Das Böse


Das Böse ist menschlich

Eine grau-gelbe, pastellfarbene Landschaft, über die ein Sturm zu toben scheint.Der Ausdruck »das Böse« impliziert oder suggeriert, dass dieses Phänomen etwas unabhängige ist. Einige Menschen sprechen von einer Macht, einer Energie, die nicht weiter definiert wird und Menschen in Besitz nehmen kann. Andere behaupten, Dämonen besetzen Menschen, um sie zum Bösen zu verführen. Manchmal hören wir auch den Ausdruck »das bewusste Böse«. Damit ist gemeint, es soll Menschen geben, die nicht nur mit Absicht anderen schlimmen Schaden zufügen, sondern in vollem Umfang die Konsequenzen und Aspekte ihres bösen Handelns kennen. Sie sind böse, weil sie es mögen, böse zu sein. Solche Menschen sind dann »das Böse in Person« oder das »personifizierte Böse«.

Böses erscheint stets in Verbindung mit von Menschen verübten Taten.

Naturkatastrophen, die viele Todesopfer fordern, werden als besonders schlimm bezeichnet, als ein großes Unglück, allerdings nie als böse. Gleiches gilt für Todesopfer, die von gefährlichen Raubtieren verursacht werden oder von schlimmen Unfällen, wie Flugzeugabstürzen oder Zugentgleisungen.

Es gibt kein Böses, das vom Menschen losgelöst existiert. Das, was wir »das Böse« nennen, ist untrennbar mit dem Menschen verbunden, denn es repräsentiert einen menschlichen Wesenszug.

Eine Landschaft, in weiß-blaue-grauen Farben, über die ein Sturm tobt.

Da das Böse ausschließlich mit Menschen in Erscheinung tritt und wir vermutlich die einzigen Lebewesen mit reflexivem Bewusstsein sind, können böse Geschehnisse als absichtliche Schreckenstaten bezeichnet werden. Tiere sind nicht in der Lage böse zu handeln, weil sie unbewusst sind, obwohl die Ergebnisse ihre Taten genauso schrecklich sein können, wie die unserer. Es ist »nur« eine schreckliche Tragödie oder ein schrecklicher Unfall, wenn ein Raubtier einen Menschen anfällt und tötet. Dem Tier werden keine bösen Absichten unterstellt.

Rechtfertigung des Bösen

Es gibt die Auffassung, dass jeder Mensch zum Bösen fähig ist. Es käme nur darauf an, inwieweit wir das Böse in uns kontrollieren beziehungsweise unterdrücken könnten. Früher oder später verlöre jedoch fast jeder einmal, zumindest vorübergehend, die Kontrolle darüber – so die Theorie oder der Glaube. Deswegen heißt es manchmal: „Jeder Mensch könnte einen Mord begehen.“

Diese Behauptung kann als eine »Flucht nach vorne« bezeichnen werden, denn je mehr Menschen sich ihr anschließen, desto weniger müssen wir uns kritisch mit unserer eigenen Destruktivität auseinandersetzen. Wer nicht so denkt, fühlt sich vielleicht genötigt, sich dieser Meinung anzuschließen, um nicht als naiv oder weltfremd zu gelten. Nicht selten ist diese Meinung also nur etwas, was wir schnell und ungeprüft dahinsagen oder nachplappern, denn niemand weiß wirklich, ob jeder Mensch zu einem Mord fähig ist. Diese „Theorie“ ist nur ein bequemer Gedanke, der nicht überprüft werden kann. Zurzeit sind mit vier Kategorien des Bösen bekannt.

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3 thoughts on “Das Böse

  1. Hallo Dominicus,

    das war wohl ein Missverständnis – ich dachte, das „Amüsant“ bezieht sich auf den gesamten Block und wäre auch nicht so ganz Ernst gemeint gewesen.

