Orga­nis­mus Mensch­heit


Ein riesiger menschlicher Organismus, dem die Haut abgezogen wurde, steht in einer Landschaft neben einem nicht näher zu definierenden Energieportal.

Unse­re archa­isch-ani­ma­li­sche Ver­gan­gen­heit ist unser Han­di­cap

Wir kön­nen unse­re destruk­ti­ve Sei­te nicht direkt bekämp­fen, ohne dabei Metho­den anzu­wen­den, die selbst destruk­tiv sind.

Die Mensch­heit hat ihre Stär­ken und ihre Schwä­chen. Unse­re Stär­ken (Empa­thie, Altru­is­mus, Groß­zü­gig­keit, Anteil­nah­me, Neu­gier, Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein) ste­hen oft im Schat­ten unse­rer Schwä­chen, da sie sanf­te Eigen­schaf­ten sind, also kei­nen aggres­si­ven Cha­rak­ter besit­zen. Des­halb kann man sie schnell über­se­hen. Dar­um ist es wich­tig, die­se Stär­ken aus­zu­bau­en und mehr in den Vor­der­grund zu rücken – beson­ders in unse­ren Schu­len.

Mit unse­ren Schwä­chen (Gier, Oppor­tu­nis­mus, Gleich­gül­tig­keit, Ego­zen­trik, Inkon­se­quenz) müs­sen wir leben, solan­ge wir sie nicht voll­stän­dig erkannt und ver­stan­den haben, um sie über­win­den zu kön­nen. Es ist nicht mög­lich, unse­re nega­ti­ven Sei­ten abzu­schaf­fen, indem wir sie „weg­züch­ten“, ohne den Orga­nis­mus Mensch­heit dabei zu ver­krüp­peln.

Erzwun­ge­ne Fried­lich­keit ist kei­ne Lösung auf Dau­er

Die Mensch­heit kann nicht zum Guten oder zur Fried­lich­keit erzo­gen wer­den. Das wur­de schon oft ver­sucht, doch funk­tio­niert hat es nie. Wir kön­nen uns zwar fried­li­ches und freund­li­ches Ver­hal­ten antrai­nie­ren, doch das allei­ne reicht nicht. Denn solan­ge Fried­lich­keit und Freund­lich­keit nur Optio­nen sind, die wir wahr­neh­men kön­nen oder auch nicht, ist das Pro­blem nicht gelöst.

Ange­nom­men, wir wür­den alle Men­schen, die einen kor­rup­ten Cha­rak­ter besit­zen oder zu besit­zen schei­nen, dar­an hin­dern, öffent­li­che Ämter zu beklei­den. Höchst­wahr­schein­lich wür­den wir dann auch ehr­li­che Men­schen sank­tio­nie­ren, denn Irr­tü­mer gibt es immer. Wir wür­den also bei dem Ver­such, die Unge­rech­tig­keit zu bekämp­fen oder zu ver­drän­gen, neue Unge­rech­tig­keit in die Welt set­zen, ohne es zu mer­ken. Wir wür­den glau­ben, Gutes zu tun, in Wirk­lich­keit täten wir das Gegen­teil und kämen uns dabei auch noch fort­schritt­lich vor.

Macht­miss­brauch und Mani­pu­la­tor

Wir dür­fen nicht ver­ges­sen: Wir sind fast alle (auf unter­schied­li­che Arten und aus unter­schied­li­chen Grün­den) emo­tio­nal kor­rupt und miss­brau­chen im All­tag und im Beruf unse­re Macht und Mög­lich­kei­ten. Wir mani­pu­lie­ren uns selbst und ande­re, ohne es rich­tig zu wis­sen. Eltern miss­brau­chen oft ihre Macht gegen­über ihren Kin­dern, Leh­rer die Macht gegen­über ihren Schü­lern, Vor­ge­setz­te die Macht gegen­über ihren Unter­ge­be­nen und Tier­hal­ter die Macht gegen­über ihren Tie­ren. Wir tun es auf unter­schied­li­che Wei­sen, sub­til oder offen­sicht­lich, mit unter­schied­li­chen Inten­tio­nen und auf unter­schied­li­chen Gebie­ten.

Vie­le Poli­ti­ker, Beam­te, Mana­ger und Ban­kiers scha­den bei­spiels­wei­se mit ihrem Macht­miss­brauch der All­ge­mein­heit. Der Macht­miss­brauch, der in Fami­li­en, unter Freun­den oder Arbeits­kol­le­gen statt­fin­det, rich­tet nur ver­ein­zelt Scha­den an, doch da er in Mil­lio­nen Fäl­len geschieht und Mil­lio­nen Indi­vi­du­en davon betrof­fen sind, ist auch er groß, viel­leicht sogar der grö­ße­re. Und glo­bal sind es Mil­li­ar­den Men­schen, die auf­grund von Macht­miss­brauch psy­chisch und phy­sisch geschä­digt sind und dadurch selbst zum Macht­miss­brauch ani­miert oder genö­tigt wer­den.

Aus die­ser Mas­se der psy­chisch und sozi­al geschä­dig­ten Men­schen rekru­tie­ren sich unse­re Mana­ger und Poli­ti­ker, die die Wirt­schaft und Poli­tik gestal­ten – heu­te heißt das: die Welt.

