
Unsere archaisch-animalische Vergangenheit ist unser Handicap
Wir können unsere destruktive Seite nicht direkt bekämpfen, ohne dabei Methoden anzuwenden, die selbst destruktiv sind.
Inhalt
Die Menschheit hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Unsere Stärken (Empathie, Altruismus, Großzügigkeit, Anteilnahme, Neugier, Verantwortungsbewusstsein) stehen oft im Schatten unserer Schwächen, da sie sanfte Eigenschaften sind, also keinen aggressiven Charakter besitzen. Deshalb kann man sie schnell übersehen. Darum ist es wichtig, diese Stärken auszubauen und mehr in den Vordergrund zu rücken – besonders in unseren Schulen.
Mit unseren Schwächen (Gier, Opportunismus, Gleichgültigkeit, Egozentrik, Inkonsequenz) müssen wir leben, solange wir sie nicht vollständig erkannt und verstanden haben, um sie überwinden zu können. Es ist nicht möglich, unsere negativen Seiten abzuschaffen, indem wir sie „wegzüchten“, ohne den Organismus Menschheit dabei zu verkrüppeln.
Erzwungene Friedlichkeit ist keine Lösung auf Dauer
Die Menschheit kann nicht zum Guten oder zur Friedlichkeit erzogen werden. Das wurde schon oft versucht, doch funktioniert hat es nie. Wir können uns zwar friedliches und freundliches Verhalten antrainieren, doch das alleine reicht nicht. Denn solange Friedlichkeit und Freundlichkeit nur Optionen sind, die wir wahrnehmen können oder auch nicht, ist das Problem nicht gelöst.
Angenommen, wir würden alle Menschen, die einen korrupten Charakter besitzen oder zu besitzen scheinen, daran hindern, öffentliche Ämter zu bekleiden. Höchstwahrscheinlich würden wir dann auch ehrliche Menschen sanktionieren, denn Irrtümer gibt es immer. Wir würden also bei dem Versuch, die Ungerechtigkeit zu bekämpfen oder zu verdrängen, neue Ungerechtigkeit in die Welt setzen, ohne es zu merken. Wir würden glauben, Gutes zu tun, in Wirklichkeit täten wir das Gegenteil und kämen uns dabei auch noch fortschrittlich vor.
Machtmissbrauch und Manipulator
Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind fast alle (auf unterschiedliche Arten und aus unterschiedlichen Gründen) emotional korrupt und missbrauchen im Alltag und im Beruf unsere Macht und Möglichkeiten. Wir manipulieren uns selbst und andere, ohne es richtig zu wissen. Eltern missbrauchen oft ihre Macht gegenüber ihren Kindern, Lehrer die Macht gegenüber ihren Schülern, Vorgesetzte die Macht gegenüber ihren Untergebenen und Tierhalter die Macht gegenüber ihren Tieren. Wir tun es auf unterschiedliche Weisen, subtil oder offensichtlich, mit unterschiedlichen Intentionen und auf unterschiedlichen Gebieten.
Viele Politiker, Beamte, Manager und Bankiers schaden beispielsweise mit ihrem Machtmissbrauch der Allgemeinheit. Der Machtmissbrauch, der in Familien, unter Freunden oder Arbeitskollegen stattfindet, richtet nur vereinzelt Schaden an, doch da er in Millionen Fällen geschieht und Millionen Individuen davon betroffen sind, ist auch er groß, vielleicht sogar der größere. Und global sind es Milliarden Menschen, die aufgrund von Machtmissbrauch psychisch und physisch geschädigt sind und dadurch selbst zum Machtmissbrauch animiert oder genötigt werden.
Aus dieser Masse der psychisch und sozial geschädigten Menschen rekrutieren sich unsere Manager und Politiker, die die Wirtschaft und Politik gestalten – heute heißt das: die Welt.
