Das Böse


Eine surreal wirkende Wüstenlandschaft mit riesigen, in die Felsen eingelassenen Totenschädeln. Eine Straße führt durch das Tal, auf der ein Auto fährt. Neben einem ruhigen Wasserbecken stehen mehrere große, schwarze, futuristische Gebäude mit geschwungenen Formen. In der Ferne ist eine moderne Stadt am Horizont zu sehen.

Das Böse ist immer unbe­wusst

Es gibt kein bewuss­tes Böses. Böse Taten sind immer ein Aus­druck von Unbe­wusst­heit.

Um das rich­tig zu ver­ste­hen, muss zunächst geklärt wer­den, was Unbe­wusst­heit ist. Denn wir dür­fen sie nicht mir Unterbewusst­sein ver­wech­selt oder gleich­ge­setzt.

Ver­schie­de­ne Bewusst­seins­for­men

Unter­be­wusst­sein ist (genau wie unser Tages- Wach- oder auch Ober­be­wusst­sein) eine Bewusst­seins­form. In unse­rem Unter­be­wusst­sein (dem Schlaf­be­wusst­sein) fin­den kom­mu­ni­ka­ti­ve Inter­ak­tio­nen im Erleb­nis­spei­cher des Indi­vi­du­ums (dem Bewusst­seins­trä­ger oder auch »Wirt des Bewusst­seins«) statt.

Die­ser weiß im Grun­de genom­men gar nicht, dass er ein Bewusst­sein hat, da er es nie als Gan­zes erfährt. Und Bewusst­sein ver­dient nur dann wahr­haft das Attri­but „bewusst“, wenn es nicht in zwei Hälf­ten auf­ge­spal­ten ist (die oben­drein kaum etwas von­ein­an­der wis­sen).

Unbewusst­heit (man könn­te auch sagen: Nicht-Bewusst­sein) hin­ge­gen ist kei­ne Bewusst­seins­form. Sie beschreibt die Wahr­neh­mung eines Bewusst­seins­trä­gers, dem bei­de Bewusst­seins­hälf­ten abhan­den­ge­kom­men sind. Unbe­wusst­heit meint daher Inten­tio­nen, bei denen weder unser Unter­be­wusst­sein noch unser Ober­be­wusst­sein invol­viert sind.

Unbe­wusst ist nicht unter­be­wusst

Wenn wir sagen: „Ich habe es unbe­wusst gemacht“, mei­nen wir, es auto­ma­tisch getan zu haben, ohne vor­her dar­über nach­zu­den­ken. Unser Instinkt oder unse­re Intui­ti­on hat uns gelei­tet. Doch Instinkt und Intui­ti­on bekom­men aus unse­rem Unter­be­wusst­sein ihre Impul­se. Des­we­gen müss­te es eigent­lich hei­ßen: „Ich habe es unterbewusst gemacht,“ oder „ich wur­de unter­be­wusst gesteu­ert“.

Wenn ich von Unbe­wusst­heit spre­che, mei­ne ich also nicht Instinkt oder Intui­ti­on, son­dern das, was übrig bleibt, wenn kein Bewusst­sein (egal wel­cher Form) da ist.

Unser Ober­be­wusst­sein oder Tages­be­wusst­sein kön­nen wir mani­pu­lie­ren, indem wir uns bei­spiels­wei­se vor einem bestimm­ten Wis­sen abschir­men: Man­che unan­ge­neh­men Tat­sa­chen oder Aspek­te des Lebens wol­len wir nicht wahr­ha­ben und gehen ihnen des­halb aus dem Weg, indem wir sie igno­rie­ren. Unser Unter­be­wusst­sein kön­nen wir jedoch nicht so ein­fach aus­trick­sen. Ver­su­chen wir es trotz­dem, trick­sen wir uns nur selbst aus.

