Ver­schwö­rer und Ver­schwö­rungs­auf­de­cker: Zwei, die sich brau­chen

Eine große Halle, an den Wänden riesige Bildschirme mit vielen Symbolen, davor sitzen Menschen, die auf ihre Handys blicken.

Die zuneh­men­de Ver­brei­tung von Ver­schwö­rungs­theo­rien

Die Gefahr, die vom Glau­ben an Ver­schwö­rungs­theo­rien aus­geht, ist nicht gering. Selbst wenn vie­le Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge ihre Über­zeu­gun­gen nicht wirk­lich ernst neh­men und sie eher als eine Art Spiel oder Gedan­ken­spiel betrach­ten – ande­re tun das sehr wohl. Bei ihnen nimmt der Ver­schwö­rungs­glau­be bis­wei­len Züge einer Psy­cho­se an.

Ver­schwö­rungs­glau­ben kann Gesell­schaf­ten spal­ten, wenn er sich unge­bremst aus­brei­tet. Beson­ders deut­lich wur­de das wäh­rend der angeb­li­chen Coro­na-Ver­schwö­rung: Men­schen, die sich zuvor nie für Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen inter­es­siert hat­ten, began­nen plötz­lich, sol­che Kon­struk­tio­nen zumin­dest für plau­si­bel zu hal­ten. Ähn­lich ver­hält es sich mit der Vor­stel­lung, die Erde sei in Wahr­heit eine Schei­be – ein Glau­be, des­sen Ver­brei­tung in den letz­ten zwan­zig Jah­ren welt­weit signi­fi­kant zuge­nom­men hat.

Die meis­ten ver­brei­te­ten Ver­schwö­rungs­theo­rien – ins­be­son­de­re die gro­ßen und popu­lä­ren – bewe­gen sich in einem recht­se­so­te­ri­schen, regres­si­ven und häu­fig offen gesell­schafts­feind­li­chen Kon­text. Sie bie­ten ein­fa­che Erklä­run­gen für eine kom­ple­xe Welt und wir­ken gera­de auf Men­schen attrak­tiv, die mit den Anfor­de­run­gen der moder­nen Gesell­schaft über­for­dert sind oder mit grund­le­gen­den per­sön­li­chen Pro­ble­men kämp­fen. Der Ver­schwö­rungs­glau­be fun­giert hier als Ablen­kung, Betäu­bung und Sin­nersatz.

Der iro­nisch-belus­ti­gen­de Ton­fall auf die­ser Sei­te

Auch wenn ich mich auf die­ser Sei­te stel­len­wei­se über angeb­li­che Ver­schwö­rungs­mäch­te und ihre selbst­er­nann­ten Gegen­spie­ler lus­tig mache, bedeu­tet das nicht, dass ich den Ver­schwö­rungs­glau­ben als harm­los oder unbe­deu­tend betrach­te.

Ver­schwö­rungs­glau­ben muss ernst­haft bekämpft wer­den – am wirk­sams­ten durch nüch­ter­ne, sach­li­che Auf­klä­rung. Doch wie soll das gelin­gen, wenn die Adres­sa­ten die­ser Auf­klä­rungs­ar­beit sich kon­se­quent wei­gern, die Rea­li­tät anzu­er­ken­nen?

Vie­le Behaup­tun­gen aus dem Ver­schwö­rungs­mi­lieu sind der­art absurd, dass eine ernst­haf­te Aus­ein­an­der­set­zung oft uner­quick­lich und letzt­lich sinn­los erscheint. Beschäf­tigt man sich den­noch ana­ly­tisch mit ihnen, ent­steht zwangs­läu­fig ein iro­ni­scher Unter­ton – nicht aus Arro­ganz, son­dern weil Absur­di­tät nun ein­mal Absur­di­tät bleibt. Die­ser Ton­fall ist kein Stil­mit­tel der Her­ab­set­zung, son­dern eine unver­meid­li­che Begleit­erschei­nung ratio­na­ler Betrach­tung irra­tio­na­ler Behaup­tun­gen.

Albern, infan­til, komö­di­en­haft

Buntes, comicartiges Gemälde mit surrealer Szene: Ein Roboter im Anzug mit Schleife hält ein Tablet und fragt einen nervös schwitzenden Mann in Anzug: „How many eggs have no legs?“ (Wie viele Eier haben keine Beine?). Im Hintergrund laufen stilisierte Menschenfiguren umher, während schwarze Tinte aus einem Trichter fließt. Oben rechts steht ein Zensurbalken mit den Worten „TRUTH“ (Wahrheit) und „ZENSUR“, wobei „TRUTH“ teilweise verdeckt ist. Die Szene wirkt satirisch und kritisiert auf absurde Weise Themen wie Zensur, KI-Kommunikation und Wahrheitskontrolle.

