Intellektualität


Intellektualität und Progressivität

Der Gegenpol zum bürgerlichen Menschen ist der intellektuelle oder progressiv denkende Mensch. Er ist deutlich in der Minderheit und befasst sich gern mit allem Möglichen: Er experimentiert, probiert neue Wege aus, philosophiert, hat eine ausgeprägte Fantasie, ist manchmal sprunghaft und grenzüberschreitend. Er geht (im Gegensatz zum bürgerlichen Menschen) Wagnisse ein. Der progressive Mensch will manchmal die Gesellschaft verändern, denn er weiß, vieles in ihr ist verbesserungsbedürftig.

Allerdings kann es ihm am nötigen Einfühlungsvermögen fehlen. Er sieht nicht immer, was machbar ist und mutet der Gesellschaft Veränderungen zu, zu der diese nicht (oder noch nicht) bereit ist. Er versteht oft nicht oder will nicht einsehen, dass eine Veränderung nur realisierbar ist, wenn sie möglichst viele Menschen gemeinsam anstreben. Ohne es zu merken, bevormundet er die bürgerliche Welt. Deswegen kommt es oft zu Missverständnissen.
Ein flammenähnliches Gebilde, das sich explosionsartig auszubreiten schein. Als bürgerliche, konservative Menschen fehlt uns oft das Verständnis für notwendige Veränderungen. Uns genügt ein Leben, wie wir es gewohnt sind, denn Veränderungen empfinden wir als Störung unserer Alltagsroutinen, als Unordnung. Und ohne Ordnung finden wir uns im Leben als bürgerliche Menschen nur schlecht zurecht. Dem progressiven Menschen hingegen kann es nicht schnell genug gehen. Und aufgrund dieser Diskrepanz entstehen dann Konflikte.
 

Die Wechselwirkung der Pole »Stabilität durch Tradition« und »Veränderung durch Weiterentwicklung«, bestimmt die Dynamik einer gesellschaftlichen Entwicklung. Sie wirken aufeinander ein: Die bürgerliche, konservative Fraktion bremst den mitunter überhasteten Entwicklungsdrang der progressiven, intellektuellen Fraktion auf ein moderates Tempo ab. Die progressive Fraktion hingegen weicht die Lethargie der bürgerlichen langsam auf, sodass diese sich schließlich doch ein bisschen bewegt.

Der progressive Entwicklungsdrang wirkt allerdings nur deshalb überhastet, weil uns als bürgerliche Menschen das Bewusstsein für die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen fehlt. Die bürgerliche Fraktion ist der Hemmschuh jeder Entwicklung. Vielleicht 80 bis 90 Prozent aller Menschen gehören ihr an und diese Tatsache darf nicht ignoriert werden. Der bürgerliche Mensch ist das schwächste Glied in einer Gesellschaft, obwohl er die Mehrheit bildet und die Struktur trägt. Und das schwächste Glied bestimmt nun mal das Tempo einer Bewegung. Mit diesem Handicap müssen wir leben.

Bürgerlichkeit überwinden

Wollen wir uns als Menschheit weiterentwickeln, zukunftstauglich werden, müssen wir jedoch unbedingt unsere Bürgerlichkeit überwinden. Denn mit dem traditionellen, konservativen Menschentyp wird sich keine Zukunft gestalten lassen, denn die Anforderungen dieser Zukunft sind traditionsfeindlich.

Ein heller, lichtdurchfluteter, aber enger Raum.Wir müssen neue Wege finden, unsere Gewohnheiten ablegen, unsere Wahrnehmung ändern. Das Hauptaugenmerk der meisten Menschen ist bis heute: So wie es ist, so soll es bleiben. Das Hauptaugenmerk für die Zukunft muss stattdessen sein: So wie es bisher ist, darf es nicht mehr sein. Und das ist mit dem bürgerlichen Typ nicht zu machen. Deshalb ist es schwer vorherzusagen, wie eine solche Wende im Denken der Menschen aussehen könnte. Wahrscheinlich wird es ein langer Prozess sein, wie er in der Geschichte schon oft stattgefunden hat. Verkürzt und stark vereinfacht ausgedrückt ist die Lösung aber simpel: Wir müssen uns als Individuen emanzipieren und unseren Herdentrieb ablegen!

Noch bestimmen unsere Ängste und Vorurteile zu großen Teilen unser Denken und Tun. Unsere Ängste und Vorurteile sitzen tief und hindern uns daran, unsere Konventionen und Traditionen kritisch zu betrachten. Das Überwinden dieser Handicaps ist demnach eine wichtige Voraussetzung für unsere Transformation vom bürgerlichen zum emanzipierten Menschen. Dieser Prozess kann noch sehr lange andauern, denn normalerweise machen wir nichts freiwillig. Erst wenn das Leben uns stößt, bewegen wir uns und lassen Veränderung zu. Und Emanzipation kann nur selbstbestimmt geschehen – andernfalls ist sie keine.


Für die Zukunft braucht die Menschheit einen offenen, emanzipierten Verstand und Geist. Die Menschen der Zukunft müssen aufgeklärt und vorurteilsfrei sein. Entscheidungen, die in der Zukunft globale Auswirkungen besitzen, dürfen nicht von einem angst- und vorurteilsbehafteten Gemüt gefällt werden. Das bürgerliche Gemüt muss also aussterben, damit wir als Menschheit eine Zukunft haben.


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