    Ich hatte eigentlich den Gedanken, dass das Böse nicht etwas mit Unbewusstsein ZU TUN hat, sondern, dass das Böse das Unbewusstsein IST, quasi ein anderes Wort dafür. Nach meiner Theorie kann man Böse und Unbewusstsein nicht voneinander trennen, weil das Erste nur eine Auswirkung des Zweiten ist. Das ist natürlich eine gewagte These, die auch schnell gemacht ist. Vielleicht resultiert sie auch aus dem Umstand, dass es sonst nur schwer nachzuvollziehen und zu erklären ist, warum es Böses gibt und was es ist.

    Unbewusstsein würde ich vielleicht als Ausdruck von Unreife/Unerfahrenheit/Unwissenheit beschreiben. Wir kommen ja alle als unbeschriebene Blätter auf die Welt. Mit dem Rückgang der Unreife/Unerfahrenheit/Unwissenheit im Laufe unseres Lebens, wächst dann unser Bewusstsein durch Anhäufung von Wissen und Erfahrung. Und an diesem Punkt kommt es vielleicht darauf an, was wir aus unseren Erfahrungen und unserem Wissen machen. Und WAS wir daraus machen, hängt vielleicht von unseren persönlichen Intentionen ab, die wir ins Leben mitbringen. Dieser Punkt kann ja nicht geklärt werden: Kommen wir alle mit den gleichen „Startbedingungen“ auf die Welt, oder hat jeder ein eigenes „Thema“, das sein Leben bestimmen wird? Gibt es Menschen, die vielleicht mit einem gewissen Maß an latentem Bewusstsein zur Welt kommen, sozusagen schon als Säugling einen „Bewusstseinsvorschuss“ haben, der es ihnen leichter macht, ein gefestigtes Bewusstsein zu entwickeln? Warum sind manche Menschen schon als Kinder weiterentwickelt, als andere Erwachsene es jemals sein werden? Sind es nur die sozialen Umstände, die für die unterschiedlichen Entwicklungen verantwortlich sind? Es gibt bestimmt genug Beispiele, bei denen bei vollkommen gleichen Voraussetzungen, zwei vollkommen unterschiedliche „Bewusstseine“ herausgekommen sind.

    Wenn ein Mensch bewusst böse handelt, würde ich vielleicht sagen, dass ihm die entsprechende Reife fehlt, um die gesamte Tragweite seines Handels zu erkennen. Vordergründig ist ihm schon bewusst, dass sein Handeln böse ist. Deswegen sagt er von sich selbst vielleicht auch: Ich bin böse und ich bin gern böse. Es bereitet ihm vielleicht auch Vergnügen, anderen Menschen Leid zuzufügen. Vielleicht denkt er aber auch, dass die Welt ungerecht und grausam ist und man daran nichts ändern kann und dass jemand, der anständig und ehrlich durchs Leben geht, naiv und dumm ist. „Lieber bin ich Täter, anstatt Opfer“, sagt er sich vielleicht. Er übersieht dabei allerdings, dass die Welt nur deswegen so ist, weil es Menschen wie ihn gibt.
    Das ist der entscheidende Punkt bei der Sache. Ein Mensch, der sein Leben auf Kosten anderer Menschen gestaltet, sagt vielleicht: „Wenn die Welt ein besserer Ort wäre, würde ich mich anders verhalten.“ Die Welt ist jedoch nur deswegen so, weil ER (und andere Menschen, die ebenfalls so übel drauf sind, wie er selbst) die Welt so machen. Er denkt vielleicht, dass es auf ihn nicht ankommt, dass die Welt sich nicht ändern würde, wenn er sich ändert. Doch diese „Logik“ ist nur ein Trick, mit dem sich der Böse selbst beruhigt. Es geht schließlich nicht darum, wie die Anderen sich verhalten, sondern nur darum, wie man sich selbst verhält. Dass der Böse diesen Umstand nicht erkennt, macht seine „Unreife“ aus, denn eigentlich ist es einfach zu erkennen, dass das Böse in der Welt kein „Naturgesetz“, sondern menschengemacht ist.

