Warum Atheismus auch ein Glaube ist


Unterschiedliche Atheismusformen

Wäre der Atheismus kein Glaube, könnte es keine unterschiedlichen Atheismusformen geben. Denn warum sollte man das Nichtglauben an einen Gott ausdifferenzieren?

„Mein Atheismus ist richtiger oder besser als deiner.“ Oder: „Diese Atheismusform gefällt mir am besten.“ Solche oder ähnliche Aussagen zeugen davon, dass viele Atheisten nicht wirklich verstehen, was Nichtglauben bedeutet.

Gott kann es nur auf eine Art nicht geben: Es gibt ihn nicht!

Eine kubistische, abstrakte Bleistiftzeichnung in Pastellfarben.

Doch solange es Atheisten möglich ist, auf unterschiedliche Arten nicht an Gott glauben, ist ihr Nichtglaube subjektiv und das bedeutet, er ist genau wie der Theismus eine Glaubensform, wenn auch keine klar erkennbare. Atheismus beansprucht für sich das Attribut der Objektivität. Das widerspricht den unterschiedlichen Atheismusformen.

Atheist A sagt: „Ich glaube auf die logisch-metaphysische Art nicht an Gott“, und Atheist B sagt: „Ich glaube auf die postulatorische Art nicht an Gott.“ Mindestens einer der beiden irrt sich demnach, das heißt, er glaubt nur, dass Gott auf die von ihm bevorzugt Art nicht existiert. Denn beide können schließlich nicht recht haben. Atheismus ist daher nicht objektiv.

Glaubt man an die Existenz Gottes, kann man sich trotzdem uneinig sein, wie diese Existenz beschaffen ist. Eine Nichtexistenz kann es jedoch nicht auf unterschiedliche Weisen geben.

Daraus folgt: Atheisten sind Menschen, die nicht an Gott glauben wollen oder können. Das ist natürlich sehr gut! Sie weigern sich jedoch, diesen Umstand anzuerkennen, und um ihn zu verschleiern (hauptsächlich vor sich selbst), übernehmen oder entwickeln sie Philosophien, Theorien, Strategien oder Rhetoriken, mit deren Hilfe sie ihrem Nichtglauben an Gott einen rationalen und wissenschaftlichen Anstrich geben, der in den diversen Atheismusformen ihren Ausdruck findet. Jeder tut das auf eine andere Art, abhängig von seinem intellektuellen Gemüt. Es gibt aus den gleichen Gründen unterschiedliche Theismusformen, wie unterschiedliche Atheismusformen: unterschiedliche intellektuelle Gemüter, unterschiedliche Herangehensweisen an das »Phänomen Existenz«. Verschiedene Atheismusformen entlarven den Atheismus also als Glauben.


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4 thoughts on “Warum Atheismus auch ein Glaube ist

  1. Nein eben nicht, Atheismus ist eine beweisbare Tatsache. Alle Religionen definieren ihren jeweiligen Gott als allmächtiges Schöpferwesen.
    „Allmächtigkeit“ steht im Widerspruch zu den Naturgesetzen, die unveränderbar sind. Naturgesetze sind jedoch mit astronomischer Sicherheit nachweisbar, und mehr geht nicht!
    Der „Schöpfer“ des ersten Lebens hätte in jedem Fall schon vor dem Schöpfungsakt existieren müssen, wäre also selbst das „erste Leben“ gewesen. Jenes hätte nicht durch Schöpfungsakt entstanden sein können.
    So viel zum Thema in Kürze.

    1. Ich habe nicht geschrieben, dass es keinen Atheismus gibt! Ich schreibe nur über den Atheismus, das ist alles. Und ich zeige die Parallelen zwischen Atheismus und Theismus auf, mehr nicht.

      Das was du schreibst, ist sicherlich richtig – es hat nur mit dem, worum es auf dieser Seite geht, nichts zu tun! Auf meiner Glaubenssystemseite schreibe ich zum Thema Theismus ähnliche Sachen wie du.

