Welt der ungenutzten Möglichkeiten


Wir haben alle Möglichkeiten, die Welt friedlich und freundlich zu gestalten. Stattdessen gibt es jede Menge Elend, Gewalt, Kriege, krasse Ausbeutung und Ähnliches mehr auf diesem Planeten.

Woran liegt das? Warum gelingt es uns nicht, eine Welt zu gestalten, ohne Kriege, Elend, Gewalt und Hunger? Alles, was wir dafür benötigen, ist doch im Übermaß vorhanden: Trinkwasser, fruchtbarer Boden, Mineralien, Erze sowie andere wichtige Ressourcen.
Ein poröser schwarzer Gegenstand, wie ein Stein, der rot und weiß angestrichen ist.Unser Planet besitzt ein günstiges Mischklima: Warme und heiße, kalte und sehr kalte, trockene und feuchte Zonen umspannen den Erdball. Sie sind der Motor zur ständigen Regeneration der Erdatmosphäre. Nahrungsmangel müsste es nicht geben, denn es gibt mehr als genug Anbauflächen, die hervorragend zur Lebensmittelproduktion geeignet sind. Wenn es trotzdem Nahrungs- und Wassermangel in Teilen der Welt gibt, liegt das nicht daran, dass wir eventuell zu wenig davon haben, sondern verschwenderisch damit umgehen, Verteilungsprobleme haben oder aus unterschiedlichen Gründen Profit- und Misswirtschaft damit betreiben.
Die für unsere Energiegewinnung wichtigen fossilen Rohstoffe Erdöl und Kohle erzeugen enorme Umweltverschmutzung und sind deshalb als zukünftige Energieträger ungeeignet. Wenn wir wollten, könnten wir bereits heute auf sie zur Energiegewinnung verzichten. Doch da sie nach wie vor ein gutes Geschäft sind, geben wir sie nicht auf. Die modernen Techniken zur Nutzung der umweltfreundlichen, regenerativen bzw. rohstoffunabhängigen Energiequellen (Wind, Wasser, Sonne, Wellen, Erdwärme) sind inzwischen weit entwickelt und im größeren Rahmen einsetzbar. Platzmangel gibt es ebenfalls nicht! Die Voraussetzungen sind somit gegeben. Eigentlich haben wir keine Gründe mehr uns zu streiten, gegenseitig zu bekämpfen, zu betrügen, auszunutzen oder umzubringen, denn für jeden ist genug da. Was ist also die Ursache für unsere Unfähigkeit, auf breiter Basis freundlich und friedlich miteinander auszukommen?

Kurz gesagt: Wir sind der Grund, denn in Wirklichkeit wollen wir gar keine umfassende, globale Friedlichkeit! Wir tun nur so, als würden wir sie wollen. Manchmal bezeichnen wir die Idee eines weltumspannenden Friedens als unrealistisch oder empfinden sie sogar als langweilig. Denn wir sind nicht bereit, das zu tun, was die Voraussetzung für eine solche Welt wäre: unser Verhalten zu ändern. Wir müssten unsere Gewohnheiten ablegen – doch das wollen wir nicht!

Unsere Unfähigkeit und unser Unwille sind demnach das Problem, und nicht die Wirtschafts- oder Gesellschaftssysteme. Denen geben wir jedoch gerne die Schuld. Doch Systeme und Institutionen sind nur so gut wie die Menschen, von denen sie erschaffen wurden.

Meine These lautet deshalb: Gäbe es ein Gesellschaftssystem, das ein friedliches und kreatives Zusammenleben aller Menschen garantiert oder erzwingt, hätte es sich schon längst im Laufe der Menschheitsgeschichte in irgendeinem Teil der Erde herauskristallisiert und von dort aus auf die gesamte Welt übertragen, denn das, was am besten funktioniert, setzt sich letztendlich auch durch.

ein bunter Lattenzaun, durch den transparent sowas wie eine Landschaft zu sehen ist.Die Natur (die Evolution) findet im Laufe der Zeit immer die beste und stabilste Lösung. Dieses Prinzip lässt sich auf die Menschenwelt übertragen (die nichts anderes ist, als eine weiterführende Evolution). Doch das ist nie geschehen, und deshalb scheint es ein solches System nicht zu geben. Offenbar liegt es an uns selbst, dass die Welt in einem so schrecklichen Zustand ist.
Wir dürfen auch nicht darauf warten, dass einmal ein Heil bringender Mann die Menschheit in eine bessere Zukunft führt. Wir müssen lernen, es selbst zu tun, und das geht nur, wenn wir uns ändern. Doch diese Erkenntnis ist unbequem und unbeliebt – folglich haben wir sie nur selten oder banalisieren sie.

Die Systeme sind nicht das Problem


Das Problem ist unser Verhalten

Die eigentlichen Probleme sind also nicht unsere Systeme. Die Probleme, die sich derzeit verstärkt zeigen (hohe Arbeitslosigkeit, Verarmung, soziale Verwahrlosung eines Teils der Jugend, daraus resultierende Nationalisierung und Fremdenhass (der in seinem Kern eigentlich Menschen- und Lebenshass ist), krasser werdende Ausbeutung und Ähnliches mehr), sind nur Symptome unseres widersprüchlichen Charakters, und nicht das Problem. Das Problem ist unser Verhalten:

Wir wollen alles haben, geben aber nur ungern.
Jeder glaubt, er weiß bescheid und hat den Durchblick.
Wir kritisieren die Fehler der anderen und sind blind für unsere eigenen.
Wir sind selten bereit, uns ehrlich aufeinander einzulassen.
Wir sind nur freundlich und großzügig, wenn wir es uns locker leisten können oder in irgendeiner Form davon profitieren.

