marduk und Tiamat, die griechischen, römischen, indischen oder aztekischen Götter und was es sonst noch gibt: Sie sind fast alle extrem gewalttätig und grausam, also typisch menschlich! Und Jehova macht da keine Ausnahme. Er hat sich nur im Laufe der letzten Jahrhunderte kultiviert, weil wir uns kultiviert haben.

      Du schreibst:

      In meiner Lebenszeit, das sind inzwischen doch schon einige Jahrzehnte, wurden
      und werden die grausamsten Verbrechen begangen. Doch bisher nie von Gott!

      In deiner Lebenszeit, sonst aber schon? Wird´s dadurch besser oder anders? Nein! Mein Gott, was soll das? Was ist bloß los mit dir?

      Und zuletzt:
      Du meinst, der biblische Gott ist tolerant? Wo hast du das denn her? Lies die Bibel! Für das kleinste Vergehen wird man in der Bibel aufs Schrecklichste bestraft. Beispiel: Lots Frau dreht sich aus Neugier um und wird als Strafe in eine Salzsäule verwandelt! Das ist äußerst intolerant. Tolerant wäre es gewesen, wenn Gott gesagt hätte: „Okay, ich hatte ihr zwar verboten, sich noch einmal umzudrehen, aber ich kann verstehen, dass sie neugierig war. Schwamm drüber.“ Andererseits: Wer im Namen Gottes Widerliches tut, gilt als gerecht. Beispiel: Lot liefert seine Töchter (die er zuvor sexuell missbraucht hat, was von Gott nicht bestraft wurde) dem Mob aus, damit zwei Engel (denen sowieso nichts passiert wäre) nicht belästigt werden. So etwas gefällt dir? So etwas findest du gerecht? Diese Geschichte spiegelt nur das unreife Gerechtigkeitsverständnis unserer archaischen Vorfahren wider – sonst gar nichts!

      Und dass HEUTE so viele Leute (beispielsweise du) sich nicht davon abgestoßen fühlen, ist streng genommen skandalös!

  2. Vielleicht ist es aus guten Gründen so eingerichtet, dass wir Menschen nur Ahnungen und
    Vorstellungen von „Gott“ haben können.
    Niemals sprach er in menschliche Gehörgänge!
    Das biblische arge Gottesbild, von Menschen gebastelt und gemalt, ist zur Zeit ganz zerbrochen.

  3. Was ist Gott? Uns allen fehlt die Definition.
    Als die junge Ministerin Schröder mal sagte, eventuell könne man auch „das Gott“ sagen, regten sich die meisten Zeitungsleser sehr auf, aber ich neige auch zu solchen und ähnlichen Überlegungen.
    Ich ahne, dass „Gott“ nicht allmächtig ist und auch nicht hierachisch hoch über uns wie ein Kaiser oder Diktator.

  4. In Punkto Religion soll es sowieso nur darum gehen, dass wir in guter Gesinnung, also in gutem Geist mit uns und anderen Leuten umgehen. Das ist der Sinn unseres Lebens. Alles andere bringt großes Unglück und zwar nachhaltig.

    Den Himmel und die Hölle können wir in uns und ringsherum bauen. Wir neigen mehr zum Letzterem – leider.
    Die Menschen kommen mir auch religiös sehr verletzt vor.
    Das Lauschen in die eigene Innerlichkeit hilft mir sehr in dieser harten Umbruchszeit.

    1. Danke für deine anregenden Gedanken.

      Du schreibst: „Vielleicht ist es aus guten Gründen so eingerichtet, dass wir Menschen nur Ahnungen und Vorstellungen von „Gott“ haben können.“

      Aber von wem könnte das eingerichtet sein?

      Du schreibst: Das biblische arge Gottesbild, von Menschen gebastelt und gemalt, ist zurzeit ganz zerbrochen.

      Fragt sich nur, warum wir ein solches Gottesbild haben. Ohne Zweifel reflektiert es die Assoziationen unserer archaischen Vorfahren. Aber gäbe es heutzutage überhaupt Religion, den Glauben an ein außeruniverselles Superwesen, wenn unsere archaischen Vorfahren die Religion nicht „erfunden“ hätten? Ich finde, das ist eine berechtigte Frage.

