Unse­re ethi­sche Wei­ter­ent­wick­lung


Unter einem hellen Vollmond sitzt eine weiße humanoide Figur meditierend im Wasser eines stillen Flusses. Auf einem Felsen davor hält ein kleiner Affe eine leuchtende Kugel in den Händen, während ein schwarzer Hund aufmerksam daneben steht. Die Umgebung besteht aus glänzenden, transparenten organischen Formen und futuristischen Gebäuden, die wie aus flüssigem Glas gewachsen wirken. Feine rote Lichtadern ziehen sich durch die Landschaft und spiegeln sich im Wasser. Die Szene vermittelt eine friedliche Begegnung zwischen Natur, Tierwelt und künstlichem Bewusstsein.

Die Ent­wick­lung ist unauf­halt­sam

Die Ent­wick­lung der Mensch­heit ist ein selbst­stän­dig ablau­fen­der Pro­zess. Die­ser kann beschleu­nigt oder ver­lang­samt, doch nicht ver­hin­dert wer­den.

Unse­re Ent­wick­lung ist ein Selbst­läu­fer, denn alles, was es im Uni­ver­sum gibt, ent­wi­ckelt sich wei­ter. Wei­ter­ent­wick­lung ist eine Eigen­schaft, die allem Exis­tie­ren­den anhaf­tet. Damit etwas wei­ter­hin exis­tie­ren kann, muss es beweg­lich also ver­än­der­lich sein. Jede Bewe­gung ist eine Form der Wei­ter­ent­wick­lung. Andern­falls sta­gniert oder stirbt es.

Dabei ist es uner­heb­lich, dass der Exis­tenz­cha­rak­ter von Ethik eine ideel­le, geis­ti­ge Natur besitzt und kei­ne mate­ri­el­le oder ener­ge­ti­sche. Denn Ethik, Mate­rie, Ener­gie, Raum, Gedan­ken und sogar Bewusst­sein haben alle etwas gemein­sam: Sie exis­tie­ren Sei­te an Sei­te in die­sem Uni­ver­sum, und das bedeu­tet: Irgend­wo haben sie einen glei­chen kleins­ten Nen­ner, das sie aus dem glei­chen Vor­gang ent­stan­den sind. (Was natür­lich nur eine Theo­rie ist, die jedoch nicht abwe­gig ist.)

Und die­ses Uni­ver­sum ist ein Ort der Bewe­gung, des Flus­ses und der Ver­än­de­rung. Das Uni­ver­sum ist nicht sta­tisch, es lebt. Alles, was es in ihm gibt, ist in einem Ent­wick­lungs­pro­zess ein­ge­bun­den. Und jede Ver­än­de­rung kann nur eine Ent­wick­lung nach vor­ne sein, eine Aus­dif­fe­ren­zie­rung, obwohl es hin und wie­der scheint, als ent­wick­le sich etwas zurück.

Rück­schritt­li­che Ent­wick­lung ist unmög­lich

Es mag ja stim­men, dass Trump, Erdo­gan, Putin und ande­re Auto­kra­ten die Demo­kra­tie benut­zen, um an die Macht zu kom­men, und nun damit beschäf­tigt sind, sie nach und nach abzu­bau­en. Doch selbst, wenn ihnen das gelin­gen soll­te, wird die­ser Rück­schritt nicht dau­er­haft sein, denn die Mensch­heit hat schon zu viel vom „Blut der Demo­kra­tie“ gekos­tet, als dass sie die­se für immer auf­ge­ben wür­den.

Und nichts ent­wi­ckelt sich, weil es sich ent­wi­ckeln will. Die Ent­wick­lung von etwas (Bewusst­sein, Ethik, Wis­sen etc.) fin­det nicht auf­grund einer Absicht statt. Es gibt sie, weil es das Uni­ver­sum gibt, ein Etwas, das sich von Anbe­ginn sei­ner Exis­tenz in einem Ent­wick­lungs­pro­zess befin­det. Alles, was die­ses Uni­ver­sum beinhal­tet, ist in die­sem Pro­zess ein­ge­schlos­sen – auch unse­re Ethik, unse­re Emp­fin­dun­gen und unser Den­ken.