Rot-gelbe Strukturen auf schwarzem Hintergrund wie FlammenNatürlich trifft das nicht auf alle Menschen zu, doch in der Tendenz stimmt es.
Und weil wir so sind, sind es auch unsere Systeme und Institutionen. Warum sollte es anders sein? Alles was wir erschaffen, spiegelt unsere innere Beschaffenheit wider. Ein ängstlicher, depressiver Künstler schafft beispielsweise keine fröhlichen, lebensbejahenden Kunstwerke und ein unbeschwerter, lebenslustiger Schriftsteller schreibt keine neurotischen Bücher. Und hinterlistige und egozentrische Menschen schaffen keine ehrlichen und menschenfreundlichen Systeme. Über einen Künstler, der fremde Einflüsse für die schlechte Qualität seiner Werke verantwortlich macht, schütteln wir wahrscheinlich verständnislos den Kopf. Doch der Gedanke, dass die Wirtschaft, die System oder unsere Politiker (also nicht wir) für den desolaten Zustand der Welt verantwortlich sind, gefällt uns. Wir verweigern die Verantwortung für unser direktes oder indirektes Tun, denn wir wollen uns unsere Unfähigkeit und unseren Unwillen nicht eingestehen müssen.

Unsere Systeme sind ein Spiegel

Nicht die Systeme haben uns so gemacht, wie wir sind (korrupt, verlogen, heuchlerisch, unbarmherzig, gleichgültig usw.), sondern wir die Systeme.

eine wandähnliche Struktur, mit Pastellfarben in Formen, Linien aufgetragen.Wir waren bereits schlecht drauf, bevor es sie gab. Wir sollten also aufhören, die Verantwortung zu leugnen, indem wir die Schuld an den Missständen in der Welt den Systemen, Minderheiten oder Eliten in Politik und Wirtschaft zuschieben.
Vielleicht wären sogar viele Systeme tauglich, doch solange wir nicht bereit sind, bedingungslos friedlich und freundlich miteinander zu leben, wird sich die Situation in der Welt nicht ändern. Darum sind wir dumm! Wir haben alle Möglichkeiten, nutzen sie aber nicht. Und um uns darüber hinwegzutäuschen, dass unser Unwille, unsere Dummheit und Gier die Ursachen für fast alles Elend auf diesem Planeten sind, finden wir ständig irgendwelche Ausreden und Sündenböcke: Kapitalismus, Kommunismus, Freie Marktwirtschaft, das Bankensystem, Neoliberalismus, Geheimbünde, Weltverschwörungen, Theismus, Atheismus aber auch … Ausländer, Juden und sogar Außerirdische. Allem geben wir die Schuld, absolut allem – nur uns nicht!

Hybris der Ideologien und Religionen


Ideologien sind geistige Gefängnisse

Es geht auch nicht darum, ein bürgerlicher Mensch oder ein Intellektueller zu sein, auch kein Atheist, Theist, Anarchist oder Demokrat. Denn diese Kategorien, mit denen wir uns oft nur oberflächlich etikettieren oder ausschmücken, sind alle relativ und bedeuten ohne eine konkrete Zuordnung und Interpretation sowieso kaum etwas.

Eine steinerne Struktur, wie buntes MamorNicht auf die bürgerliche, intellektuelle, theistische oder atheistische Sichtweise kommt es an, sondern ganz allein auf unser Verhalten. Ein intellektueller Mensch kann genauso destruktiv handeln wie ein bürgerlicher – und das gilt für alle „Kategorien“.
OOft glauben wir jedoch, nur eine bestimmte Ideologie oder Religion kann die Welt und das Geschehen in ihr in eine positive Richtung lenken. Theisten sagen, allein der Glaube an Gott kann die Welt retten, Intellektuellen ist die Aufklärung der Menschen das Wichtigste, Atheisten sehen das Wohl der Menschheit vielleicht im Materialismus oder für Anarchisten ist die Herrschaftslosigkeit die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme. Gleichzeitig sieht jede dieser Gruppen in ihrem direkten Gegenspieler den Grund für das Übel in der Welt: Für Theisten ist es die Gottlosigkeit, für Anarchisten die Bürgerlichkeit und für Intellektuelle ist die mangelhafte Bildung der Massen verantwortlich für das Übel in der Welt.

Diese Einstellung hindert uns zu erkennen, dass wir (als Einzelne und Gemeinschaften) für die Missstände in der Welt verantwortlich sind. Wir sind die Übeltäter in der Welt und nicht irgendwelche Ideologien oder Glaubenssysteme..

Religionen rationalisieren Leid

Leid wird fast immer von anderen Menschen erzeugt, und nicht von der Religion, Bürgerlichkeit oder Intellektualität. Diese sind »Werkzeuge«, die wir benutzten, um unsere eigene Destruktivität (meistens unbewusst) im Zaum zu halten, zu legitimieren oder zu kaschieren. Nicht die Bürgerlichkeit, Intellektualität, Religiosität oder Antireligiosität sind daher für den Zustand der Welt verantwortlich, sondern ganz allein unser Verhalten. Das muss immer wieder gesagt werden, denn es ist wichtig, diese Tatsache zu erkennen und nicht zu vergessen.

Darum ist es vollkommen egal, wie wir uns nennen, was wir glauben oder behaupten zu sein, denn nur auf unser Verhalten kommt es an. Doch dieses ist bisher ungeeignet zur Gestaltung einer friedlichen und freundlichen Welt.

Dass wir alle sosehr an unseren Ideologien und Glaubenssystemen festhalten, die letztendlich nur unsere Entwicklung behindern, zeigt: Friedlichkeit und Freundlichkeit sind gar nicht unsere obersten Prioritäten, obwohl wir das oft und gern behaupten und vielleicht auch glauben. Natürlich haben wir nichts gegen Friedlichkeit und Freundlichkeit – wichtiger ist uns allerdings der Glaube oder die politische Einstellung. Und für jeden ist der eigene Glaube oder die eigene Ideologie natürlich richtiger als andere.

