
Aliens in unserer Nachbarschaft
Dass es irgendwo im Universum weitere intelligente Lebewesen gibt, bezweifelt heute kaum noch jemand. Selbst viele hochrangige religiöse Führer haben mit dieser Vorstellung kein grundsätzliches Problem mehr.
Die eigentlichen Fragen lauten daher: Wie häufig kommt Leben vor? Gibt es Leben in jeder Galaxie? Ist Leben im Universum die Regel oder doch eher die Ausnahme?Selbst wenn sich in den allermeisten Galaxien kein Leben entwickelt haben sollte, wird es dennoch einige geben, in denen dies der Fall ist. Dass die Erde der einzige belebte Planet im gesamten Universum sein soll, erscheint kaum vorstellbar.
Inhalt
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bereits vor Milliarden Jahren intelligentes Leben in relativer Nähe zur Erde entwickelt hat – etwa innerhalb eines Radius von 100 Lichtjahren, was bei einem durchschnittlichen Abstand von rund 6 Lichtjahren zwischen den Sternen etwa 4000 Sonnensystemen entspricht –, ist dabei deutlich höher, als dass es sich exakt zeitgleich mit dem Leben auf der Erde entwickelt hat.
Der Grund dafür liegt in der räumlich und zeitlich weitgehend gleichmäßigen Verteilung geeigneter Bedingungen. Sonnensysteme mit dem Potenzial zur Lebensentstehung dürften nur selten gehäuft auftreten – es sei denn, es existieren bislang unbekannte Faktoren, die solche Häufungen begünstigen. Wahrscheinlicher ist eine annähernd gleichmäßige Verteilung über Raum und Zeit.
Entsprechend selten dürften Regionen sein, in denen innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums – etwa einer Million Jahre – in benachbarten oder sehr nahen Sonnensystemen Leben entsteht, das sich zudem mit vergleichbarer Geschwindigkeit weiterentwickelt und deshalb ungefähr zur selben Zeit eine interplanetare Epoche erreicht.
Noch scheinen wir alleine zu sein
Sollte es in der näheren Umgebung unseres Sonnensystems eine weitere Sonne mit einem belebten Planeten geben, müsste die SETI-Forschung diese früher oder später entdecken. Die Methoden zur Analyse der Atmosphären extrasolarer Planeten entwickeln sich rasant weiter. Bislang deutet jedoch nichts darauf hin, dass die Menschheit einen solchen kosmischen Nachbarn hat.
Sollte es in unserer Region der Milchstraße dennoch andere Sonnensysteme mit belebten Planeten geben, befinden sich diese entweder noch in einer prähistorischen Entwicklungsphase – oder sie haben bereits eine interstellare Stufe erreicht und sind für uns derzeit nicht nachweisbar.
Vermutungen, Spekulationen, Hochrechnungen
Neueren Schätzungen zufolge könnte es im Universum bis zu eine Billion Galaxien geben (frühere Schätzungen gingen von etwa 200 Milliarden aus). Unsere eigene Galaxie besteht aus rund 200 Milliarden Sternen, und wenn man diesen Wert grob als Durchschnitt für andere Galaxien annimmt, ergibt sich eine Gesamtzahl von etwa 200 Trilliarden (200 000 000 000 000 000 000 000) Sternen.
Die meisten davon dürften Planetensysteme besitzen. Viele dieser Planeten werden der Erde ähnlich sein, und einige werden vermutlich sogar günstigere Voraussetzungen für die Entstehung von Leben bieten. In manchen Sonnensystemen könnten sich mehrere lebensfreundliche Planeten innerhalb der habitablen Zone befinden.
Wahrscheinlich gibt es auch Regionen im Universum, in denen es – zumindest zeitweise – nur so von Leben wimmelt, wie es etwa in der Welt von Star Trek dargestellt wird. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob es außerirdisches Leben gibt, sondern wie häufig es vorkommt. Natürlich kennt niemand die Antwort. Wir können lediglich versuchen, diesen Wert abzuschätzen – aus Neugier, aus Erkenntnisinteresse und nicht zuletzt aus spielerischer Spekulation.
