Friedlichkeit und Freundlichkeit

Friedlichkeit und Freundlichkeit


Die Menschheit muss freundlicher werden

Wir sind natürlich nicht alle Opportunisten und Heuchler. Es gibt viele Menschen, die grundsätzlich friedlich und freundlich sind und es ablehnen, ihre Leben auf Kosten anderer zu gestalten. Doch solche Menschen gibt es schon immer. Die Frage lautet deshalb: Nimmt ihr Anteil im Laufe der Zeit zu oder bleibt er gleich?

Wahrscheinlich nimmt er zu – wenn auch nur sehr langsam. Alles entwickelt sich im Laufe seiner Existenz weiter, also auch der Charakter der Menschheit. Es ist nur eine Frage der Zeit, selbst wenn es noch Jahrhunderte oder Jahrtausende dauern sollte, bis die allermeisten Menschen ein friedliches und freundliches Wesen besitzen. Es gibt viele Menschen, die friedlich leben wollen und es auch tun, selbst wenn sie arm sind und es immer bleiben werden. Sie fühlen sich unwohl, wenn es anderen Menschen schlecht geht, während es ihn gut geht. Woran liegt es dann, dass ein bestimmter Teil von uns raubt, plündert, mordet, vergewaltigt und ausbeutet?

Warum ist so vielen Menschen das Leid ihre Mitmenschen egal?

Sicherlich gibt es dafür unterschiedliche Gründe, allgemeine und spezielle. Ein spezieller Grund ist: Wer in seiner Kindheit und Jugend viel Gewalt und Ungerechtigkeit erlebt hat, kompensiert diese Erfahrungen im späteren Leben durch eigene Gewalttaten und Ungerechtigkeiten. Allerdings gibt es genügend Beispiele, die das Gegenteil zeigen: Gewaltopfer können im Erwachsenenalter – trotz ihrer schrecklichen Kindheit! – friedliche, freundliche und verständnisvolle Menschen sein, manchmal sogar aufgrund ihrer schrecklichen Kindheit. Wer eine schlimme Kindheit und Jugend hatte, kann trotzdem ein liebevoller, kreativer Erwachsener werden.

Friedlichkeit ist keine Kunst

Ein allgemeiner Grund ist: Die primäre Beschaffenheit unseres Bewusstseins, unserer Psyche, ist noch relativ primitiv, hat also noch viele archaische Aspekte. Wir haben uns ja aus dem Tier entwickelt und in der Tierwelt gibt es kein Erbarmen und Mitfühlen mit anderen Lebewesen, außer für die eigenen Nachkommen und Verwandten – und das auch nicht immer. In vielen Punkten sind wir dem Tier also noch ähnlich: Auch uns sind fremde Lebewesen meistens völlig egal, denn unser Überlebensinstinkt verbietet die Rücksichtnahme auf die Interessen Fremder.

Eine weitere wichtige Frage lautet außerdem:

Warum sind wir in diesem Zusammenhang so unterschiedlich? Warum sind nicht alle Menschen friedlich und freundlich? Denn Friedlichkeit und Freundlichkeit sind keine Kunststücke, die schwer zu erlernen sind. Es ist viel einfacher, einem anderen Menschen nichts anzutun, als umgekehrt.

Warum wollen nicht alle Menschen eine friedliche und freundliche Welt? In einer solchen lebt es sich doch viel besser, als in einer feindlichen! Es ist eines der großen Rätsel dieser Welt. Wir Menschen sind die am weitesten entwickelte Spezies auf diesem Planeten und besitzen Fähigkeiten, mit deren Hilfe wir sprichwörtliche Wunder vollbringen. Wir fliegen zu anderen Planeten, berechnen den Anfang des Universums, erforschen die Strukturen von Atomen und vollbringen noch viel größere Wunder. Doch geht es darum, friedlich und freundlich zu sein (was wirklich sehr einfach ist und keine besonderen Fähigkeiten voraussetzt), versagen wir kläglich. Sind wir es doch einmal, dann oft aus Berechnung. Das zeigt, wir verstehen nicht wirklich, was Friedlichkeit und Freundlichkeit eigentlich sind: die Voraussetzungen für ein kreatives, erfülltes Leben.