    Man könnte also sagen, dass diese Art von Unbewusstsein, die mit dem korreliert, was wir das Böse nennen, „verweigerte Bewusstwerdung“ ist, oder auch, verweigerte Verantwortung. Es ist bequem, bei alten Gewohnheiten und Denkstrukturen zu bleiben, denn wenn man sich selbst umkonditionieren muss, ist das ziemlich anstrengend und nervig. Solange ich die Wahl zwischen alten und neuen Strukturen habe, wähle ich die alten, SOLANGE DIE NOCH FUNKTIONIEREN! Erst wenn das Alte nicht mehr funktioniert, nehme ich das Neue. Und oft kann ich das Ende einer alten Gewohnheit hinauszögern, bis ich gezwungen bin, mich zu verändern. Ich glaube, so ungefähr funktioniert die Weiterentwicklung der Menschheit auch: Wir verändern uns erst dann, wenn die Umstände es von uns verlangen.

    Oft werden eingefahrene Strukturen mit der vorherrschenden Kultur in einem Land begründet und gerechtfertigt. Das ist auch wieder sehr bequem, wenn man sich mit diesen Strukturen nicht beschäftigen will. Wir relativieren einfach unser Verhalten. Manche sagen: „Es ist halt Sitte und Brauch, und deswegen müssen wir es tolerieren.“ (beispielsweise Zwangshochzeiten, Korruption und anderes).

    Was die Sache mit dem Licht und der Dunkelheit angeht, bin ich mir nicht wirklich sicher. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Art Analogien wirklich tauglich sind, um damit Bewusstsein und Unbewusstsein zu untersuchen. Trotzdem finde ich sie sehr nützlich und logisch. Ich traue meinem Assoziationsvermögen aber nicht 100-prozentig. Daher die Unsicherheit.
    Ähnlich ich es mit Wärme und Kälte: Ist absolute Kälte (-272 Grad C., keine atomare Schwingung mehr) etwas Eigenständiges, oder nur die Abwesenheit von Wärme bzw. Schwingung? Man kann Kälte durch Zufuhr von Energie genauso wenig erzeugen wie Dunkelheit.

    Könnte man vielleicht sagen, dass Dunkelheit und Licht GLEICHZEITIG an einen bestimmten Ort sind, dass das Licht die Dunkelheit also überstrahlt, sodass man nur noch das Licht wahrnehmen kann, aber nicht die Dunkelheit, die sich unter dem Licht befindet?
    Wenn ein Raum angefüllt ist mit Materie, dann hört der Raum ja auch nicht auf, zu existieren. Er ist nur nicht leer, aber trotzdem noch da.

    Vielleicht liegt der Fehler darin, dass wir dazu neigen, in Polaritäten oder Dualitäten zu denken. Weiblich-männlich, hell-dunkel, kalt-warm usw. Vielleicht gibt es das ja gar nicht wirklich und es handelt sich nur um etwas, was mit unserer Wahrnehmung zu tun hat, die Polaritäten braucht, damit sie funktionieren.

    Deinen Satz „Die Tiefe einer Seele entsteht zum Beispiel durch die Resonanz aus dem unbewussten Boden …“, verstehe ich nicht.

    Und das mit der Tag-Nacht-Dualität: Ich glaube, das sind auch nur intellektuelle Spielereien. Weder Tag noch Nacht sind etwas Eigenständiges, sondern nur Effekte der Erdrotation.

    Wenn wir von Intelligenz sprechen, dann meinen wir oft auch nur: Raffiniertheit oder Schlauheit, sich einen persönlichen Vorteil auf Kosten Anderer zu sichern. Es gibt ja auch intelligente Kriminelle, die in ihrem „Job“ sehr erfolgreich sind. Es ist eigentlich alles erlaubt, solange man sich nicht erwischen lässt. Es kommt eigentlich nur darauf an, wie gut man durch Leben kommt und ob man dabei eine gute Figur macht. Und das lernen wir natürlich schon in der Schule. Die Leute, die dazu nicht in der Lage sind, oder es nicht wollen, sind die gesellschaftlichen Verlierer.