Ideologien und Religionen fungieren als Alibi

Der Blick auf eine Landschaft im braun-gelben LichtBisher haben weder Religionen noch Systeme Friedlichkeit und Freundlichkeit dauerhaft hervorgebracht. In keinem Land! Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Religionen und Ideologien sind in vielen Fällen die Ursachen für Streitigkeiten, die Friedlichkeit und Freundlichkeit unmöglich machen. Denn alle Glaubenssysteme und Ideologien haben eine Eigenschaft gemeinsam: Sie differenzieren sich im Laufe der Zeit aus und aus einer ursprünglich einheitlichen Lehre entstehen im Lauf der Jahrzehnte oder Jahrhunderte unterschiedliche, die sich unter Umständen dann gegenseitig bekämpfen. Vor zweitausend Jahren gab es beispielsweise nur ein Christentum, inzwischen gibt es diverse christliche Konfessionen, die sich in einigen Fällen sogar im Krieg miteinander befinden oder befanden. Nicht anders ist es im Islam und im Hinduismus.
Oft sind diese Differenzen unwesentlich und trotzdem die Ursachen für schreckliches Leid. Das lässt vermuten, die eigentlichen Gründe für unsere religionsbedingten oder ideologischen Konflikte sind gar nicht die angeblichen Unvereinbarkeiten bestimmter religiöser oder politischer Inhalte.

Unsere religiösen und ideologischen Unterschiede dienen uns lediglich als Rechtfertigung für unser kriegerisches Gemüt. Provokant ausgedrückt: Wir brauchen Religionen und Ideologien, um Krieg führen zu können.

Eine schwarze, schwere, dichte Wolkenfront

Liebe zur Gewalt

Wir geben ungern zu, dass uns Gewalt gefällt. Deswegen schaffen wir unbewusst oder bewusst Umstände und Strukturen, die es uns erlauben, unsere Gewaltlust vor anderen und besonders vor uns selbst verstecken oder rechtfertigen zu können. Doch dieses Bild erklärt nur einen Teil unserer Gewaltbereitschaft oder Gewaltliebe. Denn wenn wir anderen Menschen Schlimmes antun, besitzen wir Macht, die es uns ermöglicht, die Bedeutungslosigkeit unserer Existenz zu vergessen oder zu übertünchen.

Die Welt braucht also keine Ideologien, Religionen oder Dogmen. Diese sind zur Friedensstiftung alle ungeeignet. Zur Friedlichkeit und Freundlichkeit können wir sowieso nur vorübergehend konditioniert oder animiert werden, denn die gelernte Friedlichkeit basiert meistens auf der Unterdrückung unserer destruktiven Impulse. Früher oder später brechen diese wieder hervor und richten dann vielleicht mehr Schaden an als zuvor.

Der einzige Erfolg versprechende Weg in eine bessere Welt scheint somit zu sein: Friedlichkeit und Freundlichkeit, weil wir Friedlichkeit und Freundlichkeit mögen!

Dummheit, Angst und Gier


Wir fürchten uns vor dem Leben

Sind wir nur aus Vernunftgründen friedlich und freundlich, wird es nicht funktionieren. Doch zu dieser Einsicht sind wir meistens nicht fähig, denn die wichtigsten Faktoren, die unser Verhalten bis heute bestimmen, sind Dummheit und Angst, wobei die Dummheit auch ein Resultat der Angst sein kann.

Eine dunkle Nacht, in der Ferne sind die Lichter seiner kleinen Siedlung zu sehenWir haben Angst, den Ansprüchen des Lebens nicht zu genügen. Wir haben Angst vor der Meinung anderer, die über uns lästern könnten, auch wenn wir es nicht zugeben, denn dieses unreife Verhalten ist uns peinlich. Wir haben Angst vor Veränderungen, denn diese bedeuten Unsicherheit. Der ständige Versuch, unseren Ansprüchen und dem gesellschaftlichen Leistungsdruck gerecht zu werden sowie die Angst, dabei zu versagen, machen uns angespannt. Darum verhalten wir uns oft dumm.

Diese Dummheit fördert unseren Hang zum Opportunismus, zur Heuchelei und Gier. Da uns aufgrund unserer permanent angespannten Lebenssituation Zeit und Kraft fehlen, uns mit den Anforderungen und Eindrücken des Lebens bewusst und kreativ auseinanderzusetzen, reagieren wir nur, ohne vorher und nachher nachzudenken.

Die gesellschaftlichen Konventionen sind uns wichtiger als unser Leben. Wir verleugnen unser inneres Sein ohne es zu merken, wenn wir uns lebenslang anpassen, verstecken oder Erfolgen hinterherlaufen, um möglichst reibungslos durchs Leben zu kommen. Wir sind selten couragiert und halten den Status quo aufrecht, indem wir uns weigern, über die alteingefahrenen Konventionen hinauszudenken.
Deswegen entwickeln wir uns lebenslang kaum weiter, denn der (selbst auferlegte) Stress und der Druck des gesellschaftlichen Lebens, nehmen uns den Raum für diese Möglichkeit. Letztendlich liegt es aber an uns selbst, denn wir unterwerfen uns diesen Regeln freiwillig. Es geschieht aus Bequemlichkeit und Gewohnheit.