Mode­ra­tor Unter­be­wusst­sein

Unter die­sem Aspekt betrach­tet ist unser Unter­be­wusst­sein unser wich­tigs­tes Bewusst­sein, denn es ist bei der Aus­ge­stal­tung unse­res Ober­be­wusst­seins maß­geb­lich betei­ligt.

Unser Unter­be­wusst­sein weiß oft bes­ser als unser Tages­be­wusst­sein, was gut und rich­tig für uns ist, da es über Infor­ma­ti­ons­ka­nä­le ver­fügt, die unse­rem Ober­be­wusst­sein nur in Aus­nah­me­fäl­len offen­ste­hen. Es kann vom Ich-beses­se­nen Ober­be­wusst­sein nicht mani­pu­lie­ren wer­den. Das gefällt unse­rem Ober­be­wusst­sein natür­lich über­haupt nicht und des­halb ver­hält es sich so oft wie ein stör­ri­sches Kind.

Das Böse und die Unbe­wusst­heit

Das Wort Böse kann als Syn­onym für »destruk­ti­ve Unbe­wusst­heit« ver­stan­den wer­den. Mei­ne The­se lau­tet: Wirk­lich bewuss­te Men­schen kön­nen gar nicht böse han­deln. Unbe­wusst­heit (das Nicht-Wis­sen) ist eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für böses Tun.

Und wir sind nicht des­halb bewusst, weil wir glau­ben, es zu sein. Sich selbst Bewusst­heit zu attes­tie­ren, ist ein Trick, mit dem wir uns selbst dar­über hin­weg­täu­schen, gar nicht ver­stan­den zu haben, was Bewusst­sein über­haupt bedeu­tet.

Das Böse gibt es in der klas­si­schen Defi­ni­ti­on also nicht. Es gibt nur von Men­schen ver­üb­te schreck­li­che Taten, die mög­lich sind, weil wir nicht wirk­lich wis­sen, was wir tun.

Unse­re bösen Taten mögen zwar oft beab­sich­tigt sein, doch absicht­li­ches Han­deln setzt nicht zwin­gend Bewusst­heit vor­aus, denn Wis­sen ist nicht mit Bewusst­sein gleich­zu­set­zen:

Absicht­li­ches Han­deln muss die tie­fer lie­gen­den Hin­ter­grün­de nicht ken­nen.

Wir han­deln oft mit Absicht und wis­sen trotz­dem nicht, was wir tun, was unse­re ver­bor­ge­nen Beweg­grün­de sind. Die erken­nen wir oft erst nach der Tat – und auch das nicht immer voll­stän­dig.

Selbst­ver­ständ­lich ist Unbe­wusst­heit nicht mit dem Bösen gleich­zu­set­zen. Bloß weil ein Mensch unbe­wusst ist, han­delt er nicht auto­ma­tisch böse. Wir alle sind mehr oder weni­ger unbe­wusst. Unbe­wusst­heit ist nur das Tor, das zu dem füh­ren kann, was wir »das Böse« nen­nen. Böses kann ent­ste­hen, wenn Unbe­wusst­heit mit Destruk­ti­vi­tät gepaart wird.


Der Kampf zwi­schen Gut und Böse

Der »Kampf zwi­schen Gut und Böse« ist daher ein Kampf zwi­schen Bewusst­heit und Unbe­wusst­heit (zwi­schen Wis­sen und Nicht­wis­sen). Er ist ein schmerz­haf­ter Bewusst­wer­dungs­pro­zess.

Ein Friedhof mir vielen Gräbern. Ein großer Baum in der Mitte, aus dem mumifizierte Hände herauswachsen.

Eine gute Ana­lo­gie ist die Bezie­hung zwi­schen hell und dun­kel: Wir kön­nen Dun­kel­heit nicht erzeu­gen, son­dern Dun­kel­heit bleibt zurück, wenn das Licht ver­schwin­det. Die­se Abwe­sen­heit nen­nen wir Dun­kel­heit. Genau­so ist es auch mit dem Unbe­wuss­ten: Wir kön­nen es nicht erzeu­gen, son­dern es bleibt zurück, weil wir etwas ent­fer­nen.