    Und das Beispiel mit dem asozialen Jungen zeigt nur, dass wir Menschen leicht manipulierbar sind, da wir abhängig von unserer sozialen Integration sind. Wir möchten integriert sein, als Kinder einer Clique angehören, als Erwachsene einen Bekanntenkreis haben usw. Wenn unser soziales Umfeld aber nur aus Menschen ohne Bildungshintergrund und ohne weiterführende Interessen besteht, passen wir uns diesem (asozialen) Umfeld an, weil das wohl immer noch besser ist, als überhaupt keine Zugehörigkeit zu haben. Wenn man das überhaupt bemerkt. In meiner Kindheit war es z.B. so: Ich hatte keine Ahnung, dass es da noch eine andere Welt gibt, und habe auch so geredet wie meine Schulkameraden. Erst später habe ich erfahren, dass es da noch eine andere Welt gibt. Aber: Ich habe mich für diese andere Welt interessiert, und als ich sie entdeckte, habe ich sie begeistert betreten.

    Die Hierarchie-Kette, von der du schreibst (Alpha-Männchen, Beta-Männchen usw.), ist leider viel zu oft ein Bestandteil der gesellschaftlichen Strukturen. Wir alle haben ja das Bedürfnis, eine Position in der Gesellschaft einzunehmen. Kann man nicht der Abteilungsleiter, Vorarbeiter oder sonst ein Vorgesetzter am Arbeitsplatz sein, ist man als Mann immer noch das „Familienoberhaupt“ (wenn man geheiratet hat und Kinder hat) und hat seine Frau und seine Kinder unter sich, denen man Vorschriften machen kann. Ist man ein Jugendlicher und hat mehr Muskeln als die andern Jugendlichen, kann man Anführer einer Clique sein. Besitz man keine Anführer-Eigenschaften, gibt es immer noch andere Kinder, die schwächer als man selbst sind. Außerdem weiß man, dass man, wenn man irgendwann einmal erwachsen ist und heiratet, seine Frau und seine Kinder unter sich hat. So findet jeder irgendwie seine Position in der Hierarchie, und wenn man der Unterste in einer Kette ist, gibt es vielleicht noch irgendein Haustier, das man dominieren kann.

    Bleibt wie immer die Frage: Wo ist der Unterschied? Warum streben einige danach, die von ihren Eltern und ihrem sozialen Umfeld vorgegeben Grenzen und Inhalte zu überschreiten, und warum interessieren andere sich nicht dafür? Warum entwickeln sich die meisten Menschen ihr Leben lang kaum weiter? MEIN ganzes Leben besteht zum Beispiel aus Weiterentwicklung. Ich denke heute nicht mehr so, wie ich z.B. vor 20 Jahren gedacht habe, und ich hoffe, dass ich in 10 oder 20 Jahren nicht mehr so denke, wie heute. Sollte ich in 10 Jahren feststellen, dass ich immer noch so denke wie heute, bin ich wahrscheinlich traurig, denn das würde bedeuten, dass ich mich nicht mehr weiterentwickelt habe.

    Was du da schreibst, ist bestimmt kein Schwachsinn, allerdings ist deine Art zu schreiben etwas chaotisch, sodass es beim Lesen viel Konzentration braucht, um es zu verstehen.

  2. Hallo Michael,

    Meinen Satz: „Mit der Tiefe einer Seele … “ war missverständlich formuliert – glaube ich festgestellt zu haben, bei genauerem zweiten Betrachten. Ich meine, dass die beiden Pole unbewusst und bewusst, die Seele – sofern es so etwas überhaupt gibt – umfassen, einfassen, sozusagen. Die Resonanz, die durch dieses Vorhandensein beider Pole entsteht, lotet die Seele aus, und lässt sie in ihrer Tiefe erklingen. Je mehr Unbewusstes existiert – damit meine ich nicht bestehen bleibt – desto mehr Bewusstes kann entstehen. Je mehr Bewusstes also auf dem Boden des Unbewussten ist, desto tiefer die Seele.
    Nun ist die Frage, was also eine tiefe Seele ist? Ob es nicht besser ist, wie du fragtest, mit einem Bewusstseinsvorschuss geboren zu sein, oder gar auf einem flachen Niveau zu leben und sich dessen allein bewusst zu sein.

    Ich bin zumindest der Meinung, dass unbewusst und bewusst nur Effekte der gleichen Sache sind, eben wie Tag und Nacht nur der Effekt der Erdrotation ist – mit Komponenten.