Methoden zur Berechnung außerirdischer Populationen
Es gibt verschiedene Versuche, mithilfe mathematischer Gleichungen die Anzahl außerirdischer Spezies in der Milchstraße abzuschätzen. Die bekannteste ist die Drake-Gleichung, die aus astronomischen Konstanten und mehreren schwer bestimmbaren Variablen besteht.
Ob diese Gleichung zu sinnvollen Ergebnissen führt, ist allerdings unklar. Bereits eine einzige falsch angesetzte Variable macht das Endergebnis wertlos. Zudem weiß niemand, ob tatsächlich alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden – oder ob wir womöglich entscheidende Variablen noch gar nicht kennen.
Meine eigene Methode zur Abschätzung der Anzahl belebter Planeten ist deutlich einfacher. Sie stützt sich ausschließlich auf die wenigen Daten, die wir tatsächlich haben – was zugegebenermaßen nahezu nichts ist – und folgt ansonsten logischen Überlegungen. Außerdem zielt sie nicht nur auf intelligente Spezies in der Milchstraße ab, sondern auf die Anzahl belebter Planeten im gesamten Universum.
Dabei bleibt bewusst unberücksichtigt, welche Formen von Leben es geben könnte. Wir kennen bislang nur kohlenstoffbasiertes Leben, das auf Wasser und Sauerstoff angewiesen ist, und können uns alternative Lebensformen nur sehr schwer vorstellen.
Eine grobe Überschlagsrechnung in 5 Schritten
1. Wir wissen mit Sicherheit, dass sich auf mindestens einem Planeten in dieser Galaxie Leben entwickelt hat – nämlich auf der Erde.
2. Es gibt keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass das, was in unserer Galaxie möglich ist, in anderen Galaxien grundsätzlich unmöglich sein sollte.
3. Daraus folgt die Annahme, dass es in jeder Galaxie mindestens einen Planeten gibt oder geben wird, auf dem sich Leben entwickelt.
4. Dieser eine Planet pro Galaxie kann als äußerst vorsichtiger Mindest- und zugleich als Durchschnittswert interpretiert werden.
5. Bei etwa einer Billion Galaxien ergibt sich somit eine Mindestzahl von einer Billion Sonnensystemen, in denen sich Leben entwickelt hat oder noch entwickeln wird.
Ungleichmäßige Verteilung
Aufgrund der zu erwartenden Zufallsverteilung wird es vollständig unbelebte Galaxien geben – und andere mit mehreren oder sogar vielen belebten Planeten. Einige Galaxietypen eignen sich möglicherweise schlechter zur Entstehung von Leben (etwa bestimmte Kugelgalaxien), während andere günstigere Voraussetzungen bieten, etwa vergleichsweise „aufgeräumte“ Spiralgalaxien wie die Milchstraße.
Natürlich kann diese Annahme falsch sein. Der tatsächliche Durchschnittswert könnte bei zehn, hundert oder auch unter eins liegen. Intuitiv erscheint jedoch ein Wert über eins plausibel.
Dass es in der Milchstraße allerdings nur so von intelligentem Leben wimmelt – wie in der fiktiven Star-Trek-Welt –, halte ich für eher unwahrscheinlich. Sicher ausschließen lässt sich das jedoch nicht. Theoretisch wäre sogar denkbar, dass es Hunderte oder Tausende intelligente Spezies in unserer Galaxie gibt und die Menschheit zu den ersten gehört.
Wir wissen zudem nicht, ob sich das Leben auf der Erde früh oder spät entwickelt hat. Möglicherweise gehört die Erde zu den ersten Planeten, auf denen Leben entstanden ist. Ebenso gut könnten wir aber Nachzügler sein – und es existiert anderswo bereits seit Millionen oder gar Milliarden Jahren ein reger Austausch zwischen fremden Spezies.