Unsere Konditionen sind unsere Fesseln

Eine Landschaft, wie zerstört, am Horizont die Silhouette einer zerstörten Burg aus einem Hügel

Diese Website stellt das, was wir tun, denken und glauben in den Mittelpunkt, es thematisiert unser Verhalten im Alltag und beschäftigt sich mit unseren Unfähigkeiten und Dummheiten, unseren selbst verschuldeten entwicklungshemmenden Angewohnheiten und der Widersprüchlichkeit unserer Lebensansprüche. Die Betonung liegt auf »uns« oder »wir«, und nicht auf »den« oder »die«. Es wird also nicht zwischen »uns«, »den anderen«, »mir« oder »dir« unterschieden, denn letztlich sind wir alle austauschbar. Mit uns oder wir sind also wir alle gemeint: die Menschheit. Ich schließe mich bei dieser »Analyse« mit ein, denn ich bin nicht anders als alle anderen, obwohl ich viele der Dummheiten, die ich beschreibe, glaube erkannt zu haben und deshalb glaube, sie vermeiden zu können. Trotzdem konsumiere ich tagtäglich Güter, die ich pragmatisch betrachtet gar nicht brauche, mache aus Gewohnheit Dinge mit, die mich nicht wirklich interessieren und meine Entwicklung behindern, ohne dass ich es merke.

Es sind die Gewohnheiten, unsere Konditionierungen, die unser Leben bestimmen und von denen wir uns, aus Bequemlichkeit, Trägheit, Unwissenheit oder Gleichgültigkeit nicht trennen. Obwohl es sich in vielen Fällen nicht um schlimme Dummheiten handelt: In der Summe bekommen sie Gewicht. Und so geht es uns allen: Wir sind Sklaven unserer Gewohnheiten im Handeln und im Denken. Unsere Gewohnheiten hindern uns daran, aus unseren Alltags- und Lebensroutinen auszubrechen um ein selbstbestimmtes, frisches und kreatives Leben zu führen.
Auf dieser Website geht also um unsere Unfähigkeiten, unsere Handicaps, unsere »Dämonen«, die es uns so schwer machen, uns als Individuen und Gemeinschaften weiterzuentwickeln.

Katharsis der Menschenheit


Den Konkurrenzkampf beenden

Eine rot-weiß gescheckte Fläche mit Rissen und einer rauen StrukturDie Menschheit befindet sich seit Jahrtausenden in einer permanenten Katharsis, einem Reinigungsprozess. Wir sind damit beschäftigt, unsere archaisch-primitiven Gewohnheiten zu überwinden, indem wir sie ausleben. Davon wissen wie jedoch nichts. Denn die Menschheit kann ihr Verhalten nicht aufgrund von Erkenntnis ändern, denn sie besitzt kein Bewusstsein. Wäre es so, würde sie sich anders verhalten. Nur als Einzelwesen können wir das – und das auch nicht immer! Unser tierisches Erbe zwingt uns nach wie vor, uns gegenseitig umzubringen, zu betrügen, auszurauben oder andere schlimme Dinge anzutun. Nicht alle verhalten sich so – vielleicht noch nicht einmal die Mehrheit – doch die es tun, beeinflussen oder bestimmen das allgemeine moralische Klima in den Gesellschaften. Wir gestalten unserer Leben oft nur dann friedlich, wenn die Umstände es erlauben.

Erst wenn uns die Entwicklung der Menschheit wichtiger ist, als unsere persönlichen Vorteile, werden wir unser Verhalten ändern.

Das bedeutet: Wir müssen erkennen, dass der Nachteil anderer Menschen nicht unser Vorteil, sondern auch unser Nachteil ist. Diese Erkenntnis ist zum gegenwärtigen Entwicklungsstand der Spezies Mensch nur einzelnen möglich, denn unsere archaischen Wesensanteile sind noch sehr hoch und beeinflussen unser Handeln und Denken mehr, als uns bewusst ist.
Eine dunkle Struktur wie eine leuchtende Gaswolke im AllKonkurrenzdenken und Überlebenswille (der die Fortpflanzung mit einschließt) sind die hauptsächlichen Beweggründe für unser alltägliches Handeln. Überlebenswille ist ein natürlicher Trieb. Allerdings leben wir ihn zu Teilen immer noch so aus, wie einen Überlebenskampf in einer lebensfeindlichen Umwelt. Doch die ist längst nicht mehr so, wie zu prähistorischen Zeiten. In der Regel gibt es keine wilden Raubtiere mehr, mit denen wir unseren Lebensraum teilen müssen. Wetter und Klima sind keine unberechenbaren Variablen mehr, die unseren Lebensraum jederzeit zerstören können. Ausnahmen gibt es natürlich schon (Flutkatastrophen, Erdbeben, Stürme etc.), doch die sind relativ selten und manchmal auch auf Nachlässigkeit zurückzuführen (beispielsweise Flussbegradigungen). Und um Nahrung müssen wir auch nicht mehr so unerbittlich konkurrieren, wie es früher oft der Fall war.