    Im Teleskop, beispielsweise, kann ich Licht und Nicht-Licht eigentlich unter ganz verschiedenen Voraussetzungen, sogar nebeneinander betrachten. Zum Beispiel ist, was ich sehe, wenn Jupiter im Okular erscheint, eine Reflexion von Sonnenlicht, bei Rigel ist es aber keine Reflexion, die ich sehe. Bei Jupiter gibt es also eine in Dunkelheit gehüllte Masse, die so bei Rigel eben nicht besteht – so gesehen ist also nur Dunkelheit etwas Eigenständiges. Licht benötigt für seine Entstehung, wenn nicht ein Medium dann doch irgendetwas wie Energie. Vielmehr als das, was ich wahrnehme als Licht ist Energie.

    Um auf die Frage nach dem Unterschied im Umgang mit vorgegebenen Grenzen und Verhaltensmustern zurückzukommen, muss ich mir doch erst meine Formulierung verständlicher zurechtlegen, da ich dachte im letzten Kommentar doch einen Ansatz zur Beantwortung – in Bezug auf meine Erfahrung mit Kindern – gegeben zu haben.

    Wie würdest du diese Frage beantworten, also warum sind einige Menschen dazu in der Lage, ein eigenständiges Denken und Handeln, losgelöst von vorgegebenen Grenzen und Inhalten zu entwickeln, und andere nicht? Und: Sind sie denn wirklich in der Lage diese Inhalte und Grenzen zu überschreiten, oder ist das nur eine Verfeinerung der Konditionierung? Gehen sie also nicht einfach nur ein Stück weiter auf demselben Weg?

    1. Jetzt habe ich es verstanden und einen neuen Gedanken dabei entwickelt.
      Es ist noch ein grober Entwurf und deswegen noch nicht so gut ausformuliert.
      Ich überlege schon, eine neue Seite mit dem Thema „Bewusstsein“ aufzumachen.

      Nehmen wir an, es gibt Seelen im klassischen Sinn und dass diese Seelen sich inkarnieren können.
      Eine Seele, die gerade in einem Körper inkarniert ist, befindet sich dann während dieser Zeit auf der Ebene der menschlichen Existenz und diese definiert sich durch das, was in der menschlichen Welt relevant ist. Inkarnierte Seelen sind dann nur in der Lage, das erkennen, wissen und wahrnehmen zu können, was in der menschlichen Welt Bedeutung besitzt. Diese Inhalte, die durch das Erkennen, Wissen und Wahrnehmen entstehen, können wir dann Bewusstseinsinhalte nennen. Das „Bewusstsein der Seele“ ist dann also auf das beschränkt, was in der menschlichen Welt Relevanz besitzt. Und das Spektrum der „Qualität“ der menschlichen Bewusstseinsinhalte erstreckt sich von unbewusst bis bewusst. Insofern ist also Unbewusstsein nur ein Teil von dem, was wir Bewusstsein nennen. Unbewusstsein ist in diesem Sinn nicht die Abwesenheit von Bewusstsein, sondern nur eine bestimmte Bewusstseinsform.
      Das, was wir Bewusstsein nennen, ist also die spezifische Art der Wahrnehmung von inkarnierten Seelen und diese Bewusstseinsform ist beschränkt. Bewusstsein ist also eine beschränkte Form von Wahrnehmung und Erkennen, selbst absolutes Bewusstsein ist noch beschränkt, da es an die menschliche Erfahrungswelt gebunden ist. Bewusstsein ist eine niedere Form von Wahrnehmung.
      Freie Seelen, also Seelen, die nicht in einem Körper inkarniert sind, besitzen demnach kein Bewusstsein, denn die „Wahrnehmung“ von Seelen ist nicht beschränkt. Die „Wahrnehmung“ von freien Seelen ist jenseits von dem, was wir Bewusstsein nennen und kann von uns nicht nachvollzogen werden, da Bewusstsein immer relativ und auf einen bestimmten Erfahrungsbereich beschränkt ist. Bewusstsein könnte man dann auch als „eingeschränkte Wahrnehmung“ bezeichnen. Und selbst das höchste Bewusstsein ist immer noch eingeschränkt. Den Ausdruck „Wahrnehmung“ benutze ich allerdings nur, weil mir kein besserer einfällt.
      Das alles hat aber nur dann Gültigkeit, wenn es Seelen im klassischen Sinn gibt. (Man spricht ja auch manchmal von der Seele eines Musikstückes, eines Gedichtes, eines Bildes usw. Das wären dann „nicht-klassische“ Seelen, die nur im Kontext unserer Beziehungen und Assoziationen zu dem jeweiligen Objekt existieren.) Vielleicht gibt es ja gar keine Seelen! Wer weiß das schon wirklich? Ich würde mich aber nicht wundern, wenn es sie gäbe: Vieles spricht dafür, was aber nicht zwingend bedeutet, dass es auch stimmt.
      Soviel erst mal zum Thema Bewusstsein und Seele. Ich werde mir noch mehr Gedanken dazu machen.