Der oft und gern zitier­te Kampf zwi­schen Gut und Böse ist daher nicht wirk­lich ein Kampf. Ein Kampf ist eine Aus­ein­an­der­set­zung, ein Kon­flikt zwi­schen zwei oder mehr Geg­nern, bei dem unter­schied­li­che Inter­es­sen auf­ein­an­der­pral­len.

Das ist beim Kampf zwi­schen Bewusst­heit und Unbe­wusst­heit jedoch nicht mög­lich, da Unbe­wusst­heit kei­ne aus sich selbst her­aus exis­tie­ren­de Grö­ße ist, denn dazu müss­te sie absichts­ge­steu­ert sein, also Bewusst­sein haben.

Das Unbe­wuss­te ist sich sei­ner Exis­tenz nicht bewusst, das Bewuss­te jedoch schon.

Es gibt genau­so wenig das bewuss­te Unbe­wuss­te, wie das gute Böse, das hel­le Dunk­le oder das tro­cke­ne Nas­se.

Böse ist die Abwe­sen­heit von Gut

Das Gute ist eine bewuss­te, krea­ti­ve, schöp­fe­ri­sche Inten­si­on, die auf­recht­erhal­ten wer­den muss, damit sie nicht ver­geht.

Da das Böse eine destruk­ti­ve Aus­drucks­form von Unbe­wusst­heit bzw. Nicht­wis­sen ist, gibt es das Böse genau­so wenig wie das Unbe­wuss­te. Unbe­wusst­heit ist nur die Abwe­sen­heit von Bewusst­sein, Böse nur die Abwe­sen­heit von Gut – also nicht sein Gegen­spie­ler. Wie Erich Käst­ner so tref­fend sag­te: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Im Umkehr­schluss könn­te man dann sagen: „Es gibt kein Böses, außer man tut es.“)

Ver­schwin­det das Bewusst­sein, ver­schwin­det auch das Gute, bei­spiels­wei­se die absicht­li­che Gestal­tung und Auf­recht­erhal­tung einer fried­li­chen und freund­li­chen Welt. Je bewuss­ter wir sind, des­to mehr liegt uns eine sol­che Welt am Her­zen.

Der soge­nann­te Kampf zwi­schen Gut und Böse ist in Wahr­heit ein Bewusst­wer­dungs­pro­zess und Teil unse­rer Evo­lu­ti­on.


In die­sem Sinn kann gesagt wer­den: Irgend­wann wird das Gute mit Sicher­heit den Kampf gegen das Böse gewin­nen, denn das Bewusst­sein nimmt mit der Zeit zu und das Unbe­wuss­te wird mit der Zeit immer weni­ger. Irgend­wann wird das Unbe­wuss­te also ganz ver­schwun­den sein und es wird nur noch Bewusst­sein geben. Bis es so weit ist, wer­den aber noch Jahr­tau­sen­de ver­ge­hen.

Han­deln wir böse, brin­gen wir den Grad unse­rer Unbe­wusst­heit zum Aus­druck. Unser unbe­wuss­tes Han­deln kann einen mons­trös-destruk­ti­ven Cha­rak­ter haben (bei­spiels­wei­se bei den Dik­ta­to­ren in der Welt­ge­schich­te), mit dem wir zuerst ande­re und letzt­end­lich auch uns selbst scha­den.

Ver­harm­lo­sung und Bana­li­sie­rung ver­mei­den

Die­se Defi­ni­ti­on soll das Böse nicht ver­harm­lo­sen, nach dem Mot­to: „Böses ist ja nur Unbe­wusst­heit – wir kön­nen nichts dafür, wenn wir böse han­deln.“ Das wäre natür­lich Quatsch.

