Der Stärkere überlebt


Ein archaisches Prinzip

Oft sprechen Rassisten vom Recht des Stärkeren. Das ist ihre „Philosophie“, mit der sie ihre Gewalttätigkeit versuchen zu rechtfertigen. In der Tierwelt setzt sich das stärkere Lebewesen gegen das schwächere durch. Die Evolution funktioniert halt so, argumentieren sie, und es wäre dumm diese Funktionsweise des Lebens zu ignorieren. Nach diesem Prinzip entwickeln sich alle Pflanzen und Tiere – selbst der Mensch wäre ihm unterworfen. Infolgedessen wäre es richtig, wenn der stärkere Mensch den schwächeren dominiert.

Doch diese Argumentation hat einen entscheidenden Fehler: Sie beschreibt das »blinde« Evolutionsprinzip, die Art und Weise, wie Tiere und Pflanzen sich gegeneinander behaupten und durchsetzen. In der Welt der Tiere und Pflanzen geht es tatsächlich allein um das Überleben, um die eigene Dominanz. Dort überlebt tatsächlich meistens nur der Stärkere.

Ein schwarz-graues Gebilde, säulenartig, mit einer morbiden Ausstrahlung.

Doch dieses Prinzip lässt sich auf die Menschenwelt nicht übertragen, denn wir gehören dem Tierreich nicht mehr an. In der Welt der Menschen geht es um weit mehr als das Überleben – die reine Überlebensphase haben wir längst hinter uns.
Obwohl wir uns noch relativ oft wie Tiere verhalten, sind wir trotzdem keine mehr. Die Prinzipien und Regeln, die in der Welt der Tiere gültig sind, taugen für unsere nicht. Wir haben beispielsweise ethische Werte und Regeln des Zusammenlebens entwickelt, die in der Tierwelt völlig unbekannt sind.

Außerdem geht es bei dieser rassistisch-faschistischen Übertragung des Überlebensprinzips der Tiere auf den Menschen nicht wirklich um Stärken, sondern eher um die Rechtfertigung für Rücksichtslosigkeit, Brutalität, Gefühlskälte, Gleichgültigkeit, Verlogenheit, kurz gesagt: um die Verherrlichung von Gewalt.

Und um jemanden umzubringen, muss man nicht unbedingt stärker sein als dieser. Mit Hinterhältigkeit geht es ebenfalls, vielleicht sogar besser. Es sei den, Hinterhältigkeit, Gefühlskälte, Brutalität usw. gelten als Stärken. Ich glaube aber, in Wirklichkeit handelt es sich um Schwächen, oder besser gesagt: Defizite des Charakters.

Vieles, was in der Tierwelt normal ist, gibt es in der Menschenwelt nicht mehr
und sollte deshalb nicht als Vorbild gelten.

Ein Waldlichtung mit nebelhafte, gestalthafte Formen.

Wir sollten also auf unsere menschlichen Errungenschaften wie Mitgefühl, Verständnis und Großzügigkeit stolz sein, anstatt sie als Schwächen zu verdammen, nur weil man dieses Verhalten in der Natur nicht beobachten kann.
Zitieren Rassisten oder Nazis die Evolution als Vorbild, tun sie das höchstwahrscheinlich aus rein taktischen Gründen. Die Evolution, das Tierreich und die Natur sind ihnen egal, vielmehr geht es ihnen um eine Rechtfertigung für ihr Verhalten. Gewalttäter geben ungern zu, dass sie aus reiner Freude an der Gewalt gewalttätig sind. Da kommt ihnen die Evolutionstheorie als Legitimation gerade recht.


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3 thoughts on “Der Stärkere überlebt

    1. Und warum? Begründe deine Meinung! Stimmt es etwa nicht, was ich sage? Ich habe Nazis und Rassisten schon oft so argumentieren hören: Der Stärkere hat recht und überlebt, weil die Natur und die Evolution so funktioniert. Sagen das etwa die Nazis nicht? Was soll dumm sein, darauf hinzuweisen und zu sagen, dass dieses Prinzip für die Menschenwelt ungeeignet ist?

  1. Jetzt wurde ich an unseren unterrichtenden Medizinalrat Dr. Oster in Nürnberg erinnert.
    In fast jeder Stunde nützte er die Gelegenheit, um uns Nachhilfe gab er in Punkto Evolutionsprinzip zu geben und dies möglichst sehr simpel.
    Ich kann mich noch an einen Originalwortlaut erinnern: „Da ist ein Löwe in Kenia und ein Mensch ist kurzsichtig, kann ihn nicht zeitig genug sehen und wird gefressen!“

    Und dann fallen seine Stunden plötzlich aus, eine nach der anderen!
    Wir freuen uns darüber, fragen aber dann doch nach und erfahren:
    Der Medizinalrat ruft immer wieder im Direktorat an und entschuldigt sich auf‘ s Neue:
    „Ich kann noch immer nicht vor 30 gesunden jungen Mädchen stehen.
    Mit meinem Sohn ist etwas Schreckliches geschehen!“

    Bald darnach findet das Staatsexamen statt und unmittelbar vor der mündlichen Prüfung in diesem Fach müssen wir uns einen gefalteten Zettel aus einer Schale herausnehmen und vor ihm und Abgesandten des Bonner Kultusministeriums über das betreffende Thema referieren. Auf meinem Los steht geschrieben: „Geschlechtskrankheiten bei Kindern“.

    Also ich sitze fröstelnd vor diesen Herren, weil ich immer lieber mit nackten Beinen und nicht mit Laufmaschen in’s Seminar komme und erzähle fliessend über diese Infektionen und dann stocke ich plötzlich, als es um Hygiene und Toilettenbrillen ging. Und Dr. Oster nickt mir zu meiner großen Überraschung drei mal aufmunternd zu und ich kann dann weiter sprechen….

    Anderes Thema:
    An diese Schale mit den Losen musste ich aber immer wieder im Leben zurückdenken:
    Wir alle ziehen ein Los am Anfang unseres Lebens!
    Und wir lesen die da geschriebene Aufgabe erst, wenn wir erwachsen werden und kriegen arges Frösteln mitunter, hadern auch ihretwegen, fragen uns „warum?“,
    wollen sie aber gut schaffen, nicht zusammenbrechen.

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