      Du schreibst: Was ist Gott? Uns allen fehlt die Definition.

      Ich vermute, Gott ist das, was wir uns darunter vorstellen. Jeder bastelt sich seinen Gott nach seinen persönlichen Bedürfnissen zurecht. Das war vor 3000 Jahren so und ist es heute bestimmt auch noch.

      Du schreibst: In Punkto Religion soll es sowieso nur darum gehen, dass wir in guter Gesinnung, also in gutem Geist mit uns und anderen Leuten umgehen.

      Das könnte das Ideal sein. Doch dafür brauchen wir keine Religionen. Um freundlich und friedlich zu sein, sind Religionen oder der Glaube an einen Gott nicht nötig. Manche Leute animiert die Religion zum Guten, doch vielleicht noch mehr Leute werden von ihr zum Schlechten animiert. Wer friedlich und freundlich ist, ist es meistens unanhängig von irgendeiner Religion.

      Gibt es also ein außeruniverselles Superwesen, außer wir assoziieren es? Ist vielleicht jede Form der Religiosität auf direkte oder indirekte Indoktrination zurückzuführen? Können wir wirklich ganz sich sein, dass wir nicht manipuliert worden sind?

      Soviel auf die Schnelle zu deinen wirklich anregenden Gedanken.

  5. Unter Freunden darf man laut denken, also ein bisschen schlampig, ja? Die einzelnen
    Gedankenschritte unvollkommen preisgeben, samt Fehlern.
    Ich mache das jetzt:
    Herausgefunden habe ich, dass es Gott, falls es ihn gibt, überhaupt nicht wichtig ist, ob wir an ihn glauben oder nicht. Er versteckt sich eh, kann den Unglauben der armen deshalb sowieso nicht übelnehmen.
    Ich erkannte, dass im atheistischen Professor Lüdemann, Göttingen „Gott“ ist und war auch baff, dass gerade er der Einzige war, der mir auf meine gedanklichen Zwischenschritte geantwortet hat vor zwei Jahren. Ich wollte es ihm auch schreiben, tat es leider nicht, weil ich Sorge hatte zu schmeicheln.

    Auf dasselbe Phänomen wie beim verfolgten Professor vielleicht sogar noch mehr, traf ich durch den französischen Film „chocolade“ mit Juliette Binoche. Bitte schauen!

    Ich erkannte „Gott“ in ihrer Rolle als atheistische Geschäftsfrau in einem kirchlichen Dorf.
    An ihrer Liebe! Diese war echter. Sie schmeckte gut und nicht so wie meine, die eventuell nach himmlischer Belohnung gierte oder aus Angst vor Gott “ getan“ wurde.
    Menschen witterten dies wahrscheinlich bei mir.
    Wenn ich Raten für eine Eigentumswohnung zahle, mache ich dasselbe wie bei der Zahlung für eine himmlische Wohnung für die Zeit nach meinem Tod. Diese
    „Liebe“ schmeckt so schlecht, igitt.

  6. Ich war im Bad, guckte auf den Bildschirm, freute mich, dass Antwort gekommen war, schrieb was, das ja gar keine Antwort war und jetzt muss ich zurück in die Heia.
    Aber morgen antworte ich, Herr Michael.

  7. Wir sind religiös indoktriniert. Reli-Lehrer sollten die Schüler immer wieder fragen:
    „Wie fühltet Ihr Euch beim Hören meiner Ausführungen?“ So gut kann ich mich erinnern, was ich als Kind spürte und kritisch dachte, meldete mich aber nicht fragend.
    Und jetzt meine ich, damals mehr und klarer gewusst zu haben als heute. Können Kinder besser in sich lauschen?
    Wären Sie als winziges Büble von einer Affenmama entführt worden und hätten es geschafft ganz ohne einem Menschen zu begegnen, 13 Jahre alt zu werden, hätten Sie auch angefangen zu philosophieren: „Was ist?“
    „Ist da etwas Unsichtbares, Wesentliches?“
    Jemand vermutete ein Gen in uns

    Ich meine, „Gott“ geschieht, ereignet sich, spielt sich ab……

    Loki und Helmut Schmidt hatten den gleichen Unglauben wie der Theologieprofessor Lüdemann, aber vor ihrer kirchlichen Hochzeit 1942 und im Jahr 1945 diskutierten sie oft miteinander, ob wir Deutschen es ethisch schaffen würden, ohne Religion
    einzusehen, was geschehen ist und einen guten Anfang zu starten. Sie kamen zu dem Ergebnis
    „Nein“.