Organismus Menschheit

Eine schwarz-rote, glänzende Struktur, wie PaprikaschotenTrotzdem verhalten wir uns oft so, als wäre die Welt eine, in der nur der überlebt, der stärker, raffinierter, listiger oder kaltblütiger ist. Doch um zu überleben, ist Konkurrenzkampf heutzutage nicht mehr nötig. Das haben wir noch nicht verstanden. Wir brauchen nicht mehr um die gleichen Ressourcen, Nahrungsquellen oder Territorien streiten. Wir können teilen. Wir sind zwar vernunftbegabte Wesen, doch wären wir das wirklich alle, wüssten wir, dass es keinen Grund mehr gibt, uns so zu verhalten, wie unsere tierischen Gene es uns vielleicht befehlen. Das ist natürlich nur eine Hypothese oder Vermutung. Sie kann jedoch erklären, warum unser Verhalten zum Teil noch das von Steinzeitmenschen ist, die allerdings über moderne Waffen und Technik verfügen.
Die Menschheit deshalb als unverbesserlich oder krank zu verurteilen, wäre übereilt. Wir können davon ausgehen, dass der »Organismus Menschheit« sein Bestes gibt. Wir haben es allerdings nicht leicht, denn als Menschheit sind wir moralisch und ethisch ziemlich inhomogen. Es gibt friedliche und aggressive, dumme und kluge, bösartige und gutartige Menschen. Doch die aggressiven, korrupten, gleichgültigen oder machthungrigen drängen sich oft in den Vordergrund, indem sie ihre friedlichen, ehrlichen oder kreativen Konkurrenten mit unfairen Mitteln übervorteilen. Deshalb sind viele Positionen in Politik und Wirtschaft von Menschen besetzt, die für diese Aufgaben eigentlich ungeeignet sind.
Als fairer, ehrlicher und freundlicher Mensch kann man sich in dieser Welt gegen Unehrlichkeit und Verschlagenheit nur durchsetzen, wenn man selbst unehrlich und verschlagen ist. Doch damit korrumpiert der ehrliche Mensch sich und wird zum Heuchler.

Selbstbezogene Machtmenschen haben es hingegen leicht sich durchzusetzen, denn ihnen ist es egal, Heuchler zu sein, selbst wenn die Allgemeinheit das weiß.

Solange es gerichtlich nicht bewiesen werden kann bzw. keine strafrechtliche Relevanz besitzt, stört es sie nicht. Sie behaupten offiziell, sich für das Wohl der Gesellschaft oder der Menschen einzusetzen. Wir glauben ihnen das meistens zwar nicht wirklich, sind aber genötigt, es formell zu tun oder uns damit abzufinden, da das Gegenteil nicht beweisbar ist. Das ist ein zusätzlicher Faktor, der die Weiterentwicklung der Gesellschaften und der Menschheit zu einem so schwierigen und zähen Prozess macht.

Organismus Menschheit


Destruktive Seite der Menschheit

Eine gelb-orangene zerrissene Struktur mit Schlieren undDie Menschheit hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Mit den Schwächen müssen wir leben, solange wir sie nicht transzendiert haben. Und nur eine Transzendierung kann die Menschheit auf eine höhere Bewusstseinsebene heben. Wir können die negativen Seiten des Organismus Menschheit nicht abschaffen oder wegzüchten. Die Menschheit kann nicht zum Guten oder zur Friedlichkeit erzogen werden. Das wurde schon oft versucht, doch funktioniert hat es nie. Wir können uns zwar friedliches und freundliches Verhalten antrainieren, doch das alleine reicht nicht. Denn solange Friedlichkeit und Freundlichkeit nur Optionen sind, die wir wahrnehmen können oder auch nicht, ist das Problem nicht gelöst.

Wir können unsere destruktive Seite nicht direkt bekämpfen, denn dabei müssten wir Methoden anwenden, die zwangsläufig der destruktiven Seite angehören.

Angenommen, wir würden alle Menschen, die einen korrupten Charakter zu besitzen scheinen, daran hindern, öffentliche Ämter zu bekleiden. Höchstwahrscheinlich würden wir dann auch ehrliche Menschen ausschließen, denn Irrtümer gibt es immer. Wir würden glauben, Gutes zu tun, in Wirklichkeit täten wir das Gegenteil, ohne es zu merken. Damit würden wir das Übel, das wir zu bekämpfen glauben, unbemerkt fördern und kämen uns dabei auch noch fortschrittlich vor.

Machtmissbrauch und Manipulator

Denn wir dürfen nicht vergessen: Wir sind fast alle (auf unterschiedliche Arten) emotional korrupt und missbrauchen im Alltag und im Beruf unsere Macht und Möglichkeiten. Wir manipulieren uns selbst und andere, ohne es richtig zu wissen. Eltern missbrauchen oft ihre Macht gegenüber ihren Kindern, Lehrer die Macht gegenüber ihren Schülern, Vorgesetzte die Macht gegenüber ihren Untergebenen und Tierhalter die Macht gegenüber ihren Tieren. Wir tun es auf unterschiedliche Weisen, subtil oder offensichtlich, in unterschiedlichen Graden sowie auf unterschiedlichen Gebieten – aber wir tun es!
Eine bunte Struktur, zerrissen mit vielen Furchen und LinienPolitiker, Beamte, Manager und Bankiers schaden mit ihrem Machtmissbrauch der Allgemeinheit. Der Machtmissbrauch, der in Familien, unter Freunden oder Arbeitskollegen stattfindet, richtet nur vereinzelt Schaden an, doch da er in Millionen Fällen geschieht und Millionen Individuen davon betroffen sind, ist auch er groß, vielleicht sogar der größere. Und global sind es Milliarden Menschen, die aufgrund von Machtmissbrauch psychisch und physisch geschädigt sind und dadurch selbst zum Machtmissbrauch animiert oder genötigt werden. Aus dieser Masse der psychisch und sozial geschädigten Menschen rekrutieren sich unsere Manager und Politiker, welche die Wirtschaft und Politik gestalten.

Wir alle sind von der Widersprüchlichkeit des gesellschaftlichen Lebens korrumpiert, oft bereits von Kindheit an.

Das wissen wir meistens und haben uns damit abgefunden und anrangiert. „So ist das Leben nun mal“, verteidigen wir unsere Gleichgültigkeit achselzuckend und gehen zur Tagesordnung über. Wir finden es normal, manipuliert zu werden und selbst zu manipulieren. Wir denken, Gewalt, Manipulation, Betrug und Hinterlist sind natürliche und normale Bestandteile des Lebens und halten die Vorstellung einer gewaltfreien und freundlichen Welt für unrealistisch oder utopisch, manchmal sogar für falsch, denn für viele scheint das Leben ein einziger Kampf zu sein.