Wider­sprüch­lich­keit för­dert Kor­rup­ti­ons­be­reit­schaft

Wir alle sind von der Wider­sprüch­lich­keit des gesell­schaft­li­chen Lebens kor­rum­piert, oft bereits von Kind­heit an. Das wis­sen wir meis­tens nicht, und wenn wir es doch wis­sen, haben wir uns damit abge­fun­den und arran­giert. „So ist das Leben nun mal“, ver­tei­di­gen wir unse­re Gleich­gül­tig­keit ach­sel­zu­ckend und gehen zur Tages­ord­nung über. Wir fin­den es nor­mal, mani­pu­liert zu wer­den und selbst zu mani­pu­lie­ren.

Wir den­ken, Gewalt, Mani­pu­la­ti­on, Betrug und Hin­ter­list sind natür­li­che und nor­ma­le Kon­stan­ten des Lebens und hal­ten die Vor­stel­lung einer gewalt­frei­en und freund­li­chen Welt für unrea­lis­tisch oder uto­pisch, manch­mal sogar für falsch, denn für vie­le scheint das Leben ein ein­zi­ger Kampf zu sein, den sie auch gar nicht been­den wol­len.

Ende der Jugend

Die­se Ein­stel­lung spie­gelt unse­re unrei­fe Bezie­hung zum Mensch­sein selbst wider. Uns ist nicht bewusst, dass die Mensch­heit ein Orga­nis­mus ist, der sich ent­wi­ckelt. Noch ist er rela­tiv „pri­mi­tiv“ und befin­det sich gegen­wär­tig am Ende sei­ner Jugend. Sei­ne Kind­heit hat er zwar hin­ter sich, erwach­sen ist er des­halb nicht. Doch wie es bei Jugend­li­chen oft der Fall ist: Weil sie kei­ne Kin­der mehr sind, füh­len sie sich erwach­sen.

Wir soll­ten das beden­ken, wenn wir über die Mensch­heit urtei­len, denn es ist wenig sinn­voll, ihr ein Ver­hal­ten abzu­ver­lan­gen, zu dem sie aus evo­lu­ti­ons­tech­ni­scher Sicht noch gar nicht fähig sein kann. Als Ein­zel­we­sen kön­nen wir sehr reif und wei­se sein – unab­hän­gig von unse­rem Alter. Doch als Mensch­heit sind wir kaum mehr als ein puber­tie­ren­der Jugend­li­cher, der das Ende sei­ner Trotz­pha­se durch­lebt.

Dass also die Mensch­heit noch nicht fähig ist, sich als Gan­zes fried­lich und freund­lich zu ver­hal­ten, braucht uns nicht zu ver­un­si­chern, beschä­men oder ängs­ti­gen, denn unse­re Ent­wick­lung folgt einem natür­li­chen Ver­lauf und ist noch längst nicht been­det.


Kathar­sis der Mensch­heit: Durch Leid zur Erkennt­nis

Ein symbolisches Landschaftsbild zeigt einen langen, geschwungenen Steinweg, der aus einer dunklen, felsigen und trostlosen Region voller gebeugter, primitiver Gestalten herausführt und sich in Richtung eines hellen, goldenen Horizonts schlängelt. Rechts des Weges verwandelt sich die Landschaft allmählich in grüne Hügel, blühende Wiesen und aufrecht gehende, farbenfroh gekleidete Menschen, die dem Licht entgegenblicken. Das Bild steht für den Weg der Menschheit von Unwissenheit und Düsternis hin zu Erkenntnis und geistiger Entwicklung.

Die Ent­wick­lung der Mensch­heit wird erst dann Vor­rang vor natio­na­ler Iden­ti­tät haben, wenn wir unser Ver­hal­ten grund­le­gend ändern.

Die Mensch­heit befin­det sich seit Jahr­tau­sen­den in einer per­ma­nen­ten Kathar­sis, einem Rei­ni­gungs­pro­zess. Wir sind damit beschäf­tigt, unse­re archa­isch-pri­mi­ti­ven Gewohn­hei­ten zu über­win­den, indem wir sie aus­le­ben.

Es fehlt uns jedoch ein gemein­sa­mes Bewusst­sein, das uns zur Erkennt­nis und damit zu ech­tem Wan­del füh­ren könn­te. Wäre ein sol­ches Bewusst­sein vor­han­den, wür­den wir uns anders ver­hal­ten. Ein­zel­ne Men­schen sind zu sol­chem Wan­del fähig, doch auch sie sto­ßen oft an Gren­zen. Unser tie­ri­sches Erbe wirkt fort: Betrug, Raub, Gewalt und ande­re destruk­ti­ve Hand­lun­gen blei­ben Teil unse­res Daseins.

Natür­lich ver­hal­ten wir uns nicht alle so – viel­leicht noch nicht ein­mal die Mehr­heit – doch die es tun, beein­flus­sen oder bestim­men das all­ge­mei­ne mora­li­sche und ethi­sche Kli­ma in den Gesell­schaf­ten und der Welt.

Archai­sche Trie­be im moder­nen All­tag

Wir müs­sen drin­gend erken­nen, dass der Nach­teil ande­rer Men­schen nicht unser Vor­teil, son­dern auch unser Nach­teil ist. Die­se Erkennt­nis ist zum gegen­wär­ti­gen Ent­wick­lungs­stand der Spe­zi­es Mensch nur Ein­zel­nen mög­lich, denn unse­re archai­schen Wesens­an­tei­le sind noch hoch und beein­flus­sen unser Han­deln und Den­ken mehr, als uns bewusst ist.

Kon­kur­renz­den­ken und Über­le­bens­wil­le (der die Fort­pflan­zung mit ein­schließt) sind die haupt­säch­li­chen Beweg­grün­de für unser all­täg­li­ches Han­deln. Über­le­bens­wil­le ist ein natür­li­cher Trieb. Aller­dings leben wir ihn zu Tei­len immer noch so aus wie einen Über­le­bens­kampf in einer lebens­feind­li­chen Umwelt. Doch die ist längst nicht mehr so wie zu prä­his­to­ri­schen Zei­ten.