All das macht es äußerst schwierig, die tatsächliche Häufigkeit belebter Planeten in unserer Galaxie realistisch abzuschätzen.
Gefahr vor Außerirdischen

Sie kommen, um uns zu erobern
Oft wird die Befürchtung geäußert, Außerirdische könnten eine Gefahr für die Menschheit darstellen. Es wird vor ihnen gewarnt. Diese Sorge findet sich nicht nur bei bestimmten Strömungen innerhalb der UFO-Gläubigen, sondern auch bei einigen Wissenschaftlern – darunter etwa der inzwischen verstorbene Physiker Stephen Hawking.
Hawking war zweifellos ein brillanter Physiker. Das hat ihn jedoch nicht davor bewahrt, gelegentlich fragwürdige oder unreflektierte Aussagen zu treffen. Möglicherweise war seine Vorstellung von Außerirdischen stärker von populärer Science-Fiction geprägt als von nüchternen Überlegungen. Sein Beispiel zeigt: Selbst hochintelligente Menschen äußern mitunter erstaunlich naive Gedanken.
Zwichenbemerkung zu Stephen Hawking:
Hawking äußerte mehrfach die Sorge, der Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen könne für die Menschheit gefährlich sein. Er zog dabei einen Vergleich zur menschlichen Geschichte: Technologisch überlegene Kulturen hätten schwächere oft ausgebeutet oder vernichtet – und Außerirdische könnten sich ähnlich verhalten.
Diese Argumentation wirkt auf den ersten Blick plausibel, beruht jedoch auf einem grundlegenden Denkfehler: Sie projiziert menschliche Verhaltensmuster auf hypothetische, völlig fremde Spezies. Konkurrenz, Expansion und Gewalt werden stillschweigend als universelle Eigenschaften intelligenter Wesen vorausgesetzt. Dafür gibt es jedoch keinerlei belastbare Hinweise.
Zudem setzt Hawkings Argument voraus, dass technologische Entwicklung nicht zwangsläufig mit einer ethischen oder sozialen Weiterentwicklung einhergeht. Eine Zivilisation, die interstellare Reisen ermöglicht, muss jedoch langfristige Stabilität erreicht haben. Dauerhafte Aggression, interne Gewalt und ungezügelter Machttrieb wären mit hoher Wahrscheinlichkeit selbstzerstörerisch und würden eine solche Entwicklung verhindern.
Auch der häufig bemühte Kolonialismus-Vergleich ist problematisch. Menschliche Expansion war stets durch Ressourcenknappheit, territoriale Begrenzung und biologische Bedürfnisse motiviert. Für eine außerirdische Zivilisation gelten diese Bedingungen kaum: Rohstoffe sind im Universum praktisch unbegrenzt verfügbar, und die biologische Kompatibilität zwischen Spezies ist extrem unwahrscheinlich.
Hawkings Warnung sagt daher weniger über mögliche Außerirdische aus als über die Menschheit selbst – über ihre Geschichte, ihre Ängste und ihre Neigung, das eigene Verhalten zum Maßstab des Universums zu erklären.
So wird ernsthaft in Betracht gezogen oder sogar befürchtet, außerirdische Zivilisationen könnten trotz ihres hohen technologischen Entwicklungsstands moralisch und ethisch ebenso primitiv motiviert sein wie wir.
Doch wie kommt man zu dieser Annahme? Die Antwort ist einfach: Wir schließen von uns auf andere. Seit Jahrtausenden überfallen wir uns gegenseitig, rauben, versklaven und töten. Wir nehmen uns von anderen Menschen, was wir brauchen – oder zu brauchen glauben. Das Leid der Opfer kümmert uns wenig, denn es ist nicht unser eigenes.