Ende der Jugend

Eine grau-schwarz-nebelige Struktur, hinter der ein Licht durchscheintDiese Einstellung spiegelt unsere unreife Beziehung zum Menschsein selbst wider. Uns ist nicht bewusst, dass die Menschheit ein Organismus ist, der sich entwickelt. Noch ist er relativ primitiv und befindet sich augenblicklich am Ende seiner „Jugend“. Seine Kindheit hat er zwar hinter sich, erwachsen ist er deshalb aber nicht. Doch wie es bei Jugendlichen oft der Fall ist: Weil sie keine Kinder mehr sind, fühlen sie sich erwachsen.
Wir sollten das bedenken, wenn wir über die Menschheit urteilen, denn es ist wenig sinnvoll, ihr ein Verhalten abzuverlangen, zu dem sie aus evolutionärer Sicht noch gar nicht fähig sein kann. Als Einzelwesen können wir sehr reif und weise sein – unabhängig von unserem Alter! Doch als Menschheit sind wir wenig mehr als ein pubertierender Jugendlicher, der das Ende seiner Trotzphase durchlebt. Dass also die Menschheit noch nicht fähig ist, sich als Ganzes friedlich und freundlich zu verhalten, braucht uns nicht zu verunsichern, beschämen oder ängstigen, denn die Entwicklung der Menschheit folgt ihrem natürlichen Verlauf und ist noch längst nicht beendet.

Archaische Gewohnheiten


Pseudomoderne Zeiten

Eine rot-grün-gelbe Struktur, ineinander verwoben.Unser Zeitalter nennen wir das Zeitalter der Aufklärung und Moderne, inzwischen auch das Atom- oder Computerzeitalter oder Anthropozän (Zeitalter des modernen Menschen). Wir glauben, die Primitivität des Mittelalters weit hinter uns gelassen zu haben. Trotzdem ist unser Leben in vielen Bereichen von mittelalterlichen und sogar archaischen Traditionen und Strukturen durchdrungen. Diesen Umstand nehmen wir kaum wahr.
Die bedeutendste aus Vorzeiten überlieferte Tradition ist die Religion. Es gibt praktisch kein Land, das nicht religiös geprägt ist, obwohl der Glaube an einen Gott in den Staaten und Kulturen unterschiedlich ausgeprägt ist. Religion ist eine globale Tradition und betrifft die gesamte Menschheit.
Sie reflektiert ausschließlich archaisches Denken und Assoziieren – was uns selten bewusst ist. Es gibt keine Religion, die in moderner Zeit entstanden ist. Die Scientology bezeichnet sich selbst zwar als Religion, doch das ist nur ein Trick, mit dem die Gewerbesteuer umgangen wird. Wird doch einmal in moderner Zeit eine neue Religion gegründet, handelt es sich um eine Sekte, also einen Ableger einer bereits bestehenden, traditionellen Religion.

Die Entstehung des Phänomens des religiösen Glaubens wurzelt in der Angst unserer archaischen Vorfahren vor den Naturgewalten.

Eine Ausnahme bildet der Buddhismus. Er ist eher eine Philosophie als eine Religion. Allerdings wird er oft nicht viel anders praktiziert, als der Glaube an einen Schöpfergott. Das ist sehr schade.
Die drei großen Buchreligionen sind deshalb das Ergebnis der über Jahrtausende hinweg stattgefundenen Sublimierung unserer archaischen Ängste. Diese müssen wir als moderne Menschen überwinden und zum Teil ist uns das schon gelungen. An ihren Produkten (dem Glauben an Gott Co.) halten wir jedoch weiterhin fest, obwohl wir es besser wissen könnten. Unsere archaischen Ängste haben sich inzwischen in unser Unterbewusstsein zurückgezogen (beispielsweise die Angst, im Dunkeln angesprungen zu werden), dafür wird unser Tagesbewusstsein heute mehr und mehr von modernen Existenzängsten beherrscht (Arbeitsplatzverlust und Ähnliches).

Nicht wirklich modern

Das zeigt, wir sind nicht wirklich die modernen, aufgeklärten Menschen, für die wir uns halten. Denn solche richten ihr Leben nicht nach dem aus, was andere niedergeschrieben haben und erst recht nicht, wenn diese Schriften schon Jahrtausende alt sind. Moderne Menschen wissen, die Niederschriften unserer archaischen Vorfahren sind ausnahmslos Mythen und überzogene Dichtungen, geboren aus einer Kombination aus Unwissenheit und Angst.

Modern an unserem Zeitalter ist hauptsächlich unsere Technik. Wir fliegen zum Mond, kreieren im Computer virtuelle Welten, können mit einer einzigen Bombe eine Großstadt in Schutt und Asche legen und bringen theoretisch die gesamte Weltliteratur auf ein paar Quadratzentimetern unter. Doch unsere Moral und Ethik unterscheidet sich nur geringfügig von der unserer archaischen oder mittelalterlichen Vorfahren.