      Zum Thema »Beweisbarkeit«: Definiere »Beweisbarkeit«. Jeder redet schnell und gern davon – doch das ist keine Kunst: das kann jeder. Doch beweise mal wirklich, dass es keinen Schöpfergott gibt! Beweisen kann man das nicht, obwohl das Schöpfergottkonzept völlig absurd und auch infantil ist! Aber das ist nur eine Nebensächlichkeit, auf die es nicht ankommt. Dieser Schöpfergott, an den die Theisten glauben, würde natürlich den Naturgesetzen nicht unterliegen, da seine „Wohnstatt“ wohl außerhalb des wahrnehmbaren, der Kausalität unterliegenden Universums liegen würde. Das ist kein Gedanke, der schwer zu assoziieren ist. Jeder Versuch, die Existenz von Gott mit Logik zu widerlegen, ist deshalb von vorherein zum Scheitern verurteilt. Stattdessen sollten wir die Absurdität des Schöpfergottkonzepts aufzeigen, das doch letztendlich nichts anderes ist, als ein archaischer Welterklärungsversuch.

      Worum es auf dieser Seite geht: Allein die Tatsache, dass es unterschiedliche Atheismusformen gibt, also unterschiedliche Arten, auf die Atheisten nicht an Gott glauben, entlarvt den Atheismus als Glauben. Daran ist nichts Schlimmes. Doch wenn zwei Atheisten sich streiten können, auf welche Art es Gott nicht gibt, stimmt etwas mit der wissenschaftlichen Objektivität des Atheismus nicht. Denn Objektivität schließt unterschiedlichen Sichtweisen aus, sonst wäre sie nicht objektiv.

      Der Atheismus ist zusehr emotional aufgeladen. Und außerdem zu abhängig vom Theismus. Es gibt auch eine Beziehung zwischen den beiden, sie brauchen sich gegenseitig. Weder Theismus noch Atheismus sind also emanzipiert.

      Ich selbst bin weder Theist noch Atheist noch Agnostiker oder sonst irgendetwas, denn es ist nicht nötig, sich irgendwie zu positionieren.

      Verstehe mich bitte richtig: Ich bin nicht gegen den Atheismus, sondern für ihn. Ich bin jedoch der Meinung, dass der Atheismus noch unreif ist. Er geht nicht weit genug und ist nur eine teilweise emotionale Gegenreaktion auf den Theismus. Gegenreaktionen erlahmen aber mit der Zeit … Es reicht also nicht aus, Atheist zu sein.

      Und manchmal sind Atheisten einfach nur verhinderte Theisten …

  2. Die Lautmalerei eines Wortes ist für mich – seit der Kindheit – sehr wichtig.

    Ich wusste nicht, was Atheismus ist, fragte auch niemanden darnach, weil mir die Lautmalerei nicht gefiel, sie als sehr hart empfand.

    Daran musste ich denken, als ich eine Szene im französischen Film „Chocolat“ sah.
    Zwei Schuljungen schauen sehr neugierig durch die engen Lücken des hölzernen Gartenzauns
    auf die dort arbeitende Mutter einer neuen Schulkameradin. Einer der Jungs flüstert sehr betont:
    „Sie ist eine Atheistin!“ Der andere fragt: „Was ist das?“ und bekommt die Antwort:
    „Das weiß ich doch auch nicht!“
    Am nächsten Schultag kommt das Mädchen heim und will es wissen, weil sie so genannt worden ist und zwar ohne Freundlichkei
    ….

  3. Neben meinem jahrzehntewährigem Interesse für Geschichte ist Beschäftigung mit Sprachwissenschaft zu meinem Hobby geworden, obwohl ich die entsprechende Magisterarbeit meiner Tochter fast gar nicht verstanden habe!
    Also jetzt die Frage der Terminologie: Was meinen wir denn, wenn wir die vier Buchstaben „g“ „o“ „t“ „t“
    hintereinander niederschreiben?
    Es sind Assoziationen aus der Kindheit, sagt Michael aufrichtig.

    Und ich denke das auch und ließ sie fallen, was sehr früh begann, als die Bibel mir als Kind Schrecken einjagte.

    Und jetzt meine ich, dass der Begriff “ d a s Gott “ das sagt, was ich glaube.
    Die Tatsache, dass sich Wahrheit immer herauskristallisiert, dass eine geheimnisvolle Ordnung in allem vermeintlichen Chaos steckt, dass die Liebe ahnt, nein sogar sehr genau weiß,
    dass es nach unserem Sterben weitergeht, dass die leichten und schweren Lernprozesse meiner Mitmenschen, aber auch der Völker voller Sinn sind, dass es dabei zu Semestern in der Eliteuniversität des Leides kommen kann und das aus guten Gründen.

    Ich möchte übrigens absolut gar nicht, dass es nach meinem Sterben irgendwie weitergeht, aber ich weiß es.
    Mit dem Ahnungsbuch und Gottesvorstellungen der Bibel und des Korans habe ich nichts mehr zu tun.

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