Vie­le Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen sind in ihrem Kern albern, infan­til oder wir­ken gera­de­zu komö­di­en­haft – ein beson­ders extre­mes Bei­spiel ist die Vor­stel­lung einer fla­chen Erde. Es ist schwer nach­voll­zieh­bar, war­um erwach­se­ne Men­schen an so etwas glau­ben. Wer das tut, ver­wei­gert letzt­lich den eige­nen Sin­nen und ersetzt Wahr­neh­mung durch Ideo­lo­gie. Die­se Form des Glau­bens gleicht einer Selbst­in­dok­tri­na­ti­on, fast einer frei­wil­li­gen Selbst­hyp­no­se. Sie ent­springt häu­fig der Angst vor einer kom­ple­xen, tech­nisch und sozi­al anspruchs­vol­len Welt, deren Anfor­de­run­gen als über­for­dernd erlebt wer­den.

Dabei lie­ßen sich vie­le die­ser Behaup­tun­gen ver­gleichs­wei­se ein­fach über­prü­fen. Wäre die Erde tat­säch­lich eine Schei­be, müss­te man bei sehr kla­rem Wet­ter von hohen Punk­ten aus über gro­ße Distan­zen hin­weg Land­mas­sen erken­nen kön­nen. So wäre etwa zu erwar­ten, dass von der Spit­ze des Eif­fel­turms aus zumin­dest die eng­li­sche Küs­te sicht­bar wäre. Dass dies nicht der Fall ist, liegt nicht an man­geln­der Optik oder ungüns­ti­gem Wet­ter, son­dern an der Krüm­mung der Erde.

Auch ande­re popu­lä­re Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen tra­gen häu­fig die­sen unfrei­wil­lig komi­schen Cha­rak­ter. Nur weni­ge von ihnen wären theo­re­tisch über­haupt denk­bar oder in sich kon­sis­tent – etwa die Mond­lan­dungs­ver­schwö­rung, die zumin­dest nicht bereits an ele­men­ta­rer All­tags­be­ob­ach­tung schei­tert.

Die Lächer­lich­keit auf­zei­gen

Wie könn­te man jeman­dem, der an eine fla­che Erde glaubt, ein­fühl­sam und zugleich wirk­sam ver­mit­teln, dass die­se Vor­stel­lung falsch ist?

Das zen­tra­le Pro­blem besteht dar­in, dass vie­le Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge die moder­ne Welt als sol­che ableh­nen. Die­ses Bedürf­nis nach Welt­ver­wei­ge­rung ord­nen sie allem unter – ihrer Wahr­neh­mung, ihrem Den­ken und letzt­lich ihrem Bewusst­sein. Fak­ten wer­den nicht geprüft, son­dern danach bewer­tet, ob sie ins eige­ne Welt­bild pas­sen.

Wer jedoch erwar­tet, mit sol­chen Behaup­tun­gen ernst genom­men zu wer­den, muss sich gefal­len las­sen, dass ihm nüch­tern wider­spro­chen wird. Und nüch­tern betrach­tet ist vie­les von dem, was hier als „Wis­sen“ prä­sen­tiert wird, schlicht Unsinn.

In der rea­len Welt – also jen­seits des Inter­nets – lässt sich kaum etwas davon beob­ach­ten oder bestä­ti­gen. Die meis­ten Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen sind weder empi­risch beleg­bar noch logisch kon­sis­tent. Des­halb ist es nicht nur legi­tim, son­dern not­wen­dig, ihre inne­re Wider­sprüch­lich­keit und Lächer­lich­keit offen auf­zu­zei­gen.


Die Ver­schwö­rer: inkon­se­quent und umständ­lich

Eine finstere Gestalt mit glühenden Augen zieht an Marionetten-Fäden und manipuliert Menschen.

Wer ein­zel­ne Men­schen oder gan­ze Bevöl­ke­rungs­grup­pen mani­pu­lie­ren will, wird selbst­ver­ständ­lich alles dar­an­set­zen, dabei nicht ent­deckt zu wer­den. Mani­pu­la­ti­on ist nur dann wirk­sam, wenn sie unbe­merkt bleibt. Sobald sie erkannt wird, ver­liert sie ihren Zweck.