Ver­wei­gert sich ein Mensch der ethi­schen Wei­ter­ent­wick­lung (sträubt er sich, freund­li­cher und fried­li­cher zu wer­den), kann ihm das zwar gelin­gen, doch ver­hin­dert er damit die ethi­sche Wei­ter­ent­wick­lung als sol­che nicht. Indi­rekt könn­te sei­ne Wei­ge­rung die­se Ent­wick­lung sogar för­dern und beschleu­ni­gen, indem sein nega­ti­ves Bei­spiel auf ande­re ani­mie­rend wirkt, es bes­ser zu machen.

Koper­ni­kus und Bru­no waren unauf­halt­sam

Als Ana­lo­gie zur ethi­schen Wei­ter­ent­wick­lung kann viel­leicht der Fort­schritt in den Natur­wis­sen­schaf­ten gel­ten: Im Mit­tel­al­ter wur­den Men­schen (bei­spiels­wei­se Niko­laus Koper­ni­kus und Giord­a­no Bru­no), die das damals vor­herr­schen­de Welt­bild (Son­ne dreht sich um die Erde und Ähn­li­ches mehr) infra­ge stell­ten, geäch­tet oder umge­bracht.

Trotz­dem hat das die natur­wis­sen­schaft­li­che Ent­wick­lung nicht auf­ge­hal­ten, mög­li­cher­wei­se wur­de sie dadurch sogar beschleu­nigt. Und bei der ethi­schen Ent­wick­lung ist es nicht anders.

Obwohl es Men­schen gibt, die sagen oder sogar glau­ben, die Mensch­heit als Gan­zes wird sich ethisch nie­mals wei­ter­ent­wi­ckeln, fin­det die­ser Pro­zess trotz­dem statt, auch wenn er vie­le Jahr­hun­der­te oder Jahr­tau­sen­de andau­ert und kaum wahr­nehm­bar ist. Denn, wie oben bereits gesagt: Alles ent­wi­ckelt sich wei­ter – ob es will oder nicht!


Je mehr Men­schen es gut geht, des­to bes­ser geht es dem Ein­zel­nen


Zahlreiche Hände mit unterschiedlichen Hautfarben halten ein großes rissiges Herz. Das Herz wird von einer schweren Kette umschlungen, leuchtet jedoch golden aus seinen Bruchstellen und trägt ein lächelndes Gesicht. Aus seiner Mitte wächst eine rosafarbene Blume. Der Text lautet: „Gemeinsam heilt, was allein zerbricht. Und wird stärker.“

Ange­nom­men, es geht abso­lut allen Men­schen gut. Dann ist die Wahr­schein­lich­keit, dass es mir auch gut geht, sehr hoch (eigent­lich 100 Pro­zent), denn war­um soll­te ich der ein­zi­ge Mensch sein, dem es nicht gut geht, war­um soll­te ich eine Aus­nah­me sein? Für die­se Annah­me gibt es kei­nen Grund.

Oder: Ange­nom­men, es geht abso­lut allen Men­schen schlecht. Dann ist die Wahr­schein­lich­keit, dass es mir auch schlecht geht, eben­falls sehr hoch (eigent­lich wie­der 100 Pro­zent), denn war­um soll­te ich der ein­zi­ge Mensch sein, dem es nicht schlecht geht? Auch für die­se Annah­me gibt es kei­nen Grund.

Davon lässt sich ablei­ten: Die Lebens­qua­li­tät aller Men­schen ist ein direk­ter Indi­ka­tor für die Lebens­qua­li­tät des Ein­zel­nen. För­dern wir die Lebens­qua­li­tät frem­der Men­schen, för­dern wir indi­rekt unse­re eige­ne. Wer will, dass es ihm gut geht, soll­te dar­auf ach­ten, dass es ande­ren gut geht.

Das Mot­to der Mensch­freund­lich­keit

Je mehr Men­schen sich die­sem Mot­to anschlie­ßen, des­to mehr Men­schen geht es gut. Je mehr Men­schen das Wohl ande­rer, frem­der Men­schen wich­tig ist (egal ob in der Nach­bar­schaft, oder auf einem fer­nen Kon­ti­nent), des­to bes­ser geht es letzt­end­lich allen Men­schen in der Welt. Es ist eine ein­fa­che Logik.

