Verständnis


Eine Voraussetzung für Weiterentwicklung

Klug ist es, Verständnis für unsere Schwächen und Fehler zu haben. Wir alle haben es nicht leicht, denn in unserer Kindheit wurden wir gesellschaftskonform gemacht, das heißt, unsere Individualität wurde in ein Korsett gezwängt. Viele unserer persönlichen Fähigkeiten und Eigenarten wurden unterdrückt oder verkrüppelt, in schlimmen Fällen sogar ganz weggezüchtet. Als Ersatz hat man uns Verhaltensweisen anerzogen, die ursprünglich nicht unsere waren. Man hat uns unsere Individualität abtrainiert, weil die Gesellschaft überwiegend konforme, einheitliche Menschen benötigt.

Auf einer tieferen Ebene unserer Persönlichkeit sind wir schizophren.

Eine bunte Struktur wie eine einsame Felsenlandschaft, mit einen hellen Licht im Zentrum.

Wir sind nicht die, die wir wären, hätte man uns unseren angeborenen Veranlagungen entsprechend aufwachsen lassen. Und diesen Verlust unseres eigentlichen Wesens kompensieren wir als Erwachsene durch allerlei Angewohnheiten, Marotten, Traumata und Psychosen – technisch ausgedrückt: Funktionsstörungen.

Eine typische, man kann sagen, klassische Schwäche, ist das Zigarettenrauchen. In unserer Jugend fingen wir aus Dummheit, Naivität oder Konformitätszwang damit an. Jetzt, da wir daran gewöhnt und physisch oder psychisch davon abhängig sind, können wir uns davon nur schwer bis überhaupt nicht trennen, obwohl wir längst wissen, dass Zigaretten rauchen eine Dummheit und obendrein schädlich ist. Wir besitzen nicht die Willenskraft, diese schlechte Angewohnheit auszutrocknen. Außerdem brauchen wir sie, um im Alltag funktionieren zu können.
Andere Angewohnheiten, die man als Schwächen oder Fehler interpretieren kann, sind der übermäßige Konsum allerlei überflüssiger Güter aber auch die Fixierung auf Hobbys oder Freizeitaktivitäten. Damit bändigen wir unsere innere Unruhe, denn tief in unserer Seele spüren wir, dass unser Leben eigentlich ganz anders sein könnte. Denn solange wir unseren Angewohnheiten gestatten, unseren Tagesablauf zu bestimmen, sind wir beschäftigt.

Es geht nicht darum, diese Angewohnheiten von heute auf Morgen abzulegen, sondern sie zu erkennen und welche Funktion sie besitzen.

Um gegen unsere Gewohnheiten und Zwänge anzukämpfen, brauchen wir viel Kraft und Disziplin. Theoretisch könnten wir diese vielleicht aufbringen, doch nur auf Kosten unserer Lebendigkeit. Es ist daher ratsam, uns nicht auf die Beseitigung unserer Fehler und Schwächen zu konzentrieren. Wir sollten sie wahrnehmen, sie als das erkennen, was sie sind: dummer Angewohnheiten. Aber uns sollte klar sein, dass sie feste Bestandteile unseres Lebens sind, die wir nicht eliminieren können, ohne uns selbst auf einer verborgenen Ebene zu schaden.

Wir sollten auch für die Schwächen und Fehler unserer Mitmenschen Verständnis aufbringen. Das fällt uns nicht immer leicht, ist aber wichtig. Sobald wir unsere Fehler und die unserer Mitmenschen mit Gelassenheit bewusst wahrnehmen, können wir an ihnen arbeiten und das bedeutet, sie verlieren nach und nach ihre Macht über uns. Andernfalls verkrampfen wir uns und machen alles noch schlimmer.

Manchmal legen wir eine dumme Angewohnheit ab und ersetzen sie durch eine andere, die wirklichen Schaden anrichtet. Sich von festgefahrenen Konditionen also wirklich zu lösen, ist sehr schwer, deswegen müssen wir geduldig sein.

Es ist also klug, unsere Fehler verständnisvoll zu betrachten, denn es gibt sie nicht grundlos. Erkennen wir, warum wir rauchen, zu viel essen, zu viel arbeiten, zu viel nörgeln, zu sparsam sind oder uns sonst wie übertrieben rational oder irrational verhalten, können wir nachhaltig unsere dummen Angewohnheiten auflösen.


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