Atheismus


Der atheistische Nicht-Glaube

Eine hölzerne Planke, mit Rissen und grober Obenflächenstruktur, die perspektivisch in die Länge gezogen ist.Atheisten lehnen – im Gegensatz zu Theisten – ein fremdbestimmtes Leben ab. Sie wollen selbst entscheiden und fühlen sich unwohl, wenn sie sich unterordnen sollen. Natürlich sind sie deswegen keine Verweigerer der bürgerlichen Ordnung. In alltäglichen Angelegenheiten (beispielsweise im Job, bei Mehrheitsentscheidungen) ordnen sie sich genauso unter und ein wie jeder andere auch. Sie lehnen es jedoch ab, sich in privaten Angelegenheiten etwas vorschreiben zu lassen, beispielsweise wie sie denken oder glauben sollen.

Sie mögen auch keine hierarchischen Strukturen, solange sie nicht zwingend sind. Das ist gut! Doch ihr A-Theismus hat oft den Charakter einer Kompensation. Er ist eine Reaktion auf den Druck, der von der überwiegend schöpfergottgläubigen Gesellschaft auf sie ausgeübt wird. Das ist ihnen selten bewusst. Sie überreagieren und haben genauso wenig Beweise für die Nichtexistenz, wie Theist für die Existenz eines Schöpferwesens.

Der »politische Atheismus«, wie es ihn in diktatorischen (meistens kommunistischen) Systemen gibt oder gab, ist nur formeller oder offizieller Atheismus. Er ist die Ausschaltung eines unliebsamen Konkurrenten des Diktators, der sich einen anderen Gott neben sich nicht leisten kann, soll seine Herrschaft dauerhaft und umfassend sein. Selbst in angeblich atheistischen Gesellschaftssystemen wird geglaubt. Entweder heimlich an Gott oder notgedrungenerweise (aus überlebenstechnischen Gründen) an den Führer oder Herrscher.

Eine bunte, pastellfarbene Landschaft, über die ein Sturm zu toben scheint.Und die Menschen in einem Staat sind nicht deswegen Atheisten, weil seine Doktrin es ist. Die Sowjetunion war beispielsweise offiziell atheistisch, doch kaum, nachdem der Kommunismus dort zusammenbrach, schossen die religiösen Gruppierungen wie die sprichwörtlichen Pilze wieder aus dem Boden. Und sie sind jetzt vielleicht einflussreicher als vor der kommunistischen Phase. Das bedeutet: Im Verborgenen praktizierten und lebten die Menschen ihren religiösen Glauben weiter.

Die atheistische Angst vor dem Irrationalen

Atheisten streiten vehement ab, ihr Atheismus könnte ein Glaube sein. Sie würden sich auf wissenschaftliche Tatsachen stützen, objektiv und ideologiefrei sein. Sie nennen sich oft Freidenker. Die Existenz eines Schöpferwesens ist außergewöhnlich unwahrscheinlich, argumentieren sie manchmal. Und deshalb könnte es auch keins geben. Doch das ist ein schwaches Argument, denn die Wahrscheinlichkeit hat mit der Möglichkeit nichts zu tun.

Ist etwas außergewöhnlich unwahrscheinlich, ist es auch möglich!

Sie sagen, die Behauptung, sie würden an die Nichtexistenz von Gott glauben, sei falsch. »Sie glauben einfach nicht an Gott«, und das ist etwas anderes. Doch die Aussagen: „Ich glaube nicht an Gott“ und „Ich glaube, dass es Gott nicht gibt“, sind gleichwertig. Die erste Variante ist nur eine leicht verkürzte Form der Zweiten.

Wissen oder auch Nicht-Wissen auf einem Gebiet, das jenseits unserer Wissensmöglichkeiten liegt, ist logischerweise unmöglich. Von Nichtwissen oder Wissen kann deshalb nur dann gesprochen werden, wenn theoretisch gewusst werden könnte! Diese Möglichkeit gibt es bei der Gottesfrage, der Frage nach dem Ursprung des Universums, jedoch nicht.
Eine braun-rötlich Struktur, aus der drei Zapfen herauswachsenDas heißt also: Sobald wir uns mit der Existenzfrage beschäftigen, kommt notgedrungen Glaube ins Spiel, ob wir wollen oder nicht, denn Gott bzw. die Modelle, welche die Existenz erklären sollen, sind reine Spekulationen, bestenfalls Hypothesen oder Theorien, an die wir glauben können oder auch nicht. Entscheiden wir uns, nicht an Gottes Existenz zu glauben, entscheidet wir uns »zu glauben, dass es diese Entität nicht gibt«. (Das gilt selbstverständlich auch für die theistische Position: Entscheiden wir uns, nicht an das naturwissenschaftliche Erklärungsmodell zu glauben, entscheidet wir uns »zu glauben, dass es falsch ist«). Denn wir können nicht wissen, ob ein außeruniverselles Wesen das Universum einst erschuf, es eine andere Ursache hat oder auch ganz ohne ist. Behaupten wir das, täuschen wir uns lediglich darüber hinweg, dass uns die jeweilige Vorstellung (Universum wurde erschaffen/Universum existiert aus einem anderen Grund oder auch ohne) »Angst« macht oder uns aus irgendeinem Grund nicht gefällt.