Ver­schwö­rungs­auf­de­cker behaup­ten jedoch regel­mä­ßig, gehei­me oder auch all­ge­mein bekann­te Orga­ni­sa­tio­nen wür­den die Welt­be­völ­ke­rung mani­pu­lie­ren. Auf­fäl­lig ist dabei, dass vie­le die­ser angeb­li­chen Mani­pu­la­tio­nen der­art plump, inef­fi­zi­ent und öffent­lich durch­ge­führt wer­den, dass man den ver­meint­li­chen Ver­schwö­rern einen bemer­kens­wer­ten Grad an Dilet­tan­tis­mus unter­stel­len müss­te.

Die­se Grup­pen oder Wesen inves­tie­ren – folgt man den Erzäh­lun­gen – enor­me Men­gen an Zeit, Geld und Ener­gie in ihre Machen­schaf­ten, legen aber gleich­zei­tig offen­bar kei­nen Wert dar­auf, unent­deckt zu blei­ben. Dabei lie­ße sich genau das mit ver­gleichs­wei­se gerin­gem Auf­wand errei­chen. Die­se inne­re Inkon­sis­tenz ist eines der auf­fäl­ligs­ten Merk­ma­le vie­ler Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen.

Chem­trails und die Coro­na-Lüge

Ein klas­si­sches Bei­spiel sind die soge­nann­ten Chem­trails. Hät­ten gehei­me Grup­pen tat­säch­lich die Absicht, das Kli­ma oder die Bevöl­ke­rung auf glo­ba­ler Ebe­ne zu mani­pu­lie­ren, gäbe es mit Sicher­heit unauf­fäl­li­ge Metho­den, die sich der öffent­li­chen Wahr­neh­mung voll­stän­dig ent­zie­hen.

Statt­des­sen sol­len die­se Grup­pen laut Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung mit Ver­kehrs­flug­zeu­gen gut sicht­bar den Him­mel kreu­zen und für jeder­mann erkenn­bar Che­mi­ka­li­en ver­sprü­hen. Eine der­art offe­ne Vor­ge­hens­wei­se wäre denk­bar unge­eig­net für ein Vor­ha­ben, das geheim blei­ben soll.

Ein ähn­li­ches Bild zeigt sich bei der soge­nann­ten Coro­na-Ver­schwö­rung. Anstatt angeb­li­che Gif­te oder Mikro­chips unauf­fäl­lig über Trink­was­ser, Lebens­mit­tel oder Medi­ka­men­te der Bevöl­ke­rung zu ver­brei­ten, wählt man eine extrem auf­wen­di­ge, teu­re und öffent­lich­keits­wirk­sa­me Impf­kam­pa­gne – die sich zudem über Jah­re hin­zieht. Effek­ti­ver und dis­kre­ter lie­ße sich ein sol­ches Ziel kaum schlech­ter errei­chen.

Nicht nur die angeb­li­chen Ver­schwö­run­gen selbst wir­ken regel­mä­ßig schlecht geplant – auch von grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en der Geheim­hal­tung schei­nen die ver­meint­li­chen Ver­schwö­rer kei­ner­lei Kennt­nis zu besit­zen.


Das Inter­net: stärks­te Waf­fe der Truther im Kampf gegen die Ver­schwö­rer und Inva­so­ren

Ver­schwö­rungs­auf­de­cker soll­ten sich eine ein­fa­che, aber ent­schei­den­de Fra­ge stel­len: War­um erlau­ben es die angeb­li­chen Ver­schwö­rer ihren größ­ten Fein­den, im Inter­net frei und welt­weit „die Wahr­heit“ zu ver­brei­ten – obwohl sie das mit gerin­gem Auf­wand ver­hin­dern könn­ten?

Eines ist klar: Gäbe es all­mäch­ti­ge Ver­schwö­rungs­mäch­te, die das Welt­ge­sche­hen nach Belie­ben steu­ern, sähe die Welt grund­le­gend anders aus. In einer sol­chen Welt gäbe es kaum ein frei­es, glo­bal zugäng­li­ches Inter­net. War­um soll­ten Unter­drü­cker und Aus­beu­ter es derr ver­sklav­ten Mensch­heit ermög­li­chen, sich in Echt­zeit zu ver­net­zen – und ins­be­son­de­re jenen Men­schen, die sich selbst als „Wahr­heits­wis­sen­de“ ver­ste­hen?