Doch lei­der sagen bis heu­te immer noch viel zu vie­le Men­schen: „Ich habe nichts dage­gen, wenn es ande­ren gut geht, vor­aus­ge­setzt, mir geht es gut.“ Und da das fast alle sagen und es uns eigent­lich nie rich­tig gut geht (denn es gibt meis­tens etwas, von dem wir glau­ben, es noch errei­chen zu müs­sen, bis wir zufrie­den sind), ändert sich nichts – außer wir ändern uns.


Letz­te Ände­rung am 25 Okt. 2026

3 Kommentare zu „Unse­re ethi­sche Wei­ter­ent­wick­lung“

  1. Hal­lo mir gefällt es wie ihr dies geschrie­ben habt. Ich habe paar Fra­gen an euch. Ist es mög­lich das wir eine freundliche/Liebende und zusam­men­ar­bei­ten­de Welt erschaf­fen?
    Vie­le Leu­te leben unzu­frie­den und nur für sich hin ohne Rück­sicht auf ande­re. Ich bin erst 17 aber ich hab schon viel dar­über mir mei­nen Kopf zer­stört, wie kann man Men­schen dazu brin­gen zusam­men und mit lie­be leben dass man ohne Angst oder Miss­trau­en leben muss?
    Wir leben nur ein­mal aber trotz­dem nut­zen ande­re aus wol­len nur mehr für sich anstatt mehr für uns alle.
    Ich tue schon alles rede viel mit mei­nen Freun­den, Mit­men­schen und Fami­lie sage ihnen das man mit Rück­sicht, Wahr­heit und einer offe­nen Art so näh zu Men­schen kommt und sie sich dann auch bes­ser füh­len.
    Habe vie­le gefragt was sie sich wün­schen?
    Jeder wünscht sich Frie­den und lie­be in der Mensch­heit.
    Aber war­um ändern sich nicht die Men­schen?
    Ich kann es nicht ver­ste­hen und bin schreck­lich ent­täuscht von der Mensch­heit und selbst mei­ne Art geht damit run­ter weil man die Trau­er, Böss­heit und Ver­leum­dung ein­fach spürt.
    Wür­de mich sehr freu­en auf eine Ant­wort von euch.

    Antworten
    • Hal­lo Tobi­as,
      mir geht es genau­so, auch ich kann nicht ver­ste­hen, war­um die Mensch­heit all­ge­mein betrach­tet so schlecht drauf ist. In einer fried­li­chen und freund­li­chen Welt lebt es sich doch viel bes­ser! Und wir hät­ten die Mög­lich­keit eine sol­che Welt zu gestal­ten. Es ist mir ein Rät­sel. Die Mensch­heit als Gan­zes gese­hen schein also ziem­lich dumm zu sein. Aber ich fin­de, es gibt kei­nen wirk­li­chen Grund von der Mensch­heit ent­täuscht zu sein, denn sie ist noch jung. Ich bin ziem­lich sicher, dass sie im Lau­fe der nächs­ten Jahr­tau­sen­de ihren Cha­rak­ter ändert.

      Zu dei­ner Fra­ge: Ich habe natür­lich kei­ne Ahnung, aber mei­nem Gefühl nach wird die Mensch­heit sich im Lau­fe der nächs­ten paar Jahr­hun­der­ten ver­ei­nen, wird die gesam­te Welt zu einer Nati­on ver­schmel­zen. Es wird dann kein Deutsch­land, Ame­ri­ka und auch kein ande­res Land mehr geben, son­dern nur noch den Pla­ne­ten Erde.

      In einer sol­chen Welt kann ich mir vor­stel­len, dass die Men­schen freund­lich und lie­bend auf brei­ter Basis und glo­bal zusam­men­ar­bei­ten und es nur noch wenig Elend und Leid gibt.
      Aber das wird wahr­schein­lich noch vie­le Jahr­hun­der­te dau­ern, ich habe echt kei­ne Ahnung, viel­leicht ent­wi­ckeln wir uns schnel­ler, viel­leicht lang­sa­mer, aber wir ent­wi­ckeln uns und irgend­wann wird die Mensch­heit erwach­sen sein. Im Moment ist sie irgend­wie auf der Ent­wick­lungs­stu­fe eines Jugend­li­chen.
      Es gibt eine ein­fa­che For­mel: Solan­ge die Mensch­heit noch in vie­le unter­schied­li­che Natio­nen auf­ge­teilt ist, die sich mehr oder weni­ger alle im Kon­kur­renz­kampf mit­ein­an­der befin­den, sich gegen­sei­tig ver­su­chen zu über­vor­tei­len, zu hin­ter­ge­hen usw. usf., ist sie nicht erwach­sen.