Viele Menschen leben bis heute implizit nach dem Motto: Der Stärkere hat recht. Der Rücksichtslosere setzt sich durch. Entscheidend ist allein, zu überleben und sich zu behaupten. Dieses Denkmodell übertragen wir dann nahezu automatisch auf das gesamte Universum.
Die Außerirdischen nach unserem Vorbild
Da wir – die rund 200 Nationen der Erde – füreinander eine permanente potenzielle Bedrohung darstellen, unterstellen wir außerirdischen Zivilisationen dasselbe aggressive und kriegerische Wesen. Wir machen es uns dabei, wie so oft, erstaunlich einfach.
Anstatt uns mit unserer eigenen Gewaltgeschichte auseinanderzusetzen, projizieren wir die irdische Situation auf das Universum und erklären sie kurzerhand zur kosmischen Normalität. Wenn Krieg, Ausbeutung und Versklavung angeblich universelle Prinzipien sind, müssen wir uns nicht ändern. Mehr noch: Veränderung erschiene dann sogar naiv oder gefährlich.
Indem wir das Universum zu einem allgegenwärtigen Kriegsschauplatz erklären – wie es in unzähligen Science-Fiction-Filmen und ‑Serien geschieht –, relativieren und verharmlosen wir unseren eigenen Hang zu Gewalt. Die Außerirdischen sind in diesen Erzählungen letztlich nur deshalb kriegerisch und hinterlistig, weil wir es sind – und weil wir es zum Teil auch bleiben wollen.
Außerirdische in unseren Science-Fiction-Filmen
In der Welt von Star Trek hat die Menschheit im 24. Jahrhundert ihre grundlegenden Probleme überwunden. Sie hat sich globalisiert, Rassismus und ähnliche „Kinderkrankheiten“ hinter sich gelassen. Kriege und Hungersnöte existieren auf der Erde nicht mehr, und die Menschheit lebt in Frieden, Harmonie und kultureller Entfaltung.
Gleichzeitig wimmelt es in der Milchstraße nur so von kriegerischen Spezies. Diese verfolgen meist nur ein Ziel: andere Welten zu erobern, zu unterwerfen oder auszubeuten. Das Szenario erinnert auffallend an das irdische Mittelalter, in dem Krieg fast schon als transnationales Ritual galt – selbstverständlich, allgegenwärtig und kaum hinterfragt.
In unseren Science-Fiction-Erzählungen sind unsere Gegner nicht mehr andere Menschen oder Nationen, sondern fremde Spezies. Abgesehen von futuristischer Technologie ist das der entscheidende Unterschied zur Gegenwart.
Die Guten da draußen sind wir
In vielen Science-Fiction-Filmen erscheinen Außerirdische als kriegerisch, räuberisch, verlogen oder grausam – während wir selbst als die moralisch Überlegenen dargestellt werden. Ausnahmen sind selten.
Sollte es jedoch tatsächlich außerirdische Besucher geben, gäbe es wenig Grund zur Annahme, sie seien ebenso destruktiv wie wir. Denn sie hätten bereits überwunden – und überlebt –, woran die Menschheit möglicherweise noch scheitern könnte.
Das ist zwar spekulativ, aber nicht unbegründet: Eine Zivilisation, die interstellare Reisen ermöglicht, muss zwangsläufig innere Konflikte, Selbstzerstörung und permanente Gewalt hinter sich gelassen haben. Daraus folgt: Solche Wesen wären moralisch und ethisch mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich weiter entwickelt als wir – und könnten daher schon wesensbedingt kein Interesse mehr an Krieg, Ausbeutung oder Versklavung haben.
Galaktische Ausbeuter und Sklavenhalter
Wir erschaffen nicht nur unsere Götter nach unserem eigenen Vorbild, sondern auch unsere Außerirdischen.
Wir erschaffen nicht nur unsere Götter nach unserem eigenen Vorbild, sondern auch unsere Außerirdischen.