Unbe­wusst­heit ist zwar ein Aus­druck von see­li­scher Unrei­fe (für die wir nor­ma­ler­wei­se nichts kön­nen), unse­re Unrei­fe ist aller­dings oft auch selbst ver­schul­det, also künst­lich. Wir wol­len oft nichts wis­sen, weil Unwis­sen­heit bequem ist. Wis­sen ist für uns manch­mal eine Bür­de, der wir ger­ne aus­wei­chen, denn wir wol­len uns (also unse­ren Lebens­stil, unse­re Mei­nun­gen und Gewohn­hei­ten) nicht ändern.

Wenn wir vom Bösen reden, als wäre es eine exter­ne oder inter­ne Macht (bei­spiels­wei­se Dämo­nen oder ani­ma­li­sche Trie­be), der wir aus­ge­lie­fert sind, schie­ben wir nur die Ver­ant­wor­tung für unse­re Destruk­ti­vi­tät von uns. Doch die­se Stra­te­gie der Ver­ant­wor­tungs­ver­wei­ge­rung bzw. Fremd­schul­zu­wei­sung wird nicht ewig funk­tio­nie­ren und sich irgend­wann rächen.


Das Böse ist mensch­lich

Bronzefarbene Statue eines gesichtslosen Wesens, auf dessen Schulter ein dämonisches Wesen mit glühenden Augen sitzt.

Der Aus­druck »das Böse« impli­ziert oder sug­ge­riert, dass es sich bei die­sem Phä­no­men um etwas Unab­hän­gi­ges oder Eigen­stän­di­ges han­delt. Wir spre­chen von exter­nen Mäch­ten (bei­spiels­wei­se Dämo­nen), die Men­schen in Besitz neh­men kön­nen, oder von unkon­trol­lier­ba­ren, ani­ma­li­schen Trie­ben, die uns böse han­deln las­sen.

Natur­ka­ta­stro­phen, die vie­le Todes­op­fer for­dern, wer­den als beson­ders schlimm bezeich­net, als ein gro­ßes Unglück, doch nie­mals als böse. Glei­ches gilt für Todes­op­fer, die von gefähr­li­chen Raub­tie­ren ver­ur­sacht wer­den oder für schreck­li­che Unfäl­le wie Flug­zeug­ab­stür­zen oder Zug­ent­glei­sun­gen.

Da es das Böse nur in der Men­schen­welt gibt und wir ver­mut­lich die ein­zi­gen Lebe­we­sen mit refle­xi­vem Bewusst­sein sind (der Fähig­keit, das eige­ne Den­ken zu beob­ach­ten), kön­nen böse Gescheh­nis­se als absicht­li­che Schre­ckens­ta­ten bezeich­net wer­den.

Tie­re sind unfä­hig, böse zu han­deln, weil ihnen das refle­xi­ve Bewusst­sein fehlt. Es ist nur eine schreck­li­che Tra­gö­die oder ein grau­en­vol­ler Unfall, wenn ein Raub­tier einen Men­schen anfällt und tötet. Dem Tier wer­den kei­ne bösen Absich­ten unter­stellt, denn es hat rein instink­tiv gehan­delt und weiß nichts von dem Leid, das es erzeugt.

Recht­fer­ti­gung des Bösen

Es gibt die Mei­nung oder Theo­rie, jeder Mensch wäre zum Bösen fähig. Es käme nur dar­auf an, inwie­weit wir es beherr­schen oder unter­drü­cken kön­nen. Frü­her oder spä­ter wür­de jedoch fast jeder ein­mal (zumin­dest vor­über­ge­hend) die Kon­trol­le dar­über ver­lie­ren. Des­we­gen heißt es manch­mal: „Jeder Mensch könn­te einen Mord bege­hen.“

Goe­the soll gesagt haben: Es gibt kein Ver­bre­chen, dass ich mir unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­stel­len könn­te. Nach einer Umfra­ge der For­schungs­grup­pe Wah­len könn­ten 38 % aller Deut­schen sich vor­stel­len, einen Mord zu bege­hen, hät­ten sie dafür kei­ne Bestra­fung zu erwar­ten. Sie wären also in der Lage, ande­ren Men­schen das anzu­tun, was sie selbst nie­mals erle­ben wol­len.

