Hybris der Ideologien und Religionen


Ideologien sind geistige Gefängnisse

Es geht auch nicht darum, ein bürgerlicher Mensch oder ein Intellektueller zu sein, auch kein Atheist, Theist, Anarchist oder Demokrat. Denn diese Kategorien, mit denen wir uns oft nur oberflächlich etikettieren oder ausschmücken, sind alle relativ und bedeuten ohne eine konkrete Zuordnung und Interpretation sowieso kaum etwas.

Eine steinerne Struktur, wie buntes MamorNicht auf die bürgerliche, intellektuelle, theistische oder atheistische Sichtweise kommt es an, sondern ganz allein auf unser Verhalten. Ein intellektueller Mensch kann genauso destruktiv handeln wie ein bürgerlicher – und das gilt für alle „Kategorien“.
OOft glauben wir jedoch, nur eine bestimmte Ideologie oder Religion kann die Welt und das Geschehen in ihr in eine positive Richtung lenken. Theisten sagen, allein der Glaube an Gott kann die Welt retten, Intellektuellen ist die Aufklärung der Menschen das Wichtigste, Atheisten sehen das Wohl der Menschheit vielleicht im Materialismus oder für Anarchisten ist die Herrschaftslosigkeit die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme. Gleichzeitig sieht jede dieser Gruppen in ihrem direkten Gegenspieler den Grund für das Übel in der Welt: Für Theisten ist es die Gottlosigkeit, für Anarchisten die Bürgerlichkeit und für Intellektuelle ist die mangelhafte Bildung der Massen verantwortlich für das Übel in der Welt.

Diese Einstellung hindert uns zu erkennen, dass wir (als Einzelne und Gemeinschaften) für die Missstände in der Welt verantwortlich sind. Wir sind die Übeltäter in der Welt und nicht irgendwelche Ideologien oder Glaubenssysteme..

Religionen rationalisieren Leid

Leid wird fast immer von anderen Menschen erzeugt, und nicht von der Religion, Bürgerlichkeit oder Intellektualität. Diese sind »Werkzeuge«, die wir benutzten, um unsere eigene Destruktivität (meistens unbewusst) im Zaum zu halten, zu legitimieren oder zu kaschieren. Nicht die Bürgerlichkeit, Intellektualität, Religiosität oder Antireligiosität sind daher für den Zustand der Welt verantwortlich, sondern ganz allein unser Verhalten. Das muss immer wieder gesagt werden, denn es ist wichtig, diese Tatsache zu erkennen und nicht zu vergessen.

Darum ist es vollkommen egal, wie wir uns nennen, was wir glauben oder behaupten zu sein, denn nur auf unser Verhalten kommt es an. Doch dieses ist bisher ungeeignet zur Gestaltung einer friedlichen und freundlichen Welt.

Dass wir alle sosehr an unseren Ideologien und Glaubenssystemen festhalten, die letztendlich nur unsere Entwicklung behindern, zeigt: Friedlichkeit und Freundlichkeit sind gar nicht unsere obersten Prioritäten, obwohl wir das oft und gern behaupten und vielleicht auch glauben. Natürlich haben wir nichts gegen Friedlichkeit und Freundlichkeit – wichtiger ist uns allerdings der Glaube oder die politische Einstellung. Und für jeden ist der eigene Glaube oder die eigene Ideologie natürlich richtiger als andere.

Ideologien und Religionen fungieren als Alibi

Der Blick auf eine Landschaft im braun-gelben LichtBisher haben weder Religionen noch Systeme Friedlichkeit und Freundlichkeit dauerhaft hervorgebracht. In keinem Land! Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Religionen und Ideologien sind in vielen Fällen die Ursachen für Streitigkeiten, die Friedlichkeit und Freundlichkeit unmöglich machen. Denn alle Glaubenssysteme und Ideologien haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie differenzieren sich im Laufe der Zeit aus und aus einer ursprünglich einheitlichen Lehre entstehen im Lauf der Jahrzehnte oder Jahrhunderte unterschiedliche, die sich unter Umständen dann gegenseitig bekämpfen. Vor zweitausend Jahren gab es beispielsweise nur ein Christentum, inzwischen gibt es diverse christliche Konfessionen, die sich in einigen Fällen sogar im Krieg miteinander befinden oder befanden. Nicht anders ist es im Islam und im Hinduismus.
Oft sind diese Differenzen unwesentlich und trotzdem die Ursachen für schreckliches Leid. Das lässt vermuten, die eigentlichen Gründe für unsere religionsbedingten oder ideologischen Konflikte sind gar nicht die angeblichen Unvereinbarkeiten bestimmter religiöser oder politischer Inhalte.

Unsere religiösen und ideologischen Unterschiede dienen uns lediglich als Rechtfertigung für unser kriegerisches Gemüt. Provokant ausgedrückt: Wir brauchen Religionen und Ideologien, um Krieg führen zu können.

Eine schwarze, schwere, dichte Wolkenfront

Liebe zur Gewalt

Wir geben ungern zu, dass uns Gewalt gefällt. Deswegen schaffen wir unbewusst oder bewusst Umstände und Strukturen, die es uns erlauben, unsere Gewaltlust vor anderen und besonders vor uns selbst verstecken oder rechtfertigen zu können. Doch dieses Bild erklärt nur einen Teil unserer Gewaltbereitschaft oder Gewaltliebe. Denn wenn wir anderen Menschen Schlimmes antun, besitzen wir Macht, die es uns ermöglicht, die Bedeutungslosigkeit unserer Existenz zu vergessen oder zu übertünchen.

Die Welt braucht also keine Ideologien, Religionen oder Dogmen. Diese sind zur Friedensstiftung alle ungeeignet. Zur Friedlichkeit und Freundlichkeit können wir sowieso nur vorübergehend konditioniert oder animiert werden, denn die gelernte Friedlichkeit basiert meistens auf der Unterdrückung unserer destruktiven Impulse. Früher oder später brechen diese wieder hervor und richten dann vielleicht mehr Schaden an als zuvor.

Der einzige Erfolg versprechende Weg in eine bessere Welt scheint somit zu sein: Friedlichkeit und Freundlichkeit, weil wir Friedlichkeit und Freundlichkeit mögen!

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