Widersprüchlichkeit fördert Korruptionsbereitschaft
Wir alle sind von der Widersprüchlichkeit des gesellschaftlichen Lebens korrumpiert, oft bereits von Kindheit an. Das wissen wir meistens nicht, und wenn wir es doch wissen, haben wir uns damit abgefunden und arrangiert. „So ist das Leben nun mal“, verteidigen wir unsere Gleichgültigkeit achselzuckend und gehen zur Tagesordnung über. Wir finden es normal, manipuliert zu werden und selbst zu manipulieren.
Wir denken, Gewalt, Manipulation, Betrug und Hinterlist sind natürliche und normale Konstanten des Lebens und halten die Vorstellung einer gewaltfreien und freundlichen Welt für unrealistisch oder utopisch, manchmal sogar für falsch, denn für viele scheint das Leben ein einziger Kampf zu sein, den sie auch gar nicht beenden wollen.
Ende der Jugend
Diese Einstellung spiegelt unsere unreife Beziehung zum Menschsein selbst wider. Uns ist nicht bewusst, dass die Menschheit ein Organismus ist, der sich entwickelt. Noch ist er relativ „primitiv“ und befindet sich gegenwärtig am Ende seiner Jugend. Seine Kindheit hat er zwar hinter sich, erwachsen ist er deshalb nicht. Doch wie es bei Jugendlichen oft der Fall ist: Weil sie keine Kinder mehr sind, fühlen sie sich erwachsen.
Wir sollten das bedenken, wenn wir über die Menschheit urteilen, denn es ist wenig sinnvoll, ihr ein Verhalten abzuverlangen, zu dem sie aus evolutionstechnischer Sicht noch gar nicht fähig sein kann. Als Einzelwesen können wir sehr reif und weise sein – unabhängig von unserem Alter. Doch als Menschheit sind wir kaum mehr als ein pubertierender Jugendlicher, der das Ende seiner Trotzphase durchlebt.
Dass also die Menschheit noch nicht fähig ist, sich als Ganzes friedlich und freundlich zu verhalten, braucht uns nicht zu verunsichern, beschämen oder ängstigen, denn unsere Entwicklung folgt einem natürlichen Verlauf und ist noch längst nicht beendet.
Katharsis der Menschheit: Durch Leid zur Erkenntnis

Die Entwicklung der Menschheit wird erst dann Vorrang vor nationaler Identität haben, wenn wir unser Verhalten grundlegend ändern.
Die Menschheit befindet sich seit Jahrtausenden in einer permanenten Katharsis, einem Reinigungsprozess. Wir sind damit beschäftigt, unsere archaisch-primitiven Gewohnheiten zu überwinden, indem wir sie ausleben.
Es fehlt uns jedoch ein gemeinsames Bewusstsein, das uns zur Erkenntnis und damit zu echtem Wandel führen könnte. Wäre ein solches Bewusstsein vorhanden, würden wir uns anders verhalten. Einzelne Menschen sind zu solchem Wandel fähig, doch auch sie stoßen oft an Grenzen. Unser tierisches Erbe wirkt fort: Betrug, Raub, Gewalt und andere destruktive Handlungen bleiben Teil unseres Daseins.
Natürlich verhalten wir uns nicht alle so – vielleicht noch nicht einmal die Mehrheit – doch die es tun, beeinflussen oder bestimmen das allgemeine moralische und ethische Klima in den Gesellschaften und der Welt.
Archaische Triebe im modernen Alltag
Wir müssen dringend erkennen, dass der Nachteil anderer Menschen nicht unser Vorteil, sondern auch unser Nachteil ist. Diese Erkenntnis ist zum gegenwärtigen Entwicklungsstand der Spezies Mensch nur Einzelnen möglich, denn unsere archaischen Wesensanteile sind noch hoch und beeinflussen unser Handeln und Denken mehr, als uns bewusst ist.
Konkurrenzdenken und Überlebenswille (der die Fortpflanzung mit einschließt) sind die hauptsächlichen Beweggründe für unser alltägliches Handeln. Überlebenswille ist ein natürlicher Trieb. Allerdings leben wir ihn zu Teilen immer noch so aus wie einen Überlebenskampf in einer lebensfeindlichen Umwelt. Doch die ist längst nicht mehr so wie zu prähistorischen Zeiten.