  8. Weil dieses junge Paar klar erkannte, dass es halt mehr Chancen zur Erkenntnis hatte als die meisten älteren Leute in diesem Land. Es hatte auch andere Eltern und die schöne Kameradschaft miteinander ab der ersten Grundschulklasse. Der Junge guckte erschreckt in die so sehrbeengte Ärmlichkeit ihrer Wohnung, zog sich daraufhin aber nicht zurück, lernte viel, wollte sogar so gern, dass auch seine Eltern vom Lebensstil der anderen Mama und des anderen Papa lernt!!!

    Dann das neugierige Lesen guter Bücher, das philosophische Disputieren. Es folgte die Geburt des behinderten Buben Walter, dessen Tod in großer Kälte und anderer Kriegsarmut, das vorgeburtliche Sterben mehrerer Kinder und das Überleben ihrer Tochter Susanne, die später keine Kinder bekam. Das eigene Überleben im Krieg darf man auch nicht vergessen.
    Es ist halt eine Lebensuniversität, die wir alle zu durchlaufen haben. Mitunter sind Semester auf einer Elite-Uni dabei, der Leidensuniversität dabei.
    Wegen des Theodizeeproblems (Auschwitz vor allem) nahm er die Weltanschauung von Lokis Familie an.
    Total unfair fand er es, dass zwei Parteien das „C “ (für christlich) in ihren Partei-Namen aufnahmen und wie er es vorausgesagt hatte, tatsächlich deshalb eine Wahl nach der anderen gewonnen haben.
    Nicht mal dem Menschensohn Jesus hätte dies gefallen, sondern sehr zornig gemacht!

    Es war die Zeit, in der man in Bayern manche Politiker „Gottesleugner“, also Lügner nannte, was absolut ungerecht und diskrimierend ist. Man nannte dort in den Zeitungen den friedenswilligen Willy Brandt, den „unehelich geborenen Sozialisten“ und den redlichen, nie Bundestagsitzungen schwänzenden Herbert Wehner, den „bösen Kommunisten.“ Hitler war bis Ende April 1945 Katholik, also nicht so gefährlich, musste nicht exkommuniziert werden.
    Das Buch „MeinKampf“ kam nie auf den Index, aber Bücher über Mariens Hymen usw. usf. von Prof.Dr.Heinemann wurden als höchstgefährlich bezeichnet.
    Empfand man als höchst gefährlich.

    Man lauschte als Journalist nicht genügend in sich, dachte oft nicht gründlich nach; sonst hätte man doch geschrieben, dass der Kommunismus in der Weltgeschichte ertestet werden
    m u s s t e , war Jesus doch etwas ähnliches wie der allerste Kommunist. Etwas von „Gott“ könnte aber mehr in beiden Politikern, als in denen der zwei Schwesternparteien gewesen sein?

  9. Über das In-sich-lauschen las ich letztes Jahr noch etwas, als ich mich über die jetzige Entwicklung der Quäker, also der Ahnen meiner eigenen Kinder noch genauer informieren wollte.
    Dabei erkannte ich die Gefahr, dass ein Denkfehler passiert und auch im Ausland oft publiziert wird, als sei das, was die innerste Innerlichkeit eines jeden Menschen ausmacht,
    einfach das Gewissen ist.

    Es ist aber viel mehr! Zum Beispiel Kreativität, Versöhnung, Freude, Echtheit, Zuneigung, Festlichkeit, Auferstehung individuell und in Gemeinschaft.