Unsere Götter sind strafend, belohnend, gewalttätig und willkürlich, weil wir selbst strafend, belohnend, gewalttätig und willkürlich sind. Wären wir überwiegend friedliche, kooperative und wohlwollende Wesen, wären es auch unsere Götter.
Dasselbe gilt für die Außerirdischen in unseren Filmen, Romanen und Mythen. Sie sind tyrannisch, grausam oder ausbeuterisch, weil wir es waren – und in Teilen noch immer sind.
Versuchskaninchen der Außerirdischen
Ein weit verbreiteter Gedanke lautet: Außerirdische stünden in ihrer Entwicklung so weit über uns, wie wir über den Tieren. Entsprechend hätten wir für sie den Status von Versuchstieren. Da wir Tiere als Versuchsobjekte benutzen, würden sie mit uns ebenso verfahren. Dieser Vergleich ist jedoch aus mindestens zwei Gründen nicht haltbar.
Erstens:
Sollten außerirdische Wesen tatsächlich so weit entwickelt sein – und davon ist auszugehen, wenn sie interstellare Reisen beherrschen –, würden sie sich gerade nicht wie wir verhalten. Es wäre ein eklatanter Widerspruch, anzunehmen, hoch entwickelte Wesen würden dieselben primitiven Muster reproduzieren, die wir selbst noch nicht überwunden haben.
Zweitens:
Auch auf der Erde gibt es noch indigene Völker, die weitgehend von unserer Zivilisation abgeschnitten sind und technologisch auf dem Niveau der Steinzeit leben. Unsere Technik muss auf sie beim ersten Kontakt wie Magie wirken.
Trotzdem sind diese Menschen uns geistig keineswegs unterlegen. Sie besitzen dieselbe Lernfähigkeit wie jeder andere Mensch. Würde man eines ihrer Kinder auf eine moderne Schule schicken – was durchaus schon vorgekommen ist –, könnte es genauso leicht oder schwer lernen wie jedes andere Kind. Mit Tieren wäre das unmöglich.
Der Unterschied zwischen Menschen und Aliens ist nur relativ
Ganz ähnlich würde es einem Menschenkind ergehen, könnte man es auf eine Schule außerirdischer Wesen schicken. Es wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso lernfähig wie ein Alien-Kind – denn Menschen sind keine Tiere.
Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist grundsätzlich. Der Unterschied zwischen Mensch und hoch entwickelten Außerirdischen hingegen ist nur relativ. Sie wären weiter entwickelt als wir – das ist alles. Irgendwann werden auch wir diesen Entwicklungsstand erreichen, vielleicht in zehn- oder zwanzigtausend Jahren, möglicherweise sogar früher. Unsere Tiere hingegen werden dann noch genauso sein wie heute.
Wenn ein Steinzeitmensch prinzipiell in der Lage ist, moderne Mathematik und Naturwissenschaften zu verstehen, dann ist auch ein moderner Mensch prinzipiell in der Lage, die Physik einer außerirdischen Zivilisation zu begreifen.
Deshalb wären Menschen für Außerirdische niemals das, was Tiere für uns sind.
Hinzu kommt: Es spricht vieles dafür, dass hoch entwickelte außerirdische Zivilisationen selbst Tiere nicht als Versuchsobjekte benutzen würden. Auch hier sollte man sich fragen: Warum sollten sie das tun? Etwa deshalb, weil wir es tun?
Auf der Suche nach Bodenschätzen
Mitunter wird auch behauptet, Außerirdische kämen zur Erde, um Bodenschätze zu stehlen – etwa Metalle wie Gold. Diese Vorstellung ist bei näherer Betrachtung schlicht absurd.
Die Erde ist mit Sicherheit nicht der einzige Planet in der Milchstraße, der über Bodenschätze verfügt. Wahrscheinlich besitzen unzählige Planeten mit fester Oberfläche Metalle und andere Ressourcen. Hinzu kommen Asteroiden, die ebenfalls reich an Erzen und Mineralien sein dürften.