Die ehrlichere Variante von: „Ich glaube nicht an Gott“ sollte deshalb lauten: „Ich lehne es ab, an Gott zu glauben.“ Damit sagen wir: „Ich mag das Konzept vom Schöpfergott nicht (aus welchem Grund auch immer) und lehne es deshalb ab.“

Würden Atheisten wirklich nur nicht an Gott glauben, wäre ihnen der religiöse Glaube egal. Denn niemand bekämpft das, was ihn nicht interessiert. Atheisten investieren jedoch sehr viel Zeit und Energie, um gegen den Theismus zu argumentieren. So etwas tut man, wenn man eine Beziehung zu dem hat, wogegen man sich positioniert. Und genau das ist es, was bei vielen (wenn auch nicht allen) Atheisten der Fall ist: eine negative Beziehung zum Theismus, die sie sich nicht eingestehen können oder die ihnen nicht bewusst ist.


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2 thoughts on “Atheismus

  1. Um die Frage der Existenz von einem oder mehreren Göttern zu entscheiden, muss man zunächst einmal den Gottesbegriff definieren.

    Einen allmächtigen Gott kann es nicht geben, weil das den Naturgesetzen widersprechen würde. Die Naturgesetze kann man mit astronomischer Sicherheit nachweisen, und mehr als das geht nicht.

    Einen Schöpfergott kann es auch nicht geben, denn jener müsste bereits existiert haben, bevor er das erste Leben geschöpft hat. Somit käme die Frage auf, wie denn der Schöpfergott entstanden sein könnte. Er könnte mit Sicherheit nicht selbst durch Schöpfung entstanden sein, denn damit würde sich diese Frage nur weiter auf die / den Schöpfer des Schöpfers verlagern.

    Atheismus ist dem zu Folge eine beweisbare Tatsache und kein Glaube

    1. Du schreibst:
      Um die Frage der Existenz von einem oder mehreren Göttern zu entscheiden, muss man zunächst einmal den Gottesbegriff definieren.

      Und warum?

      Du schreibst:
      Einen allmächtigen Gott kann es nicht geben, weil das den Naturgesetzen widersprechen würde.

      Und warum?

      Du schreibst:
      Die Naturgesetze kann man mit astronomischer Sicherheit nachweisen, und mehr als das geht nicht.

      Ja klar! Na und? Was hat das mit der Gottesfrage zu tun?
      Außerdem: Die Naturgesetze können wir nur bis zurück zum Urknall nachweisen. Alles, was davor war, können die Naturgesetze nicht beschreiben. Doch erst ab diesem Punkt wird es interessant, denn vor dem Urknall befindet sich wahrscheinlich die »Existenzgrundlage des Universums«.

      Du schreibst:
      Einen Schöpfergott kann es auch nicht geben, denn jener müsste bereits existiert haben, bevor er das erste Leben geschöpft hat.

      Was ist denn das für eine Logik? Wer etwas erschaffen will, MUSS natürlich VORHER existieren. NACHHER wäre zu spät.

      Du schreibst:
      Somit käme die Frage auf, wie denn der Schöpfergott entstanden sein könnte.

      Ja klar, auf meine Glaubenssystem-Seite beschreibe ich das ausführlich!
      Aber die Logik, die du auf den Schöpfergott anwendest, kann man auch auf die Existenz anwenden. Die kann nämlich genauso wenig erklärt werden, wie dieses ominöse Superwesen, an das Theisten glauben. Wenn die Existenz ohne Ursprung sein kann (was du ja implizit behautest), kann auch etwas anderes (in diesem Fall Gott) ohne Ursprung sein. Ich kann keinen wesentlichen Unterschied zwischen deiner Argumentation und der der Theisten erkennen.
      Theisten sagen: Gott kann ohne Ursprung existiert, das Universum aber nicht.
      Atheisten sagen: Das Universum kann ohne Ursprung existieren, Gott aber nicht.
      Doch wenn das eine ohne Ursprung existieren kann, dann kann es das andere natürlich auch.

      Keinem von beidem fällt dieser Widerspruch auf …. seufz

      Du schreibst:
      Atheismus ist dem zu Folge eine beweisbare Tatsache und kein Glaube

      Selbstverständlich ist der Atheismus eine Tatsache! Wie kommst du darauf, dass irgendjemand das Gegenteil behauptet? Ich jedenfalls nicht! Oder schreibe ich irgendwo: „Es gibt keinen Atheismus?“ (Also die Ablehnung des Schöpfergottkonzeptes).
      Die Frage ist nur, welche Motive haben wir als Atheisten! Sind sie denen der Theisten wirklich so unähnlich, wie wir oft behaupten? Mein Eindruck ist: Der Unterschied zwischen Theisten und Atheisten ist kleiner, als wir uns glauben machen wollen.

      Du sprichst von Beweisbarkeit, doch wenn es um die existenziellen Hintergründe des Universums geht, ist gar nichts beweisbar. Wir wissen nur, dass es das Universum gibt. Weder das infantile Schöpfergottkonzept noch die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse können erklären, was die Existenz ist, warum es sie gibt und was sie bedeutet. Der wissenschaftliche Ansatz geht natürlich sehr viel weiter als der religiöse, allerdings reicht er nur bis zum Urknall zurück, lässt also die eigentliche Frage, warum es überhaupt etwas gibt, unbeantwortet.

      Atheismus ist lediglich der Versuch, etwas rational verstehen zu wollen, was gar nicht verstanden werden kann. Theisten und Atheisten können oder wollen sich nicht damit abfinden, dass sich das Phänomen der Existenz unserem Verständnis und unserem Assoziationsvermögen entzieht. Jeder entwickelt halt andere Konzepte, um mit dieser intellektuell unbefriedigenden Situation umzugehen. Mein Vorschlag deshalb: Da weder Theismus, Atheismus, Agnostizimus oder irgendeine andere Lehre, Theorie oder Philosophie das Phänomen der Existenz erklären können, sollten wir es gar nicht erst versuchen. Denn was kommt schon dabei heraus: Letztendlich nur Glaube, ob es uns jetzt bewusst ist oder nicht.

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