In der Regel gibt es kei­ne wil­den Raub­tie­re mehr, mit denen wir unse­ren Lebens­raum tei­len müs­sen. Wet­ter und Kli­ma sind kei­ne unbe­re­chen­ba­ren Varia­blen mehr, die unse­ren Lebens­raum jeder­zeit zer­stö­ren kön­nen. Aus­nah­men gibt es natür­lich schon (Flut­ka­ta­stro­phen, Erd­be­ben, Stür­me etc.), doch die sind rela­tiv sel­ten und manch­mal auch auf Nach­läs­sig­keit zurück­zu­füh­ren (bei­spiels­wei­se Fluss­be­gra­di­gun­gen). Und um Nah­rung müs­sen wir auch nicht mehr so uner­bitt­lich kon­kur­rie­ren, wie es frü­her oft der Fall war.

Die Mensch­heit als ler­nen­der Orga­nis­mus

Trotz­dem ver­hal­ten wir uns oft so, als wäre die Welt immer noch eine, in der nur der über­lebt, der stär­ker, raf­fi­nier­ter, lis­ti­ger oder kalt­blü­ti­ger ist. Doch um zu über­le­ben, ist Kon­kur­renz­kampf heut­zu­ta­ge nicht mehr nötig. Wir brau­chen nicht mehr um die glei­chen Res­sour­cen, Nah­rungs­quel­len oder Ter­ri­to­ri­en strei­ten. Wir kön­nen tei­len, denn für jeden ist genug da.

Wir sind zwar ver­nunft­be­gab­te Wesen, doch wären wir das wirk­lich alle, wüss­ten wir, dass es kei­nen Grund mehr gibt, uns so zu ver­hal­ten, wie unse­re tie­ri­schen Gene es uns viel­leicht befeh­len. Das ist natür­lich nur eine Hypo­the­se oder Ver­mu­tung. Sie kann jedoch erklä­ren, war­um unser Ver­hal­ten zum Teil noch das von Stein­zeit­men­schen ist, die aller­dings über moder­ne Waf­fen und Tech­nik ver­fü­gen.

Die Mensch­heit des­halb als krank oder unver­bes­ser­lich zu ver­ur­tei­len, wäre jedoch vor­schnell. Viel­mehr kann man anneh­men, dass der »Orga­nis­mus Mensch­heit« nach bes­tem Wis­sen und Ver­mö­gen han­delt – ver­gleich­bar mit einem Schwarm, der sich lang­sam, aber ste­tig ent­wi­ckelt.

Moral im Macht­kampf: Ein unlös­ba­res Dilem­ma?

Die Mensch­heit ist mora­lisch und ethisch unein­heit­lich. Es gibt fried­li­che und aggres­si­ve, klu­ge und weni­ger klu­ge, bös­ar­ti­ge und wohl­wol­len­de Men­schen. Lei­der drän­gen sich oft jene in den Vor­der­grund, die aggres­siv, kor­rupt oder macht­hung­rig sind. Sie ver­drän­gen fried­li­che und krea­ti­ve Kon­kur­ren­ten mit unfai­ren Mit­teln. So beset­zen sie zen­tra­le Posi­tio­nen in Poli­tik und Wirt­schaft, für die sie häu­fig unge­eig­net sind.

Für ehr­li­che und fai­re Men­schen ist es in einer sol­chen Welt schwie­rig, sich durch­zu­set­zen, ohne ihre Prin­zi­pi­en zu ver­ra­ten. Wer sich anpasst, wird leicht selbst kor­rumpt – und ver­wan­delt sich in das, was er eigent­lich ablehnt.

Kor­rup­ti­on: Die Brem­se der Mensch­heit

Selbst­be­zo­ge­ne Macht­men­schen haben es hin­ge­gen leicht, sich durch­zu­set­zen, denn ihnen ist es egal, Heuch­ler zu sein, selbst wenn die All­ge­mein­heit das weiß. Solan­ge es vor Gericht nicht beweis­bar ist bzw. kei­ne straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen hat, stört es sie nicht. Sie behaup­ten offi­zi­ell, sich für das Wohl der Gesell­schaft oder der Men­schen ein­zu­set­zen. Das müs­sen sie, wenn sie gewählt wer­den wol­len.

Wir glau­ben ihnen das meis­tens zwar nicht wirk­lich, sind aber genö­tigt, es for­mell zu tun oder uns damit abzu­fin­den, da das Gegen­teil nicht nach­zu­wei­sen ist. Das ist ein zusätz­li­cher Fak­tor, der die Wei­ter­ent­wick­lung der Gesell­schaf­ten und der Mensch­heit zu einem so schwie­ri­gen und zähen Pro­zess macht.


Pseu­do­mo­der­ne Zei­ten

Um ein Lagerfeuer herum sitzen Steinzeitmenschen. Im kreis befindet sich auch ein Säbelzahntiger.

Unser Zeit­al­ter nen­nen wir das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung und Moder­ne, inzwi­schen auch das Atom- oder Com­pu­ter­zeit­al­ter oder Anthro­po­zän (Zeit­al­ter des moder­nen Men­schen). Wir glau­ben, die Pri­mi­ti­vi­tät des Mit­tel­al­ters weit hin­ter uns gelas­sen zu haben. Trotz­dem ist die Welt in vie­len Berei­chen noch von mit­tel­al­ter­li­chen und sogar archai­schen Tra­di­tio­nen und Struk­tu­ren durch­drun­gen.