Sollten außerirdische Zivilisationen an Rohstoffen interessiert sein, würden sie diese mit Sicherheit nicht auf der Erde abbauen. Einen Asteroiden auszubeuten oder einen unbewohnten Planeten zu erschließen ist ungleich einfacher, effizienter und risikofreier, als heimlich die Bevölkerung eines bewohnten Planeten zu manipulieren – nur um an Ressourcen zu gelangen, die anderswo frei verfügbar sind.
Auch hier projizieren wir unsere eigenen destruktiven Muster ins All: Wir beuten andere Länder und Völker aus – also müssen Außerirdische das ebenfalls tun.
Wenn überhaupt eine Gefahr von außerirdischen Besuchern ausgehen könnte, dann höchstens unbeabsichtigt: etwa durch die Einschleppung eines Virus oder Bakteriums, mit dem das irdische Leben nicht umgehen kann.
Doch auch hier spricht alles dafür, dass hoch entwickelte Besucher sich dieser Gefahr bewusst wären und entsprechend vorsichtig vorgingen. Auch wir achten bereits heute darauf, beim Betreten anderer Himmelskörper keine biologischen Stoffe einzuschleppen.
Moral und Ethik der Aliens
Gelegentlich liest oder hört man, eine Weiterentwicklung der menschlichen Moral und Ethik sei bloße Illusion oder Wunschdenken. Der Mensch bleibe letztlich immer ein Raubtier, denn das Leben sei ein ewiger Überlebenskampf. Wer das Gegenteil behauptet, gilt schnell als naiv oder wird als „Gutmensch“ belächelt. Entwicklungsskeptiker argumentieren etwa so:
Es gebe keinen Grund anzunehmen, die Menschheit könne sich in den kommenden Jahrhunderten oder Jahrtausenden grundlegend ethisch weiterentwickeln. Das habe sie in den letzten 2000 Jahren schließlich auch nicht getan – oder nur unwesentlich. Entsprechend könne man auch von Außerirdischen nichts anderes erwarten.
Diese Sichtweise wirkt auf den ersten Blick realistisch, ist bei genauerem Hinsehen jedoch voreilig. Vergleicht man die Entwicklung der Menschheit mit der Entwicklung eines einzelnen Menschen, ergibt sich ein anderes Bild. Menschen durchlaufen mehrere Phasen: Säugling, Kleinkind, Kind, Jugendlicher, Erwachsener und Greis.
In jeder dieser Phasen verfügen wir über einen bestimmten Grad geistiger und emotionaler Reife. Jugendliche verhalten sich häufig unreif – aus Übermut, Unwissenheit oder mangelnder Erfahrung. Als Erwachsene tun wir das meist nicht mehr, weil wir dazugelernt haben. Und im hohen Alter blicken viele von uns kopfschüttelnd auf ihre frühere Dummheit zurück.

Die letzten beiden Phasen – Erwachsener und Greis – sind selbstverständlich spekulativ. Sie lassen sich jedoch plausibel aus den vorhergehenden Entwicklungsstufen ableiten. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit. Sie ist ein intuitiver Entwurf, der lediglich das Fortschreiten kollektiver Entwicklung skizziert.
Entwickelt sich der »Organismus Menschheit« also normal weiter, werden wir uns in ein paar Tausend Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr bekämpfen, ausrauben, versklaven, ausbeuten und betrügen. Ein Szenario wie etwa in Star Wars, in dem man sich in ferner Zukunft noch immer nach dem Vorbild heutiger Konflikte bekriegt, ist deshalb äußerst unwahrscheinlich.
