Kategorien des Nichts


Zurzeit sind mir vier Kategorien des Nichts bekannt.

Die Ebenen des Nichts

Kategorien CharakterPolarität
ScheinbarkeitirrtümlichTraum - Realität
AbwesenheitrealGewinn - Verlust
AssoziationspekulativHeiterkeit - Trauer
Realitätnicht-existentLiebe - Angst

Das scheinbare Nichts

Manchmal wird das Vakuum als Nichts bezeichnen. Wissenschaftler sprechen vom physikalischen Nichts. Pragmatisch betrachtet ist das Vakuum jedoch kein Nichts. Man kann das Vakuum als „Ausdehnung ohne Substanz“ bezeichnen, Materie hingegen als „Ausdehnung mit Substanz“. Beide Ausdehnungsarten sind ein Etwas. Das Nichts des Vakuums ist also nur eine Art der optischen Täuschung. Da wir gewohnt sind, mit einem Etwas immer auch etwas Anfassbares zu verbinden, kommt uns das Vakuum wie ein Nichts vor. Doch obwohl das Vakuum keine Substanz besitzt, besteht es nicht aus nichts, denn wir können es ja wahrnehmen. Wir können es „sehen“ denn es besitzt bestimmte Dimensionen (Höhe, Breite, Tiefe). Dieser leere Raum, der nichts anderes enthält als sich selbst, ist etwas: eben eine Region der Ausdehnung ohne Substanz. Das Vakuum als Nichts zu bezeichnen, ist demnach ein Trugschluss.

Das Abwesenheits-Nichts

Dies ist die »Alltagsexistenz« des Nichts, wie es jeder kennt: Ein Gegenstand ist verschwunden, er ist nicht dort, wo er eigentlich hätte sein sollen. Dort, wo etwas sein sollte, ist nichts (außer der luftgefüllte Raum). Wir erleben dieses Nichts im Alltag ganz real, es besitzt feste Stellenwerte in unseren Leben. Existent sind die Dinge für uns nur dann, wenn wir über sie verfügen können oder wir in einer Beziehung zu ihnen stehen.
 
Dass es Gegenstände oder auch Menschen plötzlich nicht mehr gibt (sie verschwunden sind), ist normal für uns. Wir können davon profitieren, wenn etwas nicht mehr existiert (beispielsweise Schulden). Wenn unser Auto plötzlich weg ist (für uns also nicht mehr existiert), haben wir jedoch einen Verlust. Das Abwesenheits-Nichts besitzt also einen pragmatischen Charakter, und wir betrachten es – wenn überhaupt – nur selten unter philosophischen Gesichtspunkten. Es ist banal.

Das assoziative Nichts

Das assoziative Nichts ist das Nichts, von dem meistens die Rede ist, wenn über das Nichts philosophiert wird. Es hat einen hypothetischen, spekulativen Charakter und ist stark abhängig von der Person, die sich mit ihm beschäftigt. Das ist wichtig: Die Existenz des assoziativen Nichts steht und fällt mit der Aufmerksamkeit, die wir ihm schenken. Obwohl das Nichts nicht existiert, können wir es trotzdem assoziieren oder imaginieren, wenn auch nur nebelhaft. Durch diese Imagination erfährt das Nichts eine Statuierung. Wir machen ein Phänomen aus unserer (eigentlich fiktiven) Assoziation und so das Nichts zu einem Etwas.
 
Der Grund dafür ist: Wir können uns kein Nichts vorstellen, sondern nur ein Etwas! Wenn wir uns also ein Nichts vorstellen, dann in Form eines Etwas. Aus diesem Grund kann unser Versuch, mittels Assoziation dem Wesen und Verständnis des Nichts näherzukommen, nur verfälschte Ergebnisse hervorbringen.
 
Nur weil wir fähig sind, uns etwas vorzustellen, muss das Ergebnis unserer Vorstellung nicht auch Sinn ergeben. Davon gehen wir jedoch aus: „Ich kann es mit vorstellen, also muss auch etwas dran sein“, denken wir.

Das reale Nichts

Das reale Nichts ist das wahre Nichts. Nicht-Existenz ist ein besserer Ausdruck dafür. Im Gegensatz zum Abwesenheits-Nichts, das mit einem potenziell realen Etwas interagiert (indem es anzeigt, dass etwas weg ist), hat die Nicht-Existenz keinerlei Beziehung zu irgendetwas. Während dem assoziativen Nichts noch ein gewisser Energiewert (beispielsweise negative Energie) oder Lokalisation („außerhalb“ des Universums) zugeschrieben werden kann, ist das reale Nichts vollkommen energielos. Es kann nicht assoziiert werden, es kann nicht in Relation zu irgendetwas gesetzt werden. Deswegen gibt es nichts, was man über das reale Nichts, die reine Nicht-Existenz, sagen kann.


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