Wäh­rend sich Ver­schwö­rungs­auf­de­cker frü­her müh­sam und zeit­auf­wen­dig über den Post­weg aus­tau­schen muss­ten, kön­nen sie heu­te dank des Inter­nets welt­weit in Sekun­den kom­mu­ni­zie­ren, Infor­ma­tio­nen ver­brei­ten und ihren Wider­stand koor­di­nie­ren. Iro­ni­scher­wei­se wäre genau das ein Geschenk der Ver­schwö­rungs­mäch­te an ihre eige­nen Geg­ner.

Die Selbst­sa­bo­ta­ge der Welt­ver­schwö­rer

Es ist daher kaum nach­voll­zieh­bar, war­um angeb­li­che Welt­ver­schwö­rer die Ent­ste­hung eines glo­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zes nicht ver­hin­dert haben sol­len. Waren sie der­art kurz­sich­tig, nicht zu erken­nen, dass das Inter­net ihre Geg­ner stärkt, sie selbst jedoch schwächt?

Das Inter­net selbst bräuch­ten die Ver­schwö­rer ohne­hin nicht. Man darf anneh­men, dass sie längst über weit über­le­ge­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ver­fü­gen. Für sie hät­te das Inter­net also kei­nen erkenn­ba­ren Nut­zen.

Für die Ver­schwö­rungs­auf­de­cker hin­ge­gen ist es von unschätz­ba­rem Wert. Ohne Inter­net wäre ihre welt­wei­te Com­mu­ni­ty um ein Viel­fa­ches klei­ner, frag­men­tier­ter und weit­ge­hend wir­kungs­los. Die Ver­brei­tung ihrer „Wahr­hei­ten“ wäre erheb­lich erschwert, ihr Ein­fluss mar­gi­nal.

Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge soll­ten sich des­halb ernst­haft fra­gen, war­um man sie gewäh­ren lässt. War­um ver­hin­dert nie­mand ihre Online-Akti­vi­tä­ten, war­um wer­den ihre Inhal­te nicht flä­chen­de­ckend unter­drückt – wenn die angeb­li­chen Ver­schwö­rer doch angeb­lich auch das Inter­net kon­trol­lie­ren?

Das dum­me und lai­en­haf­te Ver­hal­ten der Ver­schwö­rer

Das Ver­hal­ten der angeb­li­chen Ver­schwö­rer wirkt bei genau­er Betrach­tung oft schlicht unlo­gisch. So han­deln weder nor­ma­le Men­schen noch pro­fes­sio­nel­le Kri­mi­nel­le. Ihre angeb­li­chen Aktio­nen erschei­nen schlecht durch­dacht, unnö­tig kom­pli­ziert und erstaun­lich inef­fi­zi­ent.

Wäre ich ein Ver­schwö­rer, der bei­spiels­wei­se den 82 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land einen mikro­sko­pi­schen Chip (Coro­na) ein­pflan­zen will, täte ich es so, dass es nie­mand mit­kriegt (in Lebens­mit­teln, im Trink­was­ser, in Medi­ka­men­ten etc.). Denn ich wür­de natür­lich wol­len, dass alle Men­schen den Chip bekom­men und nicht nur die, die sich imp­fen las­sen. Auch ein Impf­zwang wür­de nicht ver­hin­dern, dass ein Teil der Bevöl­ke­rung sich der Imp­fung ent­zieht.

Und die Leu­te, auf die ich es ganz beson­ders abge­se­hen hät­te (also die, die von mir und mei­nen Machen­schaf­ten wis­sen und mir des­halb gefähr­lich wer­den könn­ten), wür­de sich sowie­so nicht imp­fen las­sen.

Der Bevöl­ke­rung mit einer Imp­fung das Gift oder den Chip zu ver­ab­rei­chen, war also eine ziem­lich dum­me Idee.


Eine Koope­ra­ti­on zwi­schen Ver­schwö­rern und Ver­schwö­rungs­auf­de­ckern?

Satirische Illustration einer Theaterbühne: Ein düsterer Verschwörer und ein wild gestikulierender Truther mit Aluhut schütteln sich heimlich hinter dem Vorhang die Hand, während vorn eine dramatische Enthüllung inszeniert wird. Die Bühne ist mit absurden Requisiten wie einem allsehenden Auge, UFO und kryptischen Symbolen geschmückt. Über ihnen hängt ein Schild mit der Aufschrift „Generalprobe: Große Weltverschwörung – Akt III“.