Räumliche und zeitliche Distanzen zwischen den Welten
Intelligentes Leben in verschiedenen Sonnensystemen dieser Galaxie muss sich keineswegs zwangsläufig begegnen. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass seine Entstehung zeitlich weit auseinanderliegt. Auf manchen Planeten könnte sich bereits vor Milliarden Jahren intelligentes Leben entwickelt haben, auf anderen möglicherweise erst in ein paar Milliarden Jahren.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in zwei benachbarten Sonnensystemen nahezu gleichzeitig intelligentes Leben entwickelt, ist daher äußerst gering. Ganz ausschließen lässt sich ein solches Szenario zwar nicht, doch es wäre eine seltene Ausnahme – es sei denn, es existieren bislang unbekannte Faktoren, die eine solche zeitliche Synchronisation begünstigen.
Was wir dringend begreifen müssen
Eine intelligente Spezies, die ihrer Entwicklung beispielsweise schon vor einer Million Jahren dort war, wo die Menschheit erst heute steht, ist im eigentlichen Sinne keine „Zivilisation“ mehr. Sie ist etwas grundlegend anderes – etwas, das von uns nicht mehr verstanden werden kann.
Unsere eigene Zivilisation hat sich in gerade einmal etwa 10000 Jahren von steinzeitlichen Gesellschaften zur heutigen Welt entwickelt. Schon in wenigen weiteren Tausend Jahren dürfte uns unsere gegenwärtige Lebensweise so primitiv erscheinen, wie uns heute das Mittelalter erscheint.
In einer Million Jahren jedoch – vorausgesetzt, es gibt uns dann überhaupt noch – wird nichts mehr von dem existieren, was den Menschen heute definiert. Es wird keine Städte mehr geben, keine Arbeit im heutigen Sinn, keine Konsumenten, keine sozialen Strukturen, wie wir sie kennen. Alles, was wir heute unter „Menschsein“ verstehen, wird verschwunden sein. Davon kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgehen. Es gibt keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass unsere Weiterentwicklung plötzlich zum Stillstand käme oder wieder in jenen extrem langsamen Modus zurückfiele, der für die Prähistorie typisch war – als hunderttausend Jahre vergingen, um eine etwas bessere Steinklinge herzustellen.
Daraus folgt: Wenn es in unserer Region der Milchstraße eine außerirdische Spezies gibt, die bereits die interstellare Phase erreicht hat, dann hat sie mit dem, was wir unter einer Zivilisation verstehen, höchstwahrscheinlich nichts mehr gemein.
Das wiederum bedeutet: Solche Wesen würden nicht zur Erde kommen, um Menschen zu entführen oder mit ihnen Experimente anzustellen. Es gibt schlicht keinen nachvollziehbaren Grund dafür. Warum sollten sie das tun? Etwa, weil wir es tun würden, wären wir an ihrer Stelle oder verfügten über ihre Möglichkeiten?
Diese Überlegungen lassen bewusst offen, wie Distanzen zwischen den Welten überhaupt überwunden werden könnten. Ob durch hypothetische überlichtschnelle Antriebe, durch Konzepte wie den Warp-Antrieb oder mithilfe ebenso spekulativer Wurmlöcher, ist hier unerheblich. Das wäre eine Spekulation zu viel.
Schlussbemerkung:
Vielleicht sind Außerirdische deshalb keine Bedrohung für uns, weil sie längst aufgehört haben, so zu denken wie wir.
Und vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, ob sie uns gefährlich werden könnten – sondern warum wir uns das so hartnäckig wünschen.
Man darf allerdings nicht ausseracht lassen, dass auch bei angenommener Friedlichkeit ausserirdischer Spezies eine Gefahr für das Ueberleben der Menschheit bei Kontakt besteht. Man sieht dass darin dass auch der friedlichste Gutmensch auf der Erde auf andere Spezies ohne Absicht einen vernichtenden Einfluss haben kann. Ich glaube Stephen Hawkins war dass bewusst.
