Nationale Identität


Gruppenzugehörigkeit als Identitätsersatz

Wir alle brauchen eine Identität, das heißt, wir müssen wissen, wer oder was wir sind, um halbwegs »lebenstüchtig« und gesellschaftsfähig zu sein. Identität und Orientierung im Leben sind uns sehr wichtig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um zu einer Identität zu finden. Eine davon ist die Dazugehörigkeit: Wir wissen wer und was wir sind, weil wir einer bestimmten Gruppe angehören. Das kann eine Nation, ein Verein, eine Clique oder die eigene Familie sein. Wir identifizieren uns mit den Werten, über die sich diese Gruppe definiert.

Ein rot-blaues Strickmuster

Bei jedem Menschen hat dieses Identifikations- oder Zugehörigkeitsgefühl einen anderen Stellenwert, eine andere Bedeutung. Dem einen ist es sehr wichtig, dem anderen mehr oder weniger egal. Der Grad, den die Bedeutung dieser Zugehörigkeit besitzt, hängt von der persönlichen oder individuellen Integrität ab. Allgemein gilt: Je mehr ein Mensch sich selbst kennt und weiß, warum er so denkt, fühlt und handelt, wie er es tut, desto weniger ist sein Selbstwertgefühl von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe abhängig: Seine persönliche Integrität ist hoch.

Je weniger ein Mensch sich kennt, desto wichtige ist ihm die Zugehörigkeit zu einer Gruppe: Seine persönliche, innere (oder auch seelische) Integrität ist niedrig und deshalb benötigt er eine äußere.

Je größer die persönliche Integrität ist, desto weniger ist eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit nötig, um ein Selbstwertgefühl zu haben. Das bedeutet: Eine (nationale) Idenität, die man durch eine Gruppenzugehörigkeit erhält, ist nur eine scheinbare, eine geborgte Identität. Denn fällt die Gruppenzugehörigkeit plötzlich weg (vielleicht weil sie einem aberkannt wurde), verschwindet auch die Anerkennung durch diese Gruppe und damit das Selbstwertgefühl. Diese Art der Identität ist folglich gar keine, sondern nur der Versuch, sich über das Nichtvorhandensein eines Selbstwertgefühls hinwegzutäuschen.

Man weiß nicht genau wer oder was man ist, doch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe kaschiert dieses Defizit. Die Gruppenidentität wird zur eigenen Identität. Das charakterisiert den Nationalismus, in einer stärkeren Ausprägung auch den Faschismus und Rassismus.

Wollen wir also den Nationalismus, bzw. die nationale Egozentrik überwinden, müssen wir unsere innere (individuelle, persönliche, seelische) Integrität stärken.

Persönliche Integrität stärken

Ein Feld aus unzähligen Fragmenten.

Unser Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein muss unabhängig von äußeren Faktoren sein. Das wird uns erst dann gelingen, wenn wir uns selbst gut kennen – doch das tun wir meistens nicht, auch wenn wir es glauben.
Oft wissen wir gar nicht, warum wir so fühlen und denken, wie wir es tun. Wir folgen unseren Impulsen oder Trieben und fragen uns nie, woher diese kommen. Wir wissen auch nicht, was innere Integrität eigentlich heißt: Zu wissen, warum man bestimmte Gefühle, Gedanken, Meinungen, Vorlieben, Abneigungen und Interessen wirklich hat und ergänzend der rational-emanzipierte Umgang mit ihnen, wenn wir sie als irrational erkennen. Meistens denken wir, dass das doch gar nicht nötig ist, denn unsere Gedanken, Meinungen und Gefühle, so wie sie sind, genügen uns.

Die Herkunft unserer inneren Intentionen interessiert uns meistens nicht. Denn es sind unsere Gedanken und Gefühle, und deswegen müssen sie okay sein, glauben wir. Es ist uns egal, warum wir so denken, was wiederum bedeutet: Wir sind uns selbst egal und haben kein Interesse daran, uns zu verstehen, unsere Motive und Beweggründe kennenzulernen, um uns weiterzuentwickeln. Doch das ist eine wichtige Voraussetzung zur inneren Integrität: das Verstehen der eigenen Gefühle und Gedanken. Solange wir dieses Interesse nicht entwickeln, wird uns unsere Gruppenzugehörigkeit meistens wichtiger sein, als unser Tun und Denken. Und das bedeutet letztendlich immer das Gleiche: Kriege, Leid und Elend.


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