Die­se Men­schen ver­ges­sen oder über­se­hen, dass die eigent­li­che Tra­gö­die, die eine sol­chen Tat erzeugt, nicht das Tot­sein des Getö­te­ten ist (denn den gibt es nicht mehr, wes­halb er unter dem Ver­lust sei­nes Lebens auch nicht lei­den kann), son­dern das Leid der Ver­wand­ten und Freun­de des Ermor­de­ten. Die­se haben für den Rest ihres Lebens den Ver­lust eines gelieb­ten Men­schen zu bekla­gen und sind in gewis­ser Wei­se lebens­lang trau­ma­ti­siert.

Die Behaup­tung »jeder ist zu einem Mord fähig« scheint daher eher so etwas wie eine Flucht nach vor­ne zu sein. Je mehr Men­schen sich ihr anschlie­ßen, des­to weni­ger muss der Ein­zel­ne sich kri­tisch mit sei­ner eige­nen Destruk­ti­vi­tät beschäf­ti­gen.

Doch bei der „Mord­fä­hig­keits­theo­rie“ han­delt es sich nur um etwas schnell Gesag­tes, denn nie­mand weiß wirk­lich, ob sie stimmt. Sie ist nur ein beque­mer Gedan­ke, der es uns leicht macht, unkri­tisch mit unse­rer Destruk­ti­vi­tät umzu­ge­hen.


7 Gedanken zu „Das Böse“

  1. Böse Men­schen, in dem Sin­ne, dass sie böse Han­deln um des böse sein wil­lens, gibt es nach mei­ner Auf­fas­sung nicht.
    Moti­va­ti­on zum Han­deln unter­liegt immer eine sub­jek­ti­ve Zweck­mä­ßig­keit. Auch wenn die spe­zi­fi­sche Hand­lungs­wei­se und unter­and­e­rem auch der Zweck, von Außen, von einer Mehr­zahl der Men­schen, als böse qua­li­fi­ziert wür­de, so ist dies wohl nicht hin­rei­chend um die­se Tat und die Inten­ti­on da hin­ter, als „objek­tiv“ böse ein­zu­stu­fen.
    Böse ist eine mora­li­sche Kate­go­rie um das Han­deln von Men­schen in eine bestimm­te Rich­tung len­ken zu wol­len. Man han­delt lie­ber nach dem, was als Gut gilt, um gesell­schaft­li­ches Aner­ken­nung zu bekom­men. Böses wir kol­lek­tiv geach­tet (Nor­men u. Geset­ze), um die Wahr­schein­lich­keit eines jeden Indi­vi­du­ums selbst Opfer von bösen Hand­lun­gen zu wer­den, zu mini­mie­ren. (in Anleh­nung an Pla­tons Gerech­tig­keits und Unge­rech­tig­keits Begriff­lich­keit in Poli­te­ia)

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    • Böse Men­schen, in dem Sin­ne, dass sie böse Han­deln um des böse sein wil­lens, gibt es nach mei­ner Auf­fas­sung nicht.

      Das kann schon sein, trotz­dem gibt es Men­schen, die das von sich behaup­ten und viel­leicht auch glau­ben. Das soll­te schon berück­sich­tigt wer­den.

      Moti­va­ti­on zum Han­deln unter­liegt immer eine sub­jek­ti­ve Zweck­mä­ßig­keit.

      Könn­te auch sein, doch kön­nen wir uns nicht sicher sein, dass unse­re Hand­lun­gen tat­säch­lich immer eine Zweck­mä­ßig­keit besit­zen, selbst wenn die­se ver­bor­gen ist. Denn: Was wis­sen wir schon wirk­lich dar­über?

      Auch wenn die spe­zi­fi­sche Hand­lungs­wei­se und unter ande­rem auch der Zweck, von außen, von einer Mehr­zahl der Men­schen, als böse qua­li­fi­ziert wür­de, so ist dies wohl nicht hin­rei­chend um die­se Tat und die Inten­ti­on da hin­ter, als „objek­tiv“ böse ein­zu­stu­fen.