Die bedeu­tends­te aus Vor­zei­ten über­lie­fer­te Tra­di­ti­on ist die Reli­gi­on. Es gibt prak­tisch kein Land, das nicht reli­gi­ös geprägt ist, obwohl der Glau­be an einen Gott in den Län­dern unter­schied­lich aus­ge­prägt ist. Reli­gi­on – der Glau­be an ein über­na­tür­li­ches Lebe­we­sen, das wir Gott nen­nen, und das Uni­ver­sum erschaf­fen haben soll – ist eine glo­ba­le Tra­di­ti­on und betrifft die gesam­te Mensch­heit.

Archai­sches Den­ken in moder­nen Zei­ten

Die Tra­di­ti­on der Reli­gi­on trans­por­tiert aus­schließ­lich archai­sches Den­ken und Asso­zi­ie­ren – das über­se­hen wir oft. Es gibt kei­ne Reli­gi­on, die in moder­ner Zeit ent­stan­den ist. Selbst Orga­ni­sa­tio­nen wie Sci­en­to­lo­gy, die sich als Reli­gi­on bezeich­nen, tun dies häu­fig aus prag­ma­ti­schen Grün­den – wie etwa der Steu­er­be­frei­ung in den USA.

Ent­steht doch ein­mal eine neue Reli­gi­on, han­delt es sich meist um eine Sek­te, also einen Able­ger einer bereits bestehen­den, tra­di­tio­nel­len Reli­gi­on. Der Ursprung des reli­giö­sen Glau­bens liegt oft in den Ängs­ten unse­rer archai­schen Vor­fah­ren vor den Natur­ge­wal­ten. Eine Aus­nah­me bil­det der Bud­dhis­mus und ver­wand­te Leh­ren, die eher als phi­lo­so­phi­sche Sys­te­me zu betrach­ten sind – auch wenn sie in der Pra­xis oft kaum anders aus­ge­übt wer­den als der Glau­be an einen Schöp­fer­gott. Das ist bedau­er­lich.

Die drei gro­ßen Buch­re­li­gio­nen – Juden­tum, Chris­ten­tum und Islam – sind das Ergeb­nis jahr­tau­sen­de­lan­ger Sub­li­mie­rung unse­rer Urängs­te. Zwar haben wir die­se Ängs­te heu­te teil­wei­se über­wun­den, doch hal­ten wir wei­ter­hin an ihren reli­giö­sen Pro­duk­ten fest, obwohl wir es längst bes­ser wis­sen könn­ten.

Unse­re archai­schen Ängs­te haben sich ins Unter­be­wusst­sein zurück­ge­zo­gen – wie die dif­fu­se Furcht, im Dun­keln von etwas Unsicht­ba­rem ange­grif­fen zu wer­den. Gleich­zei­tig bestim­men moder­ne Exis­tenz­ängs­te unser Tages­be­wusst­sein, etwa die Sor­ge um den Ver­lust des Arbeits­plat­zes.

Moder­ne Tech­nik und ver­al­te­te Moral

Modern an unse­rem Zeit­al­ter ist haupt­säch­lich unse­re Tech­no­lo­gie. Wir flie­gen zum Mond, kre­ieren im Com­pu­ter vir­tu­el­le Wel­ten, kön­nen mit einer ein­zi­gen Bom­be eine Groß­stadt in Schutt und Asche legen und brin­gen die gesam­te Welt­li­te­ra­tur auf eini­ge Qua­drat­zen­ti­me­ter Spei­cher­platz. Doch unse­re Moral und Ethik unter­schei­det sich nur gering­fü­gig von der unse­rer archai­schen oder mit­tel­al­ter­li­chen Vor­fah­ren. Das ist beschä­mend.

Wir könn­ten heu­te alle wis­sen, dass die Tex­te aus der Stein- und Bron­ze­zeit – die soge­nann­ten hei­li­gen Schrif­ten – größ­ten­teils Mythen und über­zo­ge­ne Dich­tun­gen sind. Sie sind das Pro­dukt einer Kom­bi­na­ti­on aus Unwis­sen­heit und Angst in einer lebens­feind­li­chen Welt. Den­noch rich­ten wir unser Leben wei­ter­hin nach die­sen archai­schen Vor­stel­lun­gen aus, obwohl vie­le ihrer Geschich­ten wahr­schein­lich kaum mehr als einen sym­bo­li­schen Kern besit­zen.

Wenig Fort­schritt in Moral und Ethik

Sicher­lich haben wir uns ethisch und mora­lisch seit der Bron­ze­zeit wei­ter­ent­wi­ckelt, jedoch nicht in dem Maß, das wir uns ger­ne ein­re­den. Krie­ge füh­ren wir noch immer – wie unse­re archai­schen Vor­fah­ren. Aller­dings sind unse­re bewaff­ne­ten Kon­flik­te heu­te tau­send­mal zer­stö­re­ri­scher. Das ist kein Fort­schritt, son­dern ein Armuts­zeug­nis.

Wir betrü­gen, steh­len, ver­ge­wal­ti­gen und miss­brau­chen nach wie vor. Die Gewalt­be­reit­schaft hat sich nur mar­gi­nal ver­än­dert. Ein Kreuz­rit­ter, der im Namen sei­nes Got­tes tötet, und ein moder­ner Mensch unter­schei­den sich dar­in kaum, obwohl wir uns als auf­ge­klärt bezeich­nen.