    1. Doch was Gewissen ist? Hat jeder Mensch eins? Und wenn ja, ist es bei allen gleich?

      Es gibt Menschen, die kein Gewissen zu haben scheinen. Ist das Gewissen dieser Leute vielleicht verkümmert oder unterdrücken sie es nur? (Und falls Letzteres zutrifft, wie machen sie das? Bewusst oder unbewusst?) Oder haben sie tatsächlich keins?
      Ist Gewissen etwas, was wir lernen können oder bringt jeder eins ins Leben mit, das dann kultiviert werden muss?
      Das sind Fragen, die ich mir nicht wirklich beantworten kann, denn dafür müsste ich in die Köpfe der Leute reinschauen können.
      Es gibt Menschen, die es nicht mögen, wenn andere Leiden und es gibt Menschen, denen das Leid anderer völlig egal ist und es gibt Menschen, denen es sogar gefällt, wenn andere leiden.
      Wie ist es möglich, dass wir so unterschiedlich sind? Warum wollen nicht alle eine friedliche und freundliche Welt? Warum sind manche (vielleicht sogar viele) Menschen zur Kreativität nicht fähig?

      Vielleicht sind diese Fähigkeiten (Kreativität, Versöhnung, Freunde usw.) tatsächlich nur in uns verschüttet, wenn wir sie nicht zu haben scheinen. Vielleicht gibt es aber auch wirklich Menschen, die diese Fähigkeiten schlicht und einfach nicht besitzen (die Veranlagung zur Kreativität) und es deswegen es auch nicht möglich ist, sie ihnen zu lehren.

      Also … ich habe keine Ahnung. Vielleicht gibt es ja einen ganzen anderen Grund für das alles, der mir nicht bekannt ist.

  10. Mitgefühl

    Baff bin ich über mich, dass ich seit wenigen Jahren genau das meine, was ich früher immer bekämpfte, gefährlich deterministisch empfand:

    Wir Menschen tun halt das, was sie zur Zeit können. Ich kann das und das nicht von mir und schon gar nicht von anderen Leuten erwarten.
    Mitgefühl ist höchstwahrscheinlich auch erblich bedingt.

    Ich spazierte mit einem älteren Herrn im schönen Sonnenschein in der City von Mönchengladbach. Und andauernd hatte ich das Gefühl, er sei in in einem großen, schön geputzten Glaskasten eingesperrt. Auch während unseres Gedankenaustausches kam er nicht heraus.
    Mein ganzes Leben lang kannte ich ihn und mache mir nun noch mehr Gedanken,
    liebend um ihn.

  11. Es ist schon vorgekommen, dass Menschenaffen ein schlafendes Baby aus dem im Garten stehenden Kinderwagen gekidnappt haben und mit ihm sehr weit, jenseits aller menschlichen Siedlungen, weggelaufen sind und seine Eltern es niemals mehr gesehen haben, weil die Polizei nach einem anderen Entführer
    – siehe den Fall Lindbergh in USA – gesucht haben.
    Solche kleinen Menschen sterben trotz ihres Reflexes, sich im Fell der Affenmutter sehr festkrallen zu können früher oder später. Stellen wir uns vor, dass es ein Kind geschafft hat,
    12 Jahre zu überleben und ohne jemals einen Menschen gesehenzu haben.
    Was denkt und fühlt es dann??????
    Ja, man kann dies dann PHilosophieren, Theologisieren nennen!

    Mir selbst ging es nämlich so!
    Im großen Kreis Verwandter erzählte meine Mutter ausführlich, dass und wie ich mit Puppen spiele. Mein Cousin Ferry Hirschmann war gerade Student geworden und ich schämte mich derart, dass ich in dieser Runde anfing, furchtbar zu flennen und einfach nicht aufhören konnte und trotzdem nicht aus dem Zimmer ging…

    Ich entschloss mich, nie mehr im Leben mit Puppen zu spielen und lieh mir zur Freude der kinderreichen oft müden Nachbarinnen dort fast sämtliche Babys aus. Es wundert mich jetzt, dass sie mich – doch wirklich klein- auch lange Strecken z.B. Die 3 km zur Donau den Kinderwagen schieben ließen. Auf einer Brücke sprach mich auch eine fremde Frau einmal daraufhin an.