In der Regel gibt es keine wilden Raubtiere mehr, mit denen wir unseren Lebensraum teilen müssen. Wetter und Klima sind keine unberechenbaren Variablen mehr, die unseren Lebensraum jederzeit zerstören können. Ausnahmen gibt es natürlich schon (Flutkatastrophen, Erdbeben, Stürme etc.), doch die sind relativ selten und manchmal auch auf Nachlässigkeit zurückzuführen (beispielsweise Flussbegradigungen). Und um Nahrung müssen wir auch nicht mehr so unerbittlich konkurrieren, wie es früher oft der Fall war.
Die Menschheit als lernender Organismus
Trotzdem verhalten wir uns oft so, als wäre die Welt immer noch eine, in der nur der überlebt, der stärker, raffinierter, listiger oder kaltblütiger ist. Doch um zu überleben, ist Konkurrenzkampf heutzutage nicht mehr nötig. Wir brauchen nicht mehr um die gleichen Ressourcen, Nahrungsquellen oder Territorien streiten. Wir können teilen, denn für jeden ist genug da.
Wir sind zwar vernunftbegabte Wesen, doch wären wir das wirklich alle, wüssten wir, dass es keinen Grund mehr gibt, uns so zu verhalten, wie unsere tierischen Gene es uns vielleicht befehlen. Das ist natürlich nur eine Hypothese oder Vermutung. Sie kann jedoch erklären, warum unser Verhalten zum Teil noch das von Steinzeitmenschen ist, die allerdings über moderne Waffen und Technik verfügen.
Die Menschheit deshalb als krank oder unverbesserlich zu verurteilen, wäre jedoch vorschnell. Vielmehr kann man annehmen, dass der »Organismus Menschheit« nach bestem Wissen und Vermögen handelt – vergleichbar mit einem Schwarm, der sich langsam, aber stetig entwickelt.
Moral im Machtkampf: Ein unlösbares Dilemma?
Die Menschheit ist moralisch und ethisch uneinheitlich. Es gibt friedliche und aggressive, kluge und weniger kluge, bösartige und wohlwollende Menschen. Leider drängen sich oft jene in den Vordergrund, die aggressiv, korrupt oder machthungrig sind. Sie verdrängen friedliche und kreative Konkurrenten mit unfairen Mitteln. So besetzen sie zentrale Positionen in Politik und Wirtschaft, für die sie häufig ungeeignet sind.
Für ehrliche und faire Menschen ist es in einer solchen Welt schwierig, sich durchzusetzen, ohne ihre Prinzipien zu verraten. Wer sich anpasst, wird leicht selbst korrumpt – und verwandelt sich in das, was er eigentlich ablehnt.
Korruption: Die Bremse der Menschheit
Selbstbezogene Machtmenschen haben es hingegen leicht, sich durchzusetzen, denn ihnen ist es egal, Heuchler zu sein, selbst wenn die Allgemeinheit das weiß. Solange es vor Gericht nicht beweisbar ist bzw. keine strafrechtlichen Konsequenzen hat, stört es sie nicht. Sie behaupten offiziell, sich für das Wohl der Gesellschaft oder der Menschen einzusetzen. Das müssen sie, wenn sie gewählt werden wollen.
Wir glauben ihnen das meistens zwar nicht wirklich, sind aber genötigt, es formell zu tun oder uns damit abzufinden, da das Gegenteil nicht nachzuweisen ist. Das ist ein zusätzlicher Faktor, der die Weiterentwicklung der Gesellschaften und der Menschheit zu einem so schwierigen und zähen Prozess macht.
Pseudomoderne Zeiten

Unser Zeitalter nennen wir das Zeitalter der Aufklärung und Moderne, inzwischen auch das Atom- oder Computerzeitalter oder Anthropozän (Zeitalter des modernen Menschen). Wir glauben, die Primitivität des Mittelalters weit hinter uns gelassen zu haben. Trotzdem ist die Welt in vielen Bereichen noch von mittelalterlichen und sogar archaischen Traditionen und Strukturen durchdrungen.