Gestal­ten die Ver­schwö­rer ihre Ver­schwö­run­gen womög­lich absicht­lich nie beson­ders raf­fi­niert, damit sie auf­ge­deckt wer­den kön­nen? Arbei­ten sie mög­li­cher­wei­se sogar mit den Ver­schwö­rungs­auf­de­ckern zusam­men? Sind Truther und Gleich­ge­sinn­te in Wahr­heit – viel­leicht ohne es selbst zu wis­sen – eine Art Außen­dienst der Ver­schwö­rungs­mäch­te, deren Auf­ga­be es ist, die Öffent­lich­keit von den wirk­lich rele­van­ten Vor­gän­gen abzu­len­ken?

Auch wenn die­se Über­le­gun­gen nicht ernst gemeint sind, lie­fern sie zumin­dest eine mög­li­che Erklä­rung für das wider­sprüch­li­che, inef­fi­zi­en­te und teils bizar­re Ver­hal­ten, das sowohl den angeb­li­chen Ver­schwö­rern als auch ihren selbst­er­nann­ten Gegen­spie­lern zuge­schrie­ben wird.

Sie trau­en sich nicht, ihre größ­ten Fein­de zu töten

An Skru­pel­lo­sig­keit schei­nen die­se Ver­schwö­rer eben­falls nicht zu lei­den – zumin­dest theo­re­tisch. Dro­gen­kar­tel­le oder mafiö­se Orga­ni­sa­tio­nen zögern bekannt­lich kei­ne Sekun­de, Men­schen zu besei­ti­gen oder „ver­schwin­den zu las­sen“, wenn sie als Bedro­hung wahr­ge­nom­men wer­den.

Die angeb­li­chen außer­ir­di­schen Inva­so­ren oder all­mäch­ti­gen Welt­len­ker hin­ge­gen, die laut Erzäh­lung ohne Zögern Mil­lio­nen oder gar Mil­li­ar­den Men­schen töten wür­den und im Ver­gleich zu denen selbst die Mafia wie ein Kin­der­gar­ten erschei­nen müss­te, schei­nen aus­ge­rech­net vor einem Schritt zurück­zu­schre­cken: der Besei­ti­gung ihrer größ­ten Geg­ner.

Dabei wäre es für sie ein Leich­tes, jene Per­so­nen aus­zu­schal­ten, die sie durch­schaut haben und ihnen des­halb gefähr­lich wer­den könn­ten. Statt­des­sen lässt man sie gewäh­ren, auf­tre­ten, publi­zie­ren und Anhän­ger sam­meln.

Bekann­te und ein­fluss­rei­che Ver­schwö­rungs­auf­de­cker wie Atti­la Hild­mann, Xavier Naidoo, Ken Jeb­sen oder Chris­ti­an Anders soll­ten sich daher ernst­haft fra­gen, war­um sie noch leben. Wäre das, was sie behaup­ten, zutref­fend, wären sie längst tot und – falls erfor­der­lich – durch Dop­pel­gän­ger ersetzt wor­den.

Macht der Macht wegen

Was hät­ten die­se Ver­schwö­rer also von ihrer auf­wen­di­gen, zeit- und ener­gie­rau­ben­den Ver­schwö­rungs­ar­beit? Ein bes­se­res Leben wohl kaum. Mehr Geld eben­falls nicht – davon hät­ten sie angeb­lich ohne­hin genug, und zudem wäre Zah­lungs­mit­tel sowie­so nichts anfan­gen kön­nen, da es letzt­end­lich kei­nen wirk­li­chen Wert besitzt (Geld kann jeder­zeit ent­wer­tet wer­den). Alles, wor­um es ihnen daher zu gehen scheint, ist Macht der Macht wegen.

Ein beson­ders anschau­li­ches Bei­spiel ist die Rep­ti­lo­iden-Ver­schwö­rung. Die­se außer­ir­di­schen Wesen sol­len seit Hun­dert­tau­sen­den von Jah­ren in mensch­li­cher Gestalt die Geschi­cke der Welt len­ken.

Als inter­stel­la­re Spe­zi­es kamen sie aus einer Zivi­li­sa­ti­on, in der alles vor­han­den war, was sich ein Lebe­we­sen wün­schen kann: kei­ne Arbeit, kei­ne Knapp­heit, kei­ne sozia­len Unge­rech­tig­kei­ten, kei­ne poli­ti­schen oder wirt­schaft­li­chen Kon­flik­te. Ein futu­ris­ti­sches Para­dies, in dem jeder sein Leben frei und selbst­be­stimmt gestal­ten konn­te – ohne Krie­ge, Hun­ger oder Neid.

