Defensive Gewalt


Verteidigende Gewalt ist legitim

Eine rot-grüne, abstrakte Struktur, entfernt an eine Blume erinnernd.

Natürlich wissen wir das – trotzdem wird zwischen aggressiver und defensiver Gewalt nicht immer unterschieden. Es gibt idealistische Gewaltgegner, die jede Form von Gewalt grundsätzlich ablehnen und im Extremfall sich lieber totschlagen lassen würden, als sich mit Gewalt zu wehren, nach dem Motto: »Wenn man sich gegen einen Angriff nicht wehrt, verliert der Angreifer schnell die Lust an seiner Gewalt.« Diese Theorie findet jedoch sehr selten eine Bestätigung. Deswegen ist es nötig, auf den Unterschied zwischen defensiver und aggressiver Gewalt hinzuweisen.

Defensive Gewalt – wie der Name schon sagt – ist die Gewalt, die zur Abwehr irgendwelcher Angriffe dient. Wird ein Mensch angegriffen und hat er keine Möglichkeit, dem Angriff zu entgehen (beispielsweise indem er flüchtet), kann er diesen Angriff oft nur abwehren, indem er das tut, was der Angreifer bereits macht: Gewalttätig sein. Diese Gewalt ist eine reine Schutzmaßnahme. Folgendes Beispiel verdeutlicht das:

Angenommen, jemand steht unter oder neben einem Baum, von dem plötzlich ein Ast abbricht und der Person auf den Kopf zu fallen droht. Erkennt die Person rechtzeitig, dass ihr die Zeit fehlt, dem Ast auszuweichen, wird sie wahrscheinlich instinktiv einen Arm in die Höhe reißen um den herabstürzenden Ast abwehren. Sie hat dadurch Hautabschürfungen am Arm, doch der Kopf bleibt unverletzt.

Vergleichen kann man dieses Bild mit einer Faust, die herangesaust kommt, um einer Person ins Gesicht zu schlagen. Diese Person macht jetzt das Gleiche wie die Person unter dem Baum: Da sie dem Schlag nicht ausweichen kann, blockt sie ihn ab. Belässt der Angreifer es nicht bei diesem einen Schlag, beginnt der Angegriffene jetzt selbst den Angreifer zu attackieren, denn auf Dauer wird es ihm nicht gelingen, die Schläge abzublocken.

Der Angreifer wendet aggressive Gewalt an und der Verteidiger defensive. Diese defensive Gewalt hat die Funktion, die Gewalt des Angreifers unschädlich zu machen und kann mit der »funktionellen Gewalt« verglichen werden.

Eine leuchtend grüne Abstraktion, die an einen wild gewachsenen Haufen Kristalle erinnert.Beendet der Angreifer seine Gewaltattacke, beendet der Angegriffene normalerweise seine Abwehrmaßnahme. Umgekehrt gilt das nicht: Verteidigt der Angegriffene sich nicht oder nicht mehr, bedeutet das nicht, dass der Angreifer seinen Angriff stoppt. Möglicherweise animiert ihn das sogar, seinen Angriff zu verstärken. Defensive Gewalt hat somit einen völlig anderen Charakter als die aggressive. Sie dient allein zur Schadenabwendung, nicht zur Schadenerzeugung. Erzeugt sie dennoch Schaden, geschieht das unbeabsichtigt.

Vom Verteidiger kann nicht erwartet werden, dass er bei der Durchführung seiner Abwehrmaßnahmen auf die Interessen des Angreifers Rücksicht nimmt. Das wäre absurd.

Der Angreifer hat nicht das Recht, den Verteidiger für eventuell erlittene Verletzungen verantwortlich zu machen. Die Verletzungen, die der Angreifer davonträgt, sind das Resultat seines Angriffes. Ohne seinen Angriff wäre er nicht verletzt worden.
Defensive Gewalt ist daher legitim und kann als pazifistisch gelten, da sie nur zum Einsatz kommt, wenn es gilt, einen Schaden abzuwenden. Ohne aggressive Gewalt gibt es keine defensive Gewalt. Die aggressive Gewalt existiert hingegen unabhängig von der defensiven, denn es wäre unsinnig zu sagen: „Weil du dich verteidigst, muss ich die angreifen.“


Nächste Seite zum Thema GEWALT: ⇒⇒

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.