      Du fragst: „Wie kann man Men­schen dazu brin­gen, zusam­men und mit Lie­be leben, dass man ohne Angst oder Miss­trau­en leben muss?“

      Dass haben sich wahr­schein­lich schon vie­le gefragt. Ich habe auch kei­ne Ahnung, aber viel­leicht soll­ten die fried­li­chen und freund­li­chen Men­schen ver­su­chen (auf eine mög­lichst intel­li­gen­te, geschick­te und ein­fühl­sa­me Wei­se) auf die Gewalt­lieb­ha­ber ein­zu­wir­ken. Das kann eine geschick­te Rhe­to­rik sein oder eine sorg­fäl­ti­ge For­mu­lie­rung der Argu­men­te und Ähn­li­ches mehr. Das könn­te die Destruk­ti­vi­tät der Gewalt­lieb­ha­ber mil­dern. Mehr ist wohl kaum drin. Unab­hän­gig davon kön­nen wir anneh­men, dass die Mensch­heit im Lau­fe der Jahr­hun­der­te immer fried­li­cher und fried­li­cher wird. Die­se Annah­me ist nicht unbe­rech­tigt, denn in den ver­gan­ge­nen Jahr­tau­sen­den hat sich die Mensch­heit auch ethisch und mora­lisch wei­ter­ent­wi­ckelt. War­um soll­te die­se Ent­wick­lung aus­ge­rech­net jetzt stop­pen?
      Mit Zwang, Bevor­mun­dung, Mani­pu­la­ti­on und ähn­li­chen „Metho­den“ wer­den wir die Destruk­ti­vi­tät wahr­schein­lich nicht aus der Welt zu schaf­fen kön­nen. Das ist das Dilem­ma. Aggres­si­ve Metho­den sind zur Bekämp­fung der Aggres­si­vi­tät nicht geeig­net. Man kann dem Dum­men sei­ne Dumm­heit nicht aus­trei­ben, indem man ihm sagt: „Du bist dumm.“ Wie ich irgend­wo auf Men­schen­pla­net schrei­be: „Wir kön­nen Igno­ranz nicht mit Igno­ranz bekämp­fen, Oppor­tu­nis­mus nicht mit Oppor­tu­nis­mus, Gleich­gül­tig­keit nicht mit Gleich­gül­tig­keit und Unge­rech­tig­keit nicht mit Unge­rech­tig­keit…“

      Du schreibst: „Wir leben nur ein­mal aber trotz­dem nut­zen ande­re aus wol­len nur mehr für sich anstatt mehr für uns alle.“
      Viel­leicht hat das damit etwas zu tun, dass wir alle mehr oder weni­ger Pes­si­mis­ten sind, wenn es um die Beur­tei­lung der Mensch­heit im All­ge­mei­nem und ihrer Zukunft im Beson­de­ren geht. Vie­le Men­schen füh­len sich genö­tigt mit­zu­zie­hen, nach dem Mot­to: Bevor ich das Opfer bin, bin ich lie­ber Täter. Doch noch viel öfter tun wir wahr­schein­lich nur so, als wären wir zum Betrug, zur Gewalt und all den ande­ren schreck­li­chen Din­gen genö­tigt. Es ist viel öfter nur eine Schutz­be­haup­tung, mit der wir viel­leicht auch uns selbst hyp­no­ti­sie­ren, um nicht erken­nen zu müs­sen, dass wir eigent­lich ein Arsch­loch sind.

      Dei­ne Fra­ge ist nicht ein­fach zu beant­wor­ten. Du musst dir vor­stel­len, dass die Mensch­heit in ihrer Ent­wick­lung augen­blick­lich in einer Pha­se ist, in der ihr lang­sam bewusst wird, kein „Kind“ mehr zu sein. Sie ist jetzt ein Jugend­li­cher oder auch „Halb­star­ker“ und hält sich für unbe­sieg­bar. Wir soll­ten also Geduld mir ihr haben, denn Jugend­li­che sind für ihre Unrei­fe nicht ver­ant­wort­lich.

      Naja, das ist nur eine „Theo­rie“ von mit. Viel­leicht ist sie aber auch voll­kom­me­ner Quatsch.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar