Unser Denken ist erstarrt


Es heißt ja oft, das Leben ist ein Fluss. Und da unser Denken ein Bestandteil des Lebens ist, sollte es ebenfalls fließen, sich verändern, bewegen, entwickeln. Doch die meisten von uns verändern ihre Meinungen und Einstellungen, die sie in ihrer Jugend erworben haben, ihr ganzes Leben lang nicht oder nur minimal. Es findet keine Weiterentwicklung, sondern nur eine Festigung statt.

Eine steinige Küstenlandschaft, an einem kalten Morgen

Manchmal wird uns im Erwachsenenalter bewusst, dass unser bisheriges Leben nicht das ist, das wir eigentlich führen wollen. Wir haben uns den Konventionen angepasst, aus Unreife, Unsicherheit oder Unwissenheit, doch unbewusst oder im Verborgenen leiden wir unter der Situation. Jetzt, da wir etwas reifer sind, wird uns das klar und wir beginnen unser Leben zu verändern, schütteln die überflüssigen oder falschen Gewohnheiten und Konditionen ab und beginnen unser Leben in bestimmten Bereichen neu zu gestalten.
Doch ohne es zu merken, machen wir dabei den gleichen Fehler, den wir gerade glaubten, abgelegen: Wir ersetzen die alten Konditionen durch neue, die nun ebenfalls erstarren und zu einer unreflektierten Gewohnheit werden. Wir denken, wir hätten uns verändert, doch in Wirklichkeit hat sich nur unsere Position verschoben. Ein Beispiel: Ein Atheist wird zum Theisten, oder ein Theist zum Atheisten. Wir denken, unsere Lebenseinstellung ist jetzt grundsätzlich eine andere. In Wirklichkeit haben wir bloß unsere momentanen Vorlieben gewechselt.

Unser Denken ist kein Fluss, sondern nur ein Teich, der keinen Zufluss und keinen Abfluss besitzt.

Und ein solcher Teich wird schnell zu einem Tümpel, der auch mal stinken kann. Dieses Bild beschreibt unseren Verstand wirklich sehr treffend: Unsere Gedanken regenerieren sich nicht, und etwas, das sich nicht ständig erneuert und auffrischt, wird faul und degeneriert mit der Zeit. Es ist wie bei der „Reinrassigkeit“ oder der Selbstreproduktion: Ohne neue Impulse enden beide in Stagnation.

Ein Nische in einem Felsen, wie ein geheimnisvoller Eingang.

Eine Generation sollte stets eine Weiterentwicklung der vorangegangenen sein. Doch oft sind unsere Gedanken nur Klone, Eins-zu-eins-Kopien der Gedanken unserer Eltern und Lehrer, deren Gedanken größtenteils selbst Kopien waren. Wenn unsere Gedanken sich doch einmal ändern, dann nach dem Prinzip der zufälligen, unbewussten Mutation. Doch in der Zukunft werden wir unser Denken bewusst verändern müssen. Wir werden in unserer Kindheit nicht animiert, eigene Gedanken zu entwickeln und genauso wenig fördern wir bei unseren Kindern neues, eigenständiges Denken. Deshalb schreitet die Weiterentwicklung der Menschheit nur sehr zäh und langsam voran, beinahe unmerklich.
Als Nebeneffekt erzeugt diese Langsamkeit Kontinuität in der Weiterentwicklung der Menschheit, verhindert also ihre Überhastung. Denn alles, was sich unnatürlich schnell entwickelt, droht unter der eigenen Last zusammenzubrechen. Die Menschheit entwickelt sich nur in dem Tempo weiter, das die schwächsten Glieder unserer Gesellschaften akzeptieren können. Das sind die Menschen, die ein konventionelles, konservatives Leben führen, aber auch die gewalttätigen, aggressiven und räuberischen Menschen. Doch auch hier gilt: Dieses Prinzip gehört der Vergangenheit an und ist für die Zukunft nicht tauglich.


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