Ich vermute, du meinst das in dem Sinn, dass die von Aliens ausgehende Gefahr nicht unbedingt Invasion, Krieg und Ausbeutung sein müssen. Es gibt auch die Gefahr, dass sie unbekannte Viren oder Bakterien einschleppen, gegen die unser Immunsystem machtlos ist. Oder es könnte auch einen kulturellen Schock geben: Die Außerirdischen konfrontieren die Menschheit mit neuen Dingen und neuem Wissen, was sie überfordert und in eine große Krise führt.
Danke für den Hinweis. Ich werde diese Assoziation dem Text hinzufügen (falls ich es noch nicht getan habe).
In dem Spiegel-Artikel, in dem Hawking vor Außerirdischen warnt, steht aber schon, das er Plünderung, Zerstörung, Invasion und Ähnliches meint – nicht etwa eine versehentliche biologische Kontamination oder einen Kulturschock. Nach wie vor meine ich: Hawking hat Blödsinn geredet. Die einzige Gefahr, die ich sehe, ist diese Art der Denke. Sie reduziert das Universum letztendlich auf einen Kriegsschauplatz. Fantasievoll ist das nicht.
Wir dürfen nicht glauben, nur weil ein Mensch ein exzellenter theoretische Physik und Mathematiker ist, ist er automatisch auch ein guter Philosoph oder Anthropologe bzw. generell ein guter „Denker“. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Es ist erstaunlich,wie sehr Hollywood unsere Vorstellung von Aliens prägt.Auch hat sich das Aussehen im Lauf der Filmgeschichte drastisch gewandelt.Persönlich finde ich die Darstellung in dem Film „Contact“ am besten.Aber auch in „Der grüne Planet“ ist die Darstellung sehr gelungen.Mit sicherheit gibt es Zivilisationen in den unterschiedlichsten Entwicklungsstufen und Formen.Ob das Leben auf der Erde sich jemals so verändern wird,dass es dazu fähig sein wird, Fluggeräte zu gestalten,die für interstellares Reisen geeignet sind? Vielleicht ist der Planet Erde so wie er ist,nur eine Station,die zur Weiterentwicklung des Geistes dient.Je nachdem,wie sehr sich unser Geist an die materielle Welt anheftet,desto länger braucht er,um sich davon zu lösen.
Tiere entwickeln sich deshalb nicht weiter,weil sie für das,was sie sein sollen,perfekt entwickelt sind.Sie wissen das,was für ihr überleben notwendig ist.Ausgenommen sind Tiere,die domestiziert sind.
Ob es für Besucher aus dem All überhaupt möglich ist mit uns in direkten Kontakt zu treten? Was: Wenn die Atmosphäre durch unsere Gedanken so vergiftet ist,dass es für Erdfremde hier gar nicht auszuhalten ist?
Sehe ich im Prinzip auch so. Ist ja im Großen und Ganzen sinngemäß dem ähnlich, was ich auf dieser Seite schreibe.
„Tiere entwickeln sich deshalb nicht weiter, weil sie für das, was sie sein sollen, perfekt entwickelt sind.“
Echt jetzt?
Die Natur, ja: das Universum, ist doch dynamisch, nicht statisch.
Es gibt zum Beispiel Tiere, die auf Inseln gelangt sind und die sich dort den Gegebenheiten angepasst haben. Dadurch hat sich aus der ursprünglichen Art eine neue Unterart entwickelt. – Das ist jetzt aber nicht etwas, was einmalig stattgefunden hat und nie wieder passiert, sondern das geschieht ständig.
Es gelangen Lebewesen in neue Umgebungen / in neue Situationen und passen sich an.
Sogar „primitive“ Mücken passen sich an! In Gegenden, wo gegen die Anophelesmücke mit Insektiziden imprägnierte Moskitonetze verwendet werden, verschoben die Mücken ihre Flugzeiten von der Nacht auf die Tagesrandzeiten. (nach dem Motto: Räuber folgt Beute.)