Eine rot-gelbe Struktur, wie eine auseinander gerissene Figur Sicherlich haben wir uns seit der Steinzeit ethisch weiterentwickelt, jedoch nicht in dem Maß, wie wir es uns gerne suggerieren. Wir führen immer noch Kriege – genau wie unsere archaischen Vorfahren. Allerdings sind unsere bewaffneten Konflikte jetzt 1000 Mal zerstörerischer – das ist kein Fortschritt, sondern ein Armutszeugnis! Wir betrügen, rauben, vergewaltigen und missbrauchen – genau wie unsere archaischen Vorfahren. Wir sind kaum weniger gewalttätig als ein durchschnittlicher Steinzeitmensch oder ein Kreuzritter, der im Namen seines Gottes andere Menschen abschlachtet – obwohl wir uns als aufgeklärte Menschen verstehen.
Manche Philosophen und Historiker behaupten, Kriege gehören zum menschlichen Dasein dazu. Ohne sie würden die Zivilisationen sich nicht weiterentwickeln. Sie wären ein wichtiger Fortschrittsbeschleuniger in Technik und Kultur. Möglicherweise stimmt das ja, doch das bedeutet nicht, dass es so bleiben muss. Auch hier gilt: Was für unsere Vergangenheit sinnvoll war, kann für unsere Zukunft schädlich sein. Jedes Werkzeug verliert irgendwann seine Nützlichkeit und wird durch ein besseres ersetzt. Und so ist es auch mit Methoden, Funktionen oder Prinzipien. Krieg war in der Vergangenheit ein Beschleunigungsfaktor unserer Entwicklung, weil wir zur kreativen Konfliktlösung nicht fähig waren.

Krieg beziehungsweise Destruktivität ist die primitivste aller Konfliktlösungsmethoden. Sie wird schon seit der Steinzeit angewandt. Nur unsere Waffen haben sich im Laufe der Jahrtausende weiterentwickelt, doch das Prinzip des Krieges ist heute noch das gleiche wie von 5000 Jahren: Wir töten unsere Konkurrenten, anstatt uns mit ihnen irgendwie zu einigen!

Um Krieg zu führen, sind auch keine besonderen Fähigkeiten nötig. Die wichtigsten Eigenschaften, die ein Krieger oder Soldat besitzen muss, sind Skrupellosigkeit und Gleichgültigkeit. Doch streng genommen sind das keine Eigenschaften, sondern Unfähigkeiten: die Unfähigkeit zum Mitgefühl. Mitgefühl und Empathie sind außergewöhnlich wichtig für die Zukunft der Menschheit. Gelingt es uns nicht, in den nächsten hundert Jahren unsere durchschnittliche Empathiefähigkeit signifikant zu erhöhen, wird die Welt der Zukunft wahrscheinlich eine Welt des globalen Elends sein.

Ende der großen Katharsis

Eine grün-gelbe Struktur mit einem weißen Loch, ähnlich einem hellen Fenster.Unsere technischen Fortschritte dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns als Menschheit noch in der gleichen Entwicklungsphase befinden, wie vor 2000 oder 3000 Jahren. Außerdem: Das, was heute als fortschrittlich gilt, wird in Tausend Jahren primitiv sein.
Möglicherweise findet diese Phase, die „große Katharsis“, in den nächsten Jahrhunderten ihr Ende. Wir können uns schließlich nicht ewig bekriegen, ausrauben oder übervorteilen. Die Pessimisten gehen davon aus, dass dieses Ende von einem letzten, großen Krieg eingeleitet wird, einem globalen Atomkrieg. In diesem Szenario vernichtet die Menschheit sich fast komplett selbst und aus der sprichwörtlichen Asche erhebt sie sich neu, geläutert und weiser als zuvor. Die Optimisten glauben an einen Bewusstseinssprung (auch Quantensprung genannt), der mehr oder weniger die gesamte Menschheit erfasst und reifer werden lässt. Welches der beiden Szenarien zutreffen wird, kann allerdings niemand sagen. Eventuell sind beide falsch und die Menschheitsgeschichte verläuft anders, als wir es voraussehen können. Das wäre nicht verwunderlich, denn oft entwickeln die Dinge sich nicht so, wie wir es erwarten.
Im Prinzip ist also alles noch offen. Klar ist nur: Wir müssen uns ändern. Gelingt uns das nicht, könnten die Pessimisten recht behalten – doch das müssen wir uns nicht antun.
Die Lösung des Problems: Wir müssen unsere Möglichkeiten endlich wahrnehmen und erkennen, dass die Welt nur deshalb ein Ort der Kriege, des Elends, der Armut und des Hungers ist, weil wir sie dazu machen. Denn wir verstehen uns nach wie vor nicht als Erdenbürger, sondern als Deutsche, Geschäftsmänner, Familienmitglieder oder Konkurrenten. Mit dieser Mentalität haben wir die Welt der Vergangenheit gestaltet, zur Gestaltung einer zukünftigen, globalen Welt ist sie jedoch vollkommen ungeeignet. Bevor wir unser Verhalten dauerhaft ändern können, müssen wir das verstehen lernen.