Flucht aus dem zivi­li­sa­to­ri­schen Para­dies

Doch dann ver­lie­ßen sie aus uner­find­li­chen Grün­den die­ses Para­dies, um auf der Erde mit viel Arbeit und Stress eine Mensch­heit aus­zu­beu­ten und zu ver­skla­ven, die es oben­drein noch gar nicht rich­tig gab. Wel­chen Nut­zen könn­te eine Spe­zi­es, die alles erreicht hat, was es zu errei­chen gibt, davon haben?

Allein die­se Fra­ge macht die behaup­te­te Rep­ti­lo­iden-Inva­si­on sinn­los. Der ein­zig denk­ba­re – wenn auch kin­di­sche und irra­tio­nal wir­ken­de – Beweg­grund wäre das Stre­ben nach Macht an sich.

Man mani­pu­liert und domi­niert ande­re dem­nach nicht, um sich zu berei­chern oder das eige­ne Leben zu ver­bes­sern, son­dern aus Über­druss oder Lan­ge­wei­le. Nicht, weil es not­wen­dig wäre, son­dern weil man es kann – und mög­li­cher­wei­se Ver­gnü­gen dar­an emp­fin­det, ande­re zu täu­schen, zu kon­trol­lie­ren oder lei­den zu las­sen.

Für die­ses zwei­fel­haf­te Ver­gnü­gen hät­ten die­se Wesen also ihr para­die­si­sches Dasein auf­ge­ge­ben.


Die Ver­schwö­rungs­auf­de­cker: Von Frei­heit, Offen­heit und Selbst­ver­ant­wor­tung in einer moder­nen Welt über­for­dert

Eine Gruppe schemenhafter Gestalten, die in einem komplexen Netz aus Lichtfäden gefangen sind, während eine erleuchtete Figur über ihnen schwebt und strahlt. Symbolisiert die Suche nach Freiheit und Erleuchtung im Spannungsfeld von Verstrickung und Erkenntnis.

In demo­kra­ti­schen, offe­nen und plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaf­ten las­sen sich beson­ders vie­le Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen, Truther, Info­krie­ger oder selbst­er­nann­te Ver­schwö­rungs­auf­de­cker beob­ach­ten. In auto­ri­tä­ren Staa­ten oder Dik­ta­tu­ren hin­ge­gen tre­ten sie deut­lich sel­te­ner in Erschei­nung. Die­se Dis­kre­panz ist erklä­rungs­be­dürf­tig.

In offe­nen Gesell­schaf­ten wird nie­mand dar­an gehin­dert, sei­ne Mei­nung zu äußern – selbst dann nicht, wenn sie offen­kun­dig unsin­nig ist. Nie­mand schreibt vor, wie ein Leben zu füh­ren ist, wel­che Über­zeu­gun­gen erlaubt sind oder wel­che Deu­tun­gen der Welt akzep­tiert wer­den müs­sen. Selbst der größ­te Unfug darf ver­brei­tet wer­den, solan­ge er nicht gegen fun­da­men­ta­le Geset­ze ver­stößt.

Mas­sen­wei­se Frei­heits­rech­te

In Deutsch­land und ande­ren mit­tel­eu­ro­päi­schen Län­dern ver­fü­gen Men­schen heu­te über ein Maß an indi­vi­du­el­ler Frei­heit, das his­to­risch nahe­zu bei­spiel­los ist. Jeder kann sein Leben im Rah­men der gel­ten­den Geset­ze weit­ge­hend nach eige­nen Vor­stel­lun­gen gestal­ten. Wer das grund­sätz­lich bestrei­tet, igno­riert ent­we­der die Rea­li­tät oder ver­wei­gert sich ihr bewusst.

Ein­ge­schränkt wird die­se Frei­heit ledig­lich dort, wo sie die Frei­heit ande­rer ver­letzt: durch Geset­ze gegen Dieb­stahl, Gewalt, Betrug, Ver­leum­dung oder sexu­el­le Über­grif­fe. Die­se Ein­schrän­kun­gen sind kein Zei­chen von Unfrei­heit, son­dern ihre Vor­aus­set­zung.