Man­che Phi­lo­so­phen argu­men­tie­ren, dass Krie­ge der Ent­wick­lung der Zivi­li­sa­ti­on dien­lich sei­en. Sie beschleu­ni­gen angeb­lich Fort­schrit­te in Tech­nik und Kul­tur. Doch selbst wenn das his­to­risch zutrifft, bedeu­tet es nicht, dass es so blei­ben muss. Werk­zeu­ge, Metho­den und Prin­zi­pi­en ver­lie­ren mit der Zeit ihre Nütz­lich­keit. Krieg ist ein Werk­zeug, das längst durch bes­se­re Alter­na­ti­ven ersetzt wer­den könn­te.

Pri­mi­ti­vi­tät des Krie­ges

Krieg war in der Ver­gan­gen­heit wahr­schein­lich ein Beschleu­ni­gungs­fak­tor unse­rer Ent­wick­lung. Doch er ist und bleibt die pri­mi­tivs­te Form der Kon­flikt­lö­sung – ange­wandt seit der Stein­zeit. Das Prin­zip hat sich in 5000 Jah­ren nicht ver­än­dert: Wir töten unse­re Geg­ner, anstatt uns mit ihnen zu eini­gen.

Die Anfor­de­run­gen an einen Sol­da­ten in einem Angriffs­krieg sind dabei erschre­ckend sim­pel: Skru­pel­lo­sig­keit und Gleich­gül­tig­keit. Doch das sind kei­ne Tugen­den, son­dern Unfä­hig­kei­ten. Die Unfä­hig­keit, als erwach­se­ner, eman­zi­pier­ter Mensch eigen­stän­dig zu füh­len und ver­ant­wort­lich zu han­deln.

Eman­zi­pier­te Men­schen, die Mit­ge­fühl und Empa­thie zei­gen, sind für die Zukunft der Mensch­heit unver­zicht­bar. Sie erken­nen, dass eine ver­fei­ner­te Art des Den­kens und Han­delns not­wen­dig ist, damit die Mensch­heit eine nach­hal­ti­ge Zukunft hat.

Ende der gro­ßen Kathar­sis

Unse­re tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­te dür­fen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass wir uns als Mensch­heit noch in der glei­chen Ent­wick­lungs­pha­se befin­den wie vor 2000 oder 3000 Jah­ren. Außer­dem gilt: Was heu­te als Fort­schritt gilt, wird in tau­send Jah­ren pri­mi­tiv erschei­nen.

Viel­leicht endet die­se Pha­se, die man als „gro­ße Kathar­sis“ bezeich­nen könn­te, in den nächs­ten Jahr­hun­der­ten. Die Pes­si­mis­ten glau­ben, dass ein letz­ter gro­ßer Krieg – ein glo­ba­ler Atom­krieg – die­sen Wan­del ein­lei­ten wird. In die­sem Sze­na­rio ver­nich­tet sich die Mensch­heit fast voll­stän­dig und erhebt sich anschlie­ßend geläu­tert und wei­ser aus der Asche.

Opti­mis­ten hin­ge­gen hof­fen auf einen Bewusst­seins­sprung, der die Mensch­heit kol­lek­tiv zu rei­fe­ren Wesen macht. Ob eines die­ser Sze­na­ri­en ein­tritt oder die Geschich­te einen ande­ren Ver­lauf nimmt, ist unge­wiss. Sicher ist nur, dass Ent­wick­lun­gen oft anders ver­lau­fen, als wir sie vor­her­se­hen.

Zukunft braucht Ver­än­de­rung

Im Prin­zip ist also alles offen. Doch wir müs­sen drin­gend unser Ver­hal­ten ändern. Andern­falls könn­ten die düs­te­ren Pro­gno­sen wahr wer­den – und das ist kein Schick­sal, dem wir uns erge­ben müs­sen.

Die Lösung des Pro­blems: Wir müs­sen unse­re Mög­lich­kei­ten end­lich wahr­neh­men und ein­se­hen, dass die Welt nur des­halb ein Ort der Krie­ge, des Elends, der Armut, der Aus­beu­tung und des Hun­gers ist, weil wir sie dazu machen.

Die­se Men­ta­li­tät ist für eine glo­ba­le Zukunft unbrauch­bar. Um unser Ver­hal­ten zu ändern, müs­sen wir zuerst ver­ste­hen, dass wir Erden­bür­ger sind – kei­ne Natio­nen, kei­ne Kon­kur­ren­ten, kei­ne blo­ßen Wirt­schafts­teil­neh­mer. Nur dann kann eine ech­te Trans­for­ma­ti­on gelin­gen.


Angst und Trau­ma­ti­sie­rung

In einer Höhle steht eine aufgebrachte Menge, steinzeitlich gekleideter kleiner Menschen vor einem primitiven Altar. Darauf steht ein Skelett mit leuchtenden Augen, das an Fäden hängt.

Fast alles Elend in unse­rer Welt ist auf unse­re Abnei­gung gegen das Tei­len zurück­zu­füh­ren. Unse­re Angst, zu kurz zu kom­men, ani­miert uns zur Anhäu­fung von Vor­rä­ten, die wir eigent­lich gar nicht brau­chen.

Wir sind trau­ma­ti­siert und lei­den unter der stän­di­gen Angst, nicht genug zu haben. Das erin­nert an einen Hund, der gie­rig sein Fres­sen run­ter­schlingt, weil er befürch­tet, man könn­te es ihm wie­der weg­neh­men.

Wahr­schein­lich ist die­ser Trieb zur über­mä­ßi­gen Anhäu­fung von Vor­rä­ten (bzw. Reich­tum) ein Erbe unse­rer archai­schen Ver­gan­gen­heit, eine men­tal-gene­ti­sche Dis­po­si­ti­on, unter der die gesam­te Mensch­heit lei­det.