    Ich konnte das kleine Gesicht beim Gehen nicht gut sehen, setzte den wenige Monate alten Bognarjungen deshalb auf, stützte ihn gut mit dem Kissen ab und fuhr weiter mit dem Blick auf ihn.
    Ich weiß, dass es nicht die braunäugige Heidi Uber war, denn ich sah in helle blaue Augen.
    Und dann erschrak ich von einem Moment auf den anderen von diesem Blick!
    Es war Ehrfurcht! Und der Gedanke: „Das ist ja Gott!“ „Der Blick ist Gott!“ Oder „Rainer ist Gott!“

    auch nicht

    1. So könnten Religionen entstanden sein: Man weiß von nichts, hat aber einen fragenden, suchenden Verstand. Die Fragen werden wahrscheinlich von der Situation des Kindes abhängen. Hat es ein erfülltes, glückvolles Leben, wird es vielleicht niemals nach dem Warum und den weiterführenden Hintergründen seiner Existenz fragen. Hat es das nicht, dann stellt es sich solche Fragen vielleicht. Dann kommt es auf das Assoziationsvermögen des Kindes an. Die Antworten müssen dann allerdings keinen theologischen Charakter besitzen. Theologie ist für mich sowie nur der Versuch, der Religion eine philosophische Tiefe zu verleihen (anzudichten), die sie eigentlich nicht hat.

      In den Augen eines kleinen Kindes – besonders wenn es erst ein paar Wochen alt ist – glauben wir oft den Blick oder das Antlitz Gottes erkennen zu können. Dieses Kind ist noch vollkommen offen und unbeschrieben, wurde also noch nicht konditioniert und deswegen scheint es für uns rein und unverdorben zu sein – eben göttlich.

      Leider neigen wir dazu, uns als Kinder der Erwachsenenwelt mehr anzupassen, als es eigentlich gut ist. Wir wollen ja geliebt und anerkannt werden und sind abhängig vom Wohlwollen der Erwachsenen und besitzen natürlich noch nicht die Möglichkeit, diesen Mechanismus zu durchschauen. Und selbst wenn wir es täten: Unsere Abhängigkeit von den Erwachsenen ist einfach zu groß, als dass wir uns dagegen wehren können. Auf die eine oder andere Art werden wir also unglücklich, sodass der göttliche Funken in unseren Augen bald verlischt.
      Und so kann es passieren, dass wir (als besonders sensible und neugierige Kinder) uns eine Ersatzwelt schaffen – unbewusst – in der wir die Gefühle ausleben können, die uns die Erwachsenenwelt nicht erlaubt.

  12. Die menschlichen Eigenschaften, die vor allem oder nur im Alten Testament *Gott* zugedacht werden, sind nach meinem Dafürhalten allzu menschliche, unerlöste Projektionen menschlichen Seins auf Gott.
    Wenn es Gott, einen Allmächtigen gibt, würdigt dieses Gottesbild Gott herab. Im muslimischen Glauben darf man sich kein B i l d , also keine Vorstellung von Gott machen. Deshalb sind auch Bilder von Allah, Mohamed, seinen Propheten in einer Moschee nicht erlaubt. Existiert nicht auch im Alten Testament das Verbot sich von Gott ein Bild zu machen? Auch in Synagogen sind m.E. keine Bilder vom Unaussprechlichen vorhanden.
    Die Vorstellung Gott menschliche Eigenschaften zu geben, entsprechen vor allem den Glaubensinhalten des Alten Testamentes und stehen im Widerspruch zum Neuen Testament.
    Jesus hat meines Wissens nicht von Eigenschaften Gottes, Gottvater gesprochen.
    Auch deshalb wird vom „Neuen Bund“ durch Jesus-Botschaften gesprochen.
    Dem Satz “ Es ist klar, dass diese Eigenschaften nur die Ängste unserer archaischen Vorfahren widerspiegeln “ dürfte eher der Wahrheit entsprechen.

