Jeder hat den Durchblick


Schuld haben immer die anderen

Eine braun-rötlich Struktur, aus der drei Zapfen herauswachsenWir denken oft, die Zusammenhänge in der Welt zu kennen und zu durchschauen. Wir halten uns für intelligent und sind der Meinung, einen gesunden Menschenverstand zu besitzen. Wer die Welt nicht so wahrnimmt wie wir, dem sprechen wir diese Eigenschaft meistens ab. Oft lassen wir nur unsere eigene Meinung gelten und sehen allein die Schwächen, Unzulänglichkeiten und Fehler der anderen. Besonders oft verhalten wir uns so, wenn wir einen niedrigen Bildungsstand besitzen. Selten sagen wir:

„Ich bin der Spinner, ich bin der Idiot, ich bin korrupt und unehrlich, ich habe keine Ahnung oder könnte mich irren.“ Stattdessen sagen wir alle: „Die anderen sind Idioten, Spinner, korrupt, unehrlich, haben keine Ahnung oder irren sich.“

Und da das mehr oder weniger jeder macht, bewegen wir uns nicht aufeinander zu, sondern auseinander. Diese Tatsache ist für den üblen Zustand der Welt mitverantwortlich.

Die Anderen sind wir

Dunkle, farbige Linien und Flächen, schwungvoll verwobenDoch diese ständigen gegenseitigen Schuldzuweisungen behindern uns nur. Solange jeder die Schuld und Verantwortung für die Missstände in der Welt allein bei anderen, besonders fremden Menschen sieht, aber nie bei sich selbst, bewegt sich nichts. Die Welt ist in der Tat ein »Planet der Dummen«, denn nur dumme Menschen schieben die Verantwortung ständig von sich weg. Das behindert und verhindert die Weiterentwicklung des Einzelnen und damit auch die der Gesellschaft und letztendlich der Menschheit. Weiterentwicklung bedeutet auch Veränderung – und Veränderung verlangt, sich von alten Gewohnheiten zu lösen. Dieser Vorgang wiederum erzeugt Ängste und Verlustgefühle. Wir fürchten, unsere Identität zu verlieren, die doch letztendlich nur eine Illusion ist.

Wir brauchen unsere Gewohnheiten und Traditionen, um zu wissen, wer wir sind, damit wir im Alltag reibungslos funktionieren. Doch solange wir auf eine fast schon neurotische Art an ihnen festhalten, werden wir uns nicht ändern, das heißt: weiterentwickeln.

Eine alte und wichtige Tradition ist die gegenseitige Schuldzuweisung. Wir sind es gewohnt, die Verantwortung beim anderen sehen, wir sind unfähig, unsere eigenen Fehler als Fehler einzustufen, selbst wenn wir von ihnen wissen. Unter dieser Unfähigkeit leiden nicht nur wir, sondern auch »die anderen«. Diese Anderen sind aber wir selbst – doch das ist uns nicht bewusst. Mir anderen Worten: mehr oder weniger die gesamte Menschheit.

Unsere Gewohnheiten schützen uns vor der Erkenntnis, dass wir unser Leben ändern müssen. Deshalb pflegen wir sie leidenschaftlich und streiten vehement ab, ihre Marionetten zu sein. Wir gaukeln uns vor, frei zu sein – das ist auch eine alte Tradition.

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