Die Systeme der Welt


Spiegel der Menschheit

Immer wieder hören oder lesen wir, nur die Systeme oder Gesellschaftsordnungen müssten geändert werden und schon würde die Welt eine bessere sein. Mit einem anderen, besseren System gäbe es automatisch mehr Gerechtigkeit, denken wir. Das ist für viele Systemkritiker eine Patentlösung. Doch sollte das stimmen, würde das kein gutes Licht auf die Spezies Mensch werfen! Nach dieser „Systemtheorie“ verhalten wir uns nur deswegen so oft destruktiv, weil unsere Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme mangelhaft sind. Das würde bedeuten, unsere Moral und Ethik besitzt einen labilen und abhängigen Charakter. Wir sind gut und freundlich, wenn die Umstände es erlauben.
Zweifellos stimmt das bis zu einem gewissen Grad. In Ländern, mit einem halbwegs guten Gesellschaftssystem und einer gut funktionierenden Wirtschaft, ist die Kriminalitäts- und Korruptionsrate deutlich niedriger als in anderen. Doch ein gutes Verhalten, das sich nur in einem guten System, einer günstigen Situation entfalten kann, hat keine Chance auf Dauerhaftigkeit. Denn es liegt in der Natur einer jeden Anstrengung, irgendwann zu erlahmen. Sind wir nur freundlich und friedlich, weil die Umstände es erlauben, ist dieses Verhalten nicht viel wert. Denn früher oder später werden die günstigen Umstände sich ändern.

Verschwendung mentaler Energie

Viel zu oft verwenden wir viel zu viel Energie darauf, die politischen und wirtschaftlichen Systeme für die Missstände in der Welt verantwortlich zu machen. Die Energie, die wir bei der Bekämpfung dieser vermeintlich mangelhaften Staatsformen verbrauchen, fehlt uns dann, um das eigentliche Problem anzugehen: unser Verhalten.
Die einen hassen den Kapitalismus, die anderen den Kommunismus. Unbemerkt stabilisieren wir so die Ungerechtigkeiten in der Welt, denn weder Kommunismus, Kapitalismus noch andere Staatsformen sind für die Missstände in der Welt verantwortlich, sondern zu 99 Prozent unser Verhalten.
Höchstwahrscheinlich sind im Laufe der Menschheitsgeschichte schon alle Systeme ausprobiert worden, doch keins davon hat sich als ideal erwiesen. Deshalb kann es nicht oft genug wiederholt werden: Nicht die Systeme sind das Übel, sondern wir, unser Unwille, bedingungslos friedlich und freundlich miteinander umzugehen! Denn Friedlichkeit und Freundlichkeit ist alles, was die Welt braucht.

Missbrauch der Systemen

Bei Systemen ist es wie bei Maschinen oder Geräten: Sie sind von uns erschaffene Werkzeuge oder Instrumente. Und Werkzeuge können richtig, falsch, positiv oder negativ eingesetzt werden. Die Art und Weise, wie ein Instrument benutzt wird, sagt nichts über seinen Charakter aus. Das beste Werkzeug, das beste Instrument wird zu einem Fluch, wenn es auf zerstörerische Weise zum Einsatz kommt. Daran hat das Werkzeug keine Schuld.

Scheren wurde beispielsweise erfunden, um bestimmte Materialien zu zerschneiden. Man kann mit ihnen aber auch Menschen erstechen – was auch oft geschieht. Trotzdem kommt niemand auf den Gedanken Scheren abzuschaffen, damit mit ihnen niemand mehr getötet wird. Wir wissen, die Schere wurde missbraucht und ist für den Mord nicht verantwortlich. Diese Gefahr besteht, solange es Scheren gibt. Gleiches gilt für unsere Systeme:
Das Bankensystem, die Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme sind von uns geschaffene Instrumente, Institutionen oder Einrichtungen, die genau wie die Scheren nichts dafürkönnen, für destruktive Zwecke missbraucht zu werden. Ihr ursprünglicher Zweck war der Versuch, das gesellschaftliche Zusammenleben auf den unterschiedlichen Ebenen zu organisieren und zu verbessern, was bestimmt auch auf die eine oder andere Art funktioniert. Schnell haben wir jedoch gelernt sie zu missbrauchen, um uns persönlich zu bereichern oder Macht anzuhäufen.

Schaffen wir also beispielsweise den Kapitalismus ab und ersetzen ihn durch den Kommunismus, werden die Menschen, die zuvor den Kapitalismus missbraucht haben, jetzt den Kommunismus missbrauchen. Demnach ist es besser, wenn wir nicht versuchen, das optimale System zu finden.

Das wird uns nicht gelingen, denn ein solches gibt es nicht. Unsere Bemühungen sollten daher sein, unsere destruktive Eigenschaften abzuschaffen, anstatt die Systeme zu bekämpfen. Letzteres können wir bis in alle Ewigkeiten tun und werden trotzdem nichts erreichen. Erst wenn wir aufhören gierig, selbstsüchtig, gewalttätig, hinterhältig, heuchlerisch und verlogen zu sein, richten unsere Institutionen und Systeme keinen Schaden mehr an.


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