    1. Nicht nur eine Abbildung ist ein Bild – eine Beschreibung ist es ebenfalls. Vielleicht sogar ein noch stärkeres. In diesem Sinn gibt es auch im Islam Bilder von Gott – auch dort werden Gott alle möglichen Eigenschaften nachgesagt. Die erste und wichtigste ist wohl seine Größe und Macht, seine zweite vielleicht Grausamkeit. In jeder einzelnen Sure steht geschrieben, dass die Ungläubigen und Frevler ins Feuer geworfen werden sollen oder das man ihnen kochend heißes Wasser einflößen soll. Das ist eine schlimme Folter. Auf eine andere schlimme Art foltert der alttestamentarische Gott Menschen – siehe das Deuteronomion. Das sind die Bilder, die wir uns von Gott gemacht haben. Da braucht es keine optischen Abbildungen. Die menschlichen Eigenschaften von Gott sind unsere Bilder, die wir uns von ihm machen.
      Aber auch im neuen Testament haben wir Bilder von Gott. An irgendeiner Stelle sagt Jesus beispielsweise: „… Gott mag es, wenn ihr leidet …“ Das ist schon ein ziemlich krasses Bild.

      Du schreibst:
      Die Vorstellung Gott menschliche Eigenschaften zu geben, entsprechen vor allem den Glaubensinhalten des Alten Testamentes und stehen im Widerspruch zum Neuen Testament.

      Aber ist nicht Gott selbst eine reine Vorstellung, also nicht nur seine Eigenschaften? Und so widersprüchlich sind diese beiden Testamente auch nicht. Das neue ist nur moderater als das alte – weniger menschenfeindlich, weniger grausam – aber nicht ohne Menschenfeindlichkeit! Auch Jesus gibt manchmal grausame und menschenverachtende Worte von sich. So droht er ziemlich oft mit ewigen Höllenqualen, Verdammnis und Ähnlichem bzw. von der Strafandrohung gegen Andersgläubige ganz allgemein. Freundliche, verständnisvolle Menschen machen so etwas nicht.
      Im Lukasevangelium steht, wenn Jesus sich der Welt erneut offenbart, wird es so sein, wie zu Zeiten der Sintflut. Also 99% aller Menschen werden dann sterben. WOW! Inhumaner geht es kaum! (LK. 19; 24, 26-32)
      Und so geht es weiter. Auch das neue Testament ist voll von Grausamkeiten. Sein angeblich humaner Charakter ist nur eine Legende, eine Schönfärberei.

      1. Herr Michael,
        Ihr Eingehen auf meinen Kommentar überzeugt mich nicht. Lukas war kein Zeitzeuge und Jünger von Jesus, wie auch andere Evangelisten, Aposteln und insbesondere auch Paulus.Von Jesus ist mir gegenwärtig nur die Entschiedenheit gegenüber den Geldwechslern im Tempel bekannt, die auf eine angemessene und nachvollziehbare Aggression (= adgredi) hindeuten. Wenn Sie bitte Aussagen von Jesu und nicht seinen Aposteln zitieren, die die Grausamkeit Jesus bezeugen können. Seine Botschaft war eindeutig die Nächstenliebe, die „Agape“ und nicht Destruktivität. Sich hauptsächlich auf Aussagen im Alten Testament zu beziehen und nicht auf das Neue Testament führt an der Wahrheit über Jesus vorbei.

        1. Herr oder Frau Stephanoi,
          alles was Sie schreiben, stimmen wohl, doch mit der eigentlichen Sache oder Frage hat es nur wenig zu tun.

          Als Erstes fällt mir auf: Wenn Sie den Aussagen der Apostel und Evangelisten schon nicht trauen können, wie kommen sie darauf, den Aussagen der Historiker zu trauen? Nach welchen Kriterien gehen Sie vor, wenn sie sagen: „Dieser Quelle kann man trauen, der anderen aber nicht?“ Außerdem ist die Existenz des historischen Jesus keinesfalls gesichert. Man spricht lediglich von einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Letztendlich ist Jesus also nur eine Legende. Und wenn es Jesus tatsächlich gegeben hat, wird er wahrscheinlich nur einer von vielen Predigern gewesen sein, den man später zu dem hochstilisiert hat, was er heute für uns ist. Ähnlich war es auch bei der Artus-Sage. Dieser Mechanismus ist bekannt.