Die bedeutendste aus Vorzeiten überlieferte Tradition ist die Religion. Es gibt praktisch kein Land, das nicht religiös geprägt ist, obwohl der Glaube an einen Gott in den Ländern unterschiedlich ausgeprägt ist. Religion – der Glaube an ein übernatürliches Lebewesen, das wir Gott nennen, und das Universum erschaffen haben soll – ist eine globale Tradition und betrifft die gesamte Menschheit.
Archaisches Denken in modernen Zeiten
Die Tradition der Religion transportiert ausschließlich archaisches Denken und Assoziieren – das übersehen wir oft. Es gibt keine Religion, die in moderner Zeit entstanden ist. Selbst Organisationen wie Scientology, die sich als Religion bezeichnen, tun dies häufig aus pragmatischen Gründen – wie etwa der Steuerbefreiung in den USA.
Entsteht doch einmal eine neue Religion, handelt es sich meist um eine Sekte, also einen Ableger einer bereits bestehenden, traditionellen Religion. Der Ursprung des religiösen Glaubens liegt oft in den Ängsten unserer archaischen Vorfahren vor den Naturgewalten. Eine Ausnahme bildet der Buddhismus und verwandte Lehren, die eher als philosophische Systeme zu betrachten sind – auch wenn sie in der Praxis oft kaum anders ausgeübt werden als der Glaube an einen Schöpfergott. Das ist bedauerlich.
Die drei großen Buchreligionen – Judentum, Christentum und Islam – sind das Ergebnis jahrtausendelanger Sublimierung unserer Urängste. Zwar haben wir diese Ängste heute teilweise überwunden, doch halten wir weiterhin an ihren religiösen Produkten fest, obwohl wir es längst besser wissen könnten.
Unsere archaischen Ängste haben sich ins Unterbewusstsein zurückgezogen – wie die diffuse Furcht, im Dunkeln von etwas Unsichtbarem angegriffen zu werden. Gleichzeitig bestimmen moderne Existenzängste unser Tagesbewusstsein, etwa die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes.
Moderne Technik und veraltete Moral
Modern an unserem Zeitalter ist hauptsächlich unsere Technologie. Wir fliegen zum Mond, kreieren im Computer virtuelle Welten, können mit einer einzigen Bombe eine Großstadt in Schutt und Asche legen und bringen die gesamte Weltliteratur auf einige Quadratzentimeter Speicherplatz. Doch unsere Moral und Ethik unterscheidet sich nur geringfügig von der unserer archaischen oder mittelalterlichen Vorfahren. Das ist beschämend.
Wir könnten heute alle wissen, dass die Texte aus der Stein- und Bronzezeit – die sogenannten heiligen Schriften – größtenteils Mythen und überzogene Dichtungen sind. Sie sind das Produkt einer Kombination aus Unwissenheit und Angst in einer lebensfeindlichen Welt. Dennoch richten wir unser Leben weiterhin nach diesen archaischen Vorstellungen aus, obwohl viele ihrer Geschichten wahrscheinlich kaum mehr als einen symbolischen Kern besitzen.
Wenig Fortschritt in Moral und Ethik
Sicherlich haben wir uns ethisch und moralisch seit der Bronzezeit weiterentwickelt, jedoch nicht in dem Maß, das wir uns gerne einreden. Kriege führen wir noch immer – wie unsere archaischen Vorfahren. Allerdings sind unsere bewaffneten Konflikte heute tausendmal zerstörerischer. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Armutszeugnis.
Wir betrügen, stehlen, vergewaltigen und missbrauchen nach wie vor. Die Gewaltbereitschaft hat sich nur marginal verändert. Ein Kreuzritter, der im Namen seines Gottes tötet, und ein moderner Mensch unterscheiden sich darin kaum, obwohl wir uns als aufgeklärt bezeichnen.
