Kompensation der Erfolglosigkeit


Erfolglosigkeit in der Gesellschaft

Braune Tentakeln greifen um sich.

Rassisten leiden (wahrscheinlich unbewusst) unter ihrer Unfähigkeit zur Kreativität. Sie besitzen keine kreativen Talente, die auf Intelligenz, Inspiration oder Fantasie gründen. Das spüren sie irgendwie. Doch dieses Gefühl der Minderwertigkeit ist diffus. Sie können es nicht bestimmen und auf den Mangel eigener Talente zurückführen, denn das wäre bereits eine Fähigkeit. Folglich sind sie ständig angespannt oder unzufrieden. Diese Unzufriedenheit und Anspannung sucht nach einem Ausgleich oder einer Kompensation. Da ihnen ihre geistige Minderbemittelung nicht bewusst ist, geben sie äußeren Umständen die Schuld für ihre Erfolglosigkeit in Beruf und Gesellschaft. Wüssten sie, dass der Grund ihrer Unzufriedenheit nicht die Gesellschaft, sondern sie selbst sind, hätten sie keinen Anlass, anderen Menschen die Schuld für ihre soziale Abseitsstellung zu geben.

Da sie zu dieser Erkenntnis nicht fähig sind, neigen sie zum Gegenteil: Etwas stimmt nicht mit ihrem Leben, es verläuft nicht so, wie sie es gerne hätten.

Sie wissen nicht, dass sie nur deshalb erfolglos im Leben und der Gesellschaft sind, weil ihnen die Fähigkeiten fehlen, die man in einer Leistungsgesellschaft benötigt, selbst wenn es sich nur um Fleiß, Ausdauer oder Bescheidenheit handelt.

Aus diesem Grund suchen und finden sie die Ursache für ihre Bedeutungslosigkeit bei anderen Menschen, vorzugsweise denen, die ihnen fremd sind.

Die einzige Fähigkeit ist Gewaltbereitschaft

Talent- und Inspirationslosigkeit machen einen Menschen natürlich nicht zum Rassisten und Gewalttäter. Erfolglos sind viele Menschen im Leben und viele leiden still darunter. Zum Rassisten kann man werden, wenn man zusätzlich Menschen grundsätzlich nicht mag, was einschließt, vielleicht sogar voraussetzt, dass man sich selbst nicht mag. (Man mag das Dasein als solches nicht!) Da Rassisten sich das nicht eingestehen können (denn das würde bereits einen Erkenntnisprozess in Gang setzten, den sie nicht wollen, weil damit Veränderungen einhergingen), erkennen sie ihren Menschenhass nicht als Menschenhass, sondern empfinden ihn als natürliche Abneigung.

Auf einer Klippe vor einem Meer, wachsen schwarze, giftige Blumen.

Um nicht sagen zu müssen „Ich bin ein Menschenhasser, weil ich frustriert vom Leben bin und anderen ihr Glück nicht gönne“, erfinden sie die Legende vom »Volksfeind«, »Parasit« etc., dem sie die Verantwortung für ihre Erfolglosigkeit zuschreiben. Das legitimiert sie, diese Menschen zu bekämpfen, besonders mit brutaler Gewalt. Auf diese Art bauen Rassisten ihren Frust ab und kompensieren ihr (unbewusstes) Minderwertigkeitsgefühl. Andere Möglichkeiten zum Umgang mit ihrer Erfolglosigkeit kennen sie nicht.

Die Legende vom Volksfeind ist also nur eine dumme und billige Ausrede, mit der sie über den wahren Grund ihrer Gewalttätigkeit hinwegzutäuschen versuchen.
Kann man in der Gesellschaft nichts erreichen, weil man untalentiert ist, kann man trotzdem andere Menschen zerstören. Auf diese Art verschaffen Rassisten sich Erfolgserlebnisse. Das ist einfach und braucht keine besonderen Fähigkeiten.

Gäbe es keine Ausländer, Juden, Schwarze, Obdachlose oder Schwule, fänden die Rassisten oder Faschisten eine andere Bevölkerungsgruppe, um gegen diese mit brutaler Gewalt vorzugehen. Gäbe es auch diese Gruppe nicht mehr, fänden sie schnell eine Feind-Gruppe innerhalb ihrer eigenen Gruppe, denn es geht ihnen nur um eins: Frustrationsabau durch Gewalt gegen andere.

Das künstliche Selbstwertgefühl der Rassisten

Auf schwarzem Hintergrund ein Band von wässrigen Blasen und Schlieren

Woran liegt es also, dass es so viele Menschen gibt, die ihr Selbstwertgefühl dadurch erhöhen, indem sie anderen Menschen Leid zufügen? Mein Selbstwertgefühl ist auch nicht besonders hoch, doch der Gedanke, es zu erhöhen, indem ich andere Menschen erniedrige, käme mir selbst im Traum nicht. Ich wüsste gar nicht, wie das funktionieren könnte. Das Gegenteil ist doch der Fall: Erfährt ein anderer Mensch durch mein Tun eine Beeinträchtigung oder ein Leid (was Gott sei Dank selten geschieht), fühle ich mich nicht besser, sondern schlechter. Geht es einem anderen Mensch durch mein Tun besser, geht es auch mir besser!
Bei den Rassisten, Faschisten oder Menschenhassern ist es umgekehrt: Ihnen scheint es gut zu gehen, wenn es anderen schlecht geht. Das ist auf eine morbide Art schizophren. Das Unglück anderer ist ihr Glück.

Rassisten, Faschisten und Menschenhasser wissen nicht, was es bedeutet, sich gut zu fühlt. Ihr Glück ist abhängig von Leid anderer.

Es ist nur eine Vermutung und vielleicht auch eine Unterstellung, doch ich behaupte:

Die wichtigsten Grundgefühle, von denen Rassisten, Faschisten und Menschenhasser beherrscht werden, sind unbewusster Neid, falsch verstandene Frustration und ordinäre Unlust oder Faulheit.

Da sie mit diesen Gefühlen nicht umzugehen wissen und ihren Ursprung nicht ergründen können, empfinden sie Hass auf all die Menschen, die Fähigkeiten besitzen, die ihnen selbst fehlen: Großzügigkeit, Zuversicht und kreativer Tatendrang. Und dieser Hass findet das einzige Ventil, das ihnen zur Verfügung steht: Gewalt gehen andere Menschen. Rassismus ist die primitivste Form der Kompensation eines Minderwertigkeitsgefühls – und sonst gar nichts.

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