Denationalisierung


Eine Zukunft ohne Nationen

Eine grüne, plastische Form mit Löschern, vor einem weißen, rötlich leuchtenden Hintergrund.Eine wichtige Voraussetzung für eine freundlichere zukünftige Welt ist also die Auflösung oder Aufweichung der nationalen Identität und die gleichzeitige Herausbildung einer globalen, man könnte auch sagen »irdischen Identität«. Wir müssen lernen, uns als »Terraner« zu verstehen, denn nationale Egozentrik ist genauso schädlich wie individuelle. Diesen Prozess könnte man als Denationalisierung bezeichnen. Wir müssen lernen, uns mehr als Erdenbürger zu verstehen und weniger als Argentinier, Inder oder Deutsche. Dies wird eingeleitet durch die Emanzipation der Individualität.

Individualität wird fälschlicherweise oft mit Egoismus gleichgesetzt, der übersteigerten Ich-Zentrierung des Bewusstseins.

Man hat uns gelehrt, unsere Individualität nicht wichtig zu nehmen. „Du bist nichts, dein Land ist alles“, ist ein Spruch, der besonders in stark national geprägten Ländern den Kindern gerne beigebracht wird. Glauben wir das, hindern wir uns daran, selbstbestimmte, selbstbewusste und eigenverantwortliche Menschen zu werden.
Doch auch der Begriff »Emanzipation« wird oft fälschlich verstanden oder interpretiert, häufig sogar mutwillig. Heutzutage wenden wir den Ausdruck Emanzipation überwiegend auf die „Frauenbefreiungsbewegung“ an. Von Männern wird er oft in diskriminierender Weise benutzt, um Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, lächerlich zu machen.

Emanzipation bedeutet nichts anderes als »Selbstbefreiung« oder »Mündigwerdung«. Und nichts braucht die Welt mehr, als mündige Bürger, denn diese sind die Voraussetzung für eine friedlichere Welt.

Eine Landschaft, in weiß-blaue-grauen Farben, über die ein Sturm tobt.Weichen wir unsere nationale Identität zugunsten unserer persönlichen auf, bedeutet das natürlich nicht, dass wir aufhören, Afrikaner oder Europäer zu sein – das geht innerhalb weniger Generationen sowieso nicht. Unsere zufällige nationale Zugehörigkeit darf unsere einmalige individuelle Identität aber nicht überdecken beziehungsweise korrumpieren. Sie darf uns nicht vergessen lassen, dass wir in erster Linie Menschen sind. Deswegen ist die Individualisierung ein vorausgehender Aspekt zur Denationalisierung.

Verstehen wir uns nicht mehr vordergründig als Chinesen, Franzosen, Juden oder Brasilianer, sondern als Menschen, die gemeinsam diesen Planeten bewohnen, wird es uns leichter fallen, fremde Menschen als gleichwertig anzuerkennen.

Die »Emanzipation der Individualität« bedeutet nun, sich nicht mehr als isoliertes Wesen zu verstehen, das sich im Konkurrenzkampf behaupten muss, um zu überleben. Wir sind zwar alle Individuen und es ist wichtig, unsere individuellen Merkmale zu kennen, herausarbeiten und zu kultivieren. Wir dürfen unsere Individualität jedoch nicht als Abgrenzung zu anderen Menschen verstehen, sondern als Ausdruck der Vielfältigkeit des Lebens. Wollen wir unsere Individualität emanzipieren, müssen wir ein wirkliches Erwachsenenbewusstsein entwickeln, denn meistens hat unser Bewusstsein als Erwachsene noch stark infantile Züge.

Oft sind wir bloß Jugendliche in einem Erwachsenenkörper und von den Möglichkeiten berauscht, die wir haben: Wir toben uns aus und holen all das nach, was uns in unserer Jugend und Kindheit verboten war. Doch unser Gemüt ist nach wie vor das eines unreifen Kindes.

Die Emanzipation der Indivitualitaet

Ein wirkliches Erwachsenenbewusstsein zu haben heißt zu wissen, dass vieles von dem, was wir in unserer Jugend und Kindheit gelernt haben, unreif oder auch falsch ist. Zwar glauben wir die Unreife unserer Jugend und Kindheit überwunden zu haben, doch das ist nur zum Teil der Fall. Die Vorurteile und Glaubenssysteme, die wir von unseren Eltern und Lehrern übernommen haben, legen wir auch nach Beendigung unserer Jugend meistens nicht ab. Ganz im Gegenteil: Oft verinnerlichen wir sie in späteren Jahren noch mit Absicht.

Unser individueller Reifungsprozess darf daher nicht mit dem Eintritt in die Volljährigkeit enden – was leider viel zu oft der Fall ist! Denn ein echtes Erwachsenenbewusstsein weiß: Der individuelle Entwicklungsprozess endet niemals, auch im hohen Alter nicht.

Eine halbtransparente Struktur, wie ein zerrissener Schleier, durch den Figuren zu sehen sind.Unsere derzeitige Individualität ist höchstens eine kollektive Individualität, eine Pauschal- oder Scheinindividualität. Denn ein wirkliches Individuum wird sich nicht als Amerikaner, Portugiese oder Australier empfinden, sondern als Mensch, der zufällig in der Region geboren wurde, die wir Amerika, Portugal oder Australien nennen, zwangsläufig die dortige Landessprache spricht und zwangsläufig an die Kultur dieser Region gewöhnt ist. Ein solcher Mensch weiß von der Beliebigkeit der eigenen Sprache und Kultur, die keine tiefere oder wahrhaftigere Natur besitzt als andere. Er definiert sich nicht als Russe, Nigerianer oder Inder, sondern als Menschen, der mit anderen Menschen auf diesem Planeten lebt.
Ähnlich ist es bei Nationen. Keine Nation ist wertvoller oder bedeutender als eine andere. Nationen besitzen individuelle, unterschiedliche Erscheinungsformen, Menschen ebenfalls. Menschen haben unterschiedliche Farben, Körpergrößen oder Lebensstile, Nationen unterschiedliche Kulturen, Sprachen oder Religionen. Darüber hinaus sind die meisten Nationen im Wesentlichen alle ähnlich: Sie alle bestehen aus Menschen, die lachen, weinen, essen, schlafen, leben und sterben und meistens ein Leben in Frieden und Freundlichkeit anstreben. Und es ist Aufgabe aller Nationen dies zu erkennen, um sich auf globaler Ebene vereinen zu können. Anders wird die Menschheit wohl keine Zukunft haben.


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