Überwindung der archaische Gewohnheiten


Angst und Traumatisierung

Ein Frosch starrt wie hypnotisiert den Mond an.Fast alles Elend in der Welt ist auf unsere Abneigung gegen das Teilen zurückzuführen. Unsere Angst, zu kurz zu kommen, zwingt uns Schätze und Vorräte anzuhäufen, die wir realistisch betrachtet niemals verbrauchen können. Wir sind traumatisiert und leiden unter der ständigen Angst, nicht genug zu haben. Möglicherweise ist dieser Trieb zur übermäßigen Anhäufung von Vorräten ein Erbe unserer archaischen Vergangenheit, eine genetische Disposition, von der die gesamte Menschheit betroffen ist. Damals war es tatsächlich sinnvoll, mehr Vorräte als nötigt zu besitzen, denn wir wussten nie, was das nächste Jahr bringt. Wir konnten auf die Bedürfnisse fremder Menschen keine Rücksicht nehmen, denn es war schon schwierig genug, das eigene Überleben zu sichern.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Wir sind dem Willkürcharakter der Natur weitestgehend nicht mehr ausgeliefert, wie noch im Mittelalter, in der Steinzeit oder zu prähistorischen Zeiten. Denn wir können heute unsere Umwelt gestalten und haben großen Einfluss auf unsere Ernteerträge. Wir haben die Möglichkeit, Überflüsse der einen Region an andere mit Unterversorgung weiterzuleiten. In keinem Land der Erde müssten heute noch Menschen hungern oder im Elend leben, während in anderen Teilen Überfluss herrscht. Ist so etwas der Fall, dann nur, weil wir es zulassen. Die reichen Länder könnten ihre Überschüsse problemlos an die armen weiterleiten, ohne darunter zu leiden, denn diese Lebensmittel werden in der Regel sowieso vernichtet (aus marktpolitischen Gründen) – was nebenbei gesagt auch noch Geld kostet. Anstatt Geld zur Lebensmittelvernichtung auszugeben, könnten wir es nutzen, um unsere überflüssigen Lebensmittel dorthin zu bringen, wo sie dringen gebraucht werden. Doch das interessiert uns nicht, denn damit lässt sich nichts verdienen. Das wissen wir zwar, sprechen es aber nicht aus. Stattdessen behaupten wir, das Verschenken von Lebensmitteln an arme Länder ist aus logistischen Gründen nicht möglich oder würde an internationalen Ausfuhrbestimmungen oder ähnlichen Hemmnissen scheitern. Das ist natürlich eine Ausrede, denn wenn wir wirklich wollten, fänden wir Wege – selbst wenn es schwierig ist. Doch wir tun es nicht, weil uns die Menschen anderer Länder egal sind. Außerdem mögen wir die Vorstellung nicht, andere „durchzufüttern“. Es kommt noch schlimmer: Viele der Missstände in Ländern der sogenannten Dritten Welt sind direkt oder indirekt auf die Wirtschaftspolitik der westlichen Staaten und unser Konsumverhalten zurückzuführen. Das wissen wir mehr oder weniger alle. Die westlichen, reichen Industriestaaten toben sich auf dem Rücken der armen Länder aus, die sich das gefallen lassen müssen, denn sie können sich gegen die dreisten Übergriffe der transnationalen Konzerne nicht wehren.

Ausbeutung der sog. Dritten Welt

Eine braun-goldene gemusterte Fläche mit einer ledernen StrukturWir lassen in Ländern der Dritten Welt T-Shirts, Hosen oder andere Verbrauchsgüter produzieren, denn die Lohnkosten sind dort so niedrig, dass sie ohne Bedeutung sind. Wir wissen, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Ländern von ihren Hungerlöhnen nicht leben können und die dort herrschenden Arbeitsbedingungen menschenunwürdig sind. Wir tun aber so, als läge das nicht in unserer Verantwortung. Die Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Staaten ist jedoch nur deshalb so katastrophal, weil unser Konsum der dort hergestellten Produkte dieses System der Ausbeutung möglich macht. Würden wir uns weigern diese Produkte zu kaufen, würde dieses Modell der modernen Sklaverei sich nicht halten können. Dann hätten wir vielleicht weniger Klamotten in unseren Schränken, aber immer noch genug.

Gleichgültigkeit

Ein Muster mit Linien und Flächen, wie ein gestricktes TextilEin weiteres augenfälliges Merkmal unserer mangelhaften Empathiefähigkeit sind unsere Waffenexporte an despotische Regierungen. Wir wissen, dass dort mit diesen Waffen die Bevölkerung brutal unterdrücken wird. Doch unsere verantwortlichen Regierungsmitglieder, die diese Exporte genehmigen, haben auch hier eine Ausrede parat: Es kann nicht bewiesen werden, dass mit exakt diesen Waffen die Bevölkerung unterdrückt wird. Die despotischen Regierungen würden dazu andere benutzen. Würden wir diese Waffen dorthin nicht verkaufen, würde das an der Situation der Bevölkerung dort nichts ändern, wird behauten. Eine solche Argumentation ist ziemlich zynisch und zeigt, die Menschen anderer Länder sind uns völlig egal, solange die Geschäfte gut gehen.
Unser mangelhaftes bis überhaupt nicht vorhandenes Interesse an der Situation anderer ist größtenteils für all das verantwortlich. Das Leben andere Menschen interessiert uns, wenn wir davon profitieren. Das bedeutet: Unser Interesse für die Belange anderer ist meistens vorgetäuscht, es dient uns zur persönlichen Vorteilssicherung. Wir benutzen andere Menschen und deren Situation für unsere eigenen egoistischen Ziele und sind dabei sehr geschickt, diese Tatsache zu verbergen. Wir gaukeln Anteilnahme vor, in Wirklichkeit ist es Geschäftstüchtigkeit. Das ist die Strategie, mit der wir seit Jahrtausenden erfolgreich sind. Doch wie bereits erwähnt, wird sie nicht geeignet sein, die Zukunft der Menschheit zu gestalten.
Noch sind wir gewohnheitsmäßig davon überzeugt, dass die Menschheit nur im Konkurrenzkampf eine Chance hat. Dieser Glaube lebt von der Angst übervorteilt zu werden, von der Angst zu kurz zu kommen. Wir wollen Freundschaft, ohne dabei unseren persönlichen Vorteil aufs Spiel zu setzen. Unsere Freundschaften, besonders die internationalen, sind Partnerschaften, Allianzen oder Föderationen, die an ein gemeinsames Interesse gebunden sind. Sobald dieses Interesse einseitig oder beidseitig erlischt, endet die sogenannte Freundschaft ebenfalls. Sie ist bloß ein Mittel zum Zweck. Diese Einstellung stammt aus der Vergangenheit und deshalb müssen wir sie überwinden. Denn alles, was der Vergangenheit angehört, können wir in unserer Zukunft nicht gebrauchen, würde sogar hinderlich sein. Solange wir das nicht verstehen, werden wir als Menschheit keine brauchbare Zukunft haben.