Grundlagen der Ausbeutung


Grundlagen der Ausbeutung

Gewalt und Nötigung sind die Prämissen einer jeden Ausbeutung in der Menschenwelt. Denn freiwillig lässt sich niemand ausbeuten. Im Folgenden werden die Techniken der Ausbeutung kurz dargestellt. Sie sind meistens abhängig vom Zeitalter und der Kultur.

Gewalt

Eine blau-grau-braune Fläche, fein-strukturiert mit vielen dünnen Rissen.

Damit ein Mensch einen anderen Menschen ausbeuten kann, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. Die erste und wichtigste ist wohl der Gewaltfaktor. Die ursprünglichste und einfachste Form der Ausbeutung ist demnach die klassische Sklaverei, die auf das angebliche Recht des Stärkeren gründet. Menschen, die schwächer oder in der Minderzahl waren oder sind, wurden oder werden kurzerhand in Gefangenschaft genommen und mit der Androhung sie zu töten, zum Arbeiten gezwungen. Das war und ist ganz simpel, da diese Form der Ausbeutung dem Ausbeuter keinerlei Raffinesse in seiner Vorgehensweise abverlangt.

Nötigung

Eine andere Form von Ausbeutung ist die, mit der der Ausgebeutete vom Ausbeuter in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht wird. Der Ausgebeutete wird jetzt nicht mehr mit Gewalt und Todesandrohung zum Arbeiten gezwungen. Der Ausgebeutete ist in einer Notlage: Er hat kein Geld, nichts zu essen, und da er nicht verhungern und auf der Straße leben will, sieht er sich gezwungen unten den Bedingungen, die ihm sein Arbeitgeber vorschreibt, Arbeiten auszuführen. Der Arbeitgeber weiß, der Arbeiter hat keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen, und zahlt ihm deswegen nur so viel, wie dieser unbedingt zum Leben und damit zur Aufrechterhaltung seiner Arbeitskraft braucht. Die Arbeiter werden also nicht deswegen schlecht bezahlt, weil sie nicht besser bezahlt werden könnten (was die Arbeitgeber den Arbeitnehmern gerne suggeriert), sondern weil die Arbeitgeber es nicht nötig haben.

Durch den niedrigen Lohn nimmt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer außerdem die Möglichkeit, sich aus dem Abhängigkeitsverhältnis zu befreien, denn dafür bräuchte er Zeit und mehr Geld.

Manipulation und Konditionierung

Eine braun-rot-gelbe Fläche, mit sehr rauer Struktur.

Eine weitere Form der Ausbeutung basiert auf subtile Manipulation und Täuschung. Sie ist die modernste aller Ausbeutungsformen, was jedoch nicht bedeutet, dass es sie in früheren Zeiten nicht auch gegeben hat.
Dem Ausgebeuteten wird suggeriert, Herr über sein eigenes Leben zu sein. Er glaubt, seine Bedürfnisse, Meinungen und sein Lebensstil werden von ihm selbst bestimmt. Das ist die Form von Ausbeutung, wie sie heutzutage in den meisten Ländern, besonders den westlichen demokratischen Industriestaaten, vorherrscht.

Sprüche wie »Schuster, bleib bei deinen Leisten«, »Handwerk hat goldenen Boden« oder »Ehrlichkeit währt am längsten« sind Ausdruck dieser Einstellung. Indem die Ausgebeuteten diese Sprüche verinnerlichen, ihren Sinn zur Tradition machen und so an ihre Kinder weitergeben, sind sie jetzt zum Teil selbst für ihre Situation verantwortlich. Ausbeutung wird von den Ausgebeuteten nicht mehr als Ausbeutung empfunden.

Wir werden von Geburt an konditioniert, zu glauben, davon überzeugt zu sein, dass das Leben aus bestimmten Sinninhalten besteht. Diese Sinninhalte sind in erster Linie: Arbeit und Konsum. Arbeit (besser gesagt: Fremdarbeit) verstehen wir oft als notwendiges Übel, wir finden uns damit ab, arrangieren uns mit dem Umstand zur Fremdarbeit gezwungen zu sein, und sind sogar in der Lage, aus dieser unausgesprochenen Hassbeziehung eine Tugend zu machen.

eine bunte futuristische Landschaft, aus der Ferne betrachtet.

Den Konsum hingegen nehmen wir oft gar nicht richtig wahr, denn es gibt überflüssigen und notwendigen Konsum und es ist nicht immer leicht, zwischen beiden Arten zu unterscheiden. Der Konsum, der hilft, unser Leben zu erhalten, ist notwendig (zum Beispiel Nahrung und Kleidung). Der Konsum, mit dem wir unser Leben »bereichern« (zum Beispiel Unterhaltung und Freizeitgestaltung) ist nicht zwingend notwendig, doch hilfreich, wenn es gilt, ein einfaches Arbeiterleben über Jahrzehnte hinweg auszuhalten.
Wir unterscheiden aber in vielen Fällen nicht zwischen diesen beiden Arten, da sie sich überschneiden können. Außerdem wird unsere Aufmerksamkeit und Energie fast ganz von unseren privaten Problemen vereinnahmt, um erkennen zu können, dass unser Leben größtenteils daraus besteht, irgendwelche Produkte zu konsumieren oder irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.

Der Trick bei der Ausbeutungsart »Manipulation und Konditionierung« besteht darin, uns glauben zu lassen, dass all das normal ist, Arbeit und Konsum natürlich und notwendig sind, weil nur so »die Welt am Laufen gehalten« werden kann. Man hat uns dazu gebracht, diese Abhängigkeiten von Arbeit und Konsum als den Sinn und Zweck unseres Lebens zu verstehen und auch zu verteidigen, wenn er angegriffen wird.

Das bedeutet, diese Art der Ausbeutung ist ein Selbstläufer. Sie muss nicht (wie beispielsweise die Sklaverei) mit Gewalt aufrechterhalten werden. Die Ausgebeuteten beanspruchen sogar ein Recht auf Arbeit. Sarkastisch ausgedrückt kann man sagen, sie beanspruchen ein »Recht darauf, ausgebeutet zu werden«. Der parallel verlaufende ständige Konsum irgendwelcher Verbrauchsgüter unterstützt dieses Verhalten, denn vor lauter Arbeiten und Konsumieren merken wir nicht, dass unser Leben auch anders sein könnte. Wir werden in die Arbeits- und Konsumwelt hineingeboren und empfinden sie als natürliche Tradition, weil wir nichts anderes kennen.


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