Manche Philosophen argumentieren, dass Kriege der Entwicklung der Zivilisation dienlich seien. Sie beschleunigen angeblich Fortschritte in Technik und Kultur. Doch selbst wenn das historisch zutrifft, bedeutet es nicht, dass es so bleiben muss. Werkzeuge, Methoden und Prinzipien verlieren mit der Zeit ihre Nützlichkeit. Krieg ist ein Werkzeug, das längst durch bessere Alternativen ersetzt werden könnte.
Primitivität des Krieges
Krieg war in der Vergangenheit wahrscheinlich ein Beschleunigungsfaktor unserer Entwicklung. Doch er ist und bleibt die primitivste Form der Konfliktlösung – angewandt seit der Steinzeit. Das Prinzip hat sich in 5000 Jahren nicht verändert: Wir töten unsere Gegner, anstatt uns mit ihnen zu einigen.
Die Anforderungen an einen Soldaten in einem Angriffskrieg sind dabei erschreckend simpel: Skrupellosigkeit und Gleichgültigkeit. Doch das sind keine Tugenden, sondern Unfähigkeiten. Die Unfähigkeit, als erwachsener, emanzipierter Mensch eigenständig zu fühlen und verantwortlich zu handeln.
Emanzipierte Menschen, die Mitgefühl und Empathie zeigen, sind für die Zukunft der Menschheit unverzichtbar. Sie erkennen, dass eine verfeinerte Art des Denkens und Handelns notwendig ist, damit die Menschheit eine nachhaltige Zukunft hat.
Ende der großen Katharsis
Unsere technologischen Fortschritte dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns als Menschheit noch in der gleichen Entwicklungsphase befinden wie vor 2000 oder 3000 Jahren. Außerdem gilt: Was heute als Fortschritt gilt, wird in tausend Jahren primitiv erscheinen.
Vielleicht endet diese Phase, die man als „große Katharsis“ bezeichnen könnte, in den nächsten Jahrhunderten. Die Pessimisten glauben, dass ein letzter großer Krieg – ein globaler Atomkrieg – diesen Wandel einleiten wird. In diesem Szenario vernichtet sich die Menschheit fast vollständig und erhebt sich anschließend geläutert und weiser aus der Asche.
Optimisten hingegen hoffen auf einen Bewusstseinssprung, der die Menschheit kollektiv zu reiferen Wesen macht. Ob eines dieser Szenarien eintritt oder die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass Entwicklungen oft anders verlaufen, als wir sie vorhersehen.
Zukunft braucht Veränderung
Im Prinzip ist also alles offen. Doch wir müssen dringend unser Verhalten ändern. Andernfalls könnten die düsteren Prognosen wahr werden – und das ist kein Schicksal, dem wir uns ergeben müssen.
Die Lösung des Problems: Wir müssen unsere Möglichkeiten endlich wahrnehmen und einsehen, dass die Welt nur deshalb ein Ort der Kriege, des Elends, der Armut, der Ausbeutung und des Hungers ist, weil wir sie dazu machen.
Diese Mentalität ist für eine globale Zukunft unbrauchbar. Um unser Verhalten zu ändern, müssen wir zuerst verstehen, dass wir Erdenbürger sind – keine Nationen, keine Konkurrenten, keine bloßen Wirtschaftsteilnehmer. Nur dann kann eine echte Transformation gelingen.
Angst und Traumatisierung

Fast alles Elend in unserer Welt ist auf unsere Abneigung gegen das Teilen zurückzuführen. Unsere Angst, zu kurz zu kommen, animiert uns zur Anhäufung von Vorräten, die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Wir sind traumatisiert und leiden unter der ständigen Angst, nicht genug zu haben. Das erinnert an einen Hund, der gierig sein Fressen runterschlingt, weil er befürchtet, man könnte es ihm wieder wegnehmen.
Wahrscheinlich ist dieser Trieb zur übermäßigen Anhäufung von Vorräten (bzw. Reichtum) ein Erbe unserer archaischen Vergangenheit, eine mental-genetische Disposition, unter der die gesamte Menschheit leidet.