Kei­ne Not­wen­dig­keit mehr zur über­mä­ßi­gen Anhäu­fung

In der Stein­zeit und bestimmt auch noch im Mit­tel­al­ter war es sinn­voll, mehr Vor­rä­te als nötig zu besit­zen, denn wir wuss­ten nie, was das nächs­te Jahr bringt. Wir konn­ten auf die Bedürf­nis­se frem­der Men­schen sel­ten Rück­sicht neh­men, denn es war schon schwie­rig genug, die eige­nen zu befrie­di­gen.

Doch die­se Zei­ten sind vor­bei. Wir sind dem Will­kür­cha­rak­ter der Natur wei­test­ge­hend nicht mehr aus­ge­lie­fert wie noch im Mit­tel­al­ter, in der Stein­zeit oder in prä­his­to­ri­schen Zei­ten.

Wir kön­nen heu­te unse­re Umwelt gestal­ten und haben gro­ßen Ein­fluss auf unse­re Ern­te­er­trä­ge. Wir haben die Mög­lich­keit, den Über­fluss der einen Regi­on an ande­re mit Unter­ver­sor­gung wei­ter­zu­lei­ten. In kei­nem Land der Erde müss­ten heu­te noch Men­schen hun­gern oder im Elend leben, wäh­rend in ande­ren Tei­len Über­fluss und Ver­schwen­dung herr­schen. Ist so etwas der Fall, dann nur, weil wir es zulas­sen: Es küm­mert uns nicht.

Fau­le Aus­re­den und Gleich­gül­tig­keit

Die rei­chen Län­der könn­ten, ohne dar­un­ter zu lei­den, ihre Über­schüs­se an die armen wei­ter­lei­ten, denn die­se Lebens­mit­tel wer­den aus markt­po­li­ti­schen Grün­den sowie­so oft ver­nich­tet – was oben­drein auch noch Geld kos­tet.

Anstatt Geld zur Lebens­mit­tel­ver­nich­tung aus­zu­ge­ben, könn­ten wir es nut­zen, um unse­re über­flüs­si­gen Lebens­mit­tel dort­hin zu brin­gen, wo sie drin­gend gebraucht wer­den.

Doch das inter­es­siert uns nicht, denn damit lässt sich kein Geld ver­die­nen. Das wis­sen wir zwar auch, spre­chen es aber nicht aus. Statt­des­sen behaup­ten wir, das Ver­schen­ken von Lebens­mit­teln an arme Län­der wäre aus logis­ti­schen Grün­den nicht mög­lich oder wür­de an inter­na­tio­na­len Aus­fuhr­be­stim­mun­gen oder ähn­li­chen Hemm­nis­sen schei­tern.

Das ist natür­lich eine Aus­re­de, denn wenn uns wirk­lich etwas dar­an läge, dass die Men­schen in ande­ren Län­dern nicht hun­gern, fän­den wir auch Wege. Doch wir tun es nicht, weil uns die Mensch­heit als Gan­zes egal ist. Haupt­sa­che, wir haben alles, was wir brau­chen. Außer­dem mögen wir die Vor­stel­lung nicht, ande­re „durch­zu­füt­tern“.

Fahr­läs­sig­keit und Gleich­gül­tig­keit der ver­ant­wort­li­chen Mäch­te

Doch es kommt noch schlim­mer: Vie­le der Miss­stän­de in Län­dern der soge­nann­ten Drit­ten Welt sind direkt oder indi­rekt auf die Wirt­schafts­po­li­tik der west­li­chen Staa­ten und unser Kon­sum­ver­hal­ten zurück­zu­füh­ren. Auch das wis­sen wir mehr oder weni­ger alle.

Wir wis­sen nicht, wie die afri­ka­ni­schen Län­der sich ent­wi­ckelt hät­ten und heu­te aus­sä­hen, hät­ten die euro­päi­schen Staa­ten sie in ihrer Kolo­ni­al­zeit nicht aus­ge­plün­dert. Vie­le Mil­lio­nen der bes­ten und kräf­tigs­ten Arbei­ter wur­den ent­führt und als Skla­ven nach Ame­ri­ka ver­schifft. Zusätz­lich zwang man ihnen eine Reli­gi­on auf (das Chris­ten­tum), die ihrem men­ta­len Natu­rell wider­sprach. All das hat Afri­kas Ent­wick­lungs­weg ver­gif­tet und sich in sei­ne See­le ein­ge­brannt, wor­un­ter die­ser Kon­ti­nent heu­te immer noch lei­det.


Aus­beu­tung der Drit­ten Welt


Die west­li­chen, rei­chen Indus­trie­staa­ten toben sich seit Jahr­hun­der­ten auf dem Rücken der armen Län­der aus. Die­se müs­sen sich das gefal­len las­sen und kön­nen sich gegen die dreis­ten Über­grif­fe der trans­na­tio­na­len Kon­zer­ne nicht weh­ren, denn auch in Afri­ka gibt es genug kor­rup­te Beam­te, die sich bestechen las­sen.

Wir las­sen in den Dritt­welt­län­dern T‑Shirts, Hosen und ande­re Ver­brauchs­gü­ter pro­du­zie­ren, weil die Lohn­kos­ten dort so nied­rig sind, dass sie fast ohne Bedeu­tung sind. Wir wis­sen, dass die Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen dort von ihren Hun­ger­löh­nen nicht leben kön­nen und die Arbeits­be­din­gun­gen men­schen­un­wür­dig sind. Doch wir tun so, als läge das nicht in unse­rer Ver­ant­wor­tung, als gin­ge es uns nichts an.