      Okay, aber das hat damit eher weni­ger zu tun. Nicht weil »eine Mehr­zahl der Men­schen“ etwas als böse bezeich­net, ist etwas böse. Die Tat selbst ist es, die OBJEK­TIV dar­über Aus­kunft gibt, ob sie „böse“ ist.

      Böse ist eine mora­li­sche Kate­go­rie um das Han­deln von Men­schen in eine bestimm­te Rich­tung len­ken zu wol­len.

      Okay, auf mei­ne Defi­ni­ti­on des Bösen (das Böse ist eine destruk­ti­ve Aus­drucks­form von Unbe­wusst­heit) ist die­se Betrach­tung aber nicht anwend­bar. Es gibt das Böse im klas­si­schen, volks­tüm­li­chen Sinn nicht (und wenn doch, muss es erst defi­niert wer­den, wäre rela­tiv, könn­te dis­ku­tiert wer­den usw.). Extrem destruk­ti­ve Taten, die viel Leid und Elend in der Welt erzeu­gen und abso­lut über­flüs­sig sind, gibt es jedoch schon – und zwar defi­ni­tiv.

      Man han­delt lie­ber nach dem, was als Gut gilt, um gesell­schaft­li­ches Aner­ken­nung zu bekom­men.

      Du meinst den »Kon­ven­ti­ons­zwang«. Wir pas­sen uns halt den Mehr­heits-Gepflo­gen­hei­ten an – aus unter­schied­li­chen Grün­den. Dabei geht es aber nicht um „Gut“ oder „Böse“.

      Böses wird kol­lek­tiv geach­tet (Nor­men u. Geset­ze), um die Wahr­schein­lich­keit eines jeden Indi­vi­du­ums selbst Opfer von bösen Hand­lun­gen zu wer­den, zu mini­mie­ren. (in Anleh­nung an Pla­tons Gerech­tig­keits und Unge­rech­tig­keits Begriff­lich­keit in Poli­te­ia)

      Ja klar, das ist natür­lich und ver­ständ­lich.

      Ganz all­ge­mein weiß ich aller­dings nicht, was du mit dei­nem Kom­men­tar sagen willst. Das, was ich zum The­ma Böse schrei­be, wider­spricht sich nicht mit dem, was du schreibst. Ich ver­mu­te des­halb, dass du mei­nen Arti­kel nur flüch­tig gele­sen hast.

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    • Wer­tig­kei­ten wie gut und schlecht ent­ste­hen durch unse­re Kon­di­tio­nie­rung auf die Sicht der Welt und der Din­ge. Was ist nun „Böse“? Letzt­lich nur eine Erfin­dung der Kir­che, um nicht oder schwer nach­voll­zieh­ba­re Sach­ver­hal­te abs­trakt dar­zu­stel­len. Letzt­lich ist der Glau­be, dass es etwa Böses gibt, rei­ner Selbst­be­trug, denn ALLES ist ursäch­lich, auch wenn der Weg zur Erkennt­nis der Ursa­che oft unweg­sam oder unbe­quem ist.

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      • Wer­tig­kei­ten wie gut und schlecht ent­ste­hen durch unse­re Kon­di­tio­nie­rung auf die Sicht der Welt und der Din­ge.

        Na ja, dass es schlecht ist zu hun­gern und frie­ren, ist kei­ne Kon­di­tio­nie­rung … nur eins von Tau­sen­den Bei­spie­len.

        Was ist nun „Böse“?

        Es gibt zwei „Grup­pen“ des Bösen: Das anti­po­disch-idea­lis­ti­sche und das pro­fa­ne Böse. Das anti­po­disch-idea­li­sche Böse fin­det man bei­spiels­wei­se häu­fig bei den orga­ni­sier­ten Reli­gio­nen. Dort fun­giert es einer­seits als Gegen­spie­ler zur Kir­chen­dok­trin. Hier ist das böse, was von der Kir­che als böse bezeich­net wird, wie du schon schreibst.