Dar­über hin­aus besteht ein hohes Maß an sozia­ler Absi­che­rung. Selbst Men­schen, die sich dem Arbeits­le­ben weit­ge­hend ent­zie­hen, wer­den nicht kri­mi­na­li­siert, son­dern mate­ri­ell unter­stützt. In kaum einer ande­ren Gesell­schaft ist es so leicht mög­lich, sich der Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Leben zumin­dest teil­wei­se zu ent­zie­hen, ohne exis­ten­zi­ell bedroht zu sein.

Sehn­sucht nach einer auto­ri­tä­ren Gesell­schaft

Gera­de die­se Frei­heit scheint es zu sein, mit der vie­le Ver­schwö­rungs­auf­de­cker Schwie­rig­kei­ten haben. Eine offe­ne Gesell­schaft ver­langt Eigen­ver­ant­wor­tung, Selbst­re­fle­xi­on und die Fähig­keit, mit Unsi­cher­heit, Ambi­va­lenz und Kri­tik umzu­ge­hen.

In streng hier­ar­chi­schen oder auto­ri­tä­ren Sys­te­men sind die­se Fähig­kei­ten weni­ger gefragt. Dort ist das sozia­le Leben klar struk­tu­riert, Rol­len sind vor­ge­ge­ben, Ver­ant­wor­tung wird dele­giert – nach oben oder nach unten. Gehor­sam und Kon­for­mi­tät erset­zen Eigen­in­itia­ti­ve und Selbst­be­stim­mung.

Auf­fäl­lig ist, dass vie­le Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge eine star­ke Affi­ni­tät zu auto­ri­tä­ren Welt­bil­dern zei­gen – sei es in poli­ti­scher, reli­giö­ser oder kul­tu­rel­ler Form. In sol­chen Sys­te­men füh­len sie sich auf­ge­ho­ben, weil sie Ori­en­tie­rung, ein­fa­che Erklä­run­gen und kla­re Schuld­zu­wei­sun­gen bie­ten. Frei­heit hin­ge­gen wirkt dort weni­ger befrei­end als bedroh­lich.

Ver­schwö­rungs­theo­rien als Bezie­hungs­er­satz

Natür­lich gibt es Aus­nah­men. Den­noch fällt auf, dass vie­le Ver­schwö­rungs­gläu­bi­ge Schwie­rig­kei­ten haben, sich beruf­lich, sozi­al oder part­ner­schaft­lich sta­bil zu eta­blie­ren. Ein erheb­li­cher Teil von ihnen lebt sozi­al iso­liert oder in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen. Der Ver­schwö­rungs­glau­be scheint hier häu­fig eine Lücke zu fül­len – als Sinn­stif­tung, Iden­ti­täts­an­ker und sozia­ler Ersatz­raum.

Inner­halb die­ses Welt­bil­des attes­tie­ren sie sich selbst einen über­le­ge­nen Ver­stand, der sie befä­hi­ge, „hin­ter die Fas­sa­den“ zu bli­cken. Die­se Selbst­zu­schrei­bung kom­pen­siert das Gefühl, im rea­len Leben wenig Aner­ken­nung oder Erfolg zu erfah­ren.

Auf­fäl­lig ist dabei mit­un­ter eine Dis­kre­panz zwi­schen Selbst­bild und Rea­li­tät – etwa dann, wenn stark natio­na­lis­tisch auf­tre­ten­de Per­so­nen ihre eige­ne Mut­ter­spra­che nur unsi­cher beherr­schen. Für sich genom­men ist das belang­los, steht jedoch im Wider­spruch zur behaup­te­ten kul­tu­rel­len und intel­lek­tu­el­len Über­le­gen­heit.

Natür­lich exis­tie­ren auch hier Aus­nah­men: ins­be­son­de­re bei pro­mi­nen­ten Figu­ren, Autoren oder Influen­cern, die gezielt Inhal­te pro­du­zie­ren, wel­che die Erwar­tun­gen ihres Publi­kums bedie­nen.

