Wissen oder Glauben


Grenzen des Glaubens

Wir leben oft in dem Glauben, wissend im Recht zu sein, und liegen in Wirklichkeit total daneben.

Eine blau-braune Struktur, wie eine Landschaft von oben

Ich habe natürlich nichts gegen das Glauben. Das wäre auch albern. An eine Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit zu glauben, gehört genauso zum Leben, wie von einer Tatsache zu wissen. Manche Dinge können wir wissen – und wissen sie deswegen auch. Andere können wir nicht wissen, und wenn sie uns wichtig sind, müssen wir sie glauben. Es ist jedoch besser, nur dann etwas zu glaubt, wenn es nötig ist. Das nachfolgende, etwas umständliche Beispiel, soll meine Behauptung verdeutlichen:

Ich habe mein Auto an einer ganz bestimmten Stelle geparkt. Ich weiß, dass ich es gestern Abend dort abgestellt habe. Deshalb bin ich davon überzeugt, es steht jetzt noch dort. Warum sollte ich etwas anderes annehmen? Doch: Dieses Wissen ist kein wirkliches Wissen! Denn mein Auto könnte inzwischen woanders sein, zum Beispiel, weil es gestohlen oder abgeschleppt wurde. Das ist selbstverständlich unwahrscheinlich und mit ziemlicher Sicherheit werde ich mein Auto dort, wo ich es gestern zurückgelassen habe, heute wiederfinden. Wissen werde ich es allerdings erst dann, sobald ich davor stehe.

Es ist schon vorgekommen und passiert immer wieder: Dort wo das Auto am Abend stand, steht es am nächsten Morgen nicht mehr, eben weil es gestohlen oder abgeschleppt wurde: Wir glaubten also nur zu wissen, wo unser Auto steht.

Eine blau-grün-weiße Struktur, wie ein Ozean, in dem ein Auge eingebunden ist.

Die Vorstellungswelt aufbrechen

Es bedeutet demnach nicht viel, davon überzeugt zu sein, etwas zu wissen. Das, was uns als Wissen erscheint, ist oft nur eine Annahme, die aufgrund unzureichender Informationen zustande kam. Und da uns diese Einschränkung nicht bewusst ist, haben wir keinen Grund, an unserem vermeintlich definitiven Wissen zu zweifeln. Solange uns der Diebstahl des Autos nicht bekannt ist, erscheint uns unsere Überzeugung als Wissen, obwohl sie das zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr ist! Unser Wissen ist oft nur eine Illusion!

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir aufhören sollen, uns auf unser Gefühl und unsere Annahmen zu verlassen. Das wäre dumm. Es ist jedoch besser, wenn wir uns von unseren Überzeugungen nicht abhängig machen.

In Alltagsdingen ist das aber nicht so wichtig. Irrtümer passieren! Sie gehört zum Leben und können uns hin und wieder erfrischende, regenerierende Impulse geben.

Bei weltbewegenden und fundamentalen Fragen sollten wir uns allerdings zurückhalten und unsere Überzeugungen und unseren Glauben mit Abstand betrachten. Das hält uns offen, macht uns beweglich im Geist und im Denken und verhindert die Stagnation und Fanatisierung unserer Entwicklung.
Doch wir sind in unserer vordefinierten Vorstellungswelt gefangen. Diese müssen wir unbedingt aufbrechen, wenn wir kreative, emanzipierte und verantwortungsvolle Menschen werden wollen.


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