Leben auf Kosten anderer


Jeder nimmt sich was er kriegen kann

Fast alles Leid, fast alle Armut und fast aller Hunger in der Welt sind auf unser Wirken zurückzuführen. Unsere Gewalttätigkeit und Gleichgültigkeit sind die Hauptgründe dafür. Naturkatastrophen, Krankheiten und Unfälle erzeugen auch Leid, doch darauf haben wir nur wenig Einfluss. Diese natürlichen Leiderverursacher gehören zum Leben dazu und wir haben gelernt, sie zu akzeptieren, vielleicht sogar zu respektieren. Doch das Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen, ist unnötig und kontrakreativ. Es behindert unsere Entwicklung.

Gewalt verschiedener Kategorien und Grade, Raub und Betrug, Hinterlist, Korruption und Missbrauch bestimmen den Alltag vieler Menschen. Wir tun, was nötig und vorteilhaft ist, um zu überleben und es ist uns egal, wie uns das gelingt. Es gibt zwar Nischen der Freundlichkeit und Friedlichkeit in der Welt und es gibt Länder, in denen das friedliche Zusammenleben sogar recht gut klappt. Doch diese Ausnahmen sind nicht neu:

Dort, wo die wirtschaftliche Situation günstig ist, haben wir es nicht unbedingt nötig, hinterlistig unsere Interessen durchzusetzen. Ändern sich diese Umstände, schwindet allerdings oft unsere Bereitschaft zur friedlichen Koexistenz.

Dann gestalten wir unser Leben auch auf Kosten anderer. Nicht alle und vielleicht noch nicht einmal die Mehrheit aber trotzdem so viele, dass diese das soziale Klima in der Welt bestimmen oder verderben. Die einen, weil das die Art ist, wie sie durchs Leben gehen, die anderen sehen sich genötigt mitzuziehen, weil sie befürchten, andernfalls übervorteilt zu werden. Wer das nicht will und deswegen nicht tut, ist oft der sprichwörtlich Dumme. Er handelt zwar nicht dumm, doch wer sich den Prinzipien der Ellbogengesellschaft verweigert und freundlich und fair zu seinen Mitmenschen ist (auch gegenüber den unfairen!), steht dumm da, denn er wird nicht selten ausgenutzt. Freundlichkeit und Fairness ist deshalb für uns nur eine Strategie zur Vorteilsverschaffung. Bedingungslose Friedlichkeit und Freundlichkeiten werden verächtlich als »Gutmenschentum« belächelt.

Gutmensch ist ein Schimpfwort

Wer sich behaupten und erfolgreich sein will, muss sich nehmen, was er kriegen kann, scheint das Prinzip und Motto zu sein. Wer anderen gegenüber fair ist, gehört zu den Verlierern.

Ehrlichkeit wird deshalb oft als Naivität empfunden und bezeichnet. Wir sagen „Ich bewundere deine Ehrlichkeit, aber du bist dumm, denn man wird sie dir nicht danken.“ Doch diese Sichtweise ist ein Armutszeugnis für die Gesellschaften. Sie zeigt eine resignative Einstellung gegenüber dem sozialen Leben. Es ist eine Schande, dass das Wort Gutmensch für viele ein zynisches Schimpfwort ist. Demnach müsste das Wort »Schlechtmensch« ein Lob sein! Doch das wäre schizophren und fatal. Denn was können wir vom Leben dann noch erwarten? Der rücksichtslose Mensch würde sich etablieren und der rücksichtsvolle, freundliche und friedliche vergehen und aussterben? Die Welt kann keine freundlichen Menschen gebrauchen, weil das unrealistisch ist? Das Leben soll für immer ein einziger Konkurrenzkampf bleiben? Leben geschieht immer auf Kosten anderer? Wer das nicht akzeptiert, ist weltfremd und naiv?
Mag ja sein, dass es im Tierreich so ist, aber wir Menschen gehören ihm nicht (mehr) an. »Gut-sein-können«, ist vielleicht die größte aller menschlichen Errungenschaft. Wir dürfen sie nicht wegen mangelhafter Empathiefähigkeit und für einen zweifelhaften, kurzfristigen Vorteil aufs Spiel setzen.


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3 thoughts on “Leben auf Kosten anderer

  1. Im Grundgesetz steht ja schon längst alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, aber ein Bundeskanzler/in wird sich woll niemals dem SGB unterziehen müssen. Auch in der Gleiheitsfiebel ist dieser Fehler; ob Mann ob Frau,
    ob Alt ob Jung, ob Reich ob Arm. Ob man Alt oder Jung ist, das bestimmt kein Gesetz, aber ob man Jung und Reich oder Alt und Arm, das richtet z.B. das SGB. Dieses Jahr wollte ich alleine zur Bundestagswahl antreten mit dem Thema: Alle das Gleiche Geld, den Jedem steht das Gleiche zu, auch, wenn Menschen nicht Arbeiten können oder wollen. Jeder Mensch hat sein Leben, seine Gründe, u.v.m. Auch für unsere Erde wehre es besser, dann könnte man Braunkohle Tagebauen schließen ohne zu fürchten, dass die Menschen die Ihren Arbeitsplatz verlohren haben, Extremisten. Denn darum gibt es sie. Politiker wollen gewählt werden (Lobbyismus).
    Berlin ist voller Denkmäler, geändert hat sich nur wenig. Bei Hitler gab es Gesetze extra für Juden Heute für Arbeitslose. Auch Behinderte Menschen werden immer noch behandelt als wären sie Untermenschen, Arbeiten in extra Werkstätten, tun zwar die Gleiche Arbeit aber weniger lohn. Ich könnte immer weiter schreiben zur, Börse Liberalismus u.s.w aber man bekommt Kopfschmerzen bei so viel Arroganz, Heuchelei aber auch der Hilflosigkeit .

    1. Na ja, das Grundgesetz ist letztendlich nur ein Ideal, das die Richtung vorgibt. Umsetzen müssen wir diese Ideale schon selbst, indem wir sie nicht nur anerkennen, sondern auch tatsächlich leben – doch da hapert er gewaltig!!! Wir finden diese Gesetze zwar gut, doch wenn sie in ihrer Konsequenz bedeuten, dass wir auf persönliche Vorteile verzichten oder unsere Gewohnheiten ändern sollen, ignorieren wir sie. Kein Staatsoberhaupt und keine Exekutive können dagegen etwas tun. Nicht Politik, Wirtschaft, Bankwesen, oder unsere Systeme sind also für die Ungerechtigkeiten in der Welt verantwortlich, sondern unser Unwille, diese Ideale in aller Konsequenz auch zu leben. Gehören wir zu den Verlierern in der Gesellschaft, zitieren wir das Grundgesetz – zählen wir zu den Gewinnern, ignorieren wir es.
      Der Nachteil einer freien und offenen Gesellschaft ist: Freiheit und Offenheit können missbraucht werden, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen – man muss nur raffiniert und egoistisch genug sein. Der Vorteil einer offenen und freien Gesellschaft ist jedoch die permanente Weiterentwicklung – und die ist extrem wichtig. Und je mehr eine Gesellschaft sich aufgrund dieser Offenheit weiterentwickelt, desto weniger Menschen wird es letztendlich geben, die sich auf Kosten anderer und der Allgemeinheit bereichern.

      Ideale gibt es viele im Leben, doch selten halten wir uns daran. Gleichberechtigung, Gleichbehandlung, Ehrlichkeit und Fairness können nicht von Gesetzen erzwungen werden. Dort, wo man es (zumindest offiziell) dennoch versucht, eignen sich die Leute, die besonders raffiniert und skrupellos sind, in Verborgenen lediglich nur noch mehr Macht und Privilegien auf Kosten anderer an! Das ist in totalitären, autoritären (also nicht-offenen) Systemen der Fall.

  2. Überrascht war ich vor ein paar Jahren über eine „Erkenntnis“ und bin mir nur 99 % sicher, dass ich recht habe.

    Ich meine nämlich seit ein paar Jahren, dass Intellektualismus nicht edler ist als Materialismus.
    Bitte , schreiben Sie Ihre Meinung. Danke.

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