          Als Zweites: Die Aussagen (von Jesus), die Ihnen gefallen, stufen Sie als authentisch ein, die Aussagen, die Ihnen nicht gefallen, als etwas, was ihm in den Mund gelegt wurde. Ihre Vorgehensweise scheint zu sein: „Wenn es mir gefällt, ist es wahr – wenn es mir nicht gefällt, unwahr.“ Anhand dieser „Kriterien“ verifizieren wir meistens unsere sogenannten Wahrheiten.

          Sie Schreiben:
          Sich hauptsächlich auf Aussagen im Alten Testament zu beziehen und nicht auf das Neue Testament führt an der Wahrheit über Jesus vorbei.

          Aber die paar wenigen Beispiele, die ich zitiere, sind doch alle aus dem neuen Testament! Bei meinen Zitaten über Jesus beziehe ich mich zu 100% auf das neue Testament. Ihren letzten Satz verstehe ich deshalb nicht. Das, was Sie in ihrem letzten Satz behaupten, tue ich schlicht und einfach nicht!

          Festzuhalten ist: Wenn wir (religiös) glauben, glauben wir stets das, was man uns beigebracht hat zu glauben. Das geschieht meistens in unserer Kindheit. Oder wollen Sie etwa behaupten, dass wir als Erwachsene Jesus „entdecken“? Selbst wenn wir in unserer Kindheit nichts mit Jesus und der Religion anfangen konnten und erst später zu ihm „gefunden“ haben, war das nur möglich, weil man uns in unserer Kindheit bereits davon erzählt hatte. Niemand entdeckt die Religion als Erwachsener, wenn ihm in seiner Kindheit nicht davon erzählt wurde. Doch in unserer Kindheit wurden wir alle indoktriniert und manipuliert. Das ist uns selten bewusst und gefallen tut uns diese Vorstellung erst recht nicht – deswegen lehnen wir sie entschieden ab.
          In unserem Religionsunterricht hat man uns also Legenden und Mythen erzählt. Man hat uns natürlich beigebracht, zusätzlich zu glauben, dass es keine Legenden und Mythen sind – denn sonst würde das Ganze nicht funktionieren.

          Wer glauben will, aber nicht an Jesus oder Gott glauben kann, der glaubt vielleicht an UFOs oder Verschwörungstheorien. Wer auch daran nicht glauben kann, glaubt vielleicht an den Kommunismus, Nationalismus oder irgendeine andere Ideologie. Irgendetwas finden wir halt immer, woran wir glauben können, wenn wir uns glaubend in Leben orientieren wollen. Ich kann da keinen wesentlichen Unterschied erkennen.

          Übrigens: „Herr Michael“ ist ein wirklich schlechter Stil. Wenn Sie mich nicht duzen wollen, sollten Sie eine Anrede weglassen oder im Impressum nachschauen. Da steht mein Nachname.

          1. Zunächst danke für das Eingehen auf meinen Kommentar.
            Ich glaube und vertraue auf Botschaften ( von Jesus), die eine tiefe menschliche, existenzielle Wahrheit sind und auch psychologisch nachvollzogen werden können, wie beispielsweise die Bergpredigt, die Seligpreisungen und die Gleichnisse. Diese Aussagen kamen nicht aus dem Nichts, sondern müssen von einem
            sehr spirituellen Menschen ausgesprochen worden sein. Sie werden Jesus zugesprochen und haben zweitausend Jahre überlebt und sehr viele Menschen tief bewegt. Was spricht dagegen, dass diese Worte, die die Alte Welt erreicht hat, nicht von einem Jesus gekommen sind ? Aus der Bergpredigt, den Seligpreisungen, den Gleichnissen spricht eine tiefe Zuwendung und Empathie zum Menschen und zeugt von der zentralen Botschaft der Liebe und nicht der Verurteilung und Verdammung.
            Diese Worte wurden vermutlich auch nicht von Aposteln, Evangelisten und auch nicht der römischen Staatskirche verändert, obwohl sie nicht im Interesse der weltlichen Macht standen.
            Zu den anderen Fragen möchte ich gerne später eingehen.