Die Situa­ti­on der Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen in die­sen Staa­ten ist jedoch nur des­halb so kata­stro­phal, weil unser Kon­sum der dort her­ge­stell­ten Pro­duk­te die­ses Sys­tem der Aus­beu­tung mög­lich macht und auf­recht­erhält. Wür­den wir uns wei­gern, die­se Pro­duk­te zu kau­fen, wür­de die­ses Modell der moder­nen Skla­ve­rei nicht funk­tio­nie­ren. Dann hät­ten wir viel­leicht weni­ger Kla­mot­ten in unse­ren Schrän­ken – aber immer noch genug.

Aus­plün­de­rung und Aus­ver­kauf der Roh­stoff

Eini­ge unse­rer gro­ßen Kon­zer­ne und Unter­neh­men las­sen von der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung in den Dritt­welt­län­dern wert­vol­le Roh­stof­fe wie Kobalt, Lithi­um oder Nickel abbau­en – aber auch Edel­me­tal­le und Edel­stei­ne. Obwohl die­se Län­der durch ihre Boden­schät­ze eigent­lich reich sein soll­ten, ist die Bevöl­ke­rung dort oft bit­ter­arm.

Natür­lich liegt das auch an den kor­rup­ten Regie­run­gen die­ser Län­der. Doch die Auto­bau­er, Batterie‑, Han­dy- und Com­pu­ter­her­stel­ler der Indus­trie­län­der arbei­ten Hand in Hand mit die­sen Regie­run­gen. Dabei sind sie nicht gezwun­gen, mit kor­rup­ten Eli­ten zusam­men­zu­ar­bei­ten, son­dern könn­ten Wege fin­den, die dafür sor­gen, dass die Arbei­ter anstän­dig bezahlt wer­den und auch die Län­der als Gan­zes von ihren Res­sour­cen pro­fi­tie­ren.

Doch dar­an besteht kein Inter­es­se, denn alles, wor­um es den Kon­zer­nen geht, ist, die Kos­ten für die­se wich­ti­gen Mate­ria­li­en so nied­rig wie mög­lich zu hal­ten.

Man­gel­haf­te Zivil­cou­ra­ge

Als Kon­su­men­ten könn­ten wir auf die Stra­ße gehen, dage­gen pro­tes­tie­ren und durch Kon­sum­ver­wei­ge­rung die Kon­zer­ne dazu zwin­gen, ihr Ver­hal­ten zu ändern. Doch wir wis­sen auch, dass unse­re High­tech-Spiel­zeu­ge dann teu­rer wür­den – und genau des­halb ist es uns egal.

Und wenn unse­re Com­pu­ter und Han­dys dann kaputt sind oder nicht mehr dem Stan­dard ent­spre­chen, schi­cken wir unse­ren gif­ti­gen Elek­tro­schrott in die­se Län­der zurück. Dort ver­gif­tet er nicht nur die Umwelt, son­dern auch die Men­schen, die ihn unter kata­stro­pha­len Bedin­gun­gen recy­celn müs­sen.

Gleich­gül­tig­keit und Geschäfts­tüch­tig­keit

Ein wei­te­res augen­fäl­li­ges Merk­mal unse­rer man­geln­den Empa­thie sind unse­re Waf­fen­ex­por­te an des­po­ti­sche Regie­run­gen. Wir wis­sen, dass mit die­sen Waf­fen die Bevöl­ke­rung bru­tal unter­drückt wird.

Doch unse­re ver­ant­wort­li­chen Regie­rungs­mit­glie­der, die die­se Expor­te geneh­mi­gen, haben hier­für eine zyni­sche Aus­re­de parat: Es kön­ne nicht bewie­sen wer­den, dass mit die­sen Waf­fen die Bevöl­ke­rung unter­drückt wer­de. Die des­po­ti­schen Regie­run­gen wür­den dafür ande­re Waf­fen benut­zen. Ein Stopp der Waf­fen­lie­fe­run­gen wür­de an der Situa­ti­on der Bevöl­ke­rung nichts ändern, heißt es. Die­se Argu­men­ta­ti­on zeigt, dass uns die Men­schen in ande­ren Län­dern völ­lig egal sind, solan­ge die Geschäf­te gut lau­fen.

Unser man­gel­haf­tes, ja oft völ­lig feh­len­des Inter­es­se an der Situa­ti­on ande­rer ist größ­ten­teils für all die­se Miss­stän­de ver­ant­wort­lich. Das Leben frem­der Men­schen „inter­es­siert“ uns nur dann, wenn wir davon pro­fi­tie­ren.

Heu­che­lei und Vor­teils­si­che­rung

Unser Inter­es­se für die Belan­ge ande­rer ist meis­tens vor­ge­täuscht und dient zur per­sön­li­chen Vor­teils­si­che­rung. Wir benut­zen ande­re Men­schen und deren Situa­tio­nen für unse­re eige­nen ego­is­ti­schen Zie­le und sind dabei sehr geschickt dar­in, die­se Tat­sa­che zu ver­schlei­ern.

Wir gau­keln Anteil­nah­me vor – in Wirk­lich­keit ist es Geschäfts­tüch­tig­keit. Das ist die Stra­te­gie, mit der wir seit Jahr­tau­sen­den erfolg­reich sind. Doch, wie bereits erwähnt, wird sie nicht geeig­net sein, die Welt des 3. Jahr­tau­sends zu gestal­ten.

