Offenheit erzeugt Weiterentwicklung


Offenheit bedeutet Veränderung

Offenheit wird oft als Schwäche verstanden. Ein Mensch, der aufgrund seiner Offenheit seine Meinungen und Ansichten im Laufe der Zeit ändert (das heißt: sich weiterentwickelt!), wird vielleicht als labil und unzuverlässig empfunden. Damit die Gesellschaft funktioniert, muss sie stabil sein, und das geht nur, wenn die Menschen es ebenfalls sind. Es wird von uns keine richtige oder authentische Meinung erwartet, solange sie nicht zu exzentrisch ist. Es geht um Beständigkeit, aus der Berechenbarkeit resultiert. Und die ist nur gegeben, wenn wir unsere Meinungen und Lebenseinstellungen nicht ständig ändern.

Eine zähe Masse, die dahin zu fließen scheint

Dabei übersehen wir, dass es zwei unterschiedliche Arten der Meinungsänderungen gibt: Einmal die hier beschrieben, die das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses ist, zum anderen die Art von Meinungsänderung, die eine Laune reflektiert, aufgrund von Tageseinflüssen. Oft werden Launen und Meinungen aber miteinander verwechselt, sodass wir zwischen Weiterentwicklung und Fluktuation nicht unterscheiden können. Und aus diesem Grund lehnen wir Weiterentwicklung im Prinzip ab, da wir den damit verbundenen Meinungswechsel mit Launenhaftigkeit und Unberechenbarkeit gleichsetzen.

Offenheit bedeutet: Nicht an etwas glauben, weil unsere Lehrer und Eltern es von uns erwarten. Neue Gedanken, Gefühle und Assoziationen nicht verdrängen, sondern sie neugierig untersuchen und betrachten. Neue Wege gehen, wenn uns die alten nicht mehr gefallen oder seltsam erscheinen. Nicht beim Alten bleiben, nur weil andere das tun oder von uns erwarten. Neugierig sein auf alles, was unbekannt ist. Nur dann etwas glauben, wenn es wirklich nötig ist.

Eine weiße Wolke von oben, die über eine dunkle Landschaft schwebt

Offenheit bedeutet also, für Neues offen zu sein. Sagt beispielsweise jemand: „Ich bin offen dafür, anderen Menschen Leid zuzufügen“, ist er kein offener Mensch, sondern ein Zyniker, denn Gewalt, Betrug und Raub sind nichts Neues! Schon seitdem es uns gibt, fügen wir uns wahrscheinlich gegenseitig Leid der unterschiedlichsten Arten zu. Neu wäre in diesem Zusammenhang der Verzicht auf Gewalt, Betrug, Raub oder Nötigung zur Durchsetzung der eigenen Interessen.
Doch diese Art der Offenheit für das Neue fällt uns schwer, denn wir müssten uns umorientieren, wozu wir meistens nicht bereit sind, denn jede Umorientierung bedeutet Ungewissheit und Unsicherheit. Wir wissen nicht, ob das Neue, auf das wir uns einlassen, einen Vorteil bietet. Außerdem möchten wir nicht alleine sein mit unserer Entscheidung. Deswegen bleiben wir lieber beim Alten.

Behaupten wir, für Neues offen zu sein, bedeutet das nicht viel. Diese Äußerung ist ein rhetorischer Trick, mit dem wir andere und uns selbst täuschen. Denn eigentlich wollen wir gar nicht offen sein. Meistens fallen wir auf unseren eigenen Trick auch herein, denn die Ankündigung genügt uns schon. Wir beruhigen uns selbst, indem wir das aussprechen, was wir uns gern sagen hören.


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