Keine Notwendigkeit mehr zur übermäßigen Anhäufung
In der Steinzeit und bestimmt auch noch im Mittelalter war es sinnvoll, mehr Vorräte als nötig zu besitzen, denn wir wussten nie, was das nächste Jahr bringt. Wir konnten auf die Bedürfnisse fremder Menschen selten Rücksicht nehmen, denn es war schon schwierig genug, die eigenen zu befriedigen.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Wir sind dem Willkürcharakter der Natur weitestgehend nicht mehr ausgeliefert wie noch im Mittelalter, in der Steinzeit oder in prähistorischen Zeiten.
Wir können heute unsere Umwelt gestalten und haben großen Einfluss auf unsere Ernteerträge. Wir haben die Möglichkeit, den Überfluss der einen Region an andere mit Unterversorgung weiterzuleiten. In keinem Land der Erde müssten heute noch Menschen hungern oder im Elend leben, während in anderen Teilen Überfluss und Verschwendung herrschen. Ist so etwas der Fall, dann nur, weil wir es zulassen: Es kümmert uns nicht.
Faule Ausreden und Gleichgültigkeit
Die reichen Länder könnten, ohne darunter zu leiden, ihre Überschüsse an die armen weiterleiten, denn diese Lebensmittel werden aus marktpolitischen Gründen sowieso oft vernichtet – was obendrein auch noch Geld kostet.
Anstatt Geld zur Lebensmittelvernichtung auszugeben, könnten wir es nutzen, um unsere überflüssigen Lebensmittel dorthin zu bringen, wo sie dringend gebraucht werden.
Doch das interessiert uns nicht, denn damit lässt sich kein Geld verdienen. Das wissen wir zwar auch, sprechen es aber nicht aus. Stattdessen behaupten wir, das Verschenken von Lebensmitteln an arme Länder wäre aus logistischen Gründen nicht möglich oder würde an internationalen Ausfuhrbestimmungen oder ähnlichen Hemmnissen scheitern.
Das ist natürlich eine Ausrede, denn wenn uns wirklich etwas daran läge, dass die Menschen in anderen Ländern nicht hungern, fänden wir auch Wege. Doch wir tun es nicht, weil uns die Menschheit als Ganzes egal ist. Hauptsache, wir haben alles, was wir brauchen. Außerdem mögen wir die Vorstellung nicht, andere „durchzufüttern“.
Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit der verantwortlichen Mächte
Doch es kommt noch schlimmer: Viele der Missstände in Ländern der sogenannten Dritten Welt sind direkt oder indirekt auf die Wirtschaftspolitik der westlichen Staaten und unser Konsumverhalten zurückzuführen. Auch das wissen wir mehr oder weniger alle.
Wir wissen nicht, wie die afrikanischen Länder sich entwickelt hätten und heute aussähen, hätten die europäischen Staaten sie in ihrer Kolonialzeit nicht ausgeplündert. Viele Millionen der besten und kräftigsten Arbeiter wurden entführt und als Sklaven nach Amerika verschifft. Zusätzlich zwang man ihnen eine Religion auf (das Christentum), die ihrem mentalen Naturell widersprach. All das hat Afrikas Entwicklungsweg vergiftet und sich in seine Seele eingebrannt, worunter dieser Kontinent heute immer noch leidet.
Ausbeutung der Dritten Welt
Die westlichen, reichen Industriestaaten toben sich seit Jahrhunderten auf dem Rücken der armen Länder aus. Diese müssen sich das gefallen lassen und können sich gegen die dreisten Übergriffe der transnationalen Konzerne nicht wehren, denn auch in Afrika gibt es genug korrupte Beamte, die sich bestechen lassen.
Wir lassen in den Drittweltländern T‑Shirts, Hosen und andere Verbrauchsgüter produzieren, weil die Lohnkosten dort so niedrig sind, dass sie fast ohne Bedeutung sind. Wir wissen, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen dort von ihren Hungerlöhnen nicht leben können und die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig sind. Doch wir tun so, als läge das nicht in unserer Verantwortung, als ginge es uns nichts an.
Die Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Staaten ist jedoch nur deshalb so katastrophal, weil unser Konsum der dort hergestellten Produkte dieses System der Ausbeutung möglich macht und aufrechterhält. Würden wir uns weigern, diese Produkte zu kaufen, würde dieses Modell der modernen Sklaverei nicht funktionieren. Dann hätten wir vielleicht weniger Klamotten in unseren Schränken – aber immer noch genug.
Ausplünderung und Ausverkauf der Rohstoff
Einige unserer großen Konzerne und Unternehmen lassen von der einheimischen Bevölkerung in den Drittweltländern wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Lithium oder Nickel abbauen – aber auch Edelmetalle und Edelsteine. Obwohl diese Länder durch ihre Bodenschätze eigentlich reich sein sollten, ist die Bevölkerung dort oft bitterarm.
Natürlich liegt das auch an den korrupten Regierungen dieser Länder. Doch die Autobauer, Batterie‑, Handy- und Computerhersteller der Industrieländer arbeiten Hand in Hand mit diesen Regierungen. Dabei sind sie nicht gezwungen, mit korrupten Eliten zusammenzuarbeiten, sondern könnten Wege finden, die dafür sorgen, dass die Arbeiter anständig bezahlt werden und auch die Länder als Ganzes von ihren Ressourcen profitieren.
Doch daran besteht kein Interesse, denn alles, worum es den Konzernen geht, ist, die Kosten für diese wichtigen Materialien so niedrig wie möglich zu halten.
Mangelhafte Zivilcourage
Als Konsumenten könnten wir auf die Straße gehen, dagegen protestieren und durch Konsumverweigerung die Konzerne dazu zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Doch wir wissen auch, dass unsere Hightech-Spielzeuge dann teurer würden – und genau deshalb ist es uns egal.
Und wenn unsere Computer und Handys dann kaputt sind oder nicht mehr dem Standard entsprechen, schicken wir unseren giftigen Elektroschrott in diese Länder zurück. Dort vergiftet er nicht nur die Umwelt, sondern auch die Menschen, die ihn unter katastrophalen Bedingungen recyceln müssen.
Gleichgültigkeit und Geschäftstüchtigkeit
Ein weiteres augenfälliges Merkmal unserer mangelnden Empathie sind unsere Waffenexporte an despotische Regierungen. Wir wissen, dass mit diesen Waffen die Bevölkerung brutal unterdrückt wird.
Doch unsere verantwortlichen Regierungsmitglieder, die diese Exporte genehmigen, haben hierfür eine zynische Ausrede parat: Es könne nicht bewiesen werden, dass mit diesen Waffen die Bevölkerung unterdrückt werde. Die despotischen Regierungen würden dafür andere Waffen benutzen. Ein Stopp der Waffenlieferungen würde an der Situation der Bevölkerung nichts ändern, heißt es. Diese Argumentation zeigt, dass uns die Menschen in anderen Ländern völlig egal sind, solange die Geschäfte gut laufen.
Unser mangelhaftes, ja oft völlig fehlendes Interesse an der Situation anderer ist größtenteils für all diese Missstände verantwortlich. Das Leben fremder Menschen „interessiert“ uns nur dann, wenn wir davon profitieren.
Heuchelei und Vorteilssicherung
Unser Interesse für die Belange anderer ist meistens vorgetäuscht und dient zur persönlichen Vorteilssicherung. Wir benutzen andere Menschen und deren Situationen für unsere eigenen egoistischen Ziele und sind dabei sehr geschickt darin, diese Tatsache zu verschleiern.
Wir gaukeln Anteilnahme vor – in Wirklichkeit ist es Geschäftstüchtigkeit. Das ist die Strategie, mit der wir seit Jahrtausenden erfolgreich sind. Doch, wie bereits erwähnt, wird sie nicht geeignet sein, die Welt des 3. Jahrtausends zu gestalten.
Noch sind wir gewohnheitsmäßig davon überzeugt, dass wir – als Einzelne und als Nationen – nur im erbarmungslosen Konkurrenzkampf eine Chance haben. Dieser Glaube lebt von der Gier und der Angst, übervorteilt zu werden, von der Angst, zu kurz zu kommen.
Wir wollen Freundschaft, ohne dabei unseren persönlichen Vorteil aufs Spiel zu setzen. Unsere Freundschaften, besonders die internationalen, sind Partnerschaften, Allianzen oder Föderationen, die von gemeinsamen Interessen am Leben gehalten werden. Verschwinden diese, verschwindet auch die Freundschaft.
Fazit:
Die westlichen Länder haben durch koloniale Raubzüge einen Wohlstand aufgebaut, der bis heute anhält. Doch wir sehen uns nicht in der Verantwortung, etwas zurückzugeben. Schuldgefühle? Fehlanzeige. Und unsere Politiker scheuen sich, das Thema offen anzusprechen – aus Angst, Wählerstimmen zu verlieren.
Es ist bequemer, die Armut in Afrika als selbst verschuldet darzustellen. Dabei ignorieren wir, dass viele Konflikte und die Misswirtschaft dort direkte Folgen der Kolonialzeit sind.
Hilfsorganisationen vermitteln uns das Gefühl, etwas zu tun. Doch häufig fehlt ihnen die Fähigkeit, langfristige Lösungen zu schaffen. Manchmal zementieren sie sogar ungewollt die bestehenden Strukturen.
Die westlichen Industrienationen könnten tatsächlich etwas verändern – durch gerechte Handelsabkommen, Bildungshilfen oder Technologietransfer. Doch solche Maßnahmen erfolgen nur in homöopathischen Dosen, weil es nicht im Interesse der Mächtigen liegt, diese Länder wirklich unabhängig und stark zu machen.
Die Medien preisen die Großzügigkeit der reichen Nationen. Doch oft verfolgen diese nur ihre eigenen Interessen. Entwicklungshilfe wird nicht selten in Form von Krediten gewährt, die die Empfänger in Abhängigkeit halten. Großzügigkeit entpuppt sich als Geschäftsmodell.
Spendenaufrufe setzen auf emotionale Inszenierungen. Sie zeigen Bilder verhungernder Kinder, die Betroffenheit wecken – aber selten ein Verständnis für die wahren Ursachen der Probleme.
Wir geben vor, Anteilnahme zu zeigen, doch oft ist es bloß Geschäftstüchtigkeit. Selbst bei Naturkatastrophen wird Hilfe so inszeniert, dass sie Vorteile für die Geberländer bringt. Unsere vermeintliche Großzügigkeit ist eine Maskerade, hinter der sich knallharte Interessen verbergen.
Solange wir unsere Prioritäten nicht überdenken, wird sich nichts ändern. Armut und Ungerechtigkeit verschwinden nicht von allein, während wir an überholten Verhaltensmustern festhalten. Der Wandel beginnt nicht bei politischen Maßnahmen, sondern bei einem Bewusstseinswandel in jedem Einzelnen von uns.
Wir sind eine Menschheit, und diese Einsicht sollte unser Handeln bestimmen. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist keine Naturgegebenheit, sondern ein Ergebnis unserer Ignoranz und Bequemlichkeit.
Es ist an der Zeit, die Verantwortung zu übernehmen und aufzuhören, uns hinter Ausreden zu verstecken. Wenn wir wirklich wollen, dass alle Menschen auf diesem Planeten ein würdevolles Leben führen können, liegt es in unserer Macht, das zu ermöglichen.
Hallo zusammen…
dies ist eine sehr interressnte Phillosophie, die ich persönlich sehr, sehr schätze.
Ich finde, das Religionen und Ideologieen eine Erfindungen des Menschen ist…
Soetwas gibt es in der Flora und Fauna auf unserer Erde nicht.
Deshalb sind Religionen und Ideologieen der Menschheitsgeschichte aus meiner Sicht die Ursachen für Hass, Gewalt, Konflikte, Kriege, Unterdrückung, Armut und Reichtum, u.s.w.
Dies führt früher oder später dazu, dass sch die Menschheit selber abschaffen wird!!