  13. Mit Gott hatte ich den allermeisten Liebeskummer und ich stritt viel mit Jesus, jahrzehntelang.
    Und einmal „sagte“ ich auf dem Weg zum Supermarkt hier innerlich kurz zu ihm:

    „Du hast Dich mit Deiner komplizierten, widersprüchlichen Botschaft nur 30 Monate abgestrampelt und wir schmerzvoll jahrzehntelang!!!“
    Das ist unfair.

    Aber seit ich weiß, dass Jesus ein einfacher junger Mann war, der überlegt hat und sich prüfte, ob er in dieser Zeit der besonders großen Messiaserwartungen diese eventuell stillen könnte, müsste, tut mir das Ganze nicht mehr so weh.

  14. Hallo Stephanoi,
    einen Satz schrieben Sie missverständlich: „Lukas ist nicht Augenzeuge gewesen wie die anderen Evangelisten, besonders Paulus …….“
    Was meinten Sie?
    Es gibt doch keinen einzigen Augenzeugen unter den Verfassern des Neuen Testaments,
    hierin sind sich auch die Bibeltreuen einig. Und Paulus war an Erzählungen über die Aussagen des sehr jungen, also lebensunerfahrenen Jesus (siehe u.a..seine extrem unverständige Meinung über Scheidung der Ehen, die sowieso fast immer nicht aus freiem Entschluss zustande kamen!) einfach nicht interessiert.
    Das erkennt man sehr leicht an den echten, sowie an den, unter seinem Namen verfassten, also dreizehn!

  15. Das erkennt man an den dreizehn Briefen des Paulus eindeutig.
    Er wird der eigentliche Gründer des Christentums genannt. Er hat Christus kreiert!

    Und diesen gabes nie. Und der, der Jesus war, hatte leider auch nicht recht.

  16. Stephanoi,
    verzeihen Sie, im obigen Schreiben habe ich „Zeitzeugen“ und „Augenzeugen“ gleichgesetzt.
    Es ärgert mich, dass ich bei meinem jahrelangen Schreiben keine einzige Seite ohne Fehler hinkriege, sei er ethisch oder intellektuell.
    Wichtig war mir aber zu betonen, dass Paulus und Jesus sich nie kennengelernt haben, vertragen hätten sie sich aber dabei eh nicht!
    Aber alles hat Sinn. Ohne Fehlerquote würden wir das Suchen nach dem Wahren aufgeben,
    Zwischenerkenntnisse missachten.
    Tapfer haben wir zu sehen, dass die Botschaft Jesu den unteren Level des humanen Umgangs mit den doch sowieso leidenden Menschen einfach nicht erreichen konnte.

    Guten Willens war der Menschensohn, das Menschenkind Jesu, aber fehlbar.
    Er hatte teils Empathie, aber die Menschen trotzdem doch sehr erpresst, ihnen Angst gemacht,
    seelisch gefährliche ambivalente, also zwiespältige Gottesvorstellungen weiter weiter verkündigt. Dann hat er – wie Propheten in der alttestamentlichen Zeit – verlangt, dass wir diesen Gott lieben müssen, was doch krank machen kann, wenn man keine schützende Nonchalance hat.
    Feindesliebe ist eine gute Sache, also gute Gesinnung auch gegenüber Terroristen usw.zuhaben,
    aber Jesus liebte seine Feinde nicht!
    Als Kind geschiedener Eltern empfand ich folgenden Satz hässlich, missgönnerisch, unliebend, ja auch undifferenziert:
    „Wer eine Geschiedene freit, ist ein Ehebrecher!“
    Hätten die Römer ihn nicht getötet, wäre er vielleicht 60 oder gar 90 Jahre alt geworden, hätte er sich eventuell sehr geschämt und sich entschuldigt, weil er t a t s ä c h l i c h zu vielen Selbsttötungen beigetragen hat.
    Auch wegen sehr vielen anderen Sachen hätte er sich hoffentlich geniert. Dass er nicht erfüllteste Hoffnungen gemacht hat, sich immer wieder krass widersprochen hat, menschliche Seelen deformierte durch überfordernde Auflagen, was dann auch noch 2000 Jahre zwanghaft weitergegeben worden ist.
    Fortsetzung folgt, aber schreiben Sie bitte, bevor ich auf die wichtigsten Überlegungen eingehe.

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