Eine Ver­schwö­rung gegen die Ver­schwö­rungs­auf­de­cker

Für die­se Dis­kre­panz bie­ten sich – iro­nisch zuge­spitzt – zwei Erklä­run­gen an:

A: Eine zusätz­li­che Ver­schwö­rung ist für die sozia­le und beruf­li­che Abseits­stel­lung der meis­ten Ver­schwö­rungs­auf­de­cker ver­ant­wort­lich. Die Ver­schwö­rer sor­gen im Gehei­men dafür, dass ihre Geg­ner beruf­lich und sozi­al nicht auf die Füße kom­men, damit die­se sich nicht effek­tiv orga­ni­sie­ren kön­nen. (Bes­ser, ein­fa­cher und bil­li­ger wäre es aller­dings, die pri­mä­ren Ver­schwö­run­gen gleich pro­fi­haft durch­zu­füh­ren, damit sie gar nicht erst ver­schlei­ert wer­den müs­sen.)

B: Die Ver­schwö­rungs­auf­de­cker leh­nen es bewusst ab, beruf­lich und sozi­al erfolg­reich zu sein. Wenn sie woll­ten, könn­ten sie das natür­lich, doch sie wis­sen, Bil­dung, sozia­le und beruf­li­che Erfol­ge sind unwich­tig und Zeit­ver­schwen­dung, da all das sowie­so nur Täu­schung und Illu­si­on ist.

Abseits der Iro­nie stellt sich jedoch eine nüch­ter­ne Fra­ge: Was ist wahr­schein­li­cher? Dass sozi­al iso­lier­te, oft von Neid und Res­sen­ti­ments gepräg­te Men­schen die Machen­schaf­ten all­mäch­ti­ger Geheim­or­ga­ni­sa­tio­nen durch­schau­en. Oder dass Ego­zen­trik und Selbst­über­schät­zung den Blick auf die eige­nen Gren­zen ver­stel­len.

Dass Men­schen ihre eige­ne Inkom­pe­tenz nicht erken­nen und sich den­noch für beson­ders wis­send hal­ten, ist kein mora­li­sches Urteil. Denn wem der eige­ne Man­gel an Wis­sen nicht bewusst ist, hält sich schnell für wis­send. Die­ser Effekt ist bekannt.


2 Gedanken zu „Ver­schwö­rer und Ver­schwö­rungs­auf­de­cker: Zwei, die sich brau­chen“

  1. Wür­de die Bevöl­ke­rung über das Trink­was­ser vergiftet,dann könn­te die Phar­ma­zeu­ti­sche Industrie,in dem Fall z.B.Pfizer,kein Geld mit dem Impf­stoff verdienen.Ausserdem bringt man die Men­schen dazu,sich das Gift via Imp­fung sogar freiwillig,bereitwillig sprit­zen zu lassen.Und das bis zu 4x.

    Antworten
    • Wür­de die Bevöl­ke­rung über das Trink­was­ser vergiftet,dann könn­te die Phar­ma­zeu­ti­sche Industrie,in dem Fall z.B.Pfizer,kein Geld mit dem Impf­stoff ver­die­nen.

      Hä? War­um soll­te man in die­ser Situa­ti­on noch Geld ver­die­nen wol­len bzw. war­um soll­te es in die­ser Situa­ti­on über­haupt noch ums Geld­ver­die­nen gehen? Was wol­len die Phar­ma­kon­zer­ne denn mit ihrem Reich­tum, wenn ihre Poten­zi­el­len Kun­den alle tot sind?

      Aus­ser­dem bringt man die Men­schen dazu,sich das Gift via Imp­fung sogar freiwillig,bereitwillig sprit­zen zu lassen.Und das bis zu 4x.

      Nur zu einem Teil. Es las­sen sich ja nur die Schlaf­scha­fe imp­fen. Die Men­schen, auf die es die Ver­schwö­rer wirk­lich abge­se­hen haben (Men­schen wie dich, die den Ver­schwö­rern gefähr­lich wer­den könn­te), wer­den von einer frei­wil­li­gen Imp­fung gar nicht erfasst.

      Aus Sicht der Ver­schwö­rer wäre es also dumm, die Schlaf­scha­fe, die sie ja brau­chen, weil sie von ihnen leben, umzu­brin­gen, ihrer Geg­ner aber die Mög­lich­keit geben, sich der Imp­fung, dem Gift oder Chip zu ent­zie­hen.

      Auch das, was du in die­sem Kom­men­tar schreibst, ist viel zu kurz gedacht. Du hast es (wie alles, was du glaubst, denkst und meinst) irgend­wo gele­sen und glaubst es nur, weil es dir gefällt. Eine ande­re „Refe­renz“ zur Beweis­füh­rung dei­nes Glau­ben hast du nicht und inter­es­siert dich auch gar nicht: Dein Gefal­len dar­an genügt dir als Echt­heits­be­weis.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar