Das Böse ist immer unbewusst

Das Böse ist immer unbewusst


Bewusst böse handeln ist unmöglich

 

Handeln wir böse, ist uns das nur möglich, weil wir NICHT bewusst sind.

 
Eine Straße, die nass glänzt, an den Seiten schwarzen Bäumen und Büschen Wirklich bewusste Menschen können gar nicht böse handeln. Unbewusstheit ist eine Voraussetzung für böses Tun. Und wir sind nicht deshalb bewusst, weil wir glauben es zu sein. Sich selbst Bewusstheit zu attestieren, ist ein Trick, mit dem wir uns (wiederum unbewusst) darüber hinwegtäuscht, dass wir gar nicht verstanden haben, was Bewusstsein bedeutet.

Es gibt »das Böse« in der klassischen Definition nicht. Es gibt nur von Menschen verübte schreckliche Taten, die möglich sind, weil wir nicht wirklich wissen, was wir tun.
Die Taten selbst sind zwar beabsichtigt, doch absichtliches Handeln setzt nicht zwingend Bewusstheit voraus, denn Wissen ist nicht mit Bewusstsein gleichzusetzen. Beabsichtigtes Handeln muss die tiefer liegenden Hintergründe nicht kennen. Wir handeln oft mit Absicht und wissen trotzdem nicht, was wir tun, was unsere verborgenen Beweggründe sind. Oft wird uns das erst nach der Tat klar.

Selbstverständlich ist Unbewusstheit nicht mit Böse gleichzusetzen. Bloß weil ein Mensch unbewusst ist, handelt er nicht automatisch böse. Wir alle sind mehr oder weniger unbewusst. Unbewusstheit ist nur das »Tor«, das zu dem führen kann, was wir dann das »das Böse« nennen. Böses entsteht, sobald Unbewusstheit mit Destruktivität gepaart wird.

Kampf zwischen Gut und Böse

Der »Kampf zwischen Gut und Böse« ist ein Kampf zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein.

Eine gute Analogie ist die Beziehung zwischen hell und dunkel: Wir können Dunkelheit nicht erzeugen, sondern Dunkelheit bleibt zurück, wenn das Licht verschwindet. Schalten wir die Lichtquelle aus, gibt es kein Licht mehr, und diese Abwesenheit nennen wir Dunkelheit. Genauso ist es auch mit dem Unbewussten: Wir können es nicht erzeugen, indem wir etwas hinzutun, sondern es bleibt zurück, weil wir etwas wegnehmen.

Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein, ist daher nicht wirklich ein Kampf. Ein Kampf ist eine Auseinandersetzung, ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Gegnern, bei dem unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Das ist beim Kampf zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein nicht möglich, da die »Fraktion Unbewusstsein« keine aus sich selbst heraus existierende Größe ist, denn dazu müsste sie absichtsgesteuert sein, was Bewusstsein voraussetzt. Das Unbewusste kann aber kein Bewusstsein haben, da es sich wesensbedingt durch die Abwesenheit desselben definiert. Es ist sich seiner Existenz nicht bewusst, das Bewusste jedoch schon. Es gibt genauso wenig das bewusste Unbewusste, wie das gute Böse, das helle Dunkle oder das trockene Nasse.

 

Böse ist die Abwesenheit von Gut

Da das Böse also nur eine destruktive Ausdrucksform von Unbewusstsein ist, gibt es das Böse genauso wenig, wie das Unbewusste. Unbewusstsein ist nur die Abwesenheit von Bewusstsein, Böse nur die Abwesenheit von Gut – also nicht sein Gegenspieler. Wie Erich Kästner so treffend sagte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das Gute ist eine bewusste, kreative, schöpferische Intension, die aufrechterhalten werden muss, damit sie nicht verblasst.

Verschwindet das Bewusstsein, verschwindet auch das Gute, beispielsweise die absichtliche Gestaltung und Aufrechterhaltung einer friedlichen und freundlichen Welt. Je bewusster wir sind, desto mehr liegt uns eine solche Welt am Herzen. Der sogenannte Kampf zwischen Gut und Böse ist in Wahrheit also ein Bewusstwerdungsprozess, der sich bereits seit über Jahrmillionen erstreckt.
 

Handeln wir böse, bringen wir damit unsere Unbewusstheit zum Ausdruck. Unser unbewusstes Handeln hat einen monströs-destruktiven Charakter, mit dem wir andere und letztendlich uns selbst schaden.

 
Diese Definition soll das Böse nicht verharmlosen, nach dem Motto: „Böses ist ja nur Unbewusstsein – wir können nichts dafür, wenn wir böse handeln.“ Das wäre Quatsch! Unbewusstheit ist zwar ein Ausdruck von seelischer Unreife (für die wir normalerweise nichts können), unsere Unreife ist allerdings auch oft selbst verschuldet – künstlich! Wir wollen oft nichts wissen, weil Unwissenheit bequem ist. Wissen ist für uns manchmal eine Bürde, der wir gerne ausweichen.

Wenn wir so tun (bewusst oder unbewusst), als wäre das Böse eine externe oder interne Macht (beispielsweise Dämonen oder animalische Triebe), der wir ausgeliefert sind, schieben wir die Verantwortung für unser destruktives Handeln von uns. Doch das wird nicht immer funktionieren und sich irgendwann rächen.