Das Böse ist immer unbewusst

Das Böse ist immer unbewusst


Bewusst böse handeln ist unmöglich

Handeln wir böse, ist uns das nur möglich, weil wir NICHT bewusst sind.

Wirklich bewusste Menschen können gar nicht böse handeln. Unbewusstheit ist eine Voraussetzung für böses Tun. Selbst wenn wir glauben, bewusst böse zu handelt, ist unser Handeln trotzdem unbewusst. Denn wir sind nicht deshalb bewusst, weil wir glauben es zu sein. Sich selbst damit zu rühmen, bewusst böse zu handeln, ist ein Trick, mit dem wir uns (wiederum unbewusst) darüber hinwegtäuscht, dass uns die Bedeutung unserer Tat nicht bewusst ist. Das heißt also: Es gibt »das Böse« in der klassischen Definition gar nicht. Es gibt nur von Menschen verübte schreckliche Taten, die möglich sind, weil wir nicht wirklich wissen, was wir tun.

Böse Taten sind zwar beabsichtigte Schreckenstaten, doch absichtliches Handeln setzt nicht zwingend Bewusstheit voraus, denn Wissen ist nicht mit Bewusstsein gleichzusetzen. Beabsichtigtes Handeln muss die tiefer liegenden Hintergründe nicht kennen. Wir handeln oft mit Absicht und wissen trotzdem nicht, was wir tun, was unsere tatsächlichen Beweggründe sind. Oft wird uns erst nach der Tat bewusst, was und warum wir etwas taten, obwohl wir zuvor dachten, es zu wissen.

Sicherlich wissen wir meistens was wir tun, wenn wir anderen Menschen Schreckliches antun. Doch wir kennen nicht die ganze Tragweite und die wirklichen Motive unseres bösen Tuns. Andernfalls würden wir so nicht handeln.

Selbstverständlich ist Unbewusstheit nicht mit Böse gleichzusetzen. Bloß weil ein Mensch unbewusst ist, handelt er nicht automatisch böse. Wir alle sind mehr oder weniger unbewusst.

Unbewusstheit ist nur das Tor, das zu dem führen kann, was wir »das Böse« nennen. Böses entsteht, sobald Unbewusstheit mit Destruktivität gepaart wird.

Wir müssen dieses Tor aber nicht durchschreiten. Unbewusste Menschen können trotzdem gute Menschen sein und sind es auch oft.

Kampf zwischen Gut und Böse

Insofern kann gesagt werden, dass der sprichwörtliche »Kampf zwischen Gut und Böse« ein Kampf zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein ist. Und da Unbewusstsein die Abwesenheit von Bewusstsein ist, ist Unbewusstsein ebenfalls nichts Eigenständiges. Unbewusstsein kann nicht zunehmen, sondern Bewusstsein kann abnehmen oder verschwinden.

Dieses Nichtvorhandensein von Bewusstsein nennen wir Unbewusstsein.
Eine gute Analogie ist die Beziehung zwischen hell und dunkel: Wir können Dunkelheit nicht erzeugen, sondern Dunkelheit bleibt zurück, wenn das Licht verschwindet. Schalten wir die Lichtquelle aus, gibt es kein Licht mehr, und diese Abwesenheit nennen wir Dunkelheit. Genauso ist es auch mit dem Unbewussten: Wir können es nicht erzeugen, indem wir etwas hinzutun, sondern es entsteht, indem wir etwas wegnehmen. Unbewusstheit ist genau wie Dunkelheit ein energiearmer Zustand. Wir können Dunkelheit nicht in Energie umwandeln!

Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein, ist daher nicht wirklich ein Kampf. Ein Kampf ist eine Auseinandersetzung, ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Gegnern, bei dem unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Das ist und kann beim Kampf zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein aber nicht der Fall sein, da die »Fraktion Unbewusstsein« keine aus sich selbst heraus existierende Größe ist, denn dazu müsste sie absichtsgesteuert sein, was wiederum Bewusstsein voraussetzt. Das Unbewusste kann aber kein Bewusstsein haben, da es sich wesensbedingt durch die Abwesenheit desselben definiert. Das Unbewusste ist sich seiner Existenz nicht bewusst, das Bewusste jedoch schon. Es gibt genauso wenig das bewusste Unbewusste, wie das gute Böse, das helle Dunkle oder das trockene Nasse.

Böse ist die Abwesenheit von Gut

Wenn das Böse also nur eine destruktive Ausdrucksform von Unbewusstsein ist, gibt es das Böse genauso wenig, wie das Unbewusste. Unbewusstsein ist nur die Abwesenheit von Bewusstsein. Böse ist die Abwesenheit von Gut – und nicht sein Gegenspieler!

Wie Erich Kästner so treffend sagte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das Gute ist demnach eine bewusste, kreative, schöpferische Intension, die aufrechterhalten werden muss, damit sie nicht verblasst.

Verschwindet das Bewusstsein, verschwindet auch das Gute, beispielsweise die absichtliche Gestaltung und Aufrechterhaltung einer friedlichen und freundlichen Welt. Je bewusster wir sind, desto mehr liegt uns eine solche Welt am Herzen. Der sogenannte Kampf zwischen Gut und Böse ist in Wahrheit also ein Bewusstwerdungsprozess, der sich schon über Tausende, vielleicht Millionen Jahre erstreckt. Und er ist noch nicht beendet, denn es gibt Menschen mit weit und andere mit nur schwach entwickeltem Bewusstsein sowie viele Schattierungen dazwischen. Was für diese Streuung verantwortlich ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vielleicht spielen Sozialgenetik, Sozialbiologie und Epigenetik dabei eine Rolle: Menschen mit hoch entwickeltem Bewusstsein beeinflussen andere mit niedrigem. Nach der Theorie der Sozialgenetik schreibt sich das gelernte Verhalten zu Teilen in das genetische Erbgut ein.

Ein Bewusstwerdungsprozess

Über viele Generationen kann es so zu einer Erhöhung des durchschnittlichen Bewusstseins kommen. Das ist eine Theorie, die das allmähliche Voranschreiten des Bewusstseins der Menschheit erklären könnte. Vielleicht ist sie aber auch falsch und der Grund ein ganz anderer. Doch es ist im Rahmen dieser Abhandlung nicht wichtig, was für diese Entwicklung letztendlich verantwortlich ist. Tatsache ist: Es gibt sie – und nur darauf kommt es an.
Festzuhalten ist:

Handeln wir böse, bringen wir damit unsere Unbewusstheit zum Ausdruck. Unser unbewusstes Handeln hat einen monströs-destruktiven Charakter, mit dem wir andere und letztendlich uns selbst schaden.

Diese Definition soll das Böse nicht verharmlosen, nach dem Motto: „Böses ist ja nur Unbewusstsein – wir können nichts dafür, wenn wir böse handeln.“ Das wäre Quatsch! Unbewusstheit ist zwar ein Ausdruck von seelischer Unreife (für die wir normalerweise nichts können), unsere Unreife ist allerdings oft selbst verschuldet, beziehungsweise künstlich. Wir wollen oft nichts wissen, weil Unwissenheit bequem ist. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, ist ein beliebter Spruch, mit dem wir versuchen, unsere Unreife zu kultivieren oder schönzureden. Wissen ist für uns manchmal eine Bürde, der wir gerne ausweichen.

Wenn wir so tun (bewusst oder unbewusst), als wäre das Böse eine externe oder interne Macht (beispielsweise Dämonen oder animalische Triebe), der wir ausgeliefert sind, schieben wir die Verantwortung für unser destruktives Handeln von uns. Doch das wird nicht immer funktionieren und sich irgendwann rächen.