        Die zwei­te Grup­pe ist das pro­fa­ne Böse, also bei­spiels­wei­se Mord, Gewalt- und Miss­brauchsta­ten, schlim­me Krie­ge etc. All die schlim­men Din­ge, die Men­schen ande­ren Men­schen mit Freu­de antun. Taten, die im Leben der Geschä­dig­ten viel Leid, Kum­mer, Schmerz und Ver­lust erzeu­gen und deren Leben zer­stö­ren.

        Letzt­lich ist der Glau­be, dass es etwa Böses gibt, rei­ner Selbst­be­trug …

        Das mag für das idea­lis­ti­sche, theo­lo­gi­sche, kle­ri­ka­le Böse stim­men, doch die schlim­men Din­ge, die Men­schen über­all auf der Welt erle­ben müs­sen, sind kein Selbst­be­trug. Men­schen tun ande­ren Men­schen über­all auf der Welt schlim­me Din­ge an – rund um die Uhr. Das ist die ver­brei­tets­te „Form“ des Bösen.

        Tech­nisch aus­ge­drückt könn­te man sagen: Böse Taten brin­gen nega­ti­ve Ener­gie in die Gesell­schaft, indem sie das Leben ein­zel­ner Gesell­schafts­mit­glie­der stark beein­träch­ti­gen. Ein Teil die­ser Men­schen wer­den dann (weil sie unge­recht­fer­tig­tes Leid erfah­ren muss­ten) selbst zu Bösen Taten „ani­miert“.

        … denn ALLES ist ursäch­lich, auch wenn der Weg zur Erkennt­nis der Ursa­che oft unweg­sam oder unbe­quem ist.

        Okay, aber die Ursa­che spielt bei der Betrach­tung des Phä­no­mens des Bösen nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Es kann uns zunächst egal sein, war­um eine Mensch mor­det oder ähn­li­che Din­ge tut. Es gilt nur zu ver­hin­dern, dass er es wie­der tut. Danach kön­nen wir ja dar­über phi­lo­so­phie­ren und theo­re­ti­sie­ren.

    • Natür­lich gibt es Men­schen, die Böses tun, nur um des Bösen Wil­len.
      Wenn Sie das nicht glau­ben, emp­feh­le ich Ihnen einen Besuch bei Sek­ten, die den Satan anbe­ten. Dort geht es im Kern allein dar­um, Böses an ande­ren Men­schen zu tun. Das Böse ist qua­si die „gute Tat“ der Sata­nis­ten.

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  2. Es ist doch ganz ein­fach, wenn Du nicht betro­gen wer­den willst, wie­so machts Du es dann bei den andern. Wenn Du kein Leid erfah­ren willst, wie­so fügst Du es dann andern zu.

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    • Theo­re­tisch ist es sicher­lich ganz ein­fach, prak­tisch jedoch nicht.

      Nur weil man ande­re betrügt, bedeu­tet das nicht, dass man selbst auch betro­gen wird. Es gibt bestimmt vie­le pro­fes­sio­nel­le Betrü­ger, die Glück hat­ten und nie erle­ben muss­ten, selbst betro­gen zu wer­den. Und es gibt auch Men­schen, die nie jeman­den betro­gen haben, selbst aber stän­dig betro­gen wer­den.

      Und was den kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv betrifft: Nur weil ein Mensch sich wei­gert, ande­ren Men­schen Leid zuzu­fü­gen, bedeu­tet das nicht auto­ma­tisch, dass er selbst nie­mals Leid erfährt. Wer im Leben auf Gewalt und Hin­ter­list zur Durch­set­zung der eige­nen Inter­es­sen ver­zich­tet, ver­rin­gert nur die Wahr­schein­lich­keit, selbst ein Opfer von Gewalt und Betrug zu wer­den.

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