Noch sind wir gewohn­heits­mä­ßig davon über­zeugt, dass wir – als Ein­zel­ne und als Natio­nen – nur im erbar­mungs­lo­sen Kon­kur­renz­kampf eine Chan­ce haben. Die­ser Glau­be lebt von der Gier und der Angst, über­vor­teilt zu wer­den, von der Angst, zu kurz zu kom­men.

Wir wol­len Freund­schaft, ohne dabei unse­ren per­sön­li­chen Vor­teil aufs Spiel zu set­zen. Unse­re Freund­schaf­ten, beson­ders die inter­na­tio­na­len, sind Part­ner­schaf­ten, Alli­an­zen oder Föde­ra­tio­nen, die von gemein­sa­men Inter­es­sen am Leben gehal­ten wer­den. Ver­schwin­den die­se, ver­schwin­det auch die Freund­schaft.


Fazit:


Die west­li­chen Län­der haben durch kolo­nia­le Raub­zü­ge einen Wohl­stand auf­ge­baut, der bis heu­te anhält. Doch wir sehen uns nicht in der Ver­ant­wor­tung, etwas zurück­zu­ge­ben. Schuld­ge­füh­le? Fehl­an­zei­ge. Und unse­re Poli­ti­ker scheu­en sich, das The­ma offen anzu­spre­chen – aus Angst, Wäh­ler­stim­men zu ver­lie­ren.

Es ist beque­mer, die Armut in Afri­ka als selbst ver­schul­det dar­zu­stel­len. Dabei igno­rie­ren wir, dass vie­le Kon­flik­te und die Miss­wirt­schaft dort direk­te Fol­gen der Kolo­ni­al­zeit sind.

Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ver­mit­teln uns das Gefühl, etwas zu tun. Doch häu­fig fehlt ihnen die Fähig­keit, lang­fris­ti­ge Lösun­gen zu schaf­fen. Manch­mal zemen­tie­ren sie sogar unge­wollt die bestehen­den Struk­tu­ren.

Die west­li­chen Indus­trie­na­tio­nen könn­ten tat­säch­lich etwas ver­än­dern – durch gerech­te Han­dels­ab­kom­men, Bil­dungs­hil­fen oder Tech­no­lo­gie­trans­fer. Doch sol­che Maß­nah­men erfol­gen nur in homöo­pa­thi­schen Dosen, weil es nicht im Inter­es­se der Mäch­ti­gen liegt, die­se Län­der wirk­lich unab­hän­gig und stark zu machen.

Die Medi­en prei­sen die Groß­zü­gig­keit der rei­chen Natio­nen. Doch oft ver­fol­gen die­se nur ihre eige­nen Inter­es­sen. Ent­wick­lungs­hil­fe wird nicht sel­ten in Form von Kre­di­ten gewährt, die die Emp­fän­ger in Abhän­gig­keit hal­ten. Groß­zü­gig­keit ent­puppt sich als Geschäfts­mo­dell.

Spen­den­auf­ru­fe set­zen auf emo­tio­na­le Insze­nie­run­gen. Sie zei­gen Bil­der ver­hun­gern­der Kin­der, die Betrof­fen­heit wecken – aber sel­ten ein Ver­ständ­nis für die wah­ren Ursa­chen der Pro­ble­me.

Wir geben vor, Anteil­nah­me zu zei­gen, doch oft ist es bloß Geschäfts­tüch­tig­keit. Selbst bei Natur­ka­ta­stro­phen wird Hil­fe so insze­niert, dass sie Vor­tei­le für die Geber­län­der bringt. Unse­re ver­meint­li­che Groß­zü­gig­keit ist eine Mas­ke­ra­de, hin­ter der sich knall­har­te Inter­es­sen ver­ber­gen.

Solan­ge wir unse­re Prio­ri­tä­ten nicht über­den­ken, wird sich nichts ändern. Armut und Unge­rech­tig­keit ver­schwin­den nicht von allein, wäh­rend wir an über­hol­ten Ver­hal­tens­mus­tern fest­hal­ten. Der Wan­del beginnt nicht bei poli­ti­schen Maß­nah­men, son­dern bei einem Bewusst­seins­wan­del in jedem Ein­zel­nen von uns.

Wir sind eine Mensch­heit, und die­se Ein­sicht soll­te unser Han­deln bestim­men. Die Kluft zwi­schen Arm und Reich ist kei­ne Natur­ge­ge­ben­heit, son­dern ein Ergeb­nis unse­rer Igno­ranz und Bequem­lich­keit.

Es ist an der Zeit, die Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men und auf­zu­hö­ren, uns hin­ter Aus­re­den zu ver­ste­cken. Wenn wir wirk­lich wol­len, dass alle Men­schen auf die­sem Pla­ne­ten ein wür­de­vol­les Leben füh­ren kön­nen, liegt es in unse­rer Macht, das zu ermög­li­chen.

1 Gedanke zu „Orga­nis­mus Mensch­heit“

  1. Hal­lo zusam­men…
    dies ist eine sehr inter­ressn­te Phil­lo­so­phie, die ich per­sön­lich sehr, sehr schät­ze.
    Ich fin­de, das Reli­gio­nen und Ideo­lo­gie­en eine Erfin­dun­gen des Men­schen ist…
    Soet­was gibt es in der Flo­ra und Fau­na auf unse­rer Erde nicht.
    Des­halb sind Reli­gio­nen und Ideo­lo­gie­en der Mensch­heits­ge­schich­te aus mei­ner Sicht die Ursa­chen für Hass, Gewalt, Kon­flik­te, Krie­ge, Unter­drü­ckung, Armut und Reich­tum, u.s.w.
    Dies führt frü­her oder spä­ter dazu, dass sch die Mensch­heit sel­ber abschaf­fen wird!!

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