      Was die Frage nach den vorgegebenen Verhaltensmustern angeht: Das ist mir schon lange ein Rätsel! Ich verstehe einfach nicht, warum so viele Leute sich ihr ganzes Leben lang nicht weiterentwickeln und keine eigenen Gedanken, keinen eigenen Lebensstil entwickeln! Für mich ist es ganz natürlich, mein Leben nicht nach dem auszurichten, was mir andere Menschen erzählt haben oder was ich irgendwo gelesen habe. Es hört sich ziemlich arrogant an (und ist es wahrscheinlich auch), aber die meisten meiner Mitmenschen kommen mir ziemlich beschränkt vor (was ihre Auffassungsgabe und ihr Assoziationsvermögen betrifft). Wie anders kann man es erklären, dass so viele Menschen nur das tun, was von ihnen verlangt wird?
      Es macht auf mich den Eindruck, dass es da einen Unterschied gibt: Zwischen den Menschen, die eigene Gedanken, Meinungen, Ansichten und Lebensstile entwickeln, und den Menschen, die das nicht tun, also in der Tradition ihrer Eltern leben und denken. Aber welcher Unterschied könnte das sein? Ich glaube z.B. nicht, dass ich besonders intelligent bin – mit so etwas kann es meiner Meinung nach also nichts zu tun haben. Trotzdem scheint es da einen Unterschied zu geben. Manchmal kommen mir die meisten anderen Menschen vor, als würde es sie gar nicht geben, als wären sie Gespenster oder als wären sie Statisten in einem Traum, den ich träume. Aber das kann ich eigentlich auch nicht glauben, das ist mir zu subjektiv und grenzt schon an Solipsismus.
      Also: Egal was ich auch mache, ich kann mir dieses „Nicht eigenständiges Handeln und Denken“ der meisten Menschen nicht erklären – es ist ein Phänomen für mich, das ich gern verstehen würde. Ich möchte aber vermeiden, es einfach auf eine mögliche Beschränktheit im Denken der Menschen zurückzuführen – das wäre mir zu einfach und außerdem diskriminierend. Außerdem macht mir diese Erklärung ein bisschen Angst.

      Ganz langsam entwickeln die Menschen sich natürlich schon weiter. Diese langsame Weiterentwicklung findet aber nur in dem Rahmen statt, den der allgemeine Entwicklungsstand der Gesellschaft (der Massen) zulässt, also in kleinen, fast unmerklichen Schritten. Veränderung im Denken und Handeln ist dann erlaubt und wird dann möglich, solange die Veränderung – also die Abweichung des Verhaltens vom Standard – den erlaubten, engen Toleranzrahmen nicht verlässt. Innerhalb einer oder zwei Generationen kann man deshalb wohl kaum einen unterschied im Denken der Menschen beobachten, über viele Generationen allerdings schon. Aufgrund dieser Beobachtung bin ich deshalb optimistisch eingestellt: Wenn die Entwicklung der Menschheit tatsächlich ganz langsam voranschreitet, dann könnte vielleicht in 1000, 2000 oder 3000 Jahren die Menschheit so weit sein, dass sie ohne Kriege und Ausbeutung auskommt.

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