Selbstkritik


Konditioniertes Denken erkennen

Klug ist es, das eigene Denken kritisch zu betrachten. Oft übernehmen die Gedanken von anderen, ohne es zu wissen. Wir glauben eigenständig zu denken und eine eigene Meinung zu haben, doch in Wirklichkeit wurden wir programmiert.

Diese Programmierung fand meistens nicht bewusst statt, denn sie ist Bestandteil unserer Erziehung. Wir lernen in unseren jungen Jahren unkritisch und sind auch später in bestimmten Phasen und zu bestimmten Zeiten unseres Lebens beeinflussbar. Deswegen empfiehlt es sich, als Erwachsen ein gesundes Mistrauen gegenüber den eigenen Meinungen zu entwickeln. Die Kritik an den eigenen Gedanken ist ein persönliches Tabu. Das ist schade!Eine dunkle, blau-graue Struktur, wie ein Sturm über einer felsigen Küste.Als Kinder ist es uns nur eingeschränkt möglich, Sinnhaftes und Sinnloses voneinander zu trennen, denn uns fehlt die Erfahrung, die zur Beurteilung von Informationen nötig ist. Fast alles, was die Erwachsenen uns sagen, glauben wir, selbst wenn es völliger Blödsinn ist. Viele dieser Unsinnigkeiten tragen wir dann in unser Erwachsenenleben hinein und verinnerlichen es. Dann sind wir kaum noch in der Lage uns davon zu trennen, selbst wenn wir ahnen, dass unsere Meinungen und Ansichten nur Vorurteile und Ideologien sind. Diese Konditionierungen lassen unsere angeborene Fähigkeit zum kreativen Denken verkümmern.

Klug ist es also, unser eigenes Denken auf Authentizität zu überprüfen.

Beurteilung der eigenen Gedanken

Das ist nicht leicht, denn nach welchen Kriterien sollen wir dabei vorgehen? Es gibt jedoch eine einfache Technik, die wir hierfür benutzen können: Zuerst ignorieren wir alles, was wir zu wissen glauben. Dieses Kunststück muss uns gelingen. Wir verschieben unser Wissen bildlich gesprochen aus unserem Hauptspeicher in den Papierkorb. Dann holen wir unsere Ansichten einzeln wieder hervor, legen sie in den Zwischenspeicher und prüfen sie anhand folgender Fragen:

Woher weiß ich das?
Was bedeutet es für mich, so zu denken? Warum gefallen mir diese Gedanken?
Habe ich das wirklich erlebt oder beobachtet, ist das meine eigene Erfahrung?
Ist es wirklich zwingend, wie ich in dieser Angelegenheit denke?
Was wäre, wenn es anders ist und was würde das für mich bedeuten?
Was weiß ich wirklich darüber?

Eine grüne, plastische Form mit Löschern, vor einem weißen, rötlich leuchtenden Hintergrund.Anhand solcher und ähnlicher Fragen betrachten wir unsere Meinungen und Überzeugungen. Sind wir wirklich daran interessiert, werden wir ein paar finden, die eigentlich gar nicht unsere sind. Vielleicht erkennen wir sogar, dass fast alles, was wir denken und glauben einen fremden Ursprung hat. Und wenn uns wirklich etwas daran liegt, können wir es ablegen. Wie gesagt, natürlich ist das schwer, denn es kostet uns einen Teil unserer Identität, die im Laufe vieler Jahre entstanden ist. Es kommt auf uns an: Wir müssen es wirklich wollen – das ist die Voraussetzung.
Gelingt uns das, werden wir uns verändern. Zukünftige neue Meinungen vertreten wir authentisch, da es wirklich unsere sind. Wir können uns zwar nie sicher sein, uns nicht zu irren, doch dieses Risiko ist eine der Voraussetzungen für Kreativität. Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Meinungen zu ändern oder zu relativieren, ohne uns als widersprüchlich zu empfinden. Wir können sagen:

Meiner Meinung nach verhält es sich in dieser Angelegenheit so und so, ich könnte mich aber irren. Wenn es falsch ist, habe ich kein Problem damit, denn ich weiß, ich befinde mich in einer Entwicklung, die wahrscheinlich kein Ende hat.

Wir sind nicht mehr daran interessiert, eine Meinung zu haben, nur weil andere sie haben. Wir sind unabhängig und neugierig und wollen die Dinge entdecken und erfahren. Wir wissen jetzt wovon wir reden und fühlen uns deshalb sicher und wohl. Und wir haben Verständnis für die Meinungen anderer und können lebendiger mit ihnen diskutieren, ohne uns persönlich angegriffen zu fühlen, wenn man nicht so